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Feb 21 2019

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Rezension: Observer (Switch)

Neuralpolizist Daniel Lazarski sucht im Cyberpunk-Horror-Spiel Observer im Krakau der Zukunft nach seinem Sohn.

Krakau im Jahr 2048. Nach einer Nanophage genannten Seuche, die all jene Menschen mit technischen Verbesserungen befallen hat, und einem großen Krieg, hat der Megakonzern Chiron die Kontroller über Polen übernommen. In der fünften polnischen Republik sind die Menschen in Bürgerstufen eingeordnet, wodurch über ihre jeweiligen Wohnorte bestimmt wird. Eine als Observer bekannte Spezial-Einheit der Polizei verfügt über die Lizenz die Gehirne von Opfern und Tätern zu hacken und scannen. Daniel Lazarski ist ein Observer. Als er einen seltsamen Anruf seines seit Jahren verschwundenen Sohns Adams erhält, verfolgt Daniel die Spur zu einem verfallenen Wohnblock in der unteresten C-Bürgerklasse. Dort wird der Polizist in der Wohnung, die möglicherweise seinem Sohn gehört, mit einer kopflosen Leiche und einer kompletten Abrieglung des Gebäudes konfrontiert. Sofort nimmt Daniel die Ermittlungen auf.

Klassischer Cyberpunk

Bloober Team, die Entwickler von Layers of Fear, haben sich für Observer die nahe Zukunft in einem klassischen Cyberpunk-Setting ausgesucht. Digitale Anzeigen, Neonlichter, fliegende Autos, verfallene Umgebungen, doch auch wenig moderne Technologie wie alte Monitore oder Fahrzeuge mit Schalthebel. Die Ästhetik erinnert an 1980er-Cyberpunk wie etwa Blade Runner. Passend dazu verkörpert Schauspieler Rutger Hauer, der neben zahlreichen anderen Filmen besonders durch Blade Runner bekannt ist, Protagonist Daniel Lazarski und leiht dem Polizisten auch seine Stimme. In First-Person-Sicht tauchen wir in eine atmosphärische und optisch detailreich gestaltete Cyberpunk-Welt ein. Lediglich eine manchmal etwas verwaschen wirkende Grafik, gelegentliche Framerateeinbrüche und im Vergleich zu anderen Versionen des Spiels nicht immer ganz so hoch aufgelösten Texturen, trüben den Eindruck minimal. Der tiefgehenden und beklemmenden Stimmung des Spiels schadet das aufgrund der zahlreichen Details jedoch kaum. Gestaltung, Figuren, Sound und Optik greifen sehr gut ineinander und sorgen für eine lebendige und bedrückende Cyberpunk-Atmosphäre.

Wie bereits erwähnt erkunden wir als Daniel Lazarski ein heruntergekommenes Wohnhaus, das recht schnell einen deutlichen Eindruck der C-Bürgerklasse hinterlässt. Obwohl wir vom restlichen Krakau fast nichts zu sehen bekommen, verstehen es die Entwickler einen ausgezeichneten Eindruck der Welt in der wir uns befinden zu erzeugen. Werbeplakate an den Wänden, Gespräche mit den Bewohnern, Mails, Nachrichten- oder Blog-Einträge und vielerlei mehr geben uns Hinweise auf eine vom Großkonzern Chiron kontrollierten, auf Leistung aufgebauten Gesellschaft. Wenig überraschend verfügt Observer, ganz dem Cyberpunk-Genre entsprechend, über eine gesellschafts- und sozialkritische Ebene, bindet diese jedoch genauso gut in die Umgebung und Story mit ein wie alle anderen Elemente des Spiels. So ist es an uns, die Informationen über die Welt der Zukunft aufzunehmen oder diese zu ignorieren.

Psychotischer Horror

Im Mittelpunkt des Gameplays steht das Erkunden des Wohnhauses. Dafür können wir mit der Forensik-Sicht und einem elektronischen Sensor zwei spezielle Sichten einsetzen. Mit diesen können wir biologische Objekte wie Körper oder Blut sowie Technologie wie Computer oder Chips scannen. Auch das Verfolgen von sonst nicht sichtbaren Kabeln und Leitungen oder Blutspuren ist auf diese Weise möglich. Gegenstände sammeln und kombinieren wie in klassischen Adventure-Spielen müssen wir nicht. Die Rätsel basieren meist eher auf dem Sammeln von Informationen und dem richtigen Anwenden. Etwa, wenn wir den Code für ein Zahlenschloss benötigen und unser Hackingtool nicht alle Ziffern entschlüsseln kann. Wirklich schwere Kopfnüsse bleiben dabei aus, weshalb Oberserver teilweise wie ein atmosphärischer Horror-Walking-Simulator wirkt. Allerdings im positiven Sinn, da Stimmung und Geschichte jederzeit zu fesseln und motivieren wissen. Dementsprechend verzichtet Oberserver auch vollkommen auf Kämpfe, was gut zum Cyberpunk-Horror-Erlebnis passt und uns die volle Konzentration auf die spannende Handlung ermöglicht. Lediglich Längen im Mittelteil und auf Dauer etwas mangelnde Abwechslung im Gameplay trüben den sonst positiven Eindruck etwas.

Als sogenannter Oberserver verfügen wir außerdem über die Möglichkeit in die Gedanken anderer Menschen einzutauchen. Das sorgt für einige optisch und stilistisch recht abgedrehte Erfahrungen. Die surrealen Gedankenwelten bringen gerade bezüglich der Umgebungen etwas Abwechslungen mit sich, sorgen aber auch für das eine oder andere Mindfuck-Erlebnis. Gerade hier entfaltet Oberserver die volle Horror-Wirkung, die gerade Zartbesaitete schnell an ihre Grenzen bringen könnte. Leider verfügt Observer auch über ein paar langatmige Schleich-und-Weglauf-Passagen, die gerade aufgrund der schwammigen Steuerung schnell nervig ausfallen können. Da Erkunden und Storyerleben weitaus stärker im Mittelpunkt stehen, schadet das dem Spielspaß glücklicherweise nur bedingt. Außerdem dürfen wir an manchen Stellen Entscheidungen treffen, die etwa das Schicksal betroffener Personen beeinflussen können. Letztlich mündet die Geschichte in zwei möglichen Enden. Wirklicher Wiederspielwert wird dadurch jedoch nicht geboten. Dafür bietet Observer in den gut 15 Stunden Spielzeit eine beklemmende Cyberpunkt-Horror-Erfahrung mit packender Atmosphäre und einer spannenden Geschichte. Für Genre-Fans eine klare Empfehlung.

Fazit

Cybperunk-Settings haben immer etwas Düsteres an sich. Die Verknüpfung von Horror mit einer wenig anstrebenswerten zukünftigen Gesellschaft und dem harten Leben ist ausgezeichnet gelungen. Atmosphärisch beklemmend hat mich Observer das eine oder andere Mal an meine Horror-Grenzen gebracht, aber auch immer wieder dazu animiert weiterzuspielen. Die Geschichte ist spannend und interessant und die detailreiche Gestaltung der Umgebungen tragen maßgeblich zur hervorragenden Cyberpunk-Stimmung bei. Lediglich die nervigen Schleichpassagen haben mich gestört und mir zeitweise den Spielspaß genommen. Angesichts der sonst aber gelungenen Gameplays, kann ich darüber hinwegsehen, hätte aber gerne darauf verzichtet. Bedauerlich sind ein paar kleinere grafische Mängel wie zu dunkle Bereiche oder Framerateeinbrüche. Die fummelige Steuerung trübt den sonst positiven Eindruck noch etwas weiter. Auch Längen im Mittelteil und die auf Dauer etwas mangelnde Abwechslung können Observer vorgeworfen werden. Insgesamt macht das Cyberpunk-Horror-Spiel aber vieles richtig und garantiert ein fesselndes Erlebnis für Genre-Fans.

Kurzfazit: Atmosphärische Cyberpunk-Horror-Spiel in stimmungsvoller Welt mit spannender Geschichte, das unter kleineren technischen Mängeln und nervigen Schleichabschnitten leidet.

Vielen Dank an Bloober Team für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Observer!

Details
Titel: Observer
Genre: Horror-Adventure
Publisher: Bloober Team
Entwickler: Bloober Team
Spieler: 1
Syteme: Switch (getestet), PC, PS4, Xbox One
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 07. Februar 2019

© Bloober Team

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