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Nov 30 2018

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Rezension: Girls‘ Last Tour – Vol. 1 (Blu-ray)

Endzeit trifft auf Slice of Life: Chito und Yuuri versuchen in Girls‘ Last Tour Volume 1 in einer zerstörten Welt zu überleben.

In einer vom Krieg zerstörten Welt sind die beiden Freundinnen Chito und Yuuri mit ihrem Kettenkrad auf einer ziellosen Reise. Ihr Weg führt die beiden Mädchen durch finstere Gebäude, Schneestürme und verfallene Städte. Stets sind sie auf der Suche nach Nahrung und Treibstoff für ihr Fahrzeug. Lediglich Yuuris Gewehr und Chitos eingeschränkte Lesefähigkeit sowie ihre eigenen Erfahrungen, sind den Freundinnen eine Stützte. Zu zweit unterstützen sie sich und trotzen der Einsamkeit. Die ihnen fremde Welt stellt sie immer wieder vor Fragen zu ihren Funden oder der längst vergangenen Zivilisation. Trotz den dunklen Zeiten, lassen sie sich nicht entmutigen und sammeln gemeinsam Erfahrungen, Erinnerungen und Gefühle.

Sanft-heitere Endzeit

Girls‘ Last Tour lief in der Herbst-Saison 2017 und erlangte mit der ungewöhnlichen Mischung von Endzeit-Abenteuer und Alltagsgeschichten Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt stehen die beiden Mädchen Chito und Yuuri, die mit ihrem Kettenkrad durch eine in Ruinen liegende Welt fahren. Erklärungen, was zu ihrer Situation geführt hat oder welche Umstände zu dieser Art der Vernichtung geführt haben, bleiben in den ersten vier Episoden fast völlig aus. Nur kurz zeigt ein Traum von Chito den Aufbruch der beiden Freundinnen und in Gesprächen erwähnen sie die Zeit, in der sie noch bei Opa gelebt haben. Benötigt wird das alles aber nicht. Viel mehr verstärkt die Unwissenheit, die auch Chito und Yuuri betrifft, die Atmosphäre. Eine düstere, harte Geschichte, sollte aber nicht erwartet werden. Viel mehr ist Girls‘ Last Tour Volume 1 ein sanftes, teilweise sogar fröhliches Alltagsabenteuer in einem Endzeit-Szenario. Die Handlung wird in mehreren kleinen, kurzen Geschichten, die meist zumindest grob aneinander anschließen, erzählt. Dadurch existiert ein lockerer roter Faden, der jedoch erst in den Episoden drei und vier eine striktere Storyline verfolgt, ohne wirklich zu straff zu werden. Im Fokus steht weiterhin eine fast schon angenehme Grundstimmung.

Diese steht in einem überaus interessanten Kontrast zu Setting und angesprochenen Themen. Chito und Yuuri, die von der einstigen Zivilisation fast nichts wissen, unterhalten sich etwa über den Sinn von Krieg oder sind fasziniert vom ersten Fisch, den sie zu Gesicht bekommen. Das verleiht Girls‘ Last Tour genau die richtige ernste Tonlage mit wichtigen zum Szenario passenden Themen, ohne gleichzeitig die lockere Atmosphäre zu zerstören. In erster Linie ist die Geschichte eben doch die Reise von zwei Freundinnen und ihren Überlebenskampf. Wirklich große Sorgen machen sich Chito und Yuuri aber nicht. Angesichts der fast menschenleeren Welt mag das nicht ganz nachvollziehbar sein, schließlich ist das Überleben der Mädchen stets gefährdet, doch Girls‘ Last Tour will keine zu ernste Geschichte erzählen und verknüpft reale Themen auf gekonnte Weise mit der sanften Grundstimmung. Der ruhige und manchmal vielleicht sogar etwas seichte Stil der Serie gefällt sicherlich nicht jedem. Im ersten Volume fällt das aber nicht negativ auf. Viel mehr versteht es Girls‘ Last Tour die Suche der Protagonistinnen nach Nahrung und Treibstoff in schöne kleine Alltagsituationen zu packen und wirkt angesichts des Settings niemals unlogisch. Dazu kommt, dass Chito und Yuuri überaus sympathisch und liebenswert sind. Alleine deshalb ist es schön, die beiden Mädchen auf ihrer Reise zu begleiten. Mögliche ernstere Situationen und Konflikte könnten sicherlich noch kommen, bleiben im ersten Volume aber aus. Dass sie nicht die letzten Menschen sind, wird bereits klargestellt, so dass noch Potenzial für Änderungen in der Struktur vorhanden sind. Zu sehr wandeln dürfte sich Girls‘ Last Tour aber nicht und muss das auch nicht. Auch so kann die Serie mit ihrem Genre-Mix eine ganz eigene Faszination ausstrahlen.

Optisch wird bei Chito und Yuuri ein niedliches, leicht Chibi-haftes Design angelegt. Die Protagonistinnen wirken kindlich, wodurch die Situation innerhalb des Settings zusätzliche Wirkung erhält. Begleitet wird das von einer teilweise wirklich amüsanten und gelungen Mimik sowie flüssigen, sehr guten Animationen und einem zeichnerischen Stil, der hervorragend das Endzeit-Szenario und die Stimmung vermittelt. Maßgeblich dazu trägt außerdem der wundervoll sanfte und zauberhafte Soundtrack bei, der lediglich bei Intro- und Ending-Song etwas peppiger, aber dennoch genau passend, ausfällt. Da Chito und Yuuri die Serie fast alleine tragen, liegt auf ihren gut geschriebenen Dialogen ein großes Augenmerk. Glücklicherweise sind die beiden Hauptfiguren ausgezeichnet besetzt. Leonie Landa als Chito und Katrin Heß als Yuuri passen perfekt und verstehen es den Mädchen glaubhaft Leben einzuhauchen.

Fazit

Girls‘ Last Tour hat in der Herbst-Saison 2017 bereits meine Neugier geweckt, wurde damals aber nicht im Simulcast ausgestrahlt. Um so gespannter war ich, als Universum Anime die Veröffentlichung in drei Volumes angekündigt hat. Die Mischung aus Alltagsabenteuer und Endzeit-Setting funktioniert in den ersten vier Episoden hervorragend. Chitos und Yuuris Reise hat etwas faszinierendes an sich und gemeinsam mit den Mädchen, die wenig über die einstige Zivilisation wissen, entdecke ich immer wieder etwas Neues. Schnell entsteht eine sanfte, manchmal heitere, fröhliche oder lustige Grundstimmung, die jedoch stets die richtige Tonlage zu ernsteren Themen hält. Hierbei setzt Girls‘ Last Tour Volume 1 etwa auf die Frage nach dem Sinn von Krieg oder des Lebens selbst. Wirklich philosophisch wird das zwar nicht, aber es passt perfekt zur Geschichte, die ansonsten einige angenehme, schöne und gelegentlich auch spannende Momente mit sich bringt. Langweilig wird Girls‘ Last Tour zu keiner Zeit und es macht einfach Spaß Chito und Yuuri auf ihrer Reise zu begleiten. Als Slice-of-Life-Fan ist Girls‘ Last Tour für mich genau richtig, da die Serie mit dem Setting frischen Wind bringt und trotzdem die Stimmung des Alltäglichen erhält. Gespannt bin ich darauf, was Chito und Yuuri noch erleben und freue mich deshalb auf die Fortsetzung. Anime-Fans, die eine etwas andere Slice-of-Life- oder Endzeit-Serie wollen und keine große Action oder Spannung brauchen, sollten sich Girls‘ Last Tour auf jeden Fall ansehen.

Kurzfazit: Alltag statt Action und Spannung: Girls‘ Last Tour Volume 1 verknüpft ausgezeichnet Slice of Life und Endzeit-Szenario miteinander und erzählt eine angenehme Geschichte mit liebenswerten Protagonistinnen.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Girls‘ Last Tour – Vol. 1!

Details
Titel: Girls‘ Last Tour – Vol. 1
Originaltitel: Shoujo Shuumatsu Ryokou
Genre: Abenteuer, Alltag, Drama, Science-Fiction, Endzeit
Regie: Takaharu Ozaki
Studio: White Fox
Produktionsjahr: 2017
Laufzeit: ca. 95 Minuten (Blu-ray), ca. 91 Minuten (DVD)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Textless Opening & Ending, original-japanische Trailer
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 30. November 2018
Herstellerseite: Girls‘ Last Tour – Vol. 1 bei Universum Anime

© TSUKUMIZU, SHINCHOSHA, GIRLS LAST TOUR PARTNERS

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