Rezension: Inuyashiki Last Hero – Vol. 1 (Blu-ray)

Ein gealterter Familienvater erhält in Inuyashiki Last Hero einen mechanischen Körper und wird zum Kämpfer gegen das Böse.

Ichiro Inuyashiki ist zwar erst 58 Jahre alt, sieht aber bereits aus wie fast hundert. Von seiner Familie herablassend behandelt und ignoriert, macht ihm auch sein gebrechlicher Körper zu schaffen. Als er schließlich von seinem Arzt erfährt, dass er Magenkrebs und nur noch drei Monate zu leben hat, bekommt Inuyashiki Zweifel, ob seine Frau, seine Tochter und sein Sohn überhaupt um ihn trauern würden. Kurzerhand flüchtet er beim Spaziergang mit seinem Hund Hanako, den er kurz zuvor in einer Kiste gefunden hat und der von seiner Familie abgelehnt wird, in einen Park. Tief vergraben in das Fell des Hundes, weint Inuyashiki bitterlich. Doch dann ändert sich alles. Ein riesiges Objekt erscheint am Himmel und eine Explosion raubt dem gealterten Mann die Sinne. Als er am nächsten Tag aufwacht, stellt der Familienvater fest, dass sein Körper mechanisiert wurde. Immer neue Fähigkeiten entdeckt er und beginnt mit Laserwaffen und Flugfähigkeiten randalierende Jugendliche, gefährliche Großkriminelle und allerlei anderes Böses zu bekämpfen. Zusätzlich nutzt er seine Heilfähigkeiten, um Schwerkranken das Leben zu retten. Doch Inuyashiki war nicht alleine im Park. Oberschüler Hiro Shishigami war ebenfalls anwesend und auch sein Körper wurde verändert. Bereits zuvor hat Hiro wenig Verbundenheit zu Menschen gehabt und beginnt mit seinen Fähigkeiten wahllos ganze Familien zu ermorden, um sich lebendig zu fühlen und zu beweisen, dass er noch immer ein Mensch ist.

Frage nach der Menschlichkeit

Inuyashiki Last Hero ist eine Adaption der gleichnamigen Manga-Vorlage von Gantz-Autor Hiroya Oku. Statt eines typischen jugendlichen Protagonisten setzt der Mangaka in seiner Science-Fiction-Action-Geschichte auf einen sichtlich gealterten 58-jährigen, der ein tristes Leben führt. Die elfteilige Anime-Umsetzung vom Studio Mappa folgt vorwiegend dem Hauptcharakter und Antagonist Hiro Shishigami. Dabei sticht früh die bildgewaltige Darstellung heraus, mit der das bekannte Anime-Studio die Vorlage umgesetzt hat. Erstklassige Animationen und eine exzellenter Cel-Shading-Optik lassen Inuyashiki Last Hero gemeinsam mit dem hochwertigen Soundtrack und der prominent besetzten Synchronisation zu einem audiovisuellen Erlebnis werden. Das unterstreicht jedoch nur die anspruchsvolle, tiefgründige und sozialkritische Handlung des Science-Fiction-Actioners.

Volume eins stellt zu Beginn der Serie die beiden wichtigsten Figuren vor. Dreht sich Episode eins vorwiegend um Inuyashiki, sein trübes Leben und das Erlangen seiner Fähigkeiten, rückt in der zweiten Folge Hiro Shishigami in den Mittelpunkt des Interesses. Dadurch wird beiden Figuren viel Aufmerksamkeit geschenkt, was ihrer Charakterisierung zu Gute kommt. Dass sich die Geschichte letztlich auf einen Gut-gegen-Böse-Kampf zu fokussieren scheint, spielt nur eine geringe Rolle, da abseits des üblichen Mittels ein umfangreicher, vielschichtiger Plot geboten wird. Inuyashiki weckt schnell Sympathien, so dass es schwerfällt nicht mit ihm zu fühlen, seine Beweggründe zu verstehen und sein Leiden nachzuempfinden. Um so erfreulicher ist es, dass er durch seine Mechanisierung einen neuen Sinn im Leben erhält. So rettet er bereits kurz darauf einen Obdachlosen, der von Jugendlichen mit Feuerwerk und Baseballschlägern angegriffen wird und beginnt später in Krankenhäusern tödlich erkrankte Menschen zu heilen. Damit bildet der sanfte, gutherzige Inuyashiki ein klares Gegenstück zu Hiro Shishigami.

Der Antagonist ist Oberschüler und hatte schon vor seiner Verwandlung lediglich eine Bindung zu Menschen, die ihm nahestehen. Figuren aus Manga und Anime sind ihm oft Näher als etwa Klassenkameraden. So überrascht es wenig, dass er sich nach seiner Mechanisierung nicht mehr dem Moralkomplex der Gesellschaft verpflichtet fühlt und gleichzeitig alles daran setzt, um sich lebendig zu fühlen. Statt wie Inuyashiki anderen zu helfen, beginnt Hiro wahllos andere Menschen zu töten. Zufällig wählt er Häuser aus, dringt in diese ein und ermordet die Anwesenden mit Hilfe telekinetischer Kugeln, die er mit seiner zur Pistole geformten Hand verschießt. Das kaltblütige Vorgehen von Hiro ist explizit und emotional fordernd dargestellt. Wenn Hiro etwa einen Familienvater in der Badewanne erschießt und anschließend genüsslich dabei zusieht wie dessen kleiner Sohn im blutgetränkten Wasser ertrinkt, lässt das niemanden kalt und muss erst einmal verarbeitet werden. Für jeden Zuschauer ist das sicherlich nicht geeignet.

Rein auf Gewalt wird Hiro jedoch nicht eingeschränkt. In den fünf Episoden des ersten Volumes darf der Jugendliche auch seine gefühlvollere Seite zeigen. Etwa bei seiner Mutter oder seinem einzigen richtigen Freund Ando, dem er gegen Mobber hilft. Ando ist schließlich auch die einzige Nebenfigur, die in den ersten fünf Folgen mehr Aufmerksamkeit erhält. Zweifel an Hiros Handeln plagen ihn, was zu Lasten der Freundschaft geht. Hier, aber auch bei anderen Charakteren wie Inuyashikis Tochter Mari, die von seiner Familie am präsentesten erscheint, könnte noch einiges zu erwarten sein. Dazu gesellt sich ein sozial- und gesellschaftskritisches Weltbild, das in so manchen Punkten an die Realität erinnert. Jugendliche, die wahllose einen Obdachlosen angreifen, Schläger, die einen Mann bedrängen, weil dieser ihnen widersprochen hat, mobbende Jugendliche und natürlich das triste Familienleben von Inuyashiki. Mangaka Hiroya Oku hat seiner Science-Fiction-Action-Geschichte einiges zum Nachdenken verliehen, was Drehbuchautor Hiroshi Seko und die Regisseure Keiichi Sato und Shuhei Yabuta erstklassig in die Anime-Adaption übernommen haben. Damit erzählt Inuyashiki Last Hero Volume eins eine mitreißende, emotional bewegende, erschreckende und anspruchsvoll-tiefgründige Geschichte, die in den fünf Episoden nicht mehr loslässt und den Wunsch weckt sofort zu erfahren, wie es nach dem spannenden Ende weitergeht.

Fazit

Bevor ich mit Inuyashiki Last Hero Volume 1 angefangen habe, hatte ich Zweifel, was die Serie angeht. Obwohl mich die Geschichte interessiert hat, waren es die mir bekannten heftigen Szenen, die mich skeptisch gestimmt haben. Nach den fünf Episoden war ich aber um so mehr gefesselt von der tiefgründigen, emotional fordernden und mitreißenden Science-Fiction-Action-Serie. Inuyashiki ist ein willkommen anderer Protagonist, der aus dem Anime-Einerlei heraussticht und erhält einen verachtenswerten, im Kern aber auch nicht vollkommen unverständlichen Gegenspieler. Dennoch dürfte die heftige, blutige und explizite Darstellung in manchen Szenen nicht jedem Zuschauer gefallen. Gerade Episode zwei hat mir einiges abverlangt, fügt sich aber gut in die Handlung ein. Dazu kommt das erstklassige animierte und musikalisch hervorragend begleitete audiovisuelle Erlebnis, das Inuyashiki Last Hero Volume 1 abrundet und besonders mit der hochwertigen Cel-Shading-Optik besticht. Abgerundet von einer sehr guten deutschen Synchronisation, lässt die Serie kaum Zweifel an der Qualität bestehen. Fans anspruchsvoller Geschichte mit moralischer Tiefe sollten genauso wie all jene, die bereits Hiroya Okus Gantz mochten, definitiv einen Blick wagen. Jedenfalls, wenn die expliziten Szenen nicht zu abschreckend sind.

Kurzfazit: Hochwertig animierte Science-Fiction-Action-Serie, die eine moralisch anspruchsvolle Geschichte mit tiefgründigen Figuren erzählt und vor expliziter, fordernder Gewaltdarstellung nicht zurückschreckt.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Inuyashiki Last Hero – Vol. 1!

Details
Titel: Inuyashiki Last Hero – Vol. 1
Originaltitel: Inuyashiki
Genre: Action, Science-Fiction, Drama
Regie: Keiichi Sato, Shuhei Yabuta
Studio: Mappa
Produktionsjahr: 2017
Laufzeit: ca. 114 Minuten (Blu-ray), ca. 109 Minuten (DVD)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Japanische Original-Trailer & TV-Spots, Special Booklet (48 Seiten), Textless Opening & Ending
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 12. April 2019
Herstellerseite: Inuyashiki Last Hero – Vol. 1 bei Universum Anime

©Hiroya Oku, KODANSHA/“Inuyashiki“ Partners.