Rezension: Liz und der Blaue Vogel (Blu-ray)

Zwei Freundinnen am Ende ihrer Oberschulzeit müssen sich in Liz und der blaue Vogel selbst finden und ihre Freundschaft auf eine Probe stellen.

Mizore hat sich, seit sie gemeinsam dem Schulorchester beigetreten sind, immer an ihre Freundin Nozomi gehalten. Stumm folgt die ruhige, zurückhaltende Mizore der aufgeweckten, fröhlichen Nozomi. Im dritten Jahr der Kitauji Oberschule beschäftigt die Schülerinnen der Gedanke an die Zukunft und was sie werden wollen. Derweil lernen sie gemeinsam mit dem restlichen Orchester für einen Wettbewerb das Stück „Liz und der Blaue Vogel“, das auf einem Märchenbuch basiert. Die Geschichte erinnert beide an ihre Freundschaft und Beziehung zur jeweils anderen und während der Proben, erkennen sie, dass sie nicht nur ihr musikalisches Talent einer Prüfung unterziehen, sondern auch ihre Freundschaft.

Sanftes Coming of Age mit Musik

Liz und der Blaue Vogel erzählt die Geschichte der Freundinnen Mizore und Nozomi, die gemeinsam im Schulorchester der Kitauji Oberschule spielen. Anime-Fans könnte der Name der Schule bekannt vorkommen, war sie bereits der Schauplatz der Serie Hibike! Euphonium beziehungsweise Sound! Euphonium. Der neunzig Minuten lange Film setzt nach der bei Crunchyroll im japanischen Original mit deutschen Untertiteln verfügbaren Serie ein. Für Liz und der Blaue Vogel ist es allerdings nicht erforderlich, Hibike! Euphonium zu kennen. Statt der Serienhauptfiguren rücken in Liz und der Blaue Vogel die Freundinnen Mizore und Nozomi in den Mittelpunkt.

Beide Charaktere kamen bereits in Hibike! Euphonium vor, erhalten in Liz und der Blaue Vogel aber mehr Aufmerksamkeit als zuvor. Ruhig und gemächlich folgt der Film den beiden Schülerinnen während der Proben für den Wettbewerb und ihrer Suche nach einem Ziel. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei Mizore, die vollkommen auf Nozomi fixiert ist, geschenkt. Sie wartet zu Beginn des Films am Schuleingang auf ihre Freundin und folgt ihr dann mit etwas Abstand zum Musikzimmer des Schulorchesters. Hier zeigt sich bereits, dass Kyoto Animation gerne die Bilder für sich sprechen lässt und manchmal auf Dialoge verzichtet. Obwohl Mizore und Nozomi kaum ein Wort miteinander wechseln, wird die Beziehung der beiden zum Filmeinstieg gut vermittelt. Blicke, Bewegungen, kurze Regungen reichen bereits aus, um zu verdeutlichen, wie wichtig Nozomi für Mizore ist. Das heißt nicht, dass die Dialoge unwichtig sind. Im Gegenteil. Die sehr gut geschriebenen Gespräche sind im Laufe der zirka neunzig Minuten überaus wichtig und nehmen, genauso wie die Musik, einen wichtigen Stellenwert ein.

Ruhige Bodenständigkeit, statt Dramatik

Mizores und Nozomis Geschichte verzichtet auf dramatische oder große Momente. Vielmehr bleibt der Film überaus ruhig und bodenständig. Kyoto Animation folgt einfach einem wichtigen Lebensabschnitt von zwei Schülerinnen, die eng miteinander verbunden sind und sich trotzdem voneinander wegzubewegen scheinen. Verdeutlicht wird die Beziehung von Mizore und Nozomi durch das Märchen „Liz und der Blaue Vogel“, das in farbenprächtigen Szenen erzählt wird und von der Liebe des einsamen Mädchens Liz zu einem Blauen Vogel, der als Mädchen zu ihr kommt, handelt. Die Gemeinsamkeiten des Märchens mit der Freundschaft der Hauptfiguren ist bezeichnend und erhält noch mehr Wirkung aufgrund des Stücks, das für den Wettbewerb einstudiert wird. Natürlich übernehmen Mizore und Nozomi mit Oboe und Querflöte wichtige Parts, was wiederum als übertragene Darstellung ihrer belasteten Beziehung dient.

Nicht jedem dürfte die sanfte, ruhige und gemächliche Erzählweise von Liz und der Blaue Vogel gefallen. Auch, weil der musikalische Aspekt geringer ist als erwartet. Das Erwachsenwerden von Mizore und Nozomi, ihre Suche nach einem Ziel das sie nach der Schule verfolgen wollen und ganz besonders ihre Freundschaft, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Beeinflusst werden sie dabei auch von ihrem Umfeld, das neben einige neuen Figuren, auch bekannte Charaktere aus Hibike! Euphonium in Nebenrollen nutzt. Unterstrichen wird die ruhige Geschichte von den wunderschönen Bildern, die Kyoto Animation gezaubert hat. Liz und der Blaue Vogel erstrahlt, wie von dem Anime-Studio nicht anders zu erwarten, nicht nur mit flüssigen Animationen, sondern vor allem mit einem zarten Stil, der hervorragend zum Film passt. Eher matte, aber nicht dumpfe Farbtöne in der Geschichte von Mizore und Nozomi werden in einen schönen Kontrast zu den kräftigen, bunten Farben des titelgebenden Märchens gesetzt. Herausstechend sind, wie so oft bei Kyoto Animation, wieder einmal die lebendigen, strahlenden Augen, die genau richtig in Szene gesetzt werden und ausgezeichnet die Gefühle der Figuren wieder spiegeln. Dazu gesellt sich der zauberhafte Soundtrack, der neben dem zu probenden Stück des Orchesters weitere schöne Lieder umfasst. Ebenfalls gelungen ist die deutsche Synchronisation.

Fazit

Hibike! Euphonium gehört zu einer meiner liebsten Kyoto-Animation-Serien und das nicht nur wegen der wunderschönen Animationen. Doch auch ohne die Verbindung, hätte mich die Geschichte von Liz und der Blaue Vogel interessiert. Dass der Film den Musikaspekt etwas geringer hält und den Fokus dafür stärker auf die Freundschaft von Mizore und Nozomi sowie das titelgebende Märchen legt, ist der Handlung geschuldet und passt sehr gut zum Film. Sanft und ruhig erzählt Liz und der Blaue Vogel einen wichtigen Abschnitt aus dem Leben der beiden Hauptfiguren. Mizore und Nozomi müssen nicht nur sich und ihre Ziel finden, sondern auch die Veränderung ihrer Freundschaft meistern. Dabei wurde auf große Dramatik und weitreichende Konsequenzen verzichtet. Stattdessen bleibt Liz und der Blaue Vogel stets bodenständig und folgt einfach der Entwicklung von Mizore und Nozomi, die beide im Laufe der Geschichte eine gelungene Wandlung mitmachen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das wunderschöne Märchen, das dem Film den Titel gibt und in kräftigen Farben dargestellt wird. Aufgrund der unspektakulären, sanften Art, dürfte Liz und der Blaue Vogel nicht jedem gefallen, wer sich darauf einlässt und etwas mit einfachen, gemächlichen Coming-of-Age-Geschichten anfangen kann, sollte sich den Film aber auf jeden Fall ansehen. Für mich erzählt Liz und der Blaue Vogel eine wunderschöne Geschichte, die mich auf ihre Weise verzaubert hat. Ein besonders Meisterwerk, das vielleicht nicht jeden erreicht, aber definitiv Aufmerksamkeit verdient hat. Bleibt zu hoffen, dass Universum Anime sich auch der Vorgänger Serie Hibike! Euphonium beziehungsweise Sound! Euphonium sowie dem weiteren Fortsetzungen annimmt und diese auf deutsch veröffentlicht.

Kurzfazit: Sanfter, bodenständiger Coming-of-Age-Film, der in wunderschönen Bildern ruhig erzählt wird und mit sympathischen Charakteren sowie Märchen- und Musikkomponente verzaubert.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Liz und der Blaue Vogel!

Details
Titel: Liz und der Blaue Vogel
Originaltitel: Liz to Aoi Tori
Genre: Slice of Life, Coming of Age, Drama
Regie: Naoko Yamada
Studio: Kyoto Animation
Produktionsjahr: 201
Laufzeit: ca. 90 Minuten (Blu-ray), ca. 86 Minuten (DVD)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Musikvideo Homecomings „Songbirds“, Original-Trailer und TV-Spots
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungstermin: 20. September 2019
Herstellerseite: Liz und der Blaue Vogel bei Universum Anime

©Ayano Takeda,TAKARAJIMASHA/Hibike Partners