Rezension: H.P. Lovecrafts Das Unsagbare (Manga)

Die acht Kurzgeschichten von H.P. Lovecrafts Das Unsagbare erzählen von unwirklichen Träumen, rätselhaften Entdeckungen und Dingen jenseits der menschlichen Vorstellungskraft.
Ein Mann beobachtet Nacht für Nacht jenen einen Stern, Polaris. In seinen Träumen besucht er eine fremde Stadt, die ihm bald als wirklicher erscheint als die Realität. Drei Diebe entdecken ein schauriges Haus, dessen Bewohner als alter, seltsamer Mann bekannt ist. Ein geheimnisvolles Haus am Rand einer hohen Klippe weckt die Neugier eines Mannes. Auf einem alten Friedhof versuchen Randolph Carter und sein Freund Harley Warren etwas zu ergründen, das jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegt. Carter befasst sich auch anschließend mit dem Unsagbaren und besucht rätselhafte Orte, die schaurige Geheimnisse bergen.
Unwirkliche Geschichten
Mangaka Gou Tanabe adaptiert in H.P. Lovecrafts Das Unsagbare nicht nur die 1923 verfasste und 1925 erstmals veröffentlichte Kurzgeschichte „The Unnamable“ beziehungsweise „Das Unsagbare“, sondern auch sieben weitere Lovecraft-Erzählungen. Dabei befassen sich drei der Geschichten, die die zweite Hälfte des Horror-Mangas bilden, mit Randolph Carter und seinen Ergründen des titelgebenden Unsagbaren und weiterer rätselhafter Geheimnisse. Bevor er jedoch in „Die Aussage des Randolph Carter“ seinen ersten Auftritt hat, taucht Gou Tanabe bereits in die finsteren, schaurigen und atmosphärischen Gefilde von H.P. Lovecrafts Schaffen ein. So beginnt der Horror-Manga mit der nur wenige Seiten langen, stimmungsvoll inszenierten und in bizarren Farbzeichnungen gehaltenen Erzählung „An einen Träumer“. Ein wunderbarer Einstieg, der genauso wie die ähnlich gestaltete Abschlussgeschichte „Azathoth (Fragmente)“ eine perfekte Umrahmung der weiteren Erzählungen bildet.
Die verschiedenen Kurzgeschichten befassen sich ausschließlich mit den rätselhaften Geheimnissen des Universums, mit Ereignissen jenseits des menschlichen Verstandes, mit Träumen und ihrer Macht und mit fremden Wesen sowie alten Göttern. Ob sich nun ein Mann beim Beobachten des Sterns Polaris in einer fremden Welt wiederfindet oder drei Diebe einen seltsamen alten Mann berauben wollen, das Grauen ist stets vorhanden. Dabei setzen die Geschichten auf subtilen Horror, wie ihn Kenner von H.P. Lovecraft sowie Gou Tanabes Manga-Adaptionen gewohnt sind. Schaurige, detailreiche Bilder zeichnen eine düstere Atmosphäre und heben die Andersartigkeit vieler Szenen hervor. Hier versteht es der Horror-Manga vor allem mit der dichten und beklemmenden Stimmung zu fesseln.
Zugleich baut H.P. Lovecrafts Das Unsagbare einen fesselnden Sog auf. Geschichte für Geschichte wecken die Geheimnisse und Fragen. Neugier, beflügeln das Interesse an den Schicksalen der Figuren. Zumal regelmäßig Verbindungen zu vorherigen Erzählungen des Horror-Mangas geknüpft werden – und das nicht nur in den Geschichte über Randolph Carter. Es ist faszinierend mitzuerleben, was den jeweiligen Personen passiert, was sie erleben. Damit wird ein fesselnder Lesefluss aufgebaut, der bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Gleichzeitig funktionieren gerade die Geschichten der ersten Hälfte des Horror-Mangas unabhängig voneinander, so dass sich H.P. Lovecrafts Das Unsagbare auch wunderbar für die kurze Grusel-Lektüre eignet.
Fazit
Die Manga-Adaption von H.P. Lovecrafts Das Unsagbare hat mich schon auf den ersten Seiten fasziniert und in den Sog der rätselhaften Geheimnisse und schaurigen Welten der Erzählungen Lovecrafts gezogen. Gou Tanabe beweist einmal mehr, wie erstklassig die Geschichten umgesetzt sind. Stimmungsvoll und detailreich gezeichnet, unterstützen die Bilder perfekt die fesselnde Wirkung und die dichte Atmosphäre. Zudem wissen die Kurzgeschichten selbst durchweg zu überzeugen. Spannend, abwechslungsreich und schaurig wecken sie Neugier an den Geheimnissen und Interesse am Schicksal der beteiligten Personen. Damit wird wieder beste Horror- und Lovecraft-Manga-Kost geboten. Eine weitere meisterhafte Manga-Umsetzung von Lovecrafts Geschichten.
Kurzfazit: Atmosphärischer Lovecraft-Horror-Kurzgeschichten-Manga von Gou Tanabe, der mit detailreichen Zeichnungen, stimmungsvollen Geschichten und erstklassiger Inszenierung fesselt.
Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von H.P. Lovecrafts Das Unsagbare!
Details
Titel: H.P. Lovecrafts Das Unsagbare
Originaltitel: Mejō Shigatai Mono: Lovecraft Kessakushū
Genre: Horror, Drama, Mystery
Verlag: Carlsen Manga
Mangaka: Gou Tanabe
Seiten: 276
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-551-80761-8
Verlagsseite: H.P. Lovecrafts Das Unsagbare bei Carlsen
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2026
© Tanabe Gou 2025 / Kadokawa Corporation
© 2026 Carlsen Verlag GmbH
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