Rezension: A Tithe in Blood (PC)

Studentin Honoka nutzt in A Tithe in Blood Blutmagie, um die in einer anderen Dimension gefangene Yasue zu sehen.

A Tithe in Blood erzählt eine düstere Geschichte über Liebe und verbindet diese mit Mysterien der Welt, Magie und ernsten Themen. Dabei setzt Studio Élan wie bei vorherigen Visual Novels wie Highway Blossom, Heart of the Woods oder Please Be Happy auf Yuri- beziehungsweise Girls-Love-Elemente. Kurz vor Beginn von A Tithe in Blood hat die zwanzigjährige Studentin Honoka Asakawa ihre Eltern verloren. Seit dem lebt sie alleine im Haus der Familie. Freunde hat sie ebenfalls keine und auch in der Universität bleibt sie alleine. Aber sie hat ein Geheimnis. Honoka nutzt Blutmagie, eine Magieart, die auch Nicht-Magiern das Wirken von Zaubern ermöglicht, um in eine Dimension der Vergangenheit zu reisen. Hier findet sie sich im Sapporo der Meiji-Zeit wieder und trifft die dort gefangene Magierin Yasue. Als erste Person seit einem Jahrhundert, die von Außen kommt, weckt Honoka das Interesse von Yasue und langsam kommen sich die beiden über ihren Schmerz und ihre Trauer näher.

Düstere Magie

Vor dem Start warnt A Tithe in Blood davor, dass die Visual Novel Elemente wie Selbstverletzung, Gewalt, Blut und Selbstmordgedanken beinhaltet. Das fällt relativ früh auf, da Honoka ihr eigenes Blut opfert, um Blutmagie zu wirken und in die Welt von Yasue zu reisen. Das setzt ihr sichtlich zu, während sie gleichzeitig immer mehr den Wunsch hegt bei Yasue zu bleiben oder diese irgendwie aus der Dimension, in die sie einst verbannt wurde, zu befreien. Der erste Akt von A Tithe in Blood erzählt auf mitreißende, bewegende und gefühlvolle Weise die Geschichte der beiden ungleichen Frauen, die eine enge Beziehung aufbauen. Dabei wird sowohl die Selbstverletzung von Honoka optisch dargestellt als auch ihre immer düsteren Gedanken textlich verdeutlicht. Gleichzeitig zeigt sich eine erstklassige Charaktervorstellung und -entwicklung. Honoka und Yasue sind großartig geschrieben, weshalb es umso leichter fällt mit ihnen zu fühlen und ihren Schmerz nachzuempfinden. Hier beweist A Tithe in Blood, wie natürlich, fließend und nah an Romanen Visual Novels sein können.

Allerdings wandelt sich die Erzählweise mit dem zweiten Akt. Das ist gleichermaßen positiv und negativ. Zwar soll hier nicht zu viel gespoilert werden, dennoch ist es für die Bewertung der Visual Novel essentiell zu erwähnen, dass die Perspektive von Honoka zur bereits zuvor vorgestellten Shino Kikuchi wechselt. Shino ist Angestellte in der Universitätsbibliothek und nimmt eine kleine, aber wichtige Nebenrolle im ersten Akt ein. Akt zwei widmet sich den bekannten Ereignissen aus Shinos Perspektive und ergänzt diese um einige zusätzliche Szenen. Das ist nicht unwichtig und trägt viel zur Geschichte bei, verleiht dieser sogar mehr Tiefe. Gleichzeitig profitieren vorherige Nebenfiguren wie Shino oder Kaoru spürbar davon. Es ist jedoch bedauerlich, dass Honoka und Yasue etwas zu stark in den Hintergrund rücken, auch wenn ihre Geschichte weiterhin zentral für die Handlung bleibt.

Erzählerische Schwächen

Leider schafft es A Tithe in Blood nicht ganz die im ersten Akt gezeigte Qualität wieder zu erreichen. Das ist auch dem teilweise etwas gehetzt wirkenden Tempo sowie einigen Action-Szenen zu verdanken. Am vielleicht schwerwiegendsten wirkt sich jedoch ein etwas zu blasser, aber wichtiger Charakter aus. Das führt dazu, dass manche Wendung an Wirkung verliert. Immerhin zieht A Tithe in Blood zum Ende noch einmal an und schafft es schließlich ein gelungenes Ende zu finden. Dennoch bleibt bedauerlich, dass die hohe Qualität mit der die Visual Novel beginnt nicht durchgehend gehalten werden kann. Trotzdem fesselt die Geschichte und sorgt mit den ernsten Themen für einige beklemmende wie bewegende Momente. Besonders Honokas Trauer und eindeutig belastete Psyche sowie Yasues Schmerz gehen nah und tragen viel dazu bei, dass A Tithe in Blood bis zum Ende fesselt und ausreichend motiviert, um weiterzulesen.

Optisch glänzt A Tithe in Blood mit wunderschönen Zeichnungen. Detailreiche Hintergründe, die das winterliche Sapporo der Gegenwart hervorragend einfangen und gleichzeitig einen interessanten Kontrast zum sommerlichen Sapporo der Vergangenheit darstellen, tragen viel zur dichten Atmosphäre bei. Selbiges gilt für die schönen Charaktermodelle, die mit leichten Animationen zum Leben erweckt werden und dadurch vor allem die Gefühle und Reaktionen der Figuren hervorheben. Aufwendige Event-Bilder heben bestimmte Szenen besonders hervor und unterstreichen die optisch herausragende Präsentation. Genauso gelungen ist die vielschichtige Musikuntermalung. Von ruhigen über sanfte bis hin zu treibenden und psychedelischen Klängen, wird viel Abwechslung geboten. Dazu trägt auch die erstklassige Soundkulisse viel bei. Kleine Geräusche wie der Klang von Schritten im Schnee oder das Klimpern kleiner Glöckchen sorgen dafür, dass die Atmosphäre noch dichter erscheint. Selbiges ist auch der sehr guten japanischen Sprachausgabe zu verdanken. Sämtliche Dialoge sind vertont, während die unter anderem auf englisch vorliegenden Texte die Geschichte stimmungsvoll wiedergeben.

Fazit

Als neue Visual Novel von Studio Élan, hat A Tithe in Blood nicht nur mit der wunderschönen Optik, sondern auch mit der Geschichte mein Interesse geweckt. Schon nach wenigen Minuten, hat mich die Visual Novel gefesselt und mit ihrer düsteren und doch bodenständigen Tonalität nicht mehr losgelassen. Dabei setzt A Tithe in Blood auf einige ernste Themen wie Selbstverletzung oder Selbstmordgedanken. Beides ist gut in die Geschichte eingeflochten und trägt maßgeblich zur Handlung und den Charaktere bei. Besonders Honoka und Yasue haben mich schnell überzeugt und ich war wirklich an ihrem Schicksal interessiert. Umso bedauerlicher ist es, dass A Tithe in Blood mit der Zeit ein wenig an Qualität einbüßt. Das ist nicht dem Perspektivwechsel geschuldet. Vielmehr habe ich diesen neugierig und hoffnungsvoll wahrgenommen, aber die Geschichte verliert aufgrund einiger unnötiger und seltsamer Abschnitte an Qualität. Glücklicherweise geht das nicht zu Lasten der vorwiegend gut geschriebenen Charaktere und auch die Visual Novel selbst bleibt trotz allem interessant. Deshalb kann A Tithe in Blood auch bis zum Ende motivieren und fesseln. Genre-Fans, die kein Problem mit Themen wie Selbstverletzung oder Selbstmordgedanken haben, sollten A Tithe in Blood eine Chance geben.

Kurzfazit: Düstere, gefühlvolle und fesselnde Mystery-Girls-Love-Visual-Novel, die mit ernsten Themen eine packende Geschichte mit gut geschriebenen Charakteren, aber kleineren Storyschwächen erzählt.

Vielen Dank an Studio Élan für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von A Tithe in Blood!

Details
Titel: A Tithe in Blood
Genre: Visual Novel
Publisher: Studio Élan, CIRCLE LINE GAMES
Entwickler: Studio Élan
Spieler: 1
Syteme: PC (getestet)
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 16. Juni 2025