Rezension: Texhnolyze Gesamtausgabe (Blu-ray)

Nipponart hat nach Serial Experiments Lain und Haibane Renmei mit Texhnolyze eine weitere Serie unter Beteiligung von Yoshitoshi ABe als Komplettbox veröffentlicht.

In der unterirdischen Stadt Lukuss herrscht nicht Geld, sondern die Texhnolyze-Technologie. Diese ermöglicht es, menschliche Körperteile durch bionische Prothesen zu ersetzen. Als der junge Boxer Ichise bei einer Auseinandersetzung einen Arm und ein Bein verliert, scheint sein Leben vorbei. Schwer verletzt schleppt er sich durch die Slums und wird dort von der Wissenschaftlerin Eiko Kamata gefunden. Die Ärztin arbeitet gerade an einem Texhnolyze-Prototypen und sieht in Ichise die perfekte Testperson. Obwohl Doktor Kamata ihm das Leben gerettet hat, ist Ichise wenig erfreut über seine Arm- und Bein-Prothesen und nur langsam kann er sich an sie gewöhnen. Derweil eskaliert der Machtkampf in Lukuss. Der Streit zwischen der Mafia-ähnliche Organo, der religiösen und Texhnolyze verteufelnden Union und der Jugend-Gang Racan eskaliert. Doch das ist nur der Anfang weitaus größerer Ereignisse, die Lukuss zu ereilen drohen. In all das ist nicht nur ein seltsamer Reisender aus der oberirdischen Welt verwickelt, sondern auch Ichise wird immer mehr in die Geschicke von Lukuss gezogen.

Schwierige Cyberpunk-Story

Texhnolyze gewährt keinen einfachen Zugang zur Geschichte, den Charakteren oder der Welt. Wie schon bei der vergleichbaren Serie Serial Experiments Lain, wird viel auf Bildsprache und deren Wirkung gesetzt. Erste Dialoge lassen gerade zu Beginn auf sich warten. Doch auch danach wirkt Texhnolyze eine Zeitlang unzusammenhängend, verwirrend und vielleicht sogar unsinnig. Statt einem strikten Handlungsbogen zu folgen, springt die Serie, behandelt mehrere parallele Storylines und lässt offen, in welchem Zusammenhang das alles steht. Sogar Ichise als Hauptfigur bleibt lange Zeit blass, hat kaum tragende Auftritte und wirkt eher wie ein wahnsinnig Gewordener als ein rational denkender Mensch. Damit ist Texhnolyze schwer fassbar und erfordert Geduld. Nur wenn man sich auf die Serie einlässt und die ersten Episoden akzeptiert und übersteht, öffnet sich die Cyberpunk-Welt langsam.

Mindestens die ersten drei bis fünf Folgen braucht Texhnolyze, um sich etwas entfalten zu können. Figuren wie der Organo-Anführer Onishi oder der mysteriöse Reisende Yoshii werden greifbarer; ihre Beweggründe, Absichten und Funktionen langsam erkenntlich. Einfach wird die Serie dadurch aber nicht. Die Geschichte bleibt komplex und mitunter auch verwirrend. Erst nach einiger Zeit öffnet sich Texhnolyze weiter, schließt den ersten Handlungsbogen ab und löst einige Rätsel und Fragen auf. Gleichzeitig fügen sich verschiedene Storyfäden zusammen und Ichise nimmt seine Rolle als Hauptfigur immer mehr ein. Wirklich sympathisch wird er damit allerdings nicht. Das ist auch nicht beabsichtigt. Statt auf liebenswerte oder nachvollziehbare Charaktere zu setzen, zeichnet sich Texhnolyze durch vielschichtige, individuelle und bis zu einem gewissen Grad realistische Akteure aus. Die Cyberpunk-Serie behandelt menschliche Abgründe, befasst sich mit dem Tod, der Verbesserung durch Technologie und der Bindung von Menschen zueinander. All das ist eingeflochten in einen nie endenden Überlebenskampf in der harten und unnachgiebigen Stadt Lukuss.

Beklemmende Stimmung

Obwohl Texhnolyze sich mehr öffnet und klarer wird, bleibt die Serie ein großes Mysterium. Abgesehen von Längen in der Mitte, erlaubt sich die Geschichte erzählerisch wenige Fehler, ist aber zu keinem Zeitpunkt wirklich einfach greifbar. Immer wieder kommt es zu verwirrenden, fragwürdigen oder seltsamen Ereignissen. Dabei bleibt die Handlung immerhin soweit verständlich, dass das etwas schleppende Ende und die Entwicklungen bis dahin Sinn ergeben. Dennoch ist Texhnolyze nicht für jeden geeignet. Ohne einen Hang zu komplexen Serien und dem Willen sich auf die Geschichte einzulassen, ist das Werk von Studio Madhouse, das unter der Regie von Hiroshi Hamasaki entstand, recht anstrengend. Dazu gesellt sich die harte Natur von Lukuss. Heftige Szenen und Wendungen bleiben genauso wenig aus wie überraschende Entwicklungen, Tode und recht brutale und blutige Ereignisse. Begleitet wird das alles von einer melancholisch-depressiven und gewalterfüllten Grundstimmung.

Für das Charakter-Design zeichnet sich der Künstler Yoshitoshi ABe, der bereits an Serial Experiments Lain und Haibane Renmei beteiligt war, verantwortlich. Das Alter ist der Serie von 2003 recht deutlich anzusehen. Obwohl Figuren und die detaillierten Hintergründe für damalige Zeiten dem oberen Durchschnitt angehören, werden nur eher solide Animationen geboten. Aus heutiger Sicht wirkt alles etwas veraltet, wozu auch die matten, erdigen Farben und die schwankende Bildqualität beitragen. Teilweise können die Bilder durch ihre ungewöhnliche Kameraführung und verwendete Effekte verstörend wirken, was für eine dichte, von der Musik zusätzlich unterstützte Atmosphäre, sorgt. Die deutsche Synchronisation ist recht ordentlich und leistet sich keine großen Mängel.

Fazit

Texhnolyze ist keine einfache Serie, so viel steht fest. Gerade der Einstieg ist mir enorm schwer gefallen. Die ersten Episoden sind verwirrend und wirken wie sinnlos aneinandergereihte Szenen. Erst mit der Zeit fügt sich alles logischer zusammen, die Welt öffnet sich, Figuren werden greifbarer und somit auch die Geschichte verständlich. Leicht wird Texhnolyze aber trotzdem nicht. Egal ob nun die komplexe, zeitweise verwirrende Geschichte, der recht hohe Gewaltgrad oder die beklemmend-düstere, melancholisch-depressive Stimmung, die Episoden haben eine beklemmende Wirkung, schaffen es aber, auch weitgehend Spannung aufzubauen. Lediglich im Mittelteil kommen kleinere Längen auf und das Geschehen zieht sich etwas. Leider konnte mich auch das Ende nicht gänzlich überzeugen. Obwohl dieses genauso konsequent und unnachgiebig ist wie die restliche Geschichte, schwächelt die Serie hier etwas. Wer sich Texhnolyze ansehen möchte, sollte sich darauf einlassen, die ersten Episoden überstehen und auch mal verwirrende und unklare Ereignisse akzeptieren. Für jeden ist die Serie nicht geeignet. Cyberpunk- und Anime-Fans mit einer Vorliebe für komplexe oder ungewöhnliche Geschichten können einen Blick wagen.

Kurzfazit: Komplexe und verwirrende Cyberpunk-Serie, die mit einer dichten Atmosphäre Spannung aufbaut, aber zeitweise auch verstörend wirken kann.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Texhnolyze Gesamtausgabe!

Details
Titel: Texhnolyze
Originaltitel: téknolàiz
Genre: Cyberpunk, Science-Fiction, Drama, Action
Regie: Hiroshi Hamasaki
Studio: Madhouse
Produktionsjahr: 2003
Laufzeit: ca. 530 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (PCM Stereo)
Untertitel: Deutsch
Extras: Sticker
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 30. November 2018
Herstellerseite: Texhnolyze Gesamtausgabe bei Nipponart

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