Rezension: H.P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten (Manga)
In H. P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten jagt ein Mann einer Traumstadt nach, Katzen verschwinden aus Ulthar und ein Hohepriester will die Götter sehen.
Seit Kuranes in seiner Kindheit die Stadt Celephaï im Tal Ooth Nargai hinter den tanarischen Bergen in den Traumlanden gesehen hat, will er dorthin zurückkehren. Die Realität erscheint ihm Angesichts der Schönheit von Celephaïs trist und grausam. Sein gesamtes Geld investiert er, um im Schlaf und seinen Träumen einen Weg zurück nach Celephaïs zu finden. In Ulthar existiert ein Gesetz, das das Töten von Katzen verbietet. Dieses basiert auf geheimnisvollen und schrecklichen Ereignissen, deren Zeuge der Junge Atal einst wurde. Als Priester betet Atal Jahre später täglich zu den alten Göttern der Erde. Jene, die sich einst auf die eisigen Spitzen der Berge zurückgezogen haben, weil ihnen die Menschen zu nah kamen. Atals Lehrer, der Hohepriester Bazai, ist entschlossen, die von ihm verehrten Götter selbst zu sehen. Wenn die Wolken den Mond bedecken, sollen sie auf den Berg Hatheg-Kal zurückkehren. Dort begegnet Bazai und seinem Schüler Atal jedoch weit mehr als ihre Götter der Erde.
Atmosphärische Geschichten
Für H. P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten, adaptiert Mangaka Gou Tanabe neben der titelgebenden Kurzgeschichte auch die beiden Erzählungen Celephaïs und Die anderen Götter. Gewohnt stimmungsvoll setzen die sehr unterschiedlichen und sich doch in ihrer Tonalität ähnelnden Kurzgeschichten auf eine mitreißende Inszenierung, die maßgeblich den atmosphärischen Schwarzweiß-Zeichnungen Gou Tanabes zu verdanken ist. Als erstes widmet sich der Mystery- und Horror-Manga der Geschichte Celephaïs. Darin versucht ein einst wohlhabender britischer Adliger in seinen Träumen, eine Stadt wiederzufinden. Wie besessen widmet sich Kuranes ausschließlich der Suche nach Celephaïs. An der Realität hat er kein Interesse und so taucht er immer weiter in die Traumlande ein, entdeckt schauriges und erschreckendes. Wie gewohnt ist der Horror eher subtil, deswegen aber nicht weniger gruselig, zumal sehr gut dargestellt wird, wohin Besessenheit führen kann.
Anschließend folgt Die Katzen von Ulthar, die erschreckend und grausam mit einem seltsamen, älteren Ehepaar, das am Rand von Ulthar lebt, beginnt. Dieses hat in der Stadt einen zweifelhaften Ruf und steht im Verdacht, Katzen zu fangen und zu töten. Dabei ist Ulthar von zahlreichen der Tiere bevölkert und viele Bewohner halten sie als Haustiere. Letztlich erzählt Die Katzen von Ulthar davon, wie das Gesetz zum Verbot des Tötens von Katzen in Ulthar entstanden ist. Erneut setzt die Geschichte auf subtilen Horror in Einklang mit mysteriösen Ereignissen. Überaus stimmungsvoll erzählt, fesselt Die Katzen von Ulthar und verbreitet eine eigene Art des Schreckens.
Interessant ist, dass Atal, der in Die Katzen von Ulthar die wichtige Rolle der Hauptfigur einnimmt, auch in der abschließenden Kurzgeschichte Die anderen Götter als zentraler Charakter auftritt. Etwas älter, widmet sich Atal täglich dem Gebet zu den Göttern der Erde und den Studien bei seinem Lehrmeister, dem Hohepriester Bazai. Dieser ist entschlossen, den Göttern der Erde selbst zu begegnen. Das soll auf dem Berg Hatheg-Kal, auf dem die Götter einst lebten, möglich sein, wenn die Wolken den Mond verbergen. Ist der erste Teil von Die anderen Götter noch ruhig, aber nicht weniger stimmungsvoll, zeigt sich im zweiten Teil das wahre Grauen. Erneut wird dabei das Thema der Besessenheit eines Zieles aufgegriffen und führt zu schaurigen Ereignissen. Wie für Geschichten von H. P. Lovecraft gewohnt, bleiben die Enden der drei Kurzgeschichten oft vage, ohne einen Abschluss vermissen zu lassen. Daraus ergibt sich auch bei Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten eine Faszination, die bis zum Ende des Mangas fesselt.
Fazit
Gou Tanabe beweist bei H. P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten wieder ein Händchen für schaurige und stimmungsvolle Horror-Manga. Die Adaption von drei Lovecraft-Kurzgeschichten ist gewohnt faszinierend und fesselnd zugleich. Subtile Schrecken gehen Hand in Hand mit einer dichten Atmosphäre und geheimnisvollen Ereignissen. Damit hat mich der Horror-Mystery-Manga wieder sofort in seinen Bann gezogen und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. So unterschiedlich die drei enthaltenen Kurzgeschichten sind, so sehr zeigen sie auch wichtige Gemeinsamkeiten, weshalb die Zusammenstellung des Anthologie-Mangas sinnvoll erscheint. Fans von Gou Tanabes Lovecraft-Mangas müssen wieder zugreifen.
Kurzfazit: Atmosphärischer Horror-Mystery-Manga, der drei schaurige Geschichten erzählt und faszinierenden wie fesselnden Genre-Lesespaß garantiert.
Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von H.P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten!
Details
Titel: H.P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten
Originaltitel: Ulthar no Neko: Lovecraft Kessakushū
Genre: Horror, Drama, Mystery
Verlag: Carlsen Manga
Mangaka: Gou Tanabe
Seiten: 216
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-551-80562-1
Verlagsseite: H.P. Lovecrafts Die Katzen von Ulthar und andere Geschichten bei Carlsen
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2025
© Tanabe Gou 2024 / Kadokawa Corporation
© 2025 Carlsen Verlag GmbH
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