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Mrz 15 2019

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Rezension: Devil May Cry 5 (PS4)

Capcom lädt in Devil May Cry 5 wieder zum Dämonen schnetzeln ein und ignoriert dafür das Serien-Reboot.

Gemeinsam mit Entwickler Ninja Theory spendierte Capcom Devil May Cry 2013 ein Reboot. Dieses wird für Devil May Cry 5 ignoriert. Stattdessen setzt die Geschichte einige Jahre nach Devil May Cry 4 ein. Dante, Nero, Trish, Lady und der geheimnisvolle V machen sich daran den mächtigen Dämon Urizen zu bekämpfen. Allerdings ist der Kampf schwerer als gedacht und nach hartem Kampf ist ein strategischer Rückzug zur Neuaufstellung erforderlich.

Einfache Erzählung

Als Nero, der erstmals in Devil May Cry 4 aufgetreten ist, kehren wir einen Monat später nach Red Grave City zurück, um uns Urizen und der Dämonenbedrohung erneut entgegen zu stellen. Wirklich tiefgründig wird die Geschichte niemals und dient vor allem als Faden, der Action und lineare Level miteinander verbindet. Rückblicke, die etwa erläutern wie Nero seinen dämonischen Arm verloren hat oder mehr Details über V verraten, sind Lichtblicke in der sehr simplen Geschichte. Dafür stimmt die Inszenierung und gerade die Zwischensequenzen können mit kinoreifer Umsetzung und erstklassigen Gesichtsanimationen begeistern.

Bei einem Hack ’n‘ Slay steht allerdings die Action im Mittelpunkt. Obwohl Devil May Cry 5 auch hier nicht vollends überzeugt, erfüllt das Spiel einen wichtigen Faktor: es macht Spaß. Abstriche müssen trotzdem gemacht werden – und das zum Teil, weil das Gameplay zu vollgepackt ist. So lernen Nero, V und Dante fast bis zum Ende neue Fähigkeiten, die wiederum mit Tutorial-Texten verbunden sind. Das reißt aus der Action raus und erfordert regelmäßig neues Erlernen der Techniken der drei Teufelsjäger. Erschwert wird das durch gezwungene Charakterwechsel. Aufgrund der stark voneinander abweichenden Spielweisen bedeutet das Umstellung und erneutes Eingewöhnen. Dazu kommt, dass wir mittels roter Kugeln stets neue Fähigkeiten freischalten können und so Nero, V und Dantes Kampfrepertoire regelmäßig erweitern und so auch bei einem Charakter immer wieder das Gefühl bekommen, nicht alles zu beherrschen.

Drei Teufelsjäger

Die Kämpfe fühlen sich trotzdem hervorragend an und ermöglichen uns schnelle, flüssige Kombos, sobald wir einmal die nötigen Grundlagen erlernt haben. Wie bereits erwähnt spielen sich Nero, V und Dante sehr unterschiedlich. Nero setzt auf Schwert und Pistolen und koppelt das mit seinem mechanischen Arm, dem sogenannten Devil Breaker. Davon gibt es viele verschiedene, die uns unterschiedliche Möglichkeiten wie das Verschießen von Blitzen, harte Schläge und sogar das Reiten wie auf einer Rakete ermöglichen. Allerdings sind die von Neros Partnerin Nico entworfenen Arme anfällig und zerbrechen, sollten wir beim Einsatz einen Treffer kassieren. Auch die Spezialangriffe der Devil Breaker zerstören diese sofort. Gemeinsam haben sie einen Greifhaken mit dem wir leichte Gegner zu uns ziehen und uns zu schweren Gegnern ziehen können. Gerade in Kombination mit Neros Kampffähigkeiten kann ein schneller Flow aus Kombos entstehen.

Ähnlich sieht es bei Dante, der erst nach etwa der Hälfte des Spiels auftritt, aus. Der Serien-Veteran setzt auf verschiedene Nah- und Fernkampfwaffen sowie frei wechselbare Stile. Swordmaster für direkte Konfrontationen, Gunslinger für Schusswaffen, Trickster für schnelle Bewegungen und Royalguard für Verteidigung und Konter. Attacken erhöhen zudem Dantes Devil-Trigger-Anzeige. Ist diese gefüllt, können wir in die dämonische Gestalt wechseln und besonders starke Angriffe ausführen. Außerdem werden wir kontinuierlich geheilt. Aufgrund der großen Waffenauswahl bietet Dante das vielleicht umfangreichste Repertoire in Devil May Cry 5.

Neuling V unterscheidet sich massiv von Dante und Nero. Statt selbst in Aktion zu treten, bekämpfen die Begleiter des geheimnisvollen Charakters die Dämonen. Vogel Griffon setzt auf Schuss- und Fernangriffe und Panther Shadow greift direkt an. Ist die Devil-Trigger-Anzeige gefüllt, können wir außerdem kurzzeitig den Koloss Nightmare zur Unterstützung herbeirufen. V selbst tritt erst in Aktion, wenn die Dämonen genug geschwächt sind und versetzt ihnen mit seinem Gehstock den Todesstoß. Diese neue Spielweise ist ungewohnt, besonders weil wir zugleich darauf achten müssen mit V auszuweichen und unsere kämpfenden Begleiter agieren zu lassen. Nach überschaubarer Eingewöhnungszeit geht das locker von der Hand und genauso wie bei Dante und Nero sind schnell aneinandergreihte Kombos möglich.

Lineare, identische Missionen

Bei den Kämpfen wird reichlich Abwechslung geboten. Anders sieht es beim Missionsdesign aus. Richtige Rätsel sind nicht vorhanden. Stattdessen folgen wir linearen Levelschläuchen, die zum Teil auch im Umgebungsdesign recht ähnlich sind. Viel mehr als Dämonen bekämpfen, weiter laufen, Dämonen bekämpfen und hin und wieder eine Zwischensequenz ansehen, bietet das Spiel nicht. Gestört hat das aber nur bedingt, da die hervorragend inszenierte Action Spaß macht. Für die etwa zwölf- bis fünfzehnstündige Spielzeit reicht das gebotene durchaus. Zumindest, wenn euch häufige Tutorials und fehlende spielerische Abwechslung nicht stören. Leider sorgt das repetitive Gameplay dazu, dass trotz der vier frei schaltbaren und damit insgesamt sechs Schwierigkeitsgrade nur minimaler Wiederspielwert geboten wird. Lediglich die recht gut versteckten Geheimmissionen laden zu erneuter Erkundung ein, bringen aber nur geringen Mehrwert.

Überzeugen kann dafür die Technik von Devil May Cry 5. Der Action-Titel sieht ausgezeichnet aus und trumpft mit einem morbiden Gegnerdesign sowie flüssigem Spielgeschehen auf. Dazu kommen die bereits erwähnten erstklassigen Zwischensequenzen. Zudem funktioniert die überzeichnete Coolness weitgehend und vermeidet peinliche Momente. Dafür fällt die recht sexualisierte Darstellung der weiblichen Charaktere negativ auf. Hier wäre gerade angesichts der starken Frauen, ein anderer Einsatz möglich und wünschenswert gewesen. Untermalt wird das Geschehen von einem rockigen, in den Kämpfen perfekt treibenden Soundtrack, der das Spielgefühl gut begleitet. Devil May Cry 5 mag im Gesamtpaket weder Innovativ noch Abwechslungsreich sein und sowohl im Genre als auch der Reihe das Nachsehen gegenüber anderen Titeln haben, wer jedoch nur schnelle Action sucht, hat sicherlich Spaß mit Nero, V und Dante.

Fazit

Devil May Cry 5 hat mir trotz aller Abstriche Spaß gemacht. Sicher das Gameplay ist auf Dauer repetitiv, die Level strickt linear und Rätsel nicht vorhanden, dafür können die schnellen Kämpfe überzeugen. Bei Umgebungsdesign und Level- sowie Missionsgestaltung wäre etwas Abwechslung gut gewesen. Genauso hätten ein paar Rätsel und alternative Wege nicht geschadet. Dazu kommt eine überzeugende Technik mit erstklassigen Zwischensequenzen, die die eher mäßige Geschichte gut erzählen. Fraglich ist aber der schwache Einsatz von Nico, Trish und Lady. Die drei Frauen sind trotz ihrer offensichtlichen Stärke recht sexualisiert. Hier hätte geholfen, wenn zumindest Trish und Lady als Begleiter hätten mitmischen dürfen. Gerne aber auch als spielbare Charaktere. Vielleicht eine Möglichkeit, die Capcom bei einem Devil May Cry 6 nutzt. Wünschen würde ich es mir. Dennoch ist Devil May Cry 5 ein gelungenes Hack ’n‘ Slay, das trotz offensichtlicher Schwächen Spaß macht und Genre- sowie Reihen-Fans gefallen könnte.

Kurzfazit: Spaßiges Hack ’n‘ Slay das grafisch begeistert, dafür unter ausbleibender Abwechslung, einer eher flachen Geschichte und längerer Eingewöhnungszeit leidet.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Devil May Cry 5!

Details
Titel: Devil May Cry 5
Genre: Action
Publisher: Capcom
Entwickler: Capcom
Spieler: 1
Syteme: PS4 (getestet), PC, Xbox One
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 08. März 2019

© Capcom

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