Rezension: Wolfenstein: Youngblood (Xbox One)

Gemeinsam suchen die Blazkowicz-Schwestern im Koop-Shooter Wolfenstein: Youngblood nach ihrem verschwundenen Vater.

Erstmals in der neugestarteten Wolfenstein-Reihe bietet Wolfenstein: Youngblood einen Koop-Modus für zwei Spieler. Als Zwillings-Töchter von B.J. Blazkowicz geht es auf der Suche nach dem Helden der Vorgänger ins Paris der 1980er-Jahre. Dort treten Jess und Soph zusammen mit dem Widerstand gegen das Nazi-Regime an und versuchen Hinweise auf ihren verschwundenen Vater zu finden. Wahlweise kann die Story alleine oder online mit einem weiteren Spieler absolviert werden. Einzelspieler werden stets von der KI-Schwester unterstützt. Zu Spielbeginn, bei dem bereits die Koop-Ausrichtung des Shooters auffällt, wählen wir eine der beiden Hauptfiguren, die wir anschließend verkörpern. Spielerisch hat es keine Auswirkungen, ob wir uns für Jess oder Soph entscheiden. Zudem dürfen wir ein rein optisches Design für unseren Cyber-Anzug, eine erste Fähigkeit und eine Geste, die uns Boni gewährt, wählen.

Gemeinsamer Kampf

In der Rolle der beiden Schwestern treten wir gegen das Regime, das Neu-Paris mit harter Hand regiert, an. Anfangs noch linear in einer Tutorial-Mission, öffnen sich die Bereiche in denen wir unsere Missionen absolvieren relativ bald. Sobald wir erstmals in der Widerstands-Basis in den Katakomben waren, dürfen wir via Metroplan frei zwischen den bereits freigeschalteten Gebieten reisen. Wolfenstein: Youngblood besticht dabei mit weitläufigen Zonen, die sowohl Straßenzüge als auch betretbare Wohnungen beinhalten und damit eine vertikale Komponente enthalten. Bereits hier, aber auch in den lineareren Abschnitten, fällt das erstklassige Level-Design des Shooters auf. Die Gebiete gewähren viele Freiheiten, oft können wir alternative Wege gehen oder uns hervorragend an Feinde anschleichen. Zudem gibt es viele kleine Details, die Hinweise auf das Leben im vom Regime besetzten Paris geben. Allerdings gehören dazu auch zahlreiche Sammelobjekte wie lesbare Dokumente, Zeitungen, Tagebücher und dergleichen, Konzeptart, Disketten, Kassetten oder Videokassetten. Obwohl hier viel Liebe fürs Detail investiert wurde, ist die Menge an Sammelobjekten schlicht zu viel. Dem Spielspaß schadet das als rein optionales Element natürlich nicht.

Das Shooter-Gameplay ist genauso gelungen wie in den Vorgängern und das obwohl das Trefferfeedback durchaus besser sein könnte. Es ist einfach unterhaltsam sich an Feinde anzuschleichen und sie schnell zu erledigen oder sich direkt in wilde Gefechte zu werfen. Vollkommen unüberlegt sollten wir jedoch nicht handeln, da einige Abschnitte recht herausfordernd ausfallen können. Außerdem rufen unsere Gegner Verstärkung, sobald sie uns entdeckt haben. Deshalb ist es sinnvoll zuerst die Kommandanten auszuschalten, da diese einen großen Einfluss auf die Stärke und Verfügbarkeit von Verstärkung haben. Eine weitere kleine taktische Komponente bringen die Rüstungen der Regime-Soldaten und -Maschinen mit sich. Entsprechend der angezeigten Symbole sind bestimmte Waffen effektiver, weshalb wir möglichst diese einsetzen sollten. Vielleicht nur ein simpler Faktor, der uns jedoch regelmäßig dazu bringt zwischen unseren Waffen zu wechseln.

Kurzweilig mit Schwächen

Schwächer fällt Wolfenstein: Youngblood bei der Geschichte aus. Diese ist zwar vorhanden, aber trotz kleinerer Wendungen kaum der Rede wert. Ähnlich verhält es sich mit den eher einfachen Charakteren. Jess und Soph sind mit ihrer durchgeknallten Art zwar recht witzig, wirken zugleich aber naiv und sind simpel geschrieben. Immerhin schadet das dem reinen Spielspaß nicht. Da wir anfangs noch nicht stark genug sind, sind wir fast schon gezwungen einige Nebenmissionen zu absolvieren, um im Level aufzusteigen und uns Silbermünzen und Skillpunkte zu verdienen. Während wir mit unserem Geld unsere Waffen verbessern können, investieren wir Skillpunkte in neue, durchaus sinnvolle Fähigkeiten. So können wir unserem Sturmgewehr etwa einen Schalldämpfer oder einen Rückstoßdämpfer und ein Zielfernrohr oder eine Taschenlampe verpassen. Manchmal ist sogar der Wechsel zwischen bereits gekauften Verbesserungen sinnvoll. Langsam aber sicher werden wir in der etwa dreißig stündigen Kampagne stärker und legen uns mit immer größeren und mächtigeren Feinden an. Schade ist allerdings, dass in langen Missionen keine Checkpoints vorhanden sind. Das kann mitunter frustrierend sein.

Ähnlich verhält es sich bei Bosskämpfen, wenn wir alleine spielen. Die KI-Begleiterin agiert zwar meist relativ ordentlich, gemeinsame Aktionen sind jedoch nicht möglich. Lediglich ein Ziel kann markiert werden, auf dass sich unsere Schwester anschließend konzentriert. Taktisches Vorgehen ist damit für Solisten fast gänzlich hinfällig. Dadurch werden die bereits angesprochenen Bosskämpfe schwieriger als mit einem menschlichen Mitspieler. Schade, hier hätten die Entwickler entsprechende Anpassungen vornehmen können. Ein klein wenig helfen die gemeinsamen Leben, von denen wir bis zu drei erhalten können. Schaffen wir es nicht rechtzeitig unsere Schwester zu heilen, verlieren wir eines davon, scheitern aber nicht sofort. Genauso verhält es sich, wenn wir selbst sterben, ohne rechtzeitig Unterstützung zu erhalten.

Wolfenstein: Youngblood besticht mit detailliert gestalteten Gebieten, schicken Licht-, Schatten- und Explosionseffekten sowie einem wuchtigen Sound, der oft mit zum Szenario passender Musik unterlegt ist. Leider fallen aber auch einige technische Mängel auf. So ist es uns an mehreren Stellen passiert, dass wir in der Umgebung festgehangen haben. Außerdem fallen häßliche Umgebungsgrafiken und unschöne Figurenmodelle, besonders bei Gesprächen, auf. Befinden wir uns in der Action, fallen die Mängel jedoch nicht auf, so dass sich der Shooter sehen lassen kann. Außerdem überzeugt das mittlerweile vierte Bethesda-Wolfenstein mit unterhaltsamen Shooter-Gameplay, das jederzeit im Koop gespielt werden kann. An die Vorgänger kommt der Pariser-Kampf der Blazkowicz-Schwestern jedoch nicht ran.

Fazit

MachineGames und Bethesda gehen mit Wolfenstein: Youngblood neue Wege und schaffen es, mit dem Koop-Konzept zu überzeugen. Gerade zu zweit entfaltet der Shooter sein volles Potenzial, ermöglicht es aber auch Solisten den Titel ohne Einschränkungen durchzuspielen. Lediglich manche fehlende Anpassungen, besonders in den Bosskämpfen, haben mich gestört und manchmal frustriert. Hier fallen die eingeschränkten Möglichkeiten der KI-Begleiterin besonders auf. Weshalb ist es nicht möglich, Anweisungen für gemeinsames Vorgehen zu geben? Das hätte vieles wett gemacht. Doch auch so hat mir Wolfenstein: Youngblood viel Spaß gemacht. Das Shooter-Gameplay funktioniert und die weitläufigen Pariser Viertel laden zum Erkunden ein und profitieren vom grandiosen Level-Design. Da stört es dann auch nur noch bedingt, dass Geschichte und Charaktere eher flach sind und trotz Wendungen nur bedingt überzeugen können. Ausreichend motivieren kann der Shooter mit seiner Spirale aus Missionen, Ballerei und Charakter- sowie Waffenverbesserungen trotzdem. Wolfenstein: Youngblood ist vielleicht der bisher schwächste Teil der Reihe seit der Wiederbelebung durch Bethesda, schlecht ist das Spiel aber trotzdem nicht und gerade wer den Shooter im Koop spielen kann und will, macht wenig falsch.

Kurzfazit: Kurzweiliger Koop-Shooter, der auch für Einzelspieler geeignet ist, aber bei Story und Charakteren schwächelt und nicht an die Vorgänger herankommt.

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wolfenstein: Youngblood!

Details
Titel: Wolfenstein: Youngblood
Genre: Ego-Shooter
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: MachineGames / Arkane Studios Lyon
Spieler: 1-2
Syteme: Xbox One, PlayStation 4, PC, Switch
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 26. Juli 2019

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