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Jan 21 2019

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Rezension: Onimusha: Warlords (PS4)

Survival-Horror im feudalen Japan bot Onimusha: Warlords 2001 und kehrt nun als Remaster zurück.

Rückbesinnung auf die PS2-Ära: 2001 begeisterte Onimusha: Warlords Spieler und Presse und erhielt berechtigt mehrere Fortsetzungen und Spin-offs. Seit Jahren liegt die Reihe jedoch brach. Der letzte Teil, abgesehen vom 2012er Browser- und Mobile-Spiel Onimusha Soul, erschien 2006. Dank des Remasters des Erstlings kehrt das interessante Action-Adventure mit Horror-Elementen zurück auf alle aktuellen Systeme. Gleich zu Beginn sei gesagt: Ja, Onimusha: Warlords ist teilweise schlecht gealtert und ja, die PS2-Herkunft ist nicht zu übersehen. Aber genauso ist zu erkennen, weshalb das Spiel 2001 so viel Aufmerksamkeit auf sich zog und dass eine Rückkehr der Reihe und des Klassikers längst überfällig war. Eine Änderung im Vergleich zum Original fällt bereits vor Spielstart auf: der leichte Schwierigkeitsgrad steht direkt zu Beginn zur Verfügung und nicht erst nach mehrmaligem Sterben wie noch im Original.

Klassisch, atmosphärisch und angestaubt

Japan in der Sengoku-Ära. Nach einem Hilferuf in einem Brief von Prinzessin Yuki eilt der Samurai Samanosuke Akechi in Begleitung der Kunoichi Kaede zu Schloss Inabayama. Dort angekommen, erreicht Samanosuke die Prinzessin nicht mehr rechtzeitig. Yuki ist verschwunden. Bereits kurz darauf wird er Zeuge, wie sie von einem riesigen Dämon entführt wird. Unterstützt vom Klan der Oni und mit deren Handschuh ausgestattet, ist es an Samanosuke die Dämonen und ihre Untoten-Armee zu bekämpfen und Prinzessin Yuki zu befreien.

Die Geschichte mag in ihrer Struktur simpel sein, ist aber spannend und kann gut unterhalten. Allerdings werden keinerlei alternative Wege oder Abweichungen geboten. Auch nach dem Durchspielen ändert sich bei einem erneuten Durchgang nichts an der Handlung. Dafür kann diese auch heute noch mit einer packenden Atmosphäre, die vom neu arrangierten Soundtrack unterstützt wird, überzeugen. Lediglich die angestaubte Optik, deren Verbesserungen zwar auffallen, die PS2-Herkunft aber trotzdem nicht verbergen können, trübt den Eindruck etwas, schadet dem Spielvergnügen aber zu keiner Zeit. Viel mehr erhält Onimusha: Warlords dadurch einen willkommenen Retro-Charme.

Resident Evil im feudalen Japan?

Das Gameplay von Onimusha: Warlords wird gerne mit Resident Evil verglichen und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Capcom-Reihen sind nicht zu leugnen. Genauso wie in der großen Genre-Marke ist die Geschichte in einem großen Anwesen beziehungsweise in einer großen Burg und deren Umgebung angesiedelt. Außerdem setzt Onimusha Warlords auf feste Kameraperspektiven, die automatisch wechseln und das Geschehen stets aus anderen Blickwinkeln in Szene setzen. Hier fällt besonders die Ähnlichkeit zu den PSOne-Resident-Evil-Teilen auf. Allerdings steht Onimusha: Warlords in vielerlei Hinsicht auch für sich. Dass aufgrund des gemeinsamen Genres Ähnlichkeiten vorhanden sind, ist logisch und auch gut, schließlich haben die Mechaniken bereits funktioniert. Ein bloßes Resident Evil im feudalen Japan ist Onimusha: Warlords aber nicht.

Samanosuke ist ein geübter Schwertkämpfer und tritt entsprechend seiner Zeit vorwiegend im Nahkampf gegen seine Feinde an. Fernkampfwaffen sind zwar vorhanden, stellen aber eine Ausnahme dar und sind nur bedingt für große Kämpfe geeignet. Dafür stehen dank des Oni-Handschuhs im Laufe des Spiels der unterschiedliche Klingenwaffen zur Verfügung. Diese entsprechen den drei Element-Sphären, die es im Spiel zu finden gibt und zugleich neue Gebiete zugänglich machen. Außerdem verfügt jede Waffe über einen eigenen Spezialangriff, der besonders viel Schaden macht, aber die entsprechende Energie-Leiste leert. Die drei Klingen unterscheiden sich in Geschwindigkeit und Stärke, können aber genauso wie die Element-Sphären selbst mit Seelen verbessert werden. Diese wiederum hinterlassen besiegte Gegner in Form von schwebenden roten Kugeln, die mit dem Oni-Handschuh eingesaugt werden können. Zusätzlich existieren gelbe und blaue Kugeln, die unsere Lebensleiste oder die Spezial-Energie wieder auffüllen. Etwas Abwechslung bringen Abschnitte mit Kaede, da die Kunoichi keine Oni-Kräfte hat und sich auf ihr flinken Aktionen verlassen muss.

Rätselhafte Action

Große Kombomöglichkeiten wie etwa in einem Devil May Cry ermöglicht Onimusha: Warlords allerdings nicht. Vielmehr werden für den Kampf nur zwei Knöpfe benötigt: für einen einfachen Angriff und für die Spezial-Attacke. Das ist angenehm simpel in der Bedingung, was angesichts der teilweise veralteten Steuerung willkommen ist. Positiv ist außerdem, dass neben der klassischen „Panzer“-Steuerung mittels Steuerkreuz auch eine modernere Analog-Stick-Steuerung vorhanden ist. Große Schwierigkeiten macht Onimusha: Warlords nur selten. Etwa wenn die Kameraperspektive mitten im Kampf wechselt und kurze Irritation über die Richtungsanweisungen besteht. Hier kann es durchaus dazu kommen, dass Gegner unnötige Treffer landen oder ein rechtzeitiges Ausweichen oder Abwehren nicht mehr möglich ist. Auch können Schläge ins Leere gehen oder Gegner in einem Totenwinkel der Kamera stehen. Angesichts der manchmal mangelnden Feindgeräusche, kann das mitunter etwas nervig sein. Wirklich störend ist mir das aber nicht aufgefallen. Dafür funktioniert Onimusha: Warlords insgesamt einfach zu gut und macht Spaß.

Abseits der Action gilt es immer wieder eher einfache, aber trotzdem gelungene Rätsel zu lösen. Das Prinzip erinnert dabei erinnert beispielweise an die Knobelaufgaben aus Resident Evil. Mal muss ein farbiger Schlüssel gefunden und ein anderes Mal unter Zeitdruck Platten zum korrekten Bild verschoben werden. Wirkliche Kopfnüsse bietet Onimusha: Warlords keine und auch in ihrer Art wird aus heutiger Sicht nichts besonderes geboten. Dafür fügen sich die Rätsel gut in den Spielablauf ein und bringen die richtige Menge an Abwechslung zur Action. Hier stimmt einfach die Mischung. Zusätzlich gibt es ein paar Sammelgegenstände zu finden. Interessant sind dabei besonders die Dokumente, die neben zusätzlichen Informationen zur Geschichte auch für besondere Rätsel benötigt, die zu den reizvollsten, wenn auch nicht schwierigsten, des Spiels gehören. Gerade angesichts der kurzen Spielzeit von etwa 4 bis 5 Stunden ist jede zusätzliche Beschäftigung willkommen. In dieser Zeit kann Onimusha: Warlords aber sehr gut unterhalten.

Fazit

Onimusha: Warlords hat mich zwar mit der Kombination aus feudalem Japan und Horror interessiert, auf der PlayStation 2 habe ich es aber verpasst. Deshalb kommt das Remaster für mich genau richtig. Dass ich so viel Spaß mit Onimusha: Warlords auf der PS4 haben würde, hätte ich nicht gedacht. Selbst die etwas veralteten Elemente des Titels haben mich nicht gestört und ich bin nur schwer wieder davon losgekommen. Angesichts der kurzen Spielzeit ist das aber zum Glück auch kaum notwendig, da sich Onimusha: Warlords locker am Stück durchspielen lässt, sofern die Zeit dafür vorhanden ist. Sicherlich mag manches veraltet sein. Gerade technisch und bei der Inszenierung fällt die PS2-Herkunft deutlich auf, doch das verleiht Onimusha: Warlords eher einen schönen Retro-Charme, statt zu schaden. Dazu kommt, dass mich die Geschichte trotz ihrer einfachen Struktur wirklich interessiert hat. Besonders Fans des alten Japan und der Action-Adventure- und Horror-Genres sollten sich Onimusha: Warlords näher ansehen. Nun fehlen nur noch die anderen Onimusha-Teile, die hoffentlich auch Remaster-Versionen erhalten.

Kurzfazit: Atmosphärisches Action-Adventure, das trotz veralteter Technik und Mechaniken auch heute noch Spaß macht und eine interessante Geschichte im feudalen Japan erzählt.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Onimusha: Warlords!

Details
Titel: Onimusha: Warlords
Genre: Action-Adventure / Survival-Horror
Publisher: Capcom
Entwickler: NeoBoards Entertainment, Capcom
Spieler: 1
Syteme: PS4 (getestet), PC, Xbox One, Nintendo Switch
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 15. Januar 2019

© Capcom

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