Rezension: Orange – Gesamtedition (Blu-ray)

In einem Brief aus der Zukunft wird Naho in Orange gebeten, ihren neuen Klassenkameraden Kakeru zu retten.

Zu Beginn des zweiten Oberschuljahrs erhält Naho Takamiya einen seltsamen Brief. Dieser stammt von ihrem sechsundzwanzig-jährigen Ich zehn Jahre aus der Zukunft. Anfangs zweifelt Naho noch an der Echtheit, als sich aber immer mehr bewahrheitet, beginnt sie der Nachricht Glauben zu schenken. Darin wird sie gebeten ihren neuen Mitschüler Kakeru, in den sie sich laut Brief bald verlieben wird, zu retten. Fortan versucht Naho alles, um die Zukunft zu verändern. Aber kann sie wirklich den Lauf der Dinge ändern und die Wünsche ihres zukünftigen Ichs erfüllen?

Nachricht aus der Zukunft

Naho Takamiya erhält zu Beginn der dreizehnteiligen Anime-Adaption Orange des gleichnamigen Mangas einen Brief aus der Zukunft. Noch am selben Tag, findet sie heraus, dass die darin enthaltenen Angaben richtig sind. Ein neuer Schüler namens Kakeru Naruse kommt in ihre Klasse. Aber noch zweifelt sie an dem Brief und unternimmt entgegen der Bitte nichts dagegen, als ihre Freunde Kakeru einladen mit ihnen nach Hause zu gehen und noch ein wenig Zeit zusammen zu verbringen. Erst später wird deutlich, dass diese Entscheidung folgenschwer war. Die gesamten Auswirkungen auf die Ereignisse im zweiten Oberschuljahr von Naho, werden durch regelmäßige Wechsel zehn Jahre in die Zukunft aufgezeigt. Hier treffen sich Naho und ihre Freunde von damals, um sich gemeinsam an Kakeru zu erinnern, der nicht mehr unter ihnen weilt. Spätestens hier wird deutlich, dass Orange häufiger die Stimmung wechselt und sich zwischen fröhlichem Alltag einiger befreundeter Oberschüler und bedrückenden, teils dramatischen, persönlichen Problemen bewegt.

Dabei widmet sich das sentimentale Romantik-Drama recht offen dem Thema des Selbstmordes und den Gedanken daran. Kakeru ist fast sofort anzumerken, dass ihn etwas tief bedrückt. Der Oberschüler lacht zwar im Beisein seiner neuen Freunde Naho, Suwa, Azusa, Hagita und Takako, aber gleichzeitig ist oft zu erkennen, dass sich hinter der Fassade finstere Gedanken verbergen. Vorwiegend erzählt wird Orange allerdings nicht aus der Sicht von Kakeru, sondern von Naho, die wie im Brief angekündigt, recht bald Gefühle für ihren neuen Klassenkameraden entwickelt. Hier greift die romantische Ader von Orange. Zeitweise wird die Serie dadurch sogar etwas jugendlich-kitschig, besonders wenn Naho und Kakeru trotz eindeutiger Zuneigung füreinander einfach nicht zusammenfinden. Das ist allerdings auch eines der zentralen Themen der Serie. Schließlich ist Nahos vormaliges Ziel nicht ihre Liebe zu erfüllen, sondern Kakeru zu retten, damit er auch in zehn Jahren noch bei ihnen ist.

Ernste Glaubwürdigkeit

Unterlegt ist die Geschichte mit ein paar Wendungen, die teilweise gelungen, teilweise etwas gezwungen wirken. Immerhin leidet niemals der Erzählfluss oder Handlungsablauf. Eher sorgt beides dafür, dass sogar kleinere Schwächen schnell vergessen sind oder kaum auffallen. Selbst etwas anstrengender Abschnitte, in denen verschiedene Charaktere sich zwar nachvollziehbar und menschlich, aber sicherlich für manchen Zuschauer befremdlich verhalten, fügen sich gut ein und gehören einfach dazu. Schließlich sind Menschen nicht immer rational. Auch deshalb ist Kakeru, trotz manch nicht unbedingt hilfreicher Reaktion, niemals unrealistisch dargestellt. Vielmehr wird sein Handeln von seinen offensichtlichen Selbstzweifeln, Suizidgedanken und Depressionen bestimmt. Das macht Orange nicht immer leicht verdaulich, glücklicherweise schafft es die Serie aber wunderbar die ernsten Handlungsabschnitte mit lockeren Slice-of-Life-Momenten sowie passendem Humor, der auf der Interaktion der Freunde basiert, aufzulockern.

Aufgrund der sehr menschlichen Geschichte, sind es die sehr gut auf deutsch synchronisierten Charaktere, die viel zur Serie beitragen. Naho, Kakeru, Suwa, Azusa, Hagita und Takako sind glaubhaft und bodenständig. Niemals wirkt es so, als wären sie unrealistisch dargestellt oder gar Idealbilder. Jede Entscheidung ist irgendwie nachvollziehbar und sei es nur im Denken der jeweiligen Figur. Schnell wachsen einem die sechs Freunde ans Herz und unweigerlich entwickelt sich große Sympathie für sie, weshalb noch mehr mitgefiebert und gelitten wird. Egal, ob nun, Naho darunter leidet, dass Kakeru eine Freundin findet oder wenn Kakeru mit seinen Schuldgefühlen zu kämpfen hat. Da stört es dann auch nicht, dass die Geschichte gerade zum Ende teilweise etwas zu dramatisch und kitschig wird. Selbst die Erklärung für die Briefe aus der Zukunft kann, als für das Serienuniversum funktional akzeptiert werden und ist sogar in gewisser Weise logisch. Gerade die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft, die immer wieder neue Enthüllungen offenbart, sorgt für stetige Motivation und hilft dabei, an die Serie zu fesseln, bis das gelungene, bewegende Ende erreicht ist.

Fazit

Nachdem ich bereits die ersten beiden Bände der Manga-Vorlage gelesen habe, wusste ich ungefähr, was mich bei Orange erwartet. Die Serie aus dem Jahr 2016, die bei Crunchyroll im Simulcast lief, ist hochemotional und gleichzeitig wunderschön. Orange hat mich mit der Mischung aus Slice of Life, Drama und Romantik früh gefesselt und schon bald habe ich großen Anteil am Schicksal der Hauptfiguren genommen. Dabei hat es mich nur minimal gestört, dass manche Szene ein wenig zu dramatisch oder kitschig ausfällt. Immerhin bleibt Orange immer im Rahmen und verliert niemals den bodenständigen Realismus, der die Serie trotz ihrer Nachricht-aus-der Zukunft-Thematik auszeichnet. Abgesehen von dieser übernatürlichen Komponente ist Orange absolut glaubhaft. Besonders Naho, Kakeru und die anderen sind normale Oberschüler, die sich mit einem schwierigen Problem auseinandersetzen müssen. Höhen und Tiefen reißen mit, sorgen für traurige, lustige und romantische Momente, die gemeinsam eine wundervolle, dramatische Geschichte erzählen, die sich sehr gut und feinfühlig mit den Themen Selbstmord, Reue und Selbstzweifel auseinandersetzt. Wer auch nur ein wenig mit emotionalen Romantik-Dramen anfangen kann, sollte sich Orange unbedingt ansehen.

Kurzfazit: Orange ist eine Ausnahmeserie, die von glaubhaften Charakteren getragen wird und sich feinfühlig mit Selbstmord und Reue beschäftigt.

Vielen Dank an KSM Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Orange – Gesamtedition!

Details
Titel: Orange
Originaltitel: Orange
Genre: Drama, Romantik
Regie: Hiroshi Hamazaki, Naomi Nakayama
Studio: Telecom Animation Film
Produktionsjahr: 2016
Laufzeit: ca. 322 Minuten (Blu-ray), ca. 309 Minuten (DVD)
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 2.0)
Untertitel: Deutsch
Extras: Der Brief an Naho, Briefpapiere und -Kuverts, Artcards (double printed), Poster, Opening- und Ending-Song (Textless), Trailer, Bildergalerie
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 25. Juli 2019
Herstellerseite: Orange – Gesamtedition bei KSM Anime
Partnershop des Herstellers: Orange – Gesamtedition (Blu-ray) bei Anime Planet / Orange – Gesamtedition (DVD) bei Anime Planet

© 2016 Ichigo Takano- Futabasha/orange project / KSM Anime