Rezension: Planetes Perfect Edition – Band 1 (Manga)

Hachimaki, Juri und Fee widmen in Planetes Perfect Edition Band 1 der Beseitigung von Weltraummüll und befassen sich mit ihren persönlichen Problemen.

In den 2070er-Jahren hat die Menschheit den Weltraum bereits erobert. Interplanetare Reisen sind alltäglich und die Erde ist auf Rohstoffe aus dem All angewiesen. Die großen Mengen an gefährlichem Weltraummüll stellen für die Raumfahrt ein großes Problem dar. Deshalb widmen sich Schrottsammler täglich darum, die Überbleibsel von Satelliten, Raumschiffen und Ähnlichem einzusammeln. Hachimaki, Juri und Fee arbeiten als Crew gemeinsam an der Müllbeseitigung im Weltraum. Außerdem beschäftigen sie sich mit ihren persönlichen Zielen, Neigungen und Problemen: Hachimaki träumt von einem eigenen Raumschiff und der Erforschung des Weltraums; Juri leidet unter dem Verlust seiner Frau bei einem Orbitalflug und Fee gibt wenig von ihren brodelnden Gefühlen preis. Außerdem werden die drei Kollegen und Freunde immer wieder mit dem Leben im All, den Auswirkungen des Weltraums auf den Menschen oder der politischen Situation konfrontiert.

Müllbeseitigung im All

Ursprünglich erschienen die vier Bände von Planetes in Japan zwischen 2001 und 2002. Eine deutsche Veröffentlichung erfolgte in fünf Bänden zwischen 2002 und 2005. Carlsen Manga spendiert dem Science-Fiction-Klassiker und Erstlingswerk von Vinland-Saga-Mangaka Makoto Yukimura eine Neuauflage als dreiteilige Perfect Edition mit Bonus-Farbseiten. Die Geschichte folgt den drei Astronauten und Weltraumschrott-Sammlern Hachimaki, Juri und Fee. Gemeinsam widmen sie sich der Beseitigung des gefährlichen und zahlreichen Mülls, der sich im All um die Erde angesammelt hat. Dieser ist besonders aufgrund der täglichen interplanetaren Reisen sowie der Rohstofferschließung im Weltraum notwendig. Wie wichtig die Aufgabe ist und welche Gefahren die drei Hauptfiguren auf sich nehmen, wird im ersten Kapitel nachvollziehbar beschrieben. Allgemein gelingt es Planetes Perfect Edition Band 1 früh mit der ruhigen, bodenständigen Atmosphäre zu fesseln.

Statt auf dramatische Spannung oder actionreiche Szenen, konzentriert sich die Geschichte vorwiegend auf eine möglichst realistische Herangehensweise an das Science-Fiction-Szenario. Stimmungsvoll und unaufgeregt werden Hachimaki, Juri und Fee sowie ihre gemeinsame Arbeit und Verbindung vorgestellt. Dabei widmen sich die ersten drei Kapitel, jeweils einer der drei Hauptfiguren. So steigt Planetes Perfect Edition Band 1 mit Juris Vergangenheit und dem tragischen Verlust seiner Frau ein. Nach diesem kurzen Prolog kommt es zu einem Zeitsprung von sechs Jahren und somit einem Wechsel zu Juris neuem Leben als Astronaut und Weltraumschrott-Sammler. Doch obwohl Juris Geschichte im Mittelpunkt steht, werden auch Hachimaki und Fee ausführlich vorgestellt. Anschließend rücken jeweils Hachimaki und Fee in den Fokus. Dabei werden auch ihre Persönlichkeiten, Träume sowie Laster etabliert. Selbst noch so unwichtig erscheinende Details können später genutzt werden, so dass jeder Aspekt der Handlung und Figuren relevant erscheint.

Atmosphärischer Weltraum

Zusätzlich schafft es Mangaka Makoto Yukimura in Planetes Perfect Edition Band 1, der die ersten acht der sechsundzwanzig Kapitel umfasst, ausgezeichnet ein Gefühl für das Science-Fiction-Szenario zu wecken. Selbst Kleinigkeiten wie die Auswirkung des Weltraums auf den Menschen oder die psychische Belastung von Unfällen werden thematisiert. Gleichzeitig werden immer wieder die Weltlage, der Rohstoffabbau oder die politische Situation aufgegriffen und in die Handlung eingeflochten. Besonders der Streit um das Recht des Menschen auf das All nimmt dabei eine relevante Rolle ein. Dabei treten bereits im ersten Drittel erste Terroranschläge auf, die gerade zum Ende eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Allgemein baut der Manga die Geschichte gekonnt aus, erlaubt sich im Mittelteil Ruhephasen mit weiterhin starkem Charakterfokus. Dadurch wird ein überaus gutes Gefühl für die Charaktere geschaffen. Es ist ein Leichtes mit Hachimaki, Juri und Fee mit zu fiebern. Ähnlich überzeugend fallen einige wichtige Nebenfiguren aus. Selbst Charaktere, die nur für ein Kapitel auftreten, sind überaus gut geschrieben und tragen einen wichtigen Teil zur Handlung bei. Letztlich schafft es Planetes Perfect Edition Band 1 ein stimmungsvolles, einzigartiges Science-Fiction-Manga-Erlebnis zu liefern, das gerade zum Ende spürbar anzieht und schließlich in einem harten Cliffhanger, der eine perfekte Überleitung zum Nachfolger ist, gipfelt.

Optisch fällt durchaus auf, dass Planetes bereits über dreiundzwanzig Jahre alt ist. Das ist jedoch nicht negativ gemeint. Vielmehr passt der sehr eigenständige Stil hervorragend zum Science-Fiction-Manga und trägt viel zur dichten Atmosphäre bei. Zudem fallen die Charaktere realistischer aus als es bei vielen anderen Manga der Fall ist. Das verstärkt die Individualität von Planetes und unterstreicht die bodenständige, ernsthafte Science-Fiction-Geschichte. Zusätzlich versteht es Mangaka Makoto Yukimura vor allem die Faszination des Weltalls in den Bildern einzufangen. Dadurch kann selbst die triste Mondlandschaft wie ein wunderschönes Meer wirken. Die zu Beginn mancher Kapitel vorhandenen Farbseiten fügen sich ebenfalls sehr gut ein, vermitteln einen ganz anderen Eindruck des Szenarios und sind ein willkommener Bonus.

Fazit

Da ich Planetes bisher weder gelesen noch die sechsundzwanzig Episoden umfassende Anime-Adaption gesehen habe, war ich im Vorfeld gespannt, was mich bei der Perfect Edition des Science-Fiction-Klassikers erwartet. Der Auftaktband der dreiteiligen Neuauflage hat mich früh mit der dichten Atmosphäre gefesselt. Auf einzigartige Weise versteht es Planetes Perfect Edition Band 1 eine ruhige und realistische Science-Fiction-Geschichte in der gar nicht so weiten entfernten Zukunft zu erzählen. Dass dabei Weltraumschrott-Sammler im Mittelpunkt stehen, verleiht der Reihe etwas bodenständiges und ermöglicht einen ungewohnten Einblick in die Raumfahrt und ihre Folgen. Allerdings wird nicht auf große Ereignisse und bevorstehende wichtige Entwicklungen für die Menschheit verzichtet. Nur sind diese undramatischer inszeniert als bei anderen Genre-Vertretern. Das bedeutet jedoch nicht, dass auf spannende Wendungen oder actionreiche Szenen verzichtet wird. Diese fügen sich aber gerade aufgrund der bodenständigen Erzählweise gekonnt ein und sorgen für packende Abwechslung sowie Überraschung. Getragen wird der Manga von den drei Hauptfiguren. Hachimaki, Juri und Fee sind mir schnell sympathisch und ich fiebere selbst bei Kleinigkeiten wie einem gebrochenen Bein mit ihnen mit. Doch auch abseits davon verstehen es Figuren und Szenario zu überzeugen. Gerade politische Verflechtungen und die Terroranschläge sorgen für Spannung und tragen viel zum packenden Cliffhanger bei. Den Nachfolger kann ich kaum erwarten. Science-Fiction-Fans sollten sich Planetes Perfect Edition Band 1 auf keinen Fall entgehen lassen.

Kurzfazit: Ruhig und bodenständig erzählter Science-Fiction-Manga, der mit glaubhaften, sympathischen Charakteren und realitätsnaher Geschichte packende und stimmungsvolle Genre-Unterhaltung garantiert.

Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Planetes Perfect Edition – Band 1!

Details
Titel: Planetes Perfect Edition – Band 1
Originaltitel: Planetes
Genre: Science-Fiction, Drama
Verlag: Carlsen Manga
Mangaka: Makoto Yukimura
Seiten: 360
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-551-80024-4
Verlagsseite: Planetes Perfect Edition – Band 1 bei Carlsen Manga
Erscheinungsdatum: 26. März 2024

© 2001 Makoto Yukimura / Kodansha Ltd.
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