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Nov 19 2018

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Rezension: Overlord: The Undead King & Overlord: The Dark Hero (Blu-ray)

Knapp anderthalb Jahre nach der Serie gibt es in den Recap-Film Overlord: The Undead King und Overlord: The Dark Hero ein Wiedersehen mit Momonga.

Eigentlich wollte Momonga nur dabei sein, wenn das Virutal-Reality-Sensations-Online-Game Yggdrasil offline geht. Schließlich hat er als untoter Magic Caster gemeinsam mit seinen Kameraden die große und mächtige Gilde Ainz Ooal Gown, deren Oberhaupt er noch immer ist, aufgebaut. Doch schon lange ist er der letzte Spieler der Gruppierung, der noch übrig ist. Als jedoch der Zeitpunkt der Abschaltung des Spiels gekommen ist, passiert etwas unerwartetes. Momonga kann sich nicht ausloggen und sämtliche Spieler-Anzeigen und -Hilfs-Tools sind deaktiviert. Außerdem erwachen die NPCs zum Leben, handeln nach ihren eigenen Vorstellungen und sprechen mit ihm. Zu allem Überfluss wurde die Gildenfeste, die große Gruft von Nazarick, in eine andere Welt versetzt. Gemeinsam mit seinen Untergebenen, versucht sich Momonga in der neuen Umgebung zurechtzufinden, trifft auf Menschen, verdingt sich als Abenteurer und muss sich später sogar mit einem Aufstand in den eigenen Reihen auseinandersetzen.

Zweiteilige Neuerzählung

Die beiden Filme Overlord: The Undead King und Overlord: The Dark Hero fassen in 102 beziehungsweise 94 Minuten die 13 Episoden umfassende erste Staffel der Fantasy-Isekai-Serie Overlord zusammen. Gerade im Vergleich zu anderen Recap-Filmen, aber auch als Einzelwerke, können beide Anime überzeugen und wissen mit einer spannenden Handlung, individuellen Figuren, einer interessanten Welt und gelungener MMORPG-Einbindung zu überzeugen. Viele neue Szenen werden dabei nicht geboten. Vorwiegend ist die zweiteilige Neuerzählung aus Szenen der Serie zusammengesetzt. Das jedoch so gut, dass dieser Fakt nicht auffällt. Allgemein wirkt die Geschichte wie aus einem Guss und selbst Serien-Kenner dürften kaum etwas vermissen. Gerade The Undead King kann mit einer ausführlichen Darstellung von Momongas Ankunft in der neuen Welt, dem Erwachen der NPCs sowie den ersten Schritten des Protagonisten als Abenteurer mehr als überzeugen. Doch auch The Dark Hero ist ein fesselnder Fantasy-Film, der sowohl Overlord-Fans als auch Neueinsteiger gut unterhält.

Erzählt wird von einem Spieler, der sich als sein Alter Ego Momonga aus dem Online-Spiel Yggdrasil, nach dessen eigentlicher Abschaltung, nicht mehr ausloggen kann. Schnell fällt auf, dass sich Momonga, der sich im Laufe der Geschichte nach seiner Gilde in Ainz Ooal Gown umbenennt, kaum ein Interesse daran hat, seiner misslichen Lage zu entfliehen. So rückt die Tatsache, dass der Hintergrund von Overlord dem Isekai-Genre entspringt zeitweise sogar in den Hintergrund. Lediglich die Gedanken des Protagonisten, die in einer anderen Stimmlage erklingen als gesprochene Worte des mächtigen Untoten, machen immer wieder deutlich, dass hinter Momonga alias Ainz ein menschlicher Spieler steckt. Dazu kommen zahlreiche Rollenspiel- und MMO-Begriffe, die jedoch auch in der Fantasy-Welt bekannt sind. Etwa Skills, Magie verschiedener Stufen oder das Droppen von Gegenständen. Dieser Aspekt verleiht Overlord eine eigene Wirkung, da sich die oft auf Englisch ausgesprochenen Angriffe, Fähigkeiten und dergleichen trotz einer klaren Übertreibung und -zeichnung gut einfügen.

Lebendiges Fantasy-Abenteuer

Eine weitere Stärke von Overlord ist das zwar recht große, aber abwechslungsreiche und individuelle Charakterfeld. Neben Momonga und seiner Abenteurer-Tarn-Identität Momon, in der er mit schwarzer Rüstung als Krieger auftritt, sind das vorwiegend dessen Diener. Egal ob die laszive, aus früh verratenen Gründen ihrem Herren absolut verfallene Albedo, die Maid-Leibwächterin Naberal oder einer der anderen Untergebenen von Momonga, sie alle wissen mit ihren eigenständigen Persönlichkeiten und individuellen Designs zu überzeugen. Dem schließen sich einige sinnvolle, passend stereotypische Menschen an. Bedauerlich ist lediglich, dass durch die Zusammenfassung der dreizehn Serien-Episoden auf zwei Filme manch wichtiger Charaktermoment verloren geht, weshalb sowohl die Figurendarstellung als auch -entwicklung in manchen Fällen zu kurz kommt. Insgesamt fällt dieser Aspekt jedoch eher gering auf und Verständnisprobleme bezüglich der Akteure sind nicht zu erwarten. Ähnliches gilt natürlich auch für die Geschichte, die wie bereits erwähnt gut zusammengefasst wurde. Lediglich der letzte Handlungsbogen, der etwa zwei Drittel von The Dark Hero ausmacht, fällt genauso wie in der Serie vergleichsweise etwas schwächer aus, was aber auch dem sehr offenen Ende geschuldet ist. Im Gegensatz zum Cliffhanger von The Undead King, der nicht nur Spannung erzeugt, sondern auch deutlich macht wie eng die beiden Filme miteinander verbunden sind, bleiben hier, genauso wie bei der Serie, Fragen offen. Dennoch sind die Film-Umsetzungen der erste Overlord-Staffel überaus gelungen und bieten Neueinsteigern eine gute Alternative zur Serie. Kenner und Fans hingegen erhalten die Möglichkeit, die wichtigsten Story-Elemente in sehr gut zusammengefasster Variante noch einmal zu sehen. Genauso müssen Recap-Filme sein.

Hinsichtlich der Technik hat sich im Vergleich zur ersten Overlord-Staffel verständlicherweise nichts getan. Schließlich setzen die beiden Filme auf das Material der dreizehn Serien-Episoden. The Undead King und The Dark Hero überzeugen mit flüssigen Animationen, erstklassigem Charakterdesign und brachialen Effekten sowie guten CGI-Einbindungen. Dem schließt sich die sehr gute deutsche Synchronisation, bei der besonders Stefan Kaminski mit seinen beiden unterschiedlichen Stimmen für Momonga hervorsticht, an. Als Bonus bieten beide Filme jeweils eine etwa dreizehn Minuten lange Ple-Ple-Pleiades-Episode. In den verniedlichten Stories geht es um die Maid-Leibwächterinnen von Momonga und zwei eher alltägliche Erlebnisse in der Gruft von Nazarick. Trotz des Verzichts auf eine deutsche Synchronisation, wissen die beiden Kurzgeschichten, wie schon im Bonus-Material der Serie, zu gefallen.

Fazit

Recap-Filmen gegenüber bin ich immer etwas skeptisch. Zu oft waren die Serien zerstückelt und essenzielle Teile der Geschichte haben gefehlt oder Figuren und ganze Handlungsbögen kamen zu kurz. Overlord: The Undead King und Overlord: The Dark Hero zeigen, dass es auch anders geht. Obwohl einige Szenen fehlen und gerade manche Charakterdarstellung etwas kürzer kommt, haben mir beide Filme ausgesprochen gut gefallen. Überaus gelungen fassen sie die erste Overlord-Staffel zusammen und geben ohne relevante Lücken die ersten Abenteuer von Momonga und seinen Untergebenen wieder. Dabei hatte ich nicht einmal das Gefühl, dass eine der Figuren zu kurz kommt oder wirklich wichtige oder für das Verständnis notwendige Szenen fehlen. Deshalb eignen sich die beiden Filme hervorragend für Neueinsteiger, die keine Lust auf die in der Laufzeit längere Serie haben, aber auch für Fans, die einer guten Zusammenfassung nicht abgeneigt sind. Das Ende hat aber meinen Wunsch nach den Staffeln zwei und drei, die 2017 und 2018 im japanischen Fernsehen gelaufen sind, verstärkt. Hoffentlich lassen die Fortsetzungen von Momongas Geschichte nicht zu lange auf sich warten.

Kurzfazit: Überaus gelungene Recap-Filme zur ersten Overlord-Staffel, die trotz Kürzungen eine sehr gute Zusammenfassung der Geschichte geben und auch eigenständig als spannende Fantasy-Anime mit individuellen Figuren und einer interessanten Welt zu gefallen wissen.

Vielen Dank an KSM Anime für die freundliche Bereitstellung von Rezensionsexemplarn von Overlord: The Undead King & Overlord: The Dark Hero!

Details
Titel: Overlord: The Undead King / Overlord: The Dark Hero
Originaltitel: Obārōdo: Fushisha no Ou / Obārōdo: Shikkoku no Eiyuu
Genre: Fantasy, Action
Regie: Naoyuki Itou
Studio: Madhouse
Produktionsjahr: 2017
Laufzeit (The Undead King): ca. 102 Minuten
Laufzeit (The Dark Hero): ca. 94 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras (je Film): Bonusclips: Ple Ple Pleiades, Verhaltensvorschriften, Trailer, Bildergalerie
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin (bei Anime Planet): 15. November 2018
Erscheinungstermin (regulär The Undead King): 06. Dezember 2018
Erscheinungstermin (regulär The Dark Hero): 24. Januar 2019
Herstellerseiten: Overlord: The Undead King bei KSM Anime
Overlord: The Dark Hero bei KSM Anime

© Madhouse / KSM Anime

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