Rezension: Kokkoku: Moment für Moment – Komplettbox (Blu-ray)

In einer in der Zeit eingefrorenen Welt kämpft Juri in Kokkoku – Moment für Moment mit ihrer Familie gegen eine Sekte.

Vater und Bruder arbeitslos, das uneheliche Kind ihrer Schwester und der alternde Großvater, Juri Yukawa hat es nicht leicht und muss sich Tag für Tag mit gescheiterten Bewerbungsgesprächen herumschlagen. Zu allem Überfluss werden ihr Bruder Tsubasa und Neffe Makoto entführt und eine horrende Lösegeldsumme gefordert. Um die beiden zu retten, weiht ihr Großvater sie und ihren Vater Takafumi in ein Familiengeheimnis ein: Mit Hilfe des Zeit-Steins haben sie die Macht über den Stasis-Zauber, der die Zeit einfriert. Zu dritt begeben sie sich in die stillstehende Welt und machen sich daran, Tsubasa und Makoto zu retten. Doch die Entführung war eine Falle und sie sind nicht die Einzigen, die sich in der stillstehenden Zeit bewegen können. Zudem existieren in der Stasis die sogenannten Zeitenwandler, die all jene bedrohen und sogar brutal töten, die den sogenannten Stillen, also jenen Menschen, die sich nicht bewegen können, Schaden zufügen wollen.

Überleben im Stillstand

Kokkoku – Moment für Moment nutzt mit einer stillstehenden Welt ein erfrischend anderes Szenario und verknüpft die Stasis genannte Zeiteinfrierung für ein durchaus spannendes Mystery-Drama. Bereits in der ersten Episode nimmt die Handlung ihren Lauf. Tsubasa und Makoto werden entführt, Juri, ihr Großvater und Vater begeben sich in die Stasis und treffen dort auf die Anhänger der „Gesellschaft der wirklich wahren Liebe“. Damit lässt sich Kokkoku nicht viel Zeit um die Serie aufzubauen und doch reicht das dargestellte Familienleben sowie die Interaktion der Yukawas untereinander aus, um schnell sowohl die Probleme als auch die Figuren zu verstehen. Außerdem werden vor allem Juri und ihr Großvater, aber auch andere Familienmitglieder und Charaktere im Laufe der zwölf Episoden gut ausgearbeitet und vorgestellt.

Eine aufgeregte oder stets spannende Geschichte sollte bei Kokkoku nicht erwartet werden. Trotz einiger Action-Szenen, bleibt die Serie weitgehend eher gemächlich, was sich jedoch nicht negativ auswirkt. Viel mehr passt die unaufgeregte, ruhige Art sehr gut und unterstreicht sowohl das Szenario als auch die Ernsthaftigkeit der Handlung. Schließlich bleibt Kokkoku weitgehend bodenständig und das, obwohl Juri und ihr Großvater innerhalb der Stasis über besondere Kräfte verfügen und diese im Kampf gegen ihre Widersacher einsetzen. Allgemein setzt Kokkoku regelmäßig auf Abwechslung und wechselt von bedrohlichen Situationen zu offenen Kämpfen und schließlich einfachen Unterhaltungen sowie starken Charaktermomenten. Egal ob Juri und ihr Großvater, der Sektenanführer Junji Sagawa oder die undurchsichtige Shouko Majima, jede Figur ist exzellent ausgearbeitet und weiß als glaubhafter Charakter mit Stärken, Schwächen und Eigenheiten zu überzeugen. Hier liegt auch eine der größten Stärken von Kokkoku und besonders Juri sticht mit ihrer konsequenten Art positiv heraus.

Schwächelnde Spannung

Leider schafft es die Serie aber nicht, die an sich gute Spannungskurve dauerhaft zu halten. Regelmäßig schwächelt Kokkoku etwas und leistet sich kleinere Durchhänger, die dem ansonsten positiven Eindruck einen Kratzer verleihen. Dafür wartet die ernste und komplexe Handlung mit einigen unvorhersehbaren Wendungen auf und schafft es öfter, die Erwartungen an den Verlauf der Geschichte über den Haufen zu werfen. So etwa bei den interessanten Zeitenwandlern, deren Mysterium zumindest im ersten Eindruck etwas zu früh gelüftet wird. Damit verliert Kokkoku kurzzeitig ein großes Rätsel, schafft es aber trotzdem mit neuen Fragen, Andeutungen und Entwicklungen für Spannung zu sorgen. Dass die Serie zudem auf plakative Elemente verzichtet und sogar die Ziele von Sektenanführer Sagawa mit der Zeit verständlicher werden, zeigt, wie gut geschrieben Kokkoku tatsächlich ist. Damit schafft es das Mystery-Drama beide Genre-Teile wunderbar zu bedienen, auch wenn die Serie nie zu tiefgründig wird oder nachdenklich stimmt. Dennoch ist die Serie alles andere als Standard. Dazu trägt auch das vielleicht etwas zu stark mit Zufällen arbeitende, aber dafür befriedigende Ende bei. Immerhin adaptiert Kokkoku im Gegensatz zu vielen anderen Anime-Serien alle Bände der gleichnamigen Manga-Vorlage.

Das größte Alleinstellungsmerkmal von Kokkoku ist neben den lebendigen, gelungenen Charakteren das Stasis-Szenario. Passend zur stillstehenden Welt sind die Hintergründe komplett statisch. Schließlich kann sich nichts bewegen. Egal ob Wasser, Tiere, Wolken oder die Sonne, es vergeht keine Zeit – zumindest für die Welt. Das gilt natürlich nicht für die sich in der Stasis bewegenden Figuren, die wiederum detailreich und dennoch simpel gestaltet sind, menschlich eben. Dennoch wirkt die Umgebung von Kokkoku nicht wie einfache Standbilder. Dafür setzt Geno Studio auf zu viele Details, arbeitet in der Stärke von der Situation abhängigen Rauscheffekten und setzt die Licht- und Schatten-Effekte der Abendsonne wunderbar ein. Unterstützt wird das von sparsam eingesetzten CGI-Effekten, die sich gut in das Gesamtbild einfügen. Bei der sehr guten deutschen Synchronisation wurden zu den Figuren passende Sprecher gewählt, die den Charakteren glaubhaft Leben einhauchen und den audiovisuellen Eindruck von Kokkoku abrundet.

Fazit

Als Kokkoku – Moment für Moment in der Winter-Saison 2018 bei Amazon Prime im Simulcast lief, habe ich lediglich die erste Episode gesehen. Eine wöchentliche Ausstrahlung wollte ich bei einer potenziell spannenden Mystery-Serie nicht. Um so gespannter war ich auf die deutsche Fassung, deren Synchronisation sehr gut geworden ist und perfekt zu den jeweiligen Figuren passt. Doch auch die Serie hat mich in weiten Teilen mit unerwarteten Wendungen und überraschenden Entwicklungen gut unterhalten. Lediglich die etwas schwankende Spannungskurve hat zeitweise meine Motivation gedämpft, doch obwohl einige Mysterien vermeintlich zu früh gelöst werden, gelingt es Kokkoku bis zum Ende mit offenen Fragen sowie dem Schicksal der Charaktere zu fesseln. Dabei fallen die interessanten und glaubhaften Figuren positiv auf und besonders Juri kann als starke, konsequente Protagonistin überzeugen. Die gemächliche Art von Kokkoku dürfte jedoch nicht jedem gefallen. Wer sich auf die Serie einlässt, bekommt ein durchaus spannendes unter packendes Mystery-Drama, das sich vom üblichen Anime-Standard absetzt.

Kurzfazit: Spannende Mystery-Drama-Serie, die trotz kleinerer Schwächen bei der Spannungskurve mit einer packenden Geschichte sowie glaubhaften, sehr gut geschriebenen Charakteren und unerwarteten Wendungen überzeugt.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kokkoku: Moment für Moment – Komplettbox!

Details
Titel: Kokkoku: Moment für Moment – Komplettbox
Originaltitel: Kokkoku
Genre: Mystery, Drama
Regie: Yoshimitsu Ohashi
Studio: Geno Studio
Produktionsjahr: 2018
Laufzeit: ca. 288 Minuten (Blu-ray), ca. 276 Minuten (DVD)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Japanische Original-Trailer, Booklet (24 Seiten), Textless
Opening & Ending
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 28. Juni 2019
Herstellerseite: Kokkoku: Moment für Moment – Komplettbox bei Universum Anime

© Seita Horio, KODANSHA/Kokkoku Committee