Rezension: Syberia Remastered (PC)

Anwältin Kate Walker muss in Syberia Remastered nach dem Erben einer Automaten-Fabrik suchen, um deren Verkauf abzuschließen.

Als Syberia 2002 erstmals erschien, hing dem Genre der Point-&-Click-Adventure bereits der Ruf an, nicht mehr erfolgreich zu sein. Das von Comiczeichner und Spieleentwickler Benoît Sokal geprägte Adventure war damals trotzdem erfolgreich und erfreute sich zudem positiver Wertungen von Kritikern und Spielern. Nachdem bereits 2004 mit Syberia 2 ein Nachfolger erschienen ist, folgte 2017 ein eher mäßiger dritter und schließlich 2022 ein recht guter vierter Teil. Einige Monate nachdem Sokals erstes, im selben Universum angesiedeltes Spiel Amerzone ein Remaster spendiert bekommen hat, ist auch Syberia einer Frischzellenkur unterzogen worden. Dabei liegt der Fokus von Publisher Microids vor allem auf dem grafischen Gerüst und einigen kleinen Verbesserungen der Rätsel, die aber kaum auffallen.

Europaweite Suche

In Syberia Remastered reist die junge Anwältin Kate Walker in die fiktive französische Kleinstadt Valadilène. Hier liegt eine kleine, einst erfolgreiche, aber mittlerweile verschuldete Manufaktur für Automaten. Dabei handelt es sich um komplizierte, aufziehbare mechanische Objekte bis hin zu komplexen Maschinen und roboterähnlichen Gebilden. Kate soll mit der Besitzerin, Anna Voralberg, für einen amerikanischen Spielzeugherstellter den Verkauf der Automaten-Fabrik abschließen. Doch Anna ist kurz vor Kates Ankunft verstorben und entgegen bisheriger Informationen, gibt es einen Erben: Annas kleiner Bruder Hans soll noch Leben. Es ist an Kate mehr über Hans herauszufinden und ihn zu suchen. Dafür muss sie mit einem mechanischen Zug der Voralberg-Manufaktur, der vom Automaten Oscar gesteuert wird, zu einer langen Reise Richtung Sibirien aufbrechen.

Bereits in Valadilène gilt es einige Rätsel zu lösen, Gespräche zu führen und mehr über die Geschichte zu erfahren. Dafür steuert ihr Kate mit einer klassischen Maus-Steuerung oder alternativ recht ordentlich mit dem Controller. Die eher wenigen Interaktionspunkte dienen dazu, interessante Orte, Objekte und Personen hervorzuheben. Allerdings ist es manchmal etwas umständlich, Kate richtig zu positionieren, damit eine Interaktion möglich ist. Zudem sind gerade die meisten Personen, denen Kate begegnet, wenig relevant. Auffällig ist außerdem, dass die Dialoge etwas hölzern geschrieben sind und teilweise voller Klischees stecken. Das passt manchmal zur jeweiligen Szenerie, sorgt aber auch dafür, dass einige Figuren unsympathisch sind. Besonders Kates Umfeld, mit dem sie über ihr Handy Kontakt hat, besteht scheinbar nur aus anstrengenden und nervigen Menschen. Egal ob ihr herrischer Boss, ihr egoistischer Freund, ihre oberflächliche beste Freundin oder ihre eigenwillige Mutter, Kate hat es bei Anrufen nicht leicht. Allerdings trägt das Verhalten dieser Personen genauso wie Kates Erfahrungen dazu bei, dass sich die Anwältin im Laufe der Geschichte langsam entwickelt.

Abenteuer mit Stärken und Schwächen

Die Geschichte ist grundsätzlich die wahrscheinlich größte Stärke von Syberia Remastered. Wie im Original ist es noch immer interessant, die Geheimnisse um Hans Voralberg zu lüften, nach ihm zu suchen und mehr über seine genialen Erfindungen zu erfahren. Leider kann das Gameplay nicht mehr ganz überzeugen. Das soll nicht heißen, dass Syberia ein schlechtes Adventure ist. Gerade mit Blick auf das Alter, zeigt sich noch immer, wie gut Kates erstes Abenteuer 2002 war. Allerdings ist nicht alles gut gealtert. Die Rätsel basieren vor allem auf dem Finden und Verwenden der richtigen Gegenstände und einigen kleineren Puzzlen. Wirklich anspruchsvoll sind die wenigsten davon. Aber erst einmal müssen wir die benötigten Objekte entdecken und das ist in den recht weitläufigen Gebieten mit ihren viel zu langen Laufwegen schon kompliziert genug. Die oftmals nervige, automatische Kamera inklusive unpraktischer Blickwinkel ist hier nicht hilfreich. Das ist schade, weil das den eigentlich hohen Spielspaß spürbar senkt. Arrangiert ihr euch damit, erwartet euch trotzdem ein noch immer ausreichend spannendes Abenteuer.

Technisch zeigt sich vor allem die grafische Aufhübschung des Adventures. Syberia ist atmosphärisch, sieht gut aus und ist wesentlich schöner als noch im Original. Zwar ist das Adventure kein Grafikwunder, aber das muss auch nicht sein. Umso bedauerlicher ist es, dass die Zwischensequenzen oft noch im Original vorliegen und lediglich eine höhere Auflösung haben. Dadurch fallen deutliche grafische Unterschiede auf. Abgesehen davon, leistet sich Syberia Remastered aber keine größeren Probleme. Der Soundtrack ist stimmig, die deutsche Synchronisation für das Alter von über zwanzig Jahren in Ordnung, wenn auch etwas steif, und abgesehen von einem Absturz zu Beginn des zweiten Kapitels ohne Fortschrittverlust, gibt es auch keine Bugs. Wer sich also an den kleinen spielerischen Macken nicht stört, erhält ein noch immer gutes Adventure.

Fazit

Syberia Remastered bringt das erfolgreiche und beliebte Point-&-Click-Adventure von Benoît Sokal mit aufgehübschter Grafik zurück. Zwar ist das erste Abenteuer von Kate Walker nicht in allen Bereichen gut gealtert, motivieren kann die Geschichte aber noch immer. Die ordentlichen Rätsel gleichen zudem ausreichend die etwas zu langen Laufwege aus. Lediglich die etwas hölzernen und klischeebehafteten Figuren passen heutzutage nicht mehr so gut. Am grundsätzlichen Spielspaß ändert das aber nichts und Genre-Fans erhalten ein ordentliches, wenn auch nicht überragendes Remaster des Klassikers.

Kurzfazit: Ordentliches Remaster, das trotz Macken mit Geschichte und Rätseln noch immer ausreichend Spielspaß bietet.

Vielen Dank an Microids für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Syberia Remastered!

Details
Titel: Syberia Remastered
Genre: Adventure
Publisher: Microids
Entwickler: Virtuallyz Gaming, Microids Studio Paris
Spieler: 1
Syteme: PC (getestet), PlayStation 5, Xbox Series X|S
Altersfreigabe: ab 0
Erscheinungsdatum: 06. November 2025

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