Rezension: Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa (PS4)

Als Neuling versuchen wir in Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa sieben Rätsel zu lösen und setzten auf unsere anzüglichen, übernatürlichen Kräfte.

Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa ist eine recht typische Visual Novel in einem Mystery-Schulsetting. Das heißt: viele japanisch vertonte und mit englischen Untertiteln versehene Dialoge und kleinere Entscheidungen mittels Multiple-Choice-Antworten. In der im Mittelpunkt stehenden Geschichte geht es um die sieben Schulmysterien der Fujisawa-Akademie, in deren Auflösung wir relativ schnell verwickelt werden. Große übernatürliche Faktoren solltet ihr allerdings nicht erwarten, die Auflösungen fallen meist eher bodenständig aus, sind an sich aber in Ordnung. Fraglich ist nur, wie Ereignisse, die oft kaum älter als drei Jahre sein können, bereits zu Schulmysterien geworden sind. Wird das ignoriert, kann die ordentliche Geschichte aber durchaus kurzweilig unterhalten. Zumindest wenn ein großer Makel nicht wäre.

Sich wiederholende Mysterien

Zu Beginn von Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa, sind wir als Schulwechsler gerade neu an die Fujisawa-Akademie gekommen. An unserem ersten Tag dürfen wir unser Geschlecht und unseren Namen festlegen. Wirklichen Einfluss hat das jedoch nicht. Viel mehr fühlt es sich nicht einmal so an, als würde jemals darauf eingegangen werden. Auch der gewählte Name taucht lediglich hin und wieder in den Texten auf. Wie nicht anders zu erwarten, lernen wir erst einmal die Grundlagen, die jedoch vorwiegend aus dem weiter unten genauer erklärten Puzzle-Spiel bestehen. Hauptteil von Kotodama sind die Visual-Novel-Abschnitte und damit viele, sogar sehr viele Dialoge. Genre-Standard und für Kenner kein Problem.

Von unserer Klassenkameradin Nanami Kagura sollen wir das Schulgelände gezeigt bekommen. Schnell artet das jedoch in ihre üblichen Ermittlungen zu den Schulmysterien, besonders zum Fluch von Mikoto aus. Als Mitglied der Occult Research Club beschäftigt sich Nanami mit allerlei mysteriösen Rätseln an der Fujisawa-Akademie. Relativ bald lernen wir auch das andere Klubmitglied, die Präsidentin Wakaba Asagiri, kennen. Im Verlauf der Geschichte schließen sich den beiden einige weitere Figuren an. Die Charaktere entsprechend zwar in Teilen Standards, sind aber interessant und sympathisch genug, gerne mit ihnen etwas Zeit zu verbringen. Eingeteilt ist Kotodama in Kapitel, die sich jeweils mit einem der Mysterien beschäftigen. Allerdings präsentiert das Spiel nach einiger Zeit eine durchaus überraschende Wendung.

Nachdem wir eine unerwartete Entdeckung gemacht haben, läuft plötzlich der Abspann, wird jedoch unterbrochen und jemand weist uns darauf hin, dass er mit diesem Ende nicht zufrieden ist. Also erwartet uns ein Zeitsprung und wir beginnen wieder bei Kapitel eins. Im ersten Moment ist das noch interessant, da wir uns aber nicht auffällig verhalten dürfen, artet alles in Wiederholung aus. Ganze Abschnitte und zahlreiche Dialoge laufen noch einmal genauso ab wie beim ersten Durchgang. Erst im Laufe jedes Kapitels erhalten wir neue Szenen und erlangen auch neue Erkenntnisse. Da wir nun auch in Dialogen, in denen zuvor nur eine Option zur Verfügung stand, unsere Antwort wählen dürfen, können wir die Zukunft etwas verändern. Durchaus interessant, aber es besteht auch die Möglichkeit, dass wir uns verraten und das böse Ende erreichen. Was das bedeutet? Kein Game Over, sondern einen erneuten Zeitsprung an den Anfang. Auch wenn wir bereits in Kapitel vier waren, heißt es, wieder bei Kapitel eins anzufangen. Regelmäßiges Speichern ist also ratsam, besonders, weil wir bei einer zweiten Wiederholung kaum Neues zu sehen bekommen. Ärgerlich und unnötige Spielzeitstreckung. Leider wird dabei viel vom vorhandenen Potenzial verschenkt. Gerade die Geschichte hätte noch spannender und interessanter ausfallen können, doch auch Figuren und sogar die Zeitsprung-Mechanik hätte gut genutzt werden können. Dem ist aber leider nicht so, was zu Lasten des Spielspaßes geht.

Erotische Vorstellung

Im Lauf der Geschichte müssen wir regelmäßig andere Charaktere davon überzeugen, uns ihr Geheimnis zu verraten. Natürlich passiert das nicht freiwillig. Hier kommt unsere übernatürliche Kraft zum Einsatz, die wir dank Mon-chan, einer Dämonin mit der wir einen Pakt eingegangen sind, haben. Hier zeigt sich auch, dass Kotodama weitaus weniger bodenständig ist, als die Auflösungen der Mysterien vermuten lassen. Mit unserer Kraft können wir in den Geist unseres Gegenübers schlüpfen und eine Art Trance-Zustand auslösen, in dem er oder sie uns erzählt, was wir wissen wollen. Spielerisch ist das mit einem aus dem Mobile-Bereich bekannten Three-Match-Spiel gelöst. Auf einem acht mal acht großen Spielfeld gilt es Kugel an den oberen Rand zu verschieben und so drei gleichfarbige Kugeln horizontal oder vertikal in eine Reihe zu bringen. Daraufhin lösen sich die Kugeln auf und „attackieren“ den rechts neben dem Feld stehenden Charakter, um diesen glücklicher zu machen. Bei den Stimulationen stöhnen die Betroffenen auf und in drei Stufen verlieren sie ihre Kleidung, bis sie nur noch in Unterwäsche dastehen. Erotik lässt grüßen. Weshalb das so ist? Ganz einfach: Wir, oder viel mehr unser Spielcharakter, stellt sich das so vor. Notwendig ist das nicht, ob es stört, muss jeder selbst entscheiden. Einfluss auf die Geschichte haben die erotischen Einlagen keine.

Als kleine Ergänzung ist das Minispiel durchaus in Ordnung, jedoch auch keine große Neuerung oder mit besonderen Kniffen umgesetzt. Zu Beginn stehen zwanzig Züge zur Verfügung, erreichen wir eine Stufe auf dem Glücklich-Barometer, erhalten wir zehn Züge dazu. Durch Kombos haben wir außerdem die Möglichkeit, die Figuren zusätzlich etwa mit einer Feder oder einem Eiswürfel zu stimulieren und so ebenfalls zusätzliche Versuche zu erhalten. Jedoch ist das nicht immer erfolgreich und missfällt es dem Charakter, können recht harte Strafen auf uns warten. Auf Wunsch können wir im Fantasize Modus, der über das Hauptmenü oder in unserem Zimmer auf dem Campus ausgewählt werden kann, die Minispiele erneut angehen. Für jede Figur lassen sich zudem bis zu vier unterschiedliche Unterwäschen-Designs freischalten. Wirklich spaßig sind die immer gleichen Three-Match-Spiele aber nicht.

Optisch fällt Kotodama, wie im Genre üblich, eher zweckmäßig aus. Schicke, ein wenig animierte Anime-Charaktere agieren vor ordentlichen Hintergründen und führen ausufernde Dialoge in Textboxen. Das ist weder technisch anspruchsvoll, noch aufwendig, dank der Figuren aber durchaus ansehnlich. Im Genre sticht Kotodama jedoch nicht mit ausgefallenen Charaktere oder dergleichen hervor. Die Musikuntermalung ist ebenfalls nur durchschnittlich, nervt aber immerhin nur selten.

Fazit

Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa zeigt durchaus Potenzial. Eine Geschichte um Schulmysterien kann spannend und unterhaltsam sein. Die Figuren sind grundsätzlich interessant und sympathisch. Selbst das Three-Match-Minispiel samt Erotik-Einlage ist noch in Ordnung. Durch die dauernden Wiederholungen und nicht genutzt Storymöglichkeiten verschenkt die Visual Novel jedoch viel von den vorhandenen Möglichkeiten. Alles ist irgendwie schon bekannt und gab es auch bereits in Besser. Trotzdem hat mich die Geschichte ausreichend motiviert, um immer wieder weiterzuspielen, bis ich Kotodama durchgespielt hatte. Leider zieht sich das Spiel dann aber zu lang und zwingt zu oft zu Wiederholungen. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

Kurzfazit: Viel verschenktes Potenizal, unnötige Wiederholungen und sicher nicht jedem gefallende Erotik-Einlagen kratzen an der durchaus interessanten Geschichte und hinterlassen einen durchwachsenen Eindruck.

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa!

Details
Titel: Kotodama: The 7 Mysteries of Fujisawa
Genre: Visual Novel, Puzzle
Publisher: PQube
Entwickler: ART Co. Ltd., PQube
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 4 (getestet), Switch, PC
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 31. Mai 2019

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