Rezension: I Hate This Place (PS5)

Auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter, muss sich Elena in I Hate This Place düsteren Geheimnissen und grausamen Wesen stellen.

Basierend auf der gleichnamigen Comic-Reihe von Kyle Starks und Artyom Topilin hat Rock Square Thunder das Survival-Horror-Spiel I Hate This Place umgesetzt. Die Geschichte folgt Elena, die auf der Suche nach ihrer seit Jahren verschwundenen Mutter zur Rutherford Farm, einem Ort, an den ihre verfluchte Familie gebunden ist, zurückkehrt. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Lou hofft Elena mit einem Beschwörungsritual, den Gehörnten zu erreichen und herauszufinden, was mit ihrer Mutter geschehen ist. Aber das Ritual verläuft anders als gedacht und Elena wacht in der Nacht mitten im Wald alleine auf. Von Lou fehlt jede Spur. Nun muss sie nicht nur die Wahrheit hinter den Geheimnissen der Rutherford Farm und ihrer Familie herausfinden, sondern auch Lou suchen.

Misslungener Einstieg

I Hate This Place setzt auf eine durchaus zur Vorlage passende Comic-Grafik. Bunte Farben und dicke Outlines verhindern jedoch nicht, dass das aus der Top-Down-Perspektive dargestellte Survival-Horror-Spiel eine dichte Atmosphäre aufbaut. Schon die ersten Minuten in I Hate This Place zeigen, dass trotz mangelnder Figurenanimationen in Dialogszenen und ausbleibender Zwischensequenzen eine spannende Erzählweise möglich ist. Zu verdanken ist das vor allem den sehr guten englischen Sprechern sowie der stimmungsvollen Soundkulisse. Leider kann gerade der Anfang von I Hate This Place eher weniger überzeugen. Bevor ihr wirklich loslegen könnt und alle Besonderheiten des Survival-Horror-Spiels kennenlernt, müsst ihr den zähen, nervigen und viel zu schweren Tutorial-Abschnitt bestehen.

Dieser führt euch kurz, nachdem Elena alleine im Wald aufgewacht ist, in eine unterirdische Forschungsanlage. Linear folgt ihr den Gängen, durchsucht verschiedene Räume und sammelt erste Ressourcen ein. Diese sind wichtig, da Crafting in I Hate This Place eine zentrale Rolle einnimmt. So stellt ihr schon bald Verbände, Nagelbomben oder eine abgesägte Schrotflinte her. Klingt gut? Ist es prinzipiell auch. Zumal das Crafting später noch erweitert wird. Um dorthin zu kommen, müsst ihr aber erst die Forschungsanlage hinter euch lassen und das ist angesichts der viel zu starken Gegner frustrierend. Erwähnt werden sollte, dass ihr euch möglichst lautlos bewegen müsst, da die umherziehenden Gegner auf Geräusche reagieren. Entsprechend ist am Boden liegendes Glas ein gefährliches Hindernis. Allerdings reagieren die Gegner viel zu schnell, Elena ist zu langsam, um wegzulaufen, die Kampfsteuerung zu träge. Als wäre das nicht genug, können die Monster auch noch ordentlich Schaden einstecken. Elena hingegen segnet schnell das Zeitliche, was auch daran liegt, dass die Gegner viel Schaden anrichten und euch kaum Möglichkeiten bleiben, dem im Kampf zu entgehen. Ärgerlich und nervig.

Motivierende Spielmechaniken mit Schwächen

Schafft ihr es trotzdem ausreichend Motivation zu finden, um den Tutoria-Bbereich zu verlassen, dann zeigt I Hate This Place, welches Potential in dem Survival-Horror-Spiel steckt. Einen einfachen und typischen Genrevertreter solltet ihr nicht erwarten. Sicher, es gibt parallelen zu anderen Survival-Horror-Spielen, aber I Hate This Place verbindet die Munitionsknappheit und die Horror-Atmosphäre mit Crafting, einer Hungeranzeige, dem Wiederaufbau der Rutherford Farm, nicht-linearen Quests, einer offenen Hubwelt und einem Tag-Nacht-Zyklus. All das funktioniert für sich genommen ziemlich gut. So sind tagsüber kaum Feinde unterwegs, während ihr nachts im Wald um euer Leben fürchten müsst. Es ist also möglich zu planen, wie ihr vorgeht, wann ihr Ressourcen sammelt, um die Farm aufzuwerten.

Mit der Zeit schaltet ihr dadurch neue Waffen, Verbesserungen oder Nahrung frei und werdet stärker. Das ist durchaus motivierend. Leider können manche Spielmechaniken von anderen ausgehebelt werden. Wenn ihr euch darauf konzentriert, immer am sicheren Tag Ressourcen zu sammeln und die Farm beständig erweitert, seid ihr irgendwann so stark, dass selbst tödliche Feinde kein Hindernis mehr sind. Außerdem verfügt ihr irgendwann über so viele Lebensmittel, dass die Hungeranzeige, die Einfluss auf eure Ausdauer hat, fast schon ignoriert werden kann. Das ist schade, hier hängt es aber vom persönlichen Spielstil und den eigenen Wünschen, wie ihr I Hate This Place erleben wollt, ab, ob diese Problematik greift. Sicher ist, dass die Balance der Spielmechaniken nicht ganz ausgewogen ist. Das ist gerade aufgrund der guten und vielversprechenden Ansätze schade. Könnt ihr euch mit den Schwächen arrangieren, kann I Hate This Place trotz all der Macken durchaus motivierend und spaßig sein. Zumal sich die Geschichte nie ganz ernst nimmt, bewusst mit einem Augenzwinkern Genre-Klischees nutzt und beste B-Movie-Qualitäten zeigt. Umso bedauerlicher ist es, dass ihr erst den frustrierenden Tutorial-Abschnitt überstehen müsst, bevor ihr auch nur die Ansätze des Potentials von I Hate This Place erkennen könnt.

Fazit

Die Comic-Vorlage von I Hate This Place war mir bisher kein Begriff, dafür haben die Trailer des Survival-Horror-Spiels mein Interesse geweckt. Stimmungsvolle Comic-Grafik in Einklang mit Horror und einigen vielversprechenden Spielmechaniken? Das klingt spannend. Leider hat mich I Hate This Place schnell ernüchtert. Besonders der Tutorial-Abschnitt war einfach nur frustrierend. Sogar so sehr, dass ich nach einiger Zeit eine Pause eingelegt habe, bevor ich mich wieder an das Survival-Horror-Spiel gewagt habe. Es ist nervig, dass der lineare und viel zu schwere Abschnitt die guten Ansätze von I Hate This Place versperrt. Wieso kann die Geschichte nicht auf der Farm anfangen und mir direkt zeigen, was mich erwartet? Ein wirklich misslungener Einstieg. Danach wird es zwar besser, aber komplett ohne Schwächen ist I Hate This Place nicht. So lassen sich essentielle Spielmechaniken wie der Schwierigkeitsgrad (der zu stark schwankt) und die Hungeranzeige aushebeln. Damit kann ich aber leben, zumal die Geschichte interessant genug ist und Humor sowie B-Movie-Flair einen gewissen Charme haben. Eindeutig empfehlen kann ich I Hate This Place trotzdem nicht. Könnt ihr euch mit den Schwächen zumindest arrangieren, erwartet euch ein durchaus gelungenes Survival-Horror-Spiel mit interessanten Ansätzen, aber auch hohem Frustfaktor.

Kurzfazit: Gerade zum Einstieg frustrierendes Survival-Horror-Spiel, das trotz charmantem B-Movie-Flair, augenzwinkerndem Humor und guter Gameplay-Ansätze unter einigen Schwächen leidet, wodurch das vorhandene Potential oft ungenutzt bleibt.

Vielen Dank an Broken Mirror Games & Rock Square Thunder für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von I Hate This Place!

Details
Titel: I Hate This Place
Genre: Survival-Horror
Publisher: Broken Mirror Games
Entwickler: Rock Square Thunder
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 5 (getestet), Xbox Series X|S, Switch, PC
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2026