Rezension: Metroid Prime 4: Beyond (Switch 2)

Um von einem unbekannten Planeten zurückzukehren, muss Samus Aran in Metroid Prime 4: Beyond die Psy-Kräfte der Lamorn nutzen, um fünf Teleportschlüssel zu finden.

Im Zuge der Nintendo Direct zur E3 2017 kündigte Nintendo in einem sehr knappen Teaser Trailer, der lediglich das Logo enthielt, Metroid Prime 4 an. Damals war der dritte Teil der 3D-Metroid-Reihe bereits fast zehn Jahre alt, weshalb die Freude unter Fans groß war. Erst später wurde bekannt, dass die für die ersten drei Metroid-Prime-Spiele zuständigen Retro Studios nicht erneut die Entwicklung übernehmen würden. Stattdessen arbeiteten Studios von Bandai Namco in Japan und Shanghai an der Rückkehr von Samus Aran. Allerdings konnte die erwartete Qualität nicht erreicht werden. Deshalb verkündete Nintendo Anfang 2019, dass die Entwicklung bei Retro Studios von vorne begonnen wurde. Dennoch ließ Metroid Prime 4 noch lange auf sich warten. Nach mittlerweile über acht Jahren Wartezeit, ist das First-Person-Action-Shooter-Adventure Anfang Dezember 2025 für Nintendo Switch 2 und Nintendo Switch erschienen.

Lineare Rückkehr mit Schwächen

Der Einstieg in Metroid Prime 4: Beyond zeigt direkt, dass sich Samus Arans neues 3D-Abenteuer hervorragend spielt. Die Kopfgeldjägerin wird als Unterstützung auf den Planeten Tanamaar geschickt. Unter Führung von Sylux greifen die Weltraumpiraten die dortige Forschungsbasis der Galaktischen Föderation an. Dabei begleiten Sylux einige Metroids, die er einst gestohlen hat. Entschlossen stellt sich Samus den Angreifern entgegen und bahnt sich einen Weg zu einem mysteriösen Artefakt, das unter allen Umständen beschützt werden muss. Im Kampf mit Sylux, wird das Artefakt allerdings aktiviert und Samus findet sich kurz darauf an einem unbekannten Ort wird. Vom Hologramm eines Priesters der einst einheimischen Lamorn, erfährt Samus, dass sie auf Viewros ist. Außerdem wird sie als auserwähltes Wesen gebeten, die gesammelte Existenz der Lamorn auf einen anderen Planeten zu bringen und dort anzupflanzen. Allerdings benötigt sie für die Rückkehr fünf Teleportschlüssel, die an verschiedenen Orten versteckt wurden.

Metroid-Prime-Fans werden bereits mit dem Einstieg erkannt haben, dass sich das First-Person-Action-Shooter-Adventure wie die Vorgänger sehr gut spielt. Das Gunplay mag nicht mit modernen Shootern mithalten, fühlt sich aber genauso wie Samus’ Bedienung als Morph Ball vertraut an. Auch sonst setzt Metroid Prime 4: Beyond auf ein vertrautes Gameplay. Lediglich die Steuerung und die Belegung der Tasten wirkt manchmal ein wenig überladen, was am grundsätzlich sehr guten Spielgefühl aber wenig ändert. Ansonsten ist Metroid Prime 4: Beyond linearer aufgebaut als die Vorgänger. Viewros besteht aus fünf Biomen, die von einer eher leeren Wüsten-Hub-Welt, die Samus auf dem Motorrad Vi-O-la erkunden kann, verbunden sind. Komplexe aufgebaute Level, bei denen die unterschiedlichen Biome miteinander verbunden sind oder alternative Wege entdeckt werden können, bleiben aus. Dadurch wirkt das Backtracking des Metroidvania-Spielprinzips auch schwerwiegender. Zumal einige Gebiete aufgrund benötigter Gegenstände und Fähigkeiten zwangsweise erneut betreten und fast vollständig durchquert werden müssen. Das hat Retro Studios früher besser hinbekommen.

Atmosphärisches Metroid-Abenteuer

Doch trotz dieser eindeutigen Schwäche, ist Metroid Prime 4: Beyond kein schlechtes Spiel. Das für ein Metroidvania lediglich ordentliche Leveldesign und dadurch anstrengender Backtracking kann nichts daran ändern, dass das First-Person-Action-Shooter-Adventure wirklich motivierend und spaßig ist. Die Kämpfe mit Gegnern und regelmäßig neuen Items und Fähigkeiten sorgen gemeinsam mit der ausreichend interessanten Geschichte und der dichten Atmosphäre dafür, dass Metroid Prime 4: Beyond für Stunden fesselt. Zumal die verschiedenen Biome wunderschön aussehen und mit vielfältiger Gestaltung aufwarten – das gilt auch für die Missionen selbst. Ein klein wenig negativ können jedoch die Nicht-Spieler-Charaktere auffallen. Samus begegnet im Laufe ihres Abenteuers verschiedenen Überlebenden der Galaktischen Föderation, die ebenfalls nach Viewros teleportiert wurden, und arbeitet mit ihnen zusammen Das führt nicht nur zu regelmäßigen Gesprächen, sondern bringt immer wieder Begleiter an die Seite der Kopfgeldjägerin. Gerade klassische Metroidvania- und Metroid-Prime-Fans könnten sich daran stören, zumal die Charaktere lediglich ordentlich geschrieben sind und ein wenig blass-stereotypisch ausfallen. Dem grundsätzlichen Spielspaß schaden sie aber glücklicherweise nur bedingt.

Ein großes Highlight von Metroid Prime 4: Beyond sind hingegen die Bosskämpfe. Diese sind großartig inszeniert, verlangen den überlegten Einsatz von Samus’ Fähigkeiten und sind schön fordernd. Hierbei ist es lobenswert, dass Retro Studios verschiedene Schwierigkeitsgrade anbietet. So kann zu Beginn zwischen Leicht und Normal gewählt werden, während der harte Schwierigkeitsgrad nach erstmaligem Durchspielen auf Normal verfügbar wird. Zudem wartet das First-Person-Action-Shooter-Adventure mit leicht abweichenden Enden auf, abhängig davon, ob ihr alle Items und Scans eingesammelt habt oder nicht. Grafisch überzeugt Metroid Prime 4: Beyond mit schöner Optik, schicken Designs und gelungenen Effekten. Zudem läuft das Spiel auf der Nintendo Switch 2 sowohl am Fernseher als auch im Handheld-Modus komplett flüssig und ohne Probleme. Davon profitiert die dichte Atmosphäre, die vom fantastischen Soundtrack mitgetragen wird, zusätzlich. Ebenso weiß die englische Vertonung zu überzeugen, auch wenn Samus weiterhin stumm bleibt, wodurch manche Dialoge etwas seltsam wirken. Hier sollte Nintendo endlich den Mut haben, bekannten Figuren eine Stimme zu verleihen. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau und ändert nichts daran, dass Metroid Prime 4: Beyond trotz einiger Schwächen ein spaßiges Erlebnis ist.

Fazit

Lange mussten Fans auf Metroid Prime 4: Beyond warten und dann enttäuschte das neue Abenteuer von Samus Aran? Zumindest ist das die Meinung vieler Fans, nachdem das Switch-2- und Switch-Spiel Anfang Dezember erschienen ist. Vollständig nachvollziehen kann ich das nicht. Metroid Prime 4: Beyond mag nicht perfekt sein und hat gerade bei Leveldesign, Backtracking und Charakteren eindeutige Schwächen. Dennoch haben mich Gameplay, Story und Atmosphäre stets motiviert und gefesselt – sogar so sehr, dass ich oft länger am Stück gespielt habe, als ich eigentlich geplant hatte. Hier dürfte die eigene Erwartungshaltung an das vierte Metroid Prime eine große Rolle spielen. Dennoch ist Metroid Prime 4: Beyond genau betrachtet ein gutes Spiel, das trotz Schwächen reichlich Spielspaß bietet. Fans von Samus Aran und besonders den Metroid-3D-Teilen sollten deshalb zumindest anspielen und sich selbst einen Eindruck verschaffen.

Kurzfazit: Atmosphärisches und packendes Metroid-Prime-Spiel, das trotz offensichtlicher Schwächen reichlich fesselnden Spielspaß mit exzellentem Gameplay garantiert.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Metroid Prime 4: Beyond!

Details
Titel: Metroid Prime 4: Beyond
Genre: Action-Adventure, First-Person-Shooter
Publisher: Nintendo
Entwickler: Retro Studios
Spieler: 1
Syteme: Switch 2 (getestet), Switch
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 04. Dezember 2025