Rezension: Kill la Kill – If (PS4)

In bester Prügelspielmanier treffen in Kill la Kill – If die Charaktere der Anime-Vorlage in einer alternativen Geschichte aufeinander.

Kill la Kill – If von A+ Games und Arc System Works basiert auf der Anime-Serie Kill la Kill, die von Oktober 2013 bis März 2014 im japanischen Fernsehen lief. Gemeinsam mit den Schöpfern der Original-Anime-Serie vom Studio Trigger erzählt das Fighting Game eine alternative Variante der bekannten Geschichte rund um Ryuko Matoi und Satsuki Kiryuin. Aus zwei Perspektiven erleben wir einen etwas anderen Ablauf des Kampfes der Serie und treten in 3D-Arena-Kämpfen gegen verschiedene Figuren der Vorlage an.

Anime trifft Prügelspiel

Zu Beginn von Kill la Kill – If steht ausschließlich das erste Kapitel des Story-Modus zur Verfügung. Alle anderen Möglichkeiten des Action-Spiels müssen wir erst freischalten. Entsprechend beginnen wir mit Satsukis Geschichte, die grob in der Mitte der Anime-Vorlage bei den Auswahlkämpfen für die Schülervertretung einsetzt, aber bereits hier von der Serienhandlung abweicht. In einem ersten Kampf gegen Ryuko lernen wir ganz Tutorial die Steuerung. Bewegungsarten, Angriffe, Spezialfähigkeiten, nacheinander werden uns alle wichtigen Befehle beigebracht – und das bereits mitten in der Action, allerdings noch ohne Möglichkeit zu gewinnen oder verlieren. Dabei fallen Steuerung und Kampfsystem sehr eingängig aus. Schnell sind die wichtigsten Befehle erlernt und wir legen mit harten, flotten Attacken los.

Bei Kill la Kill – If handelt es sich jedoch um keinen klassischen 2D-Prügler wie BlazBlue oder Street Fighter, sondern um ein 3D-Fighting-Game. In unterschiedlich großen Arenen dürfen wir uns, genauso wie unser Gegner, frei bewegen. Entsprechend viel Spielraum haben wir für Angriff, Rückzug oder Verteidigung. Schlagen, schnell zurückweichen, sofort wieder nach vorne schnellen, ein Sprung mit verbundenem Angriff und anschließend eine Todesstoß-Spezialattacke. Das schnelle Gameplay befördert zahlreiche zügig hintereinander folgende Aktionen und lässt kaum Pausen fürs Durchatmen während den Kämpfen. Davon profitiert spürbar der Spielspaß, da wir fast immer mitten in der Action sind und uns wilde Gefechte mit unseren Gegnern liefern. Zur Verfügung stehen uns dafür bei jedem der gut ausbalancierten, sich in der Spielbarkeit unterscheidenden Charaktere über unterschiedliche Angriffsarten wie Nah- und Fernkampf sowie diverse Kombo-Variationen, die alle vergleichsweise leicht von der Hand gehen. Das Kampfsystem von Kill la Kill – If ist schnell erlernt und motiviert, sich tiefergehend damit zu befassen, um es für die höheren der vier Schwierigkeitsgrade zu meistern.

Story und mehr

Das Herzstück von Kill la Kill – If ist defintiv der Story-Modus, auch wenn wir in diesem gefühlt länger schick umgesetzte Zwischensequenzen ansehen, als tatsächlich zu kämpfen. Ausladend erzählt das Spiel seine Geschichte und so warten wir zwischen zwei Kämpfen auch mal über zehn Minuten, in denen wir einfach nur der japanisch und englisch vertonten mit deutschen Untertiteln versehenen Geschichte folgen. Das mag nicht jedem Prügelspiel-Fan gefallen, aber gerade Kenner der Serie dürften ihre Freude daran haben Satsuki, Ryuko, die Elite Vier, Nui Harime oder Mako Mankanshokou auf einem alternativen Weg zu begleiten. Natürlich inklusive des abgedrehten Humors, der die Serie auszeichnet. Da zwischen den Kämpfen keine Pausen oder Möglichkeiten zum Verlassen angeboten werden, verlieren wir uns schnell in der Geschichte und spielen zumindest ein Kapitel, das in mehrere Teile eingeteilt ist, am Stück durch. Lang dauert das vielleicht nicht, dafür macht es um so mehr Spaß.

Besonders fällt dabei auch auf, dass wir nicht nur Kämpfe gegen einen Gegner absolvieren, sondern mitunter auch gegen mehrere Feinde gleichzeitig antreten. Das sorgt für zusätzliche Herausforderung, bietet sich bei den freien Arenen aber geradezu an. Genauso passen die Massenkämpfe, in denen wir fast schon wie in einem Muso-Spiel bis zu hundert Klon-Gegner bezwingen müssen. Ein großer Spaß, der für Abwechslung sorgt. Natürlich findet sich diese auch außerhalb des Story-Modus. Sobald wir den ersten Kampf absolviert haben, schalten wir die obligatorischen Versus- und Übungs-Modi frei. Hier dürfen wir im freien Kampf gegen CPU oder menschliche Gegner antreten, uns im Online-Kampf versuchen, das Tutorial wiederholen, trainieren oder uns Herausforderungen stellen. Eine Galerie lässt uns außerdem beispielsweise Wiederholungen, Anime-Sequenzen oder digitale Figuren ansehen.

Soweit stimmt der Umfang von Kill la Kill – If. Leider trifft das nicht auf die Charakter- und Arenen-Auswahl zu. Beides ist recht stark eingeschränkt. Neben Satsuki und Ryuko, die beide in mehreren Varianten vorhanden sind, sind nur einige wenige weitere Kämpfer im Spiel enthalten. Ähnliches gilt für die überschaubre Zahl an Schauplätzen. Beides orientiert sich zwar an der Anime-Vorlage, dennoch wäre etwas mehr durchaus möglich gewesen. Angesichts des spaßigen Gameplays und der gut eingefangenen Stimmung der Vorlage, ist das jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt. Genauso wenig stören die eher einfach gestalteten Arenen, da diese ihren Zweck mehr als erfüllen und zudem die Charaktere hervorragend designt sind und trotz 3D-Anime-Grafik sofort Erinnerungen an die Serie wecken. Überzeugen können die effektvollen Angriffe und der sehr gute Soundtrack, die das Spielgefühl noch zusätzlich unterstützen. Kill la Kill – If ist vielleicht nicht für jeden Fighting-Game-Fan geeignet, doch gerade Anhänger und Kenner der Serie dürften Gefallen daran finden sich mit Satsuki, Ryuko und den anderen Arena-Kämpfe zu liefern.

Fazit

Kill la Kill ist eine der vielleicht abgedrehtesten Anime-Serien der letzten Jahre. Die Kampf-Thematik der Original-Serie vom Studio Trigger bietet sich recht offensichtlich für ein Fighting Game an und Kill la Kill – If setzt das Ganze hervorragend um. Die Arena-Prügeleien machen Spaß, sind schnell erlernt und benötigen trotzdem Zeit um gemeistert zu werden. Damit kann das Spiel auch Genre-Fans ohne Bezug zur Vorlage ansprechen. Lediglich der geringe Umfang an Kämpfern und Arenen könnte einige Spieler stören. Mir ist das jedoch nicht negativ aufgefallen, da mir besonders die alternative Geschichte ausgesprochen viel Spaß gemacht hat. Trotz oder gerade aufgrund der ausladenden Zwischensequenzen habe ich die Handlung fast wie bei einer Anime-Serie, bei der ich die Kämpfe selbst spielen kann, verfolgt. Ein großes Vergnügen. Zumindest Serien-Fans, die etwas mit Fighting Games anfangen können, sollten sich Kill la Kill – If unbedingt ansehen, doch auch wer das Genre mag, kann dem Spiel bedenkenlos eine Chance geben.

Kurzfazit: Schnelles, actionreiches Fighting Game mit ausladender, fesselnder Geschichte, das vor allem Fans der Anime-Serie gefallen dürfte.

Vielen Dank an PQube für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kill la Kill – If!

Details
Titel: Kill la Kill – If
Genre: Fighting Game
Publisher: Arc System Works, PQube
Entwickler: APlus
Spieler: 1-2
Syteme: Playstation 4 (getestet), Switch, PC
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 26. Juli 2019

© Arc System Works / ©Trigger, Kazuki Nakashima / Kill la Kill Partnership / PQube Limited