Rezension: Constance (PC)

Während ihrer Flucht aus einer Traumwelt, muss die Titelheldin in Constance ihre Traumata verarbeiten.
Als Metroidvania mit schön gezeichneter Grafik, ist Constance schon vor der Veröffentlichung am 24. November 2025 als eindeutiger Hollow Knight: Silksong-Konkurrent aus Deutschland bezeichnet worden. Zumindest beim Gameplay passt der Vergleich teilweise. Allerdings mischt Constance den bekannten Metroidvania-Spielablauf mit Adventure-Elementen und einer interessanten, emotionalen und motivierenden Geschichte, die abseits der audiovisuellen Präsentation die größte Stärke des kleinen Indie-Spiels von ist. So verarbeitet die Hauptfigur, nach der Constance benannt ist, auf ihrem Abenteuer in einer fremden Traumwelt, ihre Traumata. Entsprechend erwartet euch trotz der malerischen Grafik kein Wohlfühl-Spiel. Vielmehr werdet ihr mit Depressionen, Burnout und Angststörungen konfrontiert. Doch keine Sorge: Trotz der ernsten Themen, die sehr gut genutzt werden, ist Constance kein durchweg düsteres oder beklemmendes Spiel. Dafür lädt das Erkunden der abwechslungsreichen Gebiete zu sehr zum Versinken in der märchenhaften Atmosphäre ein.
Suche nach einem Heimweg
Zu Beginn von Constance erwacht die Titelheldin in einer ihr unbekannten Welt. Hier muss sie sich zurechtfinden, hüpfend Hindernisse und Abgründe überqueren, bis sie schließlich nach kurzer Zeit die mysteriöse Frida trifft. Diese scheint Constance helfen zu wollen, schließlich erhält die Hauptfigur von ihr einen großen Pinsel. Die passende Waffe für eine Künstlerin und ein praktisches Hilfsmittel auf der Suche nach einem Weg zurück nach Hause. Mit dem großen Malwerkzeug könnt ihr fortan die sehr kreativ und vielschichtig gestalteten Gegner bekämpfen. Außerdem nutzt Constance den Pinsel, um die im Laufe des Abenteuers erlangten Fähigkeiten einzusetzen.
Wie im Metroidvania-Genre üblich sind es diese neuen Talente, die euch an zuvor nicht erreichbare Orte bringen oder euch bisher nicht passierbare Hindernisse überwinden lassen. Mittels Farbsprint wird Constance beispielsweise kurz zu Farbe und bewegt sich rasch nach vorne. Da sie währenddessen unbesiegbar ist, ist das eine gute Methode, um gefährlichen Dornen zu entgehen, größere Abgründe zu überwinden oder Gegnern auszuweichen. Der Farbstrich wiederum ermöglicht es einen stärkeren Schlag in verschiedene Richtungen einzusetzen. Nur mit dieser Attacke kann die Verderbnis kurzzeitig reduziert werden, wodurch ihr diese passieren oder in diese gehüllte Gegner bezwingen könnt. Doch Vorsicht: die Pinseltechniken verbrauchen Farbe, die sich zwar automatisch auffüllt, sollte sie aber leer sein, kostet euch jeder weitere Einsatz einer Fähigkeit Lebensenergie. Gerade in manchen Geschicklichkeitspassagen ist deshalb genaues planen unabdingbar.
Hilfreiche Inspirationen
Direkt verbessern lässt sich die Heldin über Inspirationen. Diese sind in den Leveln verborgen und gewähren passive Fähigkeiten wie Lebensenergie-Regeneration bei Treffern von Gegnern mit dem Farbstrich, erhöhte Chance auf kritische Treffer oder die Verringerung des erlittenen Schadens, wenn Gegner euch treffen. Allerdings sind die Inspirationen teilweise sehr gut versteckt und ihr müsst euch genau umsehen, um alle zu finden. Recht früh im Spiel erhaltet ihr außerdem die Möglichkeit, die Inspirationen bei einer speziellen Händlerin aufzuwerten. Dadurch werden sie noch hilfreicher und können den sowieso relativ hohen Schwierigkeitsgrad etwas senken. Angesichts fehlender Stufen, mehr als sinnvoll.
Immerhin könnt ihr den Grad der Herausforderung in den Zugänglichkeits-Einstellungen ein wenig anpassen. So lassen sich der Dornen- und Kampfschaden entweder halbieren oder sogar vollständig deaktivieren. Letzteres gilt auch für den Fluch der Fäden. Diesen könnt ihr nach einem Tod optional zum Neustart an einem Schrein wählen, um direkt im Raum, in dem ihr gescheitert seid, zurückzukehren. Allerdings werden Gegner dann stärker und Constance ist anfälliger. Angesichts der gerade bei den knackigen, aber großartig entworfenen Bossen eher kurze Laufwege von Schreinen aus, ist es glücklicherweise nur selten notwendig, den Fluch zu erleiden.
Lohnenswerte Erkundung
Außerdem sind überall in den großartig gestalteten Leveln verschiedene Geheimnisse versteckt. Ob ihr nun nach den Cousins von Händler Quip sucht oder es auf Herzteile für mehr Lebensenergie beziehungsweise Farbfläschchen für mehr Farbe, abgesehen habt, es lohnt sich jeden Raum genau zu untersuchen und im Zweifelsfall mit neu erlernten Pinseltechniken zurückzukommen. Hier setzt Constance auf eine nützliche Funktion: von dem Roboter Robert erhaltet ihr eine Kamera, mit der ihr Fotos schießen könnt. Diese werden auf der ordentlichen Karte platziert, so dass ihr Stellen sofort wiederfindet. Perfekt, falls ihr irgendwo nicht weiterkommt und später die richtige Fähigkeit dafür erhaltet. Eine Idee, die bereits Prince of Persia: The Lost Crown sehr gut umgesetzt hat und gerne in mehr Metroidvanias Verwendung finden darf.
Ganz ohne Macken ist Constance nicht. Neben der etwas zu ungenauen Karte, kann besonders die nicht immer perfekte Steuerung negativ auffallen. Daran wird sich nicht jeder stören, da gerade die Sprünge mit unterschiedlichen Höhen und Weiten, je nachdem wie lange ihr den Knopf drückt, viel Präzision ermöglicht. Allerdings gehen die anderen Fähigkeiten nicht sofort intuitiv von der Hand. Besonders bei den Bossen kann das auffallen, wenn ihr Versuch für Versuch nur aufgrund der etwas zu ungenauen Eingabe scheitert. Am grundlegenden Spielspaß ändert das aber wenig. Dafür weiß Constance mit der malerischen Optik, den schönen Animationen, dem stimmungsvollen Soundtrack, der dichten Atmosphäre und vor allem der interessanten Geschichte, zu gut zu unterhalten. Bis zum Ende, das ihr nach etwa sechs bis acht Stunden erreicht, bleibt Constance motivierend. Trotz der kleinen Schwächen, ist das Abenteuer der Künstlerin einer der Metroidvania-Geheimtipps des Jahres 2025.
Fazit
Im Gegensatz zu Hollow Knight und Hollow Knight: Silksong, die mich optisch und atmosphärisch sehr ansprechen, aber hinsichtlich Schwierigkeitsgrad und Umfang abschrecken, hat mich Constance schnell gepackt. Zu verdanken ist das vor allem der interessanten Geschichte, die einige ernste Themen wie Depressionen, Burnout, Angsstörungen und Traumata angemessen anspricht und als zentrales Element einbindet. Doch auch das Metroidvania-Gameplay hat mich trotz kleiner Schwächen wirklich motiviert. Lediglich der etwas zu hohe Schwierigkeitsgrad, den ich dank Zugänglichkeits-Einstellungen glücklicherweise zumindest etwas senken kann, hat mich anfangs ein wenig frustriert und fast dazu geführt, dass ich Constance nicht weiterspiele. Für alle, die knackige Herausforderungen suchen, sind besonders die Bosskämpfe perfekt geeignet. Dennoch bleibt es die Geschichte, die mich, gemeinsam mit der malerischen Optik und dem stimmungsvollen Soundtrack, am meisten begeistert hat. Metroidvania-Fans, die keine übermäßig lange Spielzeit brauchen und gerne eine interessante Geschichte mit ernsten Themen erleben, sind bei Constance absolut richtig. Für mich ein Geheimtipp des Jahres 2025.
Kurzfazit: Atmosphärisches Metroidvania-Adventure, das mit einer interessanten Geschichte, ernsten Themen und malerischer Optik sowie packendem Gameplay motiviert und kleine Schwächen problemlos ausgleicht. Ein Genre-Geheimtipp!
Vielen Dank an Blue Bacpack, btf Games, ByteRockers‘ Games, PARCO GAMES für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Constance!
Details
Titel: Constance
Genre: Metroidvania, Adventure
Publisher: btf, ByteRockers‘ Games, PARCO GAMES
Entwickler: Blue Backpack, btf Games
Spieler: 1
Syteme: PC (getestet)
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 24. November 2025
© Blue Backpack GmbH / btf GmbH / ByteRockers’ Games, PARCO GAMES









