Rezension: City Tales: Medieval Era (PC)

Als junger Adliger gilt es in City Tales: Medieval Era gemeinsam mit Gefährten eine neue Stadt zu errichten.

Ein kleines Rathaus, erste Hütten, ein Holzfäller und mit der Zeit prunkvolle Stadthäuser, eine Taverne und eine Burg – Aufbaustrategiespiele laden regelmäßig dazu ein, eigene mittelalterliche Städte zu errichten. City Tales: Medieval Era will das auch allerdings entspannt und mit angenehmer Wohlfühlstimmung statt euch mit dem Überlebenskampf eines Frostpunk oder dem Ressourcenmanagement eines Anno 1800 zu konfrontieren. Dafür erhaltet ihr von eurem Vater ein Stück Land, das ihr zu einer neuen Grafschaft mit florierender Stadt entwickeln sollt. Nach der Wahl einer von drei Karten, beginnt euer neues Leben als Verwalter. Allerdings seid ihr in City Tales: Medieval Era nicht alleine. Neben eurem Berater stehen euch verschiedene Gefährten zur Seite, die direkt in die Geschichte und das Gameplay einbezogen sind.

Gemütliches Bauen

Das Ziel, ein entspanntes Wohlfühl-Aufbaustrategiespiel zu gestalten, ist dem Team von Irregular Shapes gelungen. Schon die bunte Comic-Grafik versprüht eine angenehme Stimmung, die vom passenden, friedlichen Soundtrack perfekt unterstützt wird. Besonders aber fällt es beim Spielablauf auf. Das Gameplay orientiert sich in der Grundstruktur an bekannten Genre-Standards. Wie bereits beschrieben, beginnt ihr mit kaum mehr als eurem Rathaus und errichtet daraus langsam eine große, mittelalterliche Stadt. Dafür müssen die notwendigen Ressourcen gesammelt werden.

Schließlich stellen eure Untertanen irgendwann Ansprüche, die ihr erfüllen müsst, wenn ihr die Wohnhäuser weiterentwickeln wollt. Anders als etwa in der Anno-Reihe, ist es aber nicht erforderlich, diese Ansprüche dauerhaft zu gewährleisten. Vielmehr benötigt ihr ausreichend Holz, Steine, Mahlzeiten, Ziegel und andere Rohstoffe für den Ausbau der Gebäude. Damit funktionieren sie ähnlich wie die Ressourcen zum grundsätzlichen Bau. Unzufriedenheit in der Bevölkerung, Aufstände oder Ähnliches sucht ihr in City Tales: Medieval Era vergeblich. Das ist auch gut so, um das Ziel des entspannten Bauens zu gewährleisten.

Unterstützende Gefährten

Zwei Besonderheiten zeichnen City Tales: Medieval Era aus. So ist es erforderlich, sogenannte Gemarkungen zu platzieren. Dafür markiert ihr mittels Grenzsteinen einen Bereich, der anschließend automatisch von euren Untertanen mit Wohnhäusern ausgestattet wird. Pro Gemarkung dürfen außerdem maximal zwei verschiedene öffentliche Gebäude oder Produktionsstätten errichtet werden. Hierbei ist eine gute Planung wichtig, da Brunnen, Kirche, Marktplatz oder Ähnliches nur einen begrenzten Einflussbereich haben. Nicht nur die Erweiterung der Wohnhäuser ist darauf angewiesen, sondern manche Produktionsstätten lassen sich nur bauen, wenn zum Beispiel ein Brunnen in Reichweite ist.

Zusätzlich errichtet ihr außerhalb der Gemarkungen weitere Gebäude für Holzfäller, Beerensammler, sowie Minen, Fischereien und Ähnliches. Diese sind genauso wie die Produktionstätten nicht direkt autonom. Damit kommt die zweite Besonderheit von City Tales: Medieval Era ins Spiel: die Gefährten. Damit ein Gebäude arbeiten kann, muss einer eurer Begleiter die Verantwortung für dieses übernehmen. Erst nach einiger Zeit sind die dortigen Auszubildenden weit genug, um selbstständig zu arbeiten. Allerdings ist die Geschwindigkeit mit platzierten Gefährten höher. Zudem können weitere Boni auftreten. Besonders wenn der eingesetzte Gefährte in dem notwendigen Bereich wie Handwerk oder Sammeln bereits Erfahrung hat. Es ist also wichtig, die Charaktere überlegt einzusetzen.

Aufgaben als Struktur

Bloße Arbeitskräfte sind die Gefährten aber nicht. Jeder von ihnen verfügt über eine eigene Persönlichkeit und Vergangenheit. Das zeigt sich in den Nebenquests, die ihr mit der Zeit erhaltet. Wendet sich einer eurer Unterstützer an euch, gilt es die jeweilige Aufgabe zu erfüllen. Dafür winkt meist etwas Gold als Belohnung, zugleich schreitet aber auch die persönliche Geschichte des jeweiligen Charakters voran und ihr lernt ihn oder sie besser kennen. Angesichts der sympathischen Figuren, ist das eine große Motivation. Zudem erhaltet ihr nach Abschluss einer Gefährten-Quest-Reihe als Belohnung besondere Gebäude, die nicht nur Boni gewähren, sondern auch im Stadtbild herausstechen.

Die Hauptgeschichte wird ebenfalls über Quests erzählt. Diese erhaltet ihr meist von eurem Berater und handelt von eurer neuen Rolle als Graf, adeligen Besuchern und dergleichen. Wirklich herausragend mag die Geschichte nicht sein, kurzweilige ist sie aber in jedem Fall. Zumal die Quests genauso wie bei den Gefährten für mehr Struktur sorgen und maßgeblich zur Motivation stets weiterzuspielen und neue Ziele zu erreichen beitragen. Dass die deutschen Texte unvertont sind, stört nicht. Zumal die Dialoge ordentlich geschrieben sind und gut die Stimmung des entspannten Aufbaustrategiespiels wiedergeben.

Erweiterte Ländereien

Mit der Zeit erweitert ihr euer Reich über Weiler, kleine zusätzliche Siedlungen, die zeitweise von einem eurer Gefährten verwaltet werden. Dabei profitieren die im Einflussgebiet des Weilers errichteten Gebäude von der Erfahrung des als Verwalter eingesetzten Charakters. Ein weiterer Grund, gut zu planen und zu überlegen, ohne dass wirklich Stress aufkommt. Schließlich ist all das nicht notwendig, da ihr keine Nachteile habt, wenn ihr nicht auf die kleinen Details achtet. Das ist wirklich gut so, da City Tales: Medieval Era gerade von der entspannten Wohlfühl-Stimmung enorm profitiert.

Die bereits eingangs erwähnte schöne Comic-Grafik trägt viel zur Atmosphäre bei. Zudem profitiert das Aufbaustrategiespiel von der sauberen Umsetzung. Technische Probleme oder gar Bugs sind im Testzeitraum nicht aufgetreten. City Tales: Medieval Era läuft sowohl am PC als auch auf dem Steam Deck problemlos. Auf dem Valve-Handheld müsst ihr euch allerdings mit teilweise sehr kleiner Schrift und einer nicht immer perfekten Steuerung anfreunden. Besonders angeschlossen an einen Fernseher sind diese Macken aber bald nur noch bedingt aufgefallen. Dennoch ist die Steuerung mit Maus und Tastatur zu bevorzugen. Unabhängig davon, wie ihr City Tales: Medieval Era spielen wollt, Aufbaustrategie-Fans, die ein entspanntes Erlebnis suchen, sind hier genau richtig. Auch wenn die Spielzeit der Geschichte nur zehn bis fünfzehn Stunden beträgt. Für zusätzliche Abwechslung sorgt der Malermodus, in dem ihr frei von Ressourcen und Einschränkungen eure Stadt aufbauen dürft. Spätestens hier ist die komplette Entspannung garantiert.

Fazit

Obwohl ich Spiele wie Anno 1800 oder Frostpunk sehr schätze, sind mir viele Aufbaustrategiespiele manchmal zu stressig, zu kleinteilig oder zu anspruchsvoll. Gelegentlich will ich einfach gemütlich eine Stadt errichten, ohne befürchten zu müssen, dass ich finanzielle Schwierigkeiten bekomme, die Unzufriedenheit der Bevölkerung wecke und deshalb irgendwann von vorne beginnen muss. City Tales: Medieval Era ist deshalb genau richtig für mich. Das Aufbaustrategiespiel ist bewusst auf entspanntes Bauen und eine Wohlfühl-Atmosphäre ausgerichtet – etwas, das wunderbar funktioniert. Das ist auch den Gefährten zu verdanken, die gemeinsam mit der Geschichte für Struktur sorgen und ein wenig Herausforderung anhand der Quests garantieren. Allerdings Herausforderungen, die mich weder stressen noch zur Verzweiflung treiben. Die schöne Comic-Grafik und der ruhige Soundtrack unterstreichen die entspannte Wohlfühl-Stimmung. Aufbaustrategie-Fans, die ein friedliches Spielerlebnis suchen, sollten City Tales: Medieval Era unbedingt eine Chance geben.

Kurzfazit: Entspanntes Aufbaustrategiespiel, das mit Gameplay, Geschichte und Präsentation angenehmen Wohlfühl-Genre-Spielspaß bietet.

Vielen Dank an Irregular Shapes & Firesquid für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von City Tales: Medieval Era!

Details
Titel: City Tales: Medieval Era
Genre: Aufbaustrategie
Publisher: Firesquid
Entwickler:Irregular Shapes
Spieler: 1
Syteme: PC (getestet)
Altersfreigabe: ab 0
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2026