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Jan 28 2019

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Rezension: Mary und die Blume der Hexen (Blu-ray)

Mary und die Blume der Hexen, der Anfang Dezember auf Blu-ray erschienene erste Film von Studio Ponoc, wandelt auf Ghiblis Spuren. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich stehen hinter der Anime-Schmiede einige Studio-Ghibli-Veteranen. Gegründet wurde Studio Ponoc 2015 von Yoshiaki Nishimura, dem Produzenten von Die Legende der Prinzessin Kaguya und Erinnerungen an Marine. Auch Mary-Regisseur Hiromasa Yonebayashi hat bereits als Key Animator unter anderem an Das wandelnde Schloss mitgewirkt und war später als Regisseur für Arrietty – Die wundersame Welt der Borger und Erinnerungen an Marine verantwortlich. Als bloße Nachahmer des legendären Studio Ghibli versteht sich Studio Ponoc aber nicht, sondern viel mehr als Erben der Anime-Schmiede. Mit Mary zeigen die Verantwortlichen wohin die Reise gehen könnte. Und das nicht nur bei der Geschichte, sondern auch in Sachen Inszenierung. Musik, Kameraeinstellungen, Optik und Charaktere sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt und zeigen welches Potenzial das Studio hat.

Magisches Abenteuer

Basierend auf dem Kinderbuch The Little Broomstick (deutsch: Der verhexte Besen) der britischen Autorin Mary Stewart, erzählt Mary und die Blume der Hexen von dem Mädchen Mary Smith. Diese ist gerade erst ins das ländlich gelegene Haus ihrer Großtante Charlotte gezogen und langweilt sich dort zu Tode. Aufgrund der Sommerferien, sind die Kinder im Dorf verreist und auch sonst gibt es für Mary nichts zu tun. Außerdem muss sie auch noch zum neuen Schuljahr die Schule wechseln und ihr krauses, rotes Haar bereitet ihr zudem Ärger. Da ist es nicht hilfreich, das der Botenjunge Peter sie dauernd wegen ihrer Haarfarbe aufzieht. Als Mary von den Katzen Tib und Gib in den Wald geführt wird, entdeckt das Mädchen eine seltsame, blaue leuchtende Blume, die Charlottes Gärtner Zebedee als Flieg-bei-Nacht-Blume bezeichnet. Bereits kurz darauf stolpert Mary in ein gefährliches Abenteuer, das sie zur magischen Endor-Universität und in die Welt der Hexen führt. Dort muss Mary schon bald feststellen, dass nicht alles so schön ist, wie es anfangs scheint.

Mary und die Blume der Hexen zeigt bereits optisch das Erbe von Studio Ghibli. Mary, Peter, Endor-Direktorin Mummelshook und andere Figuren könnten glatt einem Film des bekannten Anime-Studios entspringen. Allerdings ist das nicht negativ gemeint. Viel mehr schafft es Studio Ponoc, eine magische, faszinierende Welt voller fantasievoller Details zu erschaffen. Anfangs noch dominiert von malerischen, englischen Landschaften, treten spätestens mit der Endor-Universität farbenfrohe und ideenreiche Umgebungen auf. Dazu gesellt sich Mary als liebenswerte Heldin, die nicht nur mutig, sondern auf sympathische Weise auch tollpatschig ist. Hier zeigt sich eine Protagonistin, die perfekt zum Film passt und schnell das Interesse am Abenteuer des Mädchens weckt. Besonders wenn Mary, natürlich unbeabsichtigt, einmal wieder für Chaos sorgt, schließt man sie nur um so mehr ins Herz. Genauso überzeugend fällt das gesamte Figurenfeld des Films aus. Selbst kleinere Nebenfiguren scheinen angenehm ausgearbeitet und zum Teil schön schrullig. Letzteres gilt besonders für die bunt gestalteten Lehrkräfte der Endor-Universität, die in Form von Direktorin Mummelshook und Magie-Wissenschaftler Doctor Dee auftreten.

Allerdings zeigt sich hier auch eine der Schwächen des Films: Obwohl die Endor-Universität ausführlich und aufgrund der vielen Ideen und Details faszinierenden eingeführt wird, hat die Magie-Lehranstalt nur eine kleine Rolle. Die Schule ist kaum mehr als ein Schauplatz und viele Geheimnisse bleiben verborgen. Das ist überaus bedauerlich, da hier viel Potenzial verborgen liegt. Letztlich kommt das der geradlinigen, aber durchweg spannenden Geschichte zu Gute. Schließlich steht immer noch Mary und ihr Abenteuer im Mittelpunkt. Dieses dreht sich um die Flieg-bei-Nacht und Experimente, die mit Hilfe des magischen Gewächses angetrieben werden sollen. Hier zeigt sich Mary und die Blume der Hexen unerwartet düster und bedrohlich und mit ernsten Hintergründen. Das passt jedoch gut zum Film und schadet der Eignung für jüngere Zuschauer keineswegs. Zu verdanken ist das auch Mary, die sich vom einfachen Mädchen zu einer funktionierenden Heldin aufschwingt. Moralische Hinweise, egal wie subtil, sollten jedoch nicht erwartet werden, sind aber auch nicht notwendig. Noch mag Studio Ponoc mit dem Erstling Mary und die Blume der Hexen nicht ganz an große Ghibli-Werke wie Chihiros Reise ins Zauberland oder Das Schloss im Himmel heranreichen, doch der erste Film der jungen Anime-Schmiede zeigt wohin der Weg geht und lässt auf großes hoffen. Fans magischer Geschichten, egal ob Jung oder Alt, und all jene, die sich gerne verzaubern lassen, sollten sich Mary und die Blume der Hexen unbedingt ansehen.

Fazit

Als Ghibli-Fan und Liebhaber der Filme des Studios, war Mary und die Blume der Hexen absolute Pflicht für mich. Lange habe ich auf die Blu-ray-Veröffentlichung gewartet und habe mich darauf gefreut, endlich das Abenteuer der jungen Mary miterleben zu können. Die fantastische Geschichte voller Ideen und Details hat mich schnell gepackt und fasziniert und mit den bunten Farben, liebevollen Charakteren und der filmischen Magie an Studio Ghibli erinnert. Bloße Nachahmung ist der Film aber nicht, da Mary und die Blume der Hexen auch alleine mehr als nur überzeugen und unterhalten kann. Das fantasievolle Abenteuer eignet sich perfekt für all jene, die sich gerne verzaubern lassen und ist trotz düsterer Elemente für Jung und Alt gleichermaßen geeignet. Lediglich Abstriche bei der Ausarbeitung von Hintergründen wie der Endor-Universität und eine etwas geradlinige und in sich geschlossene Erzählweise trüben den Eindruck etwas. Das fällt aber kaum auf und schadet weder der Faszination noch Qualität von Mary und die Blume der Hexen. All jenen, die einen wundervolle, zauberhaften Anime-Film sehen wollen, kann ich das Erstlingswerk von Studio Ponoc wärmstens empfehlen.

Kurzfazit: Mary und die Blume der Hexen ist ein magisches, buntes und fantasievolles Abenteuer, das vor Ideen- und Detailreichtum protzt und mit einer liebenswerten Heldin und der spannenden Geschichte Jung und Alt unterhält.

Details
Titel: Mary und die Blume der Hexen
Originaltitel: Mary to Majo no Hana
Genre: Abenteuer, Fantasy
Regie: Hiromasa Yonebayashi
Studio: Studio Ponoc
Produktionsjahr: 2017
Laufzeit: ca. 103 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Japanisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Featurettes, Pressekonferenz, Making-of Promo, Interview, Trailer
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungstermin: 04. Dezember 2018
Herstellerseite: Mary und die Blume der Hexen bei peppermint anime

© Studio Ponoc / M.F.P. / EuroVideo Medien / peppermint anime

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