Rezension: Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society (Blu-ray)

Motoko Kusanagi ermittelt in Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society auf eigene Faust und gerät dabei ins Visier von Sektion 9.

Im Jahr 2034 ist Cyberterrorismus zu einer allgegenwärtigen Gefahr geworden. Die ausgebaute und sichtlich vergrößerte Polizei-Sondereinheit Sektion 9 ermittelt in solchen Fällen. Seit dem Ausstieg von Majorin Motoko Kusanagi führt Togusa als Teamleiter die Ermittlungen. So auch im Fall von mysteriösen Selbstmorden von Anhängern eines ehemaligen Diktators. Hängen die Suizide mit einem geplanten Terroranschlag zusammen? Während der Ermittlungen stoßen Batou, Togusa und die anderen von Sektion 9 auf einen Hacker, der „Puppenspieler“ genannt wird und Terror in den Ghosts seiner Opfer verbreitet. Dabei gerät Motoko ins Visier der Ermittler. Die ehemalige Anführerin des Teams stellt eigene Nachforschungen an. Ist sie wirklich in den Fall verstrickt? Und was hat es mit dem „Puppenspieler“ auf sich?

Getrenntes Team

Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society ist der dritte Teil der Stand-Alone-Complex-Reihe und schließt sowohl an die beiden Serien-Staffeln als auch die Recap-OVAs an. Im Gegensatz zu diesen ist Solid State Society keine Zusammenfassung einer längeren Geschichte, sondern ein zirka 108-miütiges TV-Special, das in Japan erstmals 2006 ausgestrahlt wurde. Die Geschichte spielt einige Jahre nach dem Fall um die Individual Eleven. Sektion 9 wurde ausgebaut, Majorin Motoko Kusanagi hat die Einheit verlassen und Togusa rückt vom Quasi-Sidekick in die Rolle des Teamleiters. Das bringt interessante neue Ausgangspunkte, die sich besonders bei den Figuren zeigen. Nicht nur verfügt Sektion 9 nun über weitaus mehr Mittel, was sich unter anderem in einigen Komparsen-Ermittlern und neuen Nebenfiguren zeigt, sondern gerade die Aufmerksamkeit auf die Hauptcharaktere rückt von Motoko ab zu Togusa und Batou. Beiden wird viel Zeit gewidmet, während die Majorin zeitweise gänzlich wegfällt, mit kleinen, aber wichtigen Auftritten glänzt und erst spät eine größere Rolle einnimmt.

Gerade Togusa profitiert davon, bekommt etwas mehr Profil und einige starke Szenen. Diese hatte er zwar schon in den Stand-Alone-Complex-Vorgängern, trotzdem fällt auf, dass er nun eine der drei klaren Hauptfiguren ist und in der Geschichte eine wichtige Rolle einnimmt. Die Handlung von Solid State Society ist etwas verdaulicher als die komplexen Geschichte der beiden Serien-Staffeln und zusammenfassenden Recap-OVAs. Das ist auch der namensgebenden Prämisse zu verdanken, die dieses Mal nicht auf einem komplexen Phänomen basiert. Was es genau mit dem Solid State System auf sich hat, soll hier aber nicht verraten werden. Nur so viel: Es ist leicht zu begreifen und trotzdem wird Ghost in the Shell dadurch nicht simpel oder verliert an Komplexität. Die Hintergründe regen viel mehr recht bald zum Nachdenken an und trotz des etwas größeren Action-Anteils ist Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society typische Cyberpunk-Unterhaltung. Das bedeutet, Politik, Gesellschaft, Technologie und kritisch beleuchtete Themen sind ein wichtiger Bestandteil. So werden etwa die Überalterung der Gesellschaft und der Umgang mit alten Menschen sowie deren Pflege genauso angesprochen wie die gesellschaftliche und politische Problematik bei misshandelten Kindern. Auch bleibt die besonders aus Ghost in the Shell: Stand Alone Complex 2nd GIG – Individual Eleven bekannte Flüchtlingsproblematik ein Aspekt der Geschichte.

Für ein TV-Special aus dem Jahr 2006 hat sich Solid State Society optisch gut gehalten. Charakterdesigns, Hintergründe, Umgebungen, CGI-Effekte und Animationen wissen zu gefallen und lassen das Alter des Films schnell vergessen. Vielleicht sind manche Szenen nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand, doch insgesamt überzeugt der dritte Stand-Alone-Complex-Teil und versteht es eine fesselnde Cyberpunk-Atmosphäre aufzubauen. Untermalt wird das Ganze von bekannter Ghost-in-the-Shell-Musik und reichlich neuen Stücken der Komponistin Yoko Kanno. Bedauerlich ist allerdings, dass fast alle bekannten deutschen Sprecher ausgetauscht wurden. Zu Beginn ist das ungewohnt und nicht jede Stimme passt beim Ersteindruck zum jeweiligen Charakter, mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Der grundsätzlich hohen Qualität und der spannenden Cyberpunk-Unterhaltung schadet das jedoch nur minimal und die Synchronisation sollte kein Grund sein, weshalb sich Ghost-in-the-Shell- und Cyberpunk-Fans Solid State Society entgehen lassen.

Fazit

Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society ist ein fesselnder und spannender Cyberpunk-Thriller, der sich in keinster Weise Abstriche gegenüber den komplexen Serien-Staffeln leistet. Obwohl das TV-Special die Geschichte in deutlich kürzerer Zeit erzählen muss, wirkt es zu keiner Zeit so, als wäre die Handlung vereinfacht worden oder würde gehetzt erzählt. Vielmehr bleibt Solid State Society der Reihe treu und verknüpft klassische Cyberpunk-Elemente mit einer gewohnt interessanten Geschichte und nachdenklich stimmenden gesellschaftlichen und politischen Themen. Der etwas größere Action-Anteil fügt sich sehr gut ein und unterstützt das komplexe Geschehen, bei dem dieses Mal abseits von Motoko Kusanagi besonders Togusa als Hauptcharakter glänzen darf. Eine klare Empfehlung für Genre- und Ghost-in-the-Shell-Fans, die Solid State Society bisher nicht kennen.

Kurzfazit: Spannender Cyberpunk-Thriller mit vielschichtigen Figuren, der eine hochwertige Mischung aus nachdenklich stimmenden Themen und Action bietet.

Vielen Dank an KSM Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society!

Details
Titel: Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society
Originaltitel: Kōkaku kidōtai: Stand Alone Complex – Solid State Society
Genre: Cyber-Thriller, Science-Fiction, Action
Regie: Kenji Kamiyama
Studio: Production I.G.
Produktionsjahr: 2006
Laufzeit: ca. 108 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Behind the Scenes, Bonusclips, Original Teaser und Trailer, Trailer, Bildergalerie
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 06. Dezember 2018
Herstellerseite: Ghost in the Shell: Stand Alone Complex – Solid State Society bei KSM Anime

© Production I.G. / KSM Anime

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