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Apr 28 2019

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Rezension: One Piece: World Seeker (PS4)

One Piece: World Seeker ist das erste Open-World-Spiel zum bekannten Manga- und Anime-Franchise, scheitert aber an entscheidenden Punkten.

Open-World-Spiele sind heutzutage Standard. Viele Titel werden mit einer größeren oder kleineren, aber dafür offenen Welt ausgestattet. Da ist es wenig verwunderlich, dass Publisher Bandai Namco und Entwickler Ganbarion diesen Schritt auch bei One Piece gehen. Erstmals können Fans der Manga- und Anime-Vorlage als Ruffy (oder Luffy, um näher beim Original zu bleiben) eine große Insel frei erkunden. Ein Segen ist das aber nicht unbedingt. Die Spielwelt von One Piece: World Seeker ist zu leer und leblos, um vollends überzeugen zu können und das ist nicht das einzige Problem des Action-Adventures.

Ordentliches Abenteuer

Dabei erzählt One Piece: World Seeker eine recht interessante Geschichte. Im Intro werden wir Zeuge wie die Strohhut-Piraten rund um Ruffy versuchen, einen Schatz aus einem Himmelsgefängnis der Marine zu stehlen. Allerdings scheitert das Vorhaben und Ruffy stürzt aus dem fliegenden Gebilde ins Meer. Die junge Frau Jeanne rettet den Piraten und im Laufe der Zeit, werden wir in die Geschicke der von der Marine besetzten Gefängnisinsel hineingezogen. Zahlreiche Piraten und Marineangehörige tummeln sich auf dem Eiland und die Bevölkerung ist in Marinegegner und -befürworter aufgeteilt. Gerade mit Jeanne und dem Gefängnisdirektor Isaac führt das Spiel zwei neue, gut geschriebene Figuren, die von One-Piece-Schöpfer Eiichiro Oda erschaffen wurden, ein.

Leider ist One Piece: World Seeker spielerisch nicht so überzeugend und zieht den Großteil seiner Motivation aus der ordentlichen Geschichte. Ausreichend ist das aber leider nicht und selbst Franchise-Fans könnten sich mit dem Spiel schwer tun. Gerade der Einstieg fällt überaus zäh aus. Obwohl die Insel sehr früh komplett frei erkundbar ist, zieht sich das Geschehen eine Zeitlang. Als Missionsziele gilt es lediglich bestimmte Punkte zu erreichen oder einen Bereich nach etwas zu durchsuchen. Dabei absolvieren wir erste Kämpfe und lernen grundsätzlich die Insel kennen. Spannend ist das aber nicht. Immerhin fängt sich das Spiel nach einiger Zeit, bietet mehr Beschäftigungen und macht damit auch etwas mehr Spaß.

Schnelle, eingeschränkte Kämpfe

Grundsätzliche Probleme bleiben aber trotzdem erhalten. Vor allem liegen diese im Gameplay. Obwohl die Steuerung an sich ganz gut funktioniert, spielt sich One Piece: World Seeker nie wirklich intuitiv. Zu ungenau wirken manche Aktionen, zu hakelig ist es sich mit Ruffys Fähigkeiten schnell über die Insel zu bewegen. Ähnliches gilt für das Kampfsystem. Schnell lassen wir Schläge vom Stapel, wechseln zwischen zwei Modi, die Einfluss auf Ruffys Fähigkeiten haben und platzieren entsprechende Spezialangriffe. Grundsätzlich klingt das spaßig und in den besten Momenten ist es das auch, aber kleine Macken reißen uns schnell aus unseren Kombos. So können etwa Gegner am Boden nicht getroffen werden; feindlicher Beschuss trifft manchmal trotz Hindernissen und eine richtige Lock-On-Funktion ist ebenfalls nicht vorhanden. Bedauerlich, da hier viel Potenzial verschenkt wird.

Standard im Genre sind Rollenspiel-Elemente, auf die auch One Piece: World Seeker nicht verzichtet. Mit, durch das Besiegen von Gegnern und als Belohnung in Quests verdienten Fähigkeitspunkten, können in fünf Skillbäumen Fertigkeiten erlernt werden. Neue Spezialangriffe, bessere Kombomöglichkeiten, mehr Gesundheit, schnellere Bewegung und allerlei mehr erweitern Ruffy Portfolio regelmäßig. Ein schöner Faktor, der jedoch an den genannten Mängeln nur wenig ändert. Ähnliches gilt für das rudimentäre Crafting-System, das uns erlaubt, aus Materialien neue Ausrüstung, die Ruffys Statuswerte verbessern, herzustellen.

Eintönig, unnötig, oberflächlich

Allgemein sticht immer wieder hervor, welche Möglichkeiten One Piece: World Seeker gehabt hätte, ohne diese zu nutzen. Etwa bei den Quests und Nebenaufgaben. Fallen die Hauptquests meist noch relativ gelungen aus, sind die meisten optionalen Missionen repetitiv und eintönig. Oft sollen einfach nur Materialien gesammelt oder etwas bestimmtes gefunden und zum Auftraggeber gebracht werden. Oder es gilt, jemanden in einem viel zu großen Gebiet zu suchen. Das Questlog fällt zudem zu ungenau aus und gibt oft zu wenig Informationen über das genaue Ziel. Nur wenn die Aufgabe ausgewählt ist, sehen wir links am Rand einen Hinweis. Gerade bei Sammelquests ist das nervig, unnötig und umständlich. Bedauerlich ist außerdem, dass nur Ruffy spielbar ist und die restlichen Strohhut-Piraten nur als Nebenfiguren im Hintergrund agieren.

Ein wenig fraglich sind auch die zahlreichen Auftritte bekannter Charaktere aus One Piece. Es ist verständlich, dass möglichst viel Fan-Service geboten werden soll, doch bei One Piece: World Seeker wird das etwas übertrieben. Zahlreiche Figuren lassen sich auf der Gefängnisinsel blicken und oft macht es den Eindruck, als seien sie einfach nur irgendwie integriert worden. Positiv ist daran jedoch neben dem Wiedererkennungsfaktor für Fans vor allem das Karma-System. Sobald dieses freigeschaltet ist, können bestimmte Ziele die Beziehungen zu den verschiedenen Fraktionen oder Personen verbessern und zusätzliche Unterhaltungen freischalten. Dafür gilt es Quests zu erfüllen oder bestimmte Ziele, wie etwa das Bezwingen eines besonderen Gegners oder das Besiegen einer vorgegebenen Zahl von Piraten, zu erfüllen. Hier zeigt sich tatsächlich etwas Motivation, da die meisten Figuren recht gut geschrieben sind und viele Dialoge ausreichend Witz bieten.

Schade ist allerdings, dass auf Sprachausgabe weitgehend verzichtet wurde. Nur selten sind die japanischen Sprecher zu hören, meist werden die Gespräche lediglich in den deutschen Untertiteln wiedergegeben. Dafür überzeugt der sehr gute Soundtrack genauso wie das flüssige Spielgeschehen. Optisch fällt jedoch auf, dass Charaktere und Spielwelt vom Stil nicht gänzlich zusammenzupassen scheinen. Ob nun beabsichtigt oder nicht, kann das ab und an störend auffallen. Vorteil daraus ist aber, dass die schicken Charaktermodelle noch besser zur Geltung kommen. Dafür fällt die zwar durchaus ordentliche, jedoch nicht allzu aufwendige Umgebung, noch deutlicher auf. Gerade im Bereich der Manga- und Anime-Umsetzungen kann sich One Piece: World Seeker aber sehen lassen

Fazit

One Piece: World Seeker hat mich alleine aufgrund der Open World früh interessiert und das, obwohl ich nicht zu den größten Fans des Franchises zähle. Leider scheitert das Action-Adventure schon an entscheidenden Punkten. Die offene Welt ist zu leer, die Quests oft zu dröge und das Kampfsystem insgesamt zu ungenau. Darunter leidet der Spielspaß deutlich und immer wieder kommt Langeweile auf. Nicht selten hatte ich das Gefühl, die Missionen einfach abzuarbeiten, um in der durchaus interessanten Geschichte voranzukommen. Immerhin stimmt der Umfang und es werden zahlreiche Nebenquests geboten. Dass diese leider eher simpel und repetitiv ausfallen, drückt die Motivation jedoch wieder. Nicht selten habe ich gedacht, wie viel Potenzial verschenkt wurde und welche Möglichkeiten das Spiel theoretisch hätte. Aber meist blitzt das nur kurz hervor und verschwindet wieder. Dabei will ich One Piece: World Seeker irgendwie mögen. Leicht macht es mir das Action-Adventure aber nicht und selbst überzeugte One-Piece-Fans dürften nur bedingt Spaß mit dem Spiel haben.

Kurzfazit: Open-World-Spiel, das aufgrund von Gameplay-Schwächen, drögen Quests und leerer, statischer Welt kaum Spaß macht und auch von der ordentlichen Geschichte nicht gerettet wird.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: World Seeker!

Details
Titel: One Piece: World Seeker
Genre: Action-Adventure
Publisher: Bandai Namco
Entwickler: Ganbarion
Spieler: 1
Syteme: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 15. März 2019

© Bandai Namco

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