Rezension: Worldend Syndrome (Switch)

Worldend Syndrome erzählt eine Mystery-Geschichte inklusive Romantik-Elementen in einer kleinen japanischen Stadt.

Als selbst bennenbarer Protagonist ziehen wir zu Beginn von Worldend Syndrome in die am Meer gelegene kleine Stadt Mihate Town. Dort gehen wir zu Schule, treten relativ bald dem als Mystery Club bezeichneten Tribal Studies Research Club bei und verbringen unsere Zeit mit den neuen Menschen, die wir kennenlernen. Recht früh wird deutlich, dass der Protagonist eher düster und pessimistisch eingestellt ist. Die Erklärung dafür liefert Worldend Syndrome noch im vergleichsweise langen Prolog, der uns die Stadt und die wichtigsten Charaktere vorstellt. Allen voran Maimi Kusunose, Yukino Otonashi, Miu Amana, Saya Kamishiro, Hanako Yamada und indirekt auch das Idol Rei Nikaido. Sie bestimmen den Romantik-Anteil der Visual Novel und stellen zugleich die verschiedenen Routen inklusive eigener Enden dar. Um die gesamte Geschichte und alle Aspekte der Handlung sowie jedes Ereignis mit zu bekommen, ist mehrmaliges Durchspielen erforderlich. Ergänzt werden die neben unserem Protagonisten vielleicht wichtigsten Figuren von Freunden, Verwandten und Bewohnern Mihate Towns, die je nach Handlungsroute unterschiedlich große Rollen in der spannenden und interessanten Mystery-Geschichte, die sich viel mit der Thematik Leben und Tod beschäftigt und dadurch eine ernste Note erhält, einnehmen.

Ein unvergesslicher Sommer

Der Prolog setzt im Juni an und führt uns wie erwähnt in die Geschichte und die wichtigsten Begebenheiten ein. Langsam lernen wir alles kennen. Hier bleibt Worldend Syndrome eine relativ klassische Visual Novel. Linear lesen wir die englischen Texte, verfolgen die oft japanisch synchronisierten Dialoge und schreiten so langsam im Schuljahr und unseren ersten Monaten in Mihate Town voran. Lediglich gelegentliche Multiple-Choice-Antwort-Möglichkeiten, die jedoch allgemein höchstens beeinflussen, ob wir einem Charakter sympathischer sind, sorgen für kleinere Abweichungen bei Reaktionen und Dialogen. Je nach Spielweise kann der Prolog zwei bis drei Stunden dauern, bis wir das eigentliche Spiel erreichen. Hier arbeitet Worldend Syndrome mit einem interessanten Kniff, der vielleicht kurzzeitig für Verwirrung sorgt, aber einen interessanten Einblick gewährt, bevor wir in die quasi Freiheit der Sommerferien entlassen werden.

Sobald in der Geschichte der August erreicht ist, öffnet sich Worldend Syndrome ein wenig. Den Grundprinzipen einer Visual Novel bleibt das Spiel weiterhin treu, so dass wir vorwiegend Texte und Dialoge lesen. Allerdings dürfen wir fortan über eine schick gestaltete an typischen Touristenprodukten orientierten Karte verschiedene Orte in Mihate Town auswählen. Es steht uns, abgesehen von besonderen Ereignissen wie etwa das Sommercamp des Mystery Clubs frei, ob wir etwa die Schule aufsuchen, in die Stadt gehen oder den Wald betreten. Wichtig ist dabei allerdings, dass wir zu jeder der drei Tageszeiten Morgen, Mittag und Abend nur einen Ort aufsuchen können. Die verschiedenen Lokalitäten verfügen über jeweils zwei, manchmal drei weitere Gebiete, die wir direkt mit besuchen können. So gelangen wir etwa über den Strand zum Hotel und Leuchtturm. Was uns an den jeweiligen Orten an welchem Tag und zu welcher Tageszeit erwartet, wissen wir im Vorfeld nicht. Das führt dazu, dass wir in der Hoffnung dort passiert etwas, irgendwohin gehen. Besonders, wenn wir einer Route folgen und deshalb eine bestimmte Person regelmäßig treffen wollen, kann das nervig werden. Es ist ratsam im Kartenmenü immer zu speichern und notfalls neu zu laden, um auch wirklich ausreichend Sympathie bei unserer erwählten Mitschülerin oder Bekannten zu erzielen, um das entsprechende Ende zu erreichen.

Strukturelle Schwächen

Diese Spielstruktur kann der Geschichte durchaus schaden. Schließlich artet das Besuchen der verschiedenen Orte in Mihate Town relativ schnell in Trial & Error aus. Dadurch ist es möglich, dass sich die Handlung etwas zieht und wir über längere Zeit kaum voran kommen. Immerhin speichert Worldend Syndrome bei jedem Laden, erlangte Erkenntnisse ab, so dass wir anschließend wissen, wer wann wo ist. Besondere Events werden bereits zuvor mit einer Markierung hervorgehoben, sind aber nicht bei jedem Durchgang sinnvoll, da sie mit einer anderen Figur zusammenhängen oder Nebenquests betreffen können. Letztere sind kleine Zusatzaufgaben, die wir für diverse Charaktere erfüllen können. Dafür müssen wir, genauso wie bei den Sammelobjekten, an bestimmten Tagen zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten Ort aufsuchen. Hier gilt ebenfalls: beim Laden eines älteren Spielstands bleiben erfüllte Nebenquests und gesammelte Gegenstände erhalten. So kann bei mehreren Durchgängen nicht nur die Geschichte vollständig erschlossen, sondern auch unsere Sammlung regelmäßig ergänzt werden. Dank der verschiedenen Routen, mehreren Enden und spannenden Geschichte, versteht es Worldend Syndrome, trotz der manchmal zu Lasten der Erzählung gehenden Spielstruktur zu fesseln und motivieren. Die zahlreichen Rätsel rund um die alte Legende der wieder aufstehenden Toten (keine Zombies!), die Ereignisse rund um die verschiedenen Charaktere und die damit verbundenen Handlungsstränge sind spannend erzählt und machen den Reiz von Worldend Syndrome aus. Allerdings ist die Mystery-Geschichte mit einer sehr starken Romantik-Komponente versehen. Das Interagieren mit den anderen Hauptfiguren, sowie ihnen näher zu kommen ist ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Eine Dating-Simulation ist die Visual Novel dadurch aber nicht.

Wie bei Visual Novels üblich, setzt Worldend Syndrome optisch vorwiegend auf Charaktermodelle die vor Hintergründen agieren und Textboxen, die sowohl Dialoge als auch die Gedanken des Protagonisten und Erklärungen wiedergeben. Bei den Figuren sorgen Bewegungen und eine ordentliche Mimik für lebendige Charaktere, während die schönen Hintergründe dank Animationen nicht statisch wirken. Untermalt wird das Geschehen von einem stimmungsvollen, eher ruhigen Soundtrack, der die Atmosphäre immer gut begleitet und an den richtigen Momenten unterstreicht. Ebenfalls überzeugen können die japanische Synchronisation und die englischen Texte.

Fazit

Worldend Syndrome hat mich mit der spannenden Mystery-Geschichte durchaus an die Switch gefesselt. Die Geheimnisse von Mihate Town verstehen es immer wieder aufs Neue zu motivieren und irgendwie wollte ich immer wissen, wie es weitergeht, selbst wenn ich von der Spielstruktur und der nicht klar verfolgbaren Routen etwas genervt war. Letztlich erfordert Worldend Syndrome mehrere Durchgänge, um die gesamte Handlunge, alle Ereignisse und Enden mitzubekommen. Das gehört aber zum Reiz der Visual Novel. Lediglich das immer wieder erforderliche neu laden, wenn ich einer bestimmten Route folgen und entsprechend einem bestimmten Charakter begegnen wollte, trübt den sonst guten Eindruck. Sogar die Romantik-Elemente, die eine wichtige Komponente des Spiels sind und starken Einfluss auf Geschichte und Enden haben, haben zu meiner Motivation, Worldend Syndrome weiterzuspielen, beigetragen. Maimi, Yukino, Miu, Saya, Hanako und Rei sind auf ihre eigene Art sympathisch und trotz stereotypen, individuell geschrieben. Aufgrund ihrer Bedeutung ist das auch unverzichtbar und trägt dazu bei, dass Worldend Syndrome interessant bleibt. Mystery-Fans, die sich an Romantik nicht stören, sollten sich die Visual Novel von Arc System Works und Toybox ansehen.

Kurzfazit: Spannende Mystery-Visual-Novel mit zentraler Romantik-Elemente, deren Geschichte ein wenig unter der Spielstruktur leiden kann.

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Worldend Syndrome!

Details
Titel: Worldend Syndrome
Genre: Visual Novel
Publisher: PQube
Entwickler: Arc System Works, Toybox
Spieler: 1
Syteme: Switch (getestet), Playstation 4, PC
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 14. Juni 2019

© Arc System Works / Toybox Inc. / Licensed to and Published by PQube Limited