Rezension: Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions (PC)

Als Captain Velvet Meteor erlebt der zehnjährige Damian in Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions in seiner Fantasie ein Weltraum-Abenteuer.

Damians Welt steht auf dem Kopf. Seine Eltern haben plötzlich beschlossen, von Frankreich nach Japan zu Damians Großmutter zu ziehen. Der Zehnjährige ist gezwungen, von seinen Freunden, seiner Schule und seinem bekannten Leben Abschied zu nehmen. Um mit dem neuen Haus, dem ungewöhnlichen Essen und all dem anderen Unbekannten zurechtzukommen, flüchtet Damian in seine Fantasie. Dort erlebt er als Weltraum-Entdecker Captain Velvet Meteor gemeinsam mit seinem treuen Roboter Jay-P spannende Abenteuer. Allerdings stürzen die beiden mit ihrem Raumschiff auf einem fremden Planeten ab. Dort müssen sie gegen fremdartige Monster kämpfen und begegnen anderen Gestrandeten aus verschiedenen Manga-Welten.

Fantasievolle Lebensbewältigung

Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions ist erstmals im Juli 2022 für die Nintendo Switch erschienen. Shueisha Games hat dem von Momo-Pi entwickelten Strategie-Adventure nun Umsetzungen für PC und Xbox Series X|S spendiert. Als Damian erkunden wir das neue Haus seiner Familie in Japan und tauchen in stressigen Situationen in die Fantasie des Zehnjährigen ein. Dort stellen wir uns als Captain Velvet Meteor rundenbasierten Strategie-Leveln. Letztere nehmen den Großteil des Gameplays ein, sind aber zugleich eng mit den Geschehnissen in der Realität verknüpft. Ein interessanter Kniff, der die Psyche des Protagonisten anschaulich darstellt und seinen Umgang mit der neuen Umgebung hervorragend vermittelt. So muss Damian etwa seinen verängstigten Hund beruhigen und stellt sich dafür als Weltraum-Entdecker einem riesigen Hunde-Kaiju im Kampf.

Ein weiterer Kniff von Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions ist dasEinflechten bekannter Manga-Figuren in die Geschichte. Diese stammen, wie der Untertitel bereits erahnen lässt, aus verschiedenen Jump+-Reihen. So begegnen wir beispielsweise Hibino Kafka aus Kaiju No. 8, der Prinzessin aus ’Tis Time for „Torture“, Princess, Kofune Ushio aus Summer Time Render beziehungsweise Bright Sun: Dark Shadows oder Loid Forger aus Spy x Family. Insgesamt acht Manga-Reihen, von denen leider bisher nur die Hälfte auf deutsch erschienen sind, sind in dem Strategie-Adventure vertreten. Dabei entspricht jedes Kapitel einem Abenteuer mit den verschiedenen Manga-Helden. Zuvor wird Damian alias Captain Velvet Meteor von seinem Roboter Jay-P im Tutorial-Kapitel begleitet. Erklärt werden kann die Anwesenheit der Manga-Figuren in Damians Fantasie-Abenteuer mit seiner Begeisterung für Manga. So hat er in seinem Zimmer ein Poster von Spy x Family hängen und ein vollgepacktes Manga-Regal stehen. Die Nutzung der bekannten Charaktere ist ausgezeichnet und gerade Fans werden sich an den bekannten Figuren erfreuen. Notwendig sind entsprechende Manga-Kenntnisse aber nicht, um der bis zum Ende unterhaltsamen und motivierenden Geschichte zu folgen. Zumal Damians Entwicklung durch seine Fantasie-Abenteuer im Mittelpunkt steht.

Taktische Motivation

Das Gameplay lässt sich in zwei Teile aufteilen. Als Damian erkunden wir das neue Haus seiner Familie. Wir interagieren mit verschiedenen Objekten wie Damians Bett, Bildern an der Wand oder einem Blumenbeet im Garten. Damian kommentiert alles kurz, so dass wir mehr über ihn und seine Familie erfahren. Zudem können wir sechzehn Sticker finden. Diese klebt Damian in sein selbstgezeichnetes Bingofeld. Haben wir eine Reihe oder Spalte komplett gefüllt, schalten wir die Wiederholung eines Boss-Kampfes frei. Bevor wir die verschiedenen Räume jedoch erkunden können, müssen wir uns mit Damians Sorgen und Ängsten auseinandersetzen. Sobald der Zehnjährige eine Situation vorfindet, die ihm zusetzt, wechselt das Geschehen mit einer knappen, in Manga-Stil gehaltenen Zwischensequenz in Damians Fantasie und somit in ein neues Kapitel als Captain Velvet Meteor.

Hier führen wir oft kurze Gespräche mit Jay-P sowie dem jeweils für das Kapitel relevanten Manga-Charakter. Auf diese Weise wird stets der Handlungsbogen vorangetrieben. Dabei fällt auf, wie eng die Ereignisse und Bossgegner mit Damians Situation in der Realität zusammenhängen. Ohne weitere Spoiler sei hier erneut das Beispiel mit Damians Hund und dem Hunde-Kaiju erwähnt. Jedes Kapitel besteht aus mehreren rundenbasierten Strategie-Leveln. Damian und seine Begleiter teilen sich stets einen Lebenspunkte-Balken. Entsprechend gilt es darauf zu achten, nicht unachtsam zu sein. Besiegte Gegner füllen unsere Lebenspunkte wieder auf und gewähren uns unter bestimmten Bedingungen zusätzliche Bewegungspunkte. Standardmäßig können sich alle Charaktere vier Felder pro Runde bewegen. Taktisch versuchen wir das jeweilige Level-Ziel zu erreichen und dabei die wenigen Sammelgegenstände zu finden und Nebenquests zu erfüllen. Hierfür setzen wir auf die verschiedenen Angriffsmöglichkeiten. So haben Damian und seine Begleiter jeweils eine eigenständige Attacke, die vom jeweiligen Charakter abhängt. Damian setzt beispielsweise stets auf seine Laserpistole, mit der er bis zu drei Felder weit schießen kann. Die Prinzessin schnellt mit einem Schwertstreich bis zu drei Felder nach vorne und Ghost Girl aus Ghost Reaper Girl schwingt ihre Sense, wodurch sie Gegner auf den drei Feldern horizontal vor sich trifft. Es ist sinnvoll, die verschiedenen Angriffstechniken zu verinnerlichen, um auf jede Situation richtig zu reagieren.

Unterstützende Manga-Figuren

Zusätzlich stehen uns zwei verschiedene Kombo-Aktionen zur Verfügung. Diese sind auch davon abhängig, wer an Damians Seite kämpft. Während wir den ersten gemeinsamen Angriff jederzeit ausführen können, ist der zweite und mächtigere nur verfügbar, wenn wir zuvor drei gelbe Energiekugeln eingesammelt haben. Unterschiedliche Gegner mit verschiedenen Attacken und Verhaltensmustern, Fallen und gefährliche Umgebungen sorgen für weiteren taktischen Anspruch. Außerdem haben wir in manchen Leveln nur eine begrenzte Anzahl an Zügen, bevor eine riesige Bombe explodiert und uns tötet. Das bringt willkommene Abwechslung und erhöht genauso wie die großartigen Bosskämpfe den angenehmen Schwierigkeitsgrad. Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions ist nie zu leicht oder zu schwer und versteht es, selbst wenn wir mehrmals an einem Level scheitern, stets zum Weiterspielen zu animieren.

Optisch überzeugt das Strategie-Adventure mit einem schönen Zeichenstil, der besonders in Damians Haus sowie auf dem Raumschiff Velvet Wonder zur Geltung kommt. Doch auch die Level wissen mit viel Abwechslung und ausreichend Details zu überzeugen. Zudem versteht es Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions, das Kindliche des zehnjährigen Protagonisten einzufangen. So ist das Menü Damians Zeichen-Ringbuch. Entsprechend charmant ist die optische Umsetzung, die sich auch in Details der Spielwelt wiederfindet. Der Schiffscomputer der Velvet Wonder zeigt etwa auf dem Bildschirm gezeichnete Statstiken von Damian. Ebenfalls gefallen uns die Charakterdarstellungen in den Dialogen. Hier werden offensichtlich typische Artworks der bekannten Manga-Figuren verwendet. Diese fügen sich sehr gut ein und werden von Damians und Jay-Ps witziger Mimik gekonnt unterstützt. Ähnlich überzeugen kann der stets passende, wenn auch manchmal etwas zu unauffällige Soundtrack. Bedauerlich ist jedoch, dass die witzig und gut geschriebenen Texte nicht in deutsch vorliegen. Stattdessen haben wir die Wahl zwischen Englisch, Japanisch, Französisch, Spanisch und Chinesisch. Auf eine Sprachausgabe wurde komplett verzichtet, was jedoch nie negativ auffällt. Vielmehr passt es zur Manga-Thematik. Damit ist Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions ein spaßiges Strategie-Adventure mit schöner Geschichte, sympathischem Hauptcharakter, motivierendem Gameplay und gekonnter Nutzung bekannter Manga-Figuren.

Fazit

Bereits als Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions 2022 für die Nintendo Switch erschienen ist, hat das Strategie-Adventure mein Interesse geweckt. Aufmerksam geworden bin ich auf das Spiel von Momo-Pi aufgrund der Nutzung verschiedener Manga-Figuren. Da ich bisher nicht die Gelegenheit hatte, Damians fantasievolles Abenteuer zu erleben, habe ich die Gelegenheit der PC-Veröffentlichung genutzt, das endlich nachzuholen. Eine absolut richtige Entscheidung. Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions ist ein motivierendes Strategie-Adventure mit unerwartet tiefgründiger und zugleich angenehm leichtgängiger und witziger Geschichte. Damians Start in sein neues Leben in Japan ist gefühlvoll erzählt und steckt voller Entwicklungen und Erkenntnisse für den Zehnjährigen. Dabei hilft ihm seine lebendige Fantasie, die erstklassig mit der Realität verknüpft ist und zudem auf gelungene Weise bekannte Manga-Figuren nutzt. Es ist nicht einmal notwendig, jeden Charakter zu kennen, um der Geschichte folgen zu können. Sogar Genre-Fans, die keine Berührungspunkte mit Mangas haben, werden aufgrund des motivierenden Gameplays sowie der gelungenen Geschichte viel Spaß mit Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions haben. Natürlich kann es trotzdem von Vorteil sein, die Charaktere zu kennen, um einen Mehrwert aus ihren Auftritten zu ziehen. Persönlich haben einige Figuren sofort mein Interesse geweckt, sodass ich gerne ihre Manga-Reihen lesen würde. Entsprechend kann ich Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions allen Strategie-Adventure-Fans nur empfehlen.

Kurzfazit: Motivierendes Strategie-Adventure, das mit gelungenem Gameplay, schöner Geschichte, sympathischen Protagonisten und gekonnter Manga-Figuren-Nutzung viel Genre-Spielspaß bietet.

Vielen Dank an Shueisha Games & Momo-Pi für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions!

Details
Titel: Captain Velvet Meteor: The Jump+ Dimensions
Genre: Strategie, Adventure
Publisher: Shueisha Games
Entwickler: Momo-Pi
Spieler: 1
Syteme: PC (getestet), Nintendo Switch, Xbox Series X|S, Android
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungsdatum: 01. März 2024