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Mrz 13 2019

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Rezension: Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee – Band 1 (Manga)

In ihrer Einsamkeit finden Konatsu und Koyuki in Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee Band 1 langsam zueinander.

Da ihr Vater ins Ausland versetzt wurde, musste Konatsu Amano zu Verwandten ziehen. In der kleinen Küstenstadt Nagahama auf der Insel Shikoku fällt es ihr schwer sich einzuleben und neue Freundschaften zu schließen. Erst als sie Koyuki Honami, die in der Schule als unerreichbar gilt, kennenlernt zeichnet sich eine Änderung ab. Jedoch nicht nur für Konatsu. Hinter Koyukis Unnahbarkeit, verbirgt sich Unsicherheit und Einsamkeit. Um den Erwartungen ihres Umfelds gerecht zu werden, hat sich Koyuki abgekapselt und folgt strikt den Regeln. Nur die Meeres-AG, in der sie sich als einziges Mitglied um die zahlreichen Meerestiere der Schule kümmert, bringt ihr wirkliche Freude. Konatsu und Koyuki wecken ihr gegenseitiges Interesse und langsam beginnt sich eine unsichere Freundschaft zu entwickeln.

Gefühlvolle Einsamkeit

Altraverse baut das eigene Girls-Love-Portfolio mit der Debüt-Reihe Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee von Mangaka Makoto Hagino weiter aus. Direkt dem Genre zuzuordnen ist Band eins aber nicht, da sich die Geschichte zum Auftakt auf die erblühende Freundschaft zweier Mädchen sowie die Probleme, die diese haben konzentriert. Hier stechen die Coming-of-Age-Elemente, bei denen die sanft erzählte Handlung auf großes Drama verzichtet, hervor. Der Manga bleibt eher realistisch und konzentriert sich auf die persönlichen Schwierigkeiten, die Konatsu und Koyuki beschäftigen. Vor allem die Einsamkeit, die beide Schülerinnen aus ganz unterschiedlichen Gründen empfinden. Eingebettet ist das alles zwar in das bekannte Schulklub-Setting, erhält durch die Meeres-AG aber eine ungewöhnliche Thematik inklusive zahlreicher Meerestiere und eines niedlichen Salamanders als heimlichem Maskottchen. Passend dazu ist die inhaltlich gerade auf Koyuki zutreffende Kurzgeschichte „Der Salamander“ von Masuji Ibuse als Teil von Konatsus Unterrichtsstoff, aber auch thematisch in den Manga, eingeflochten.

Herzerwärmend dargestellt, schafft es Mangaka Makoto Hagino mit den neutral gehaltenen, niedlichen und nicht zu ausschweifenden Zeichnungen die Stimmung perfekt zu vermitteln. Das gelingt zum einen mit stets nachvollziehbarer Mimik, andererseits durch Stilmittel wie ein plötzlich leeres Klassenzimmer, das aus der Totalen betrachtet die Gefühle der alleine zurückgebliebenen Konatsu greifbar machen. Der Verzicht auf großes Drama führt auch dazu, dass Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee Band 1 nicht zu kitschig-emotional wird und doch gefühlvoll zu erzählen weiß. Schnell ist die Situation der beiden Protagonistinnen nachzuvollziehen und unweigerlich fühlt man mit ihnen mit. Egal ob nun bei Konatsu, die sich so sehr danach sehnt den Anschluss an ihrer neuen Schule zu finden, oder bei Koyuki, die aufgrund der an sie gerichteten Erwartungshaltungen unsichtbare Mauern um sich errichtet hat und nun selbst gefangen ist in ihrer Einsamkeit.

Schon zu Beginn des ersten Bandes begegnen sich Konatsu und Koyuki und schnell ist zu erahnen, dass die beiden Mädchen sich positiv beeinflussen können. Sie geben sich gegenseitig den nötigen Anstoß, um aus der Spirale des Unglücks zu entkommen. Und sei es nur, in dem sie sich gegenseitig versichern, dass sie sich nicht zu verstellen brauchen. Das machen beide des Öfteren, finden aber im Angesicht der neuen, noch unsicheren Freundschaft eine Möglichkeit sich zu öffnen. Besonders bei Koyuki sorgt das für Verwirrung, die erste Andeutungen bezüglich möglicher tieferer Gefühle enthalten. Gleichzeitig wird so aber auch deutlich, wie unsicher die Ältere der beiden im Umgang mit der Jüngeren ist. Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee Band 1 schafft es, das Interesse an der Coming-of-Age-Geschichte und dem weiteren Schicksal von Konatsu und Koyuki zu wecken. Dabei eignet sich der Manga nicht nur für Girls-Love-Fans, auch Slice-of-Life- und Coming-of-Age-Liebhaber sollten einen Blick wagen.

Fazit

Wäre die Genre-Einstufung nicht vorhanden, könnte Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee Band 1 auch als gefühlvoller Coming-of-Age-Manga gelten. Genau in diese Richtung geht die Geschichte einer langsam entstehenden, unsicheren Freundschaft zweier Mädchen, die schnell mein Interesse geweckt hat. Konatsu und Koyuki sind liebenswert und die Einsamkeit der beiden wird glaubhaft vermittelt. Gerade der Verzicht auf großes, übertriebenes Drama hilft der Geschichte ungemein und sorgt für eine angenehme Bodenständigkeit. Zudem trumpft die Debüt-Reihe von Mangaka Makoto Hagino mit neutralen, schönen Bildern und einem ungewöhnlichen Setting. Schulklubs mögen nichts besonderes sein, eine Meeres-AG samt großer Aquarien und zahlreicher Fische, Schildkröten und anderer Tiere, sticht aus der Masse deutlich hervor. Genutzt wird das auch für das heimliche Maskottchen, ein Salamander. Bedeutung erhält dieser zusätzlich durch die japanische Kurzgeschichte „Der Salamander“ von Masuji Ibuse, die in die Story eingeflochten ist und gleichzeitig auch perfekt zu Koyuki passt. Die sich entwickelnde Freundschaft weist für Genre-Fans trotz aller Coming-of-Age-Elemente ausreichend Bezüge zu einer Freundschaft, aus der mehr entstehen könnte, auf, so dass Girls-Love- genauso wie Slice-of-Life-Anhänger bei Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee Band 1 bedenkenlos zugreifen können.

Kurzfazit: Gefühlvolle Geschichte über Einsamkeit und Freundschaft, die mit Coming-of-Age-Elementen, liebenswerten Hauptfiguren, und einem ungewöhnlichen Schulklub punktet und Girls-Love- und Slice-of-Life-Fans gleichermaßen anspricht.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee – Band 1!

Details
Titel: Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee – Band 1
Originaltitel: Nettaigyo wa Yuki ni Kogareru
Genre: Girls Love, Slice of Life, Coming of Age
Verlag: altraverse
Text/Zeichnungen: Makoto Hagino
Seiten: 176
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-240-0
Verlagsseite: Ein tropischer Fisch sehnt sich nach Schnee – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 14. Februar 2019

© Makoto Hagino / Kadokawa / altraverse

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