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Nov 07 2018

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Rezension: Eislicht – Band 1 (Manga)

Anike Hages Eislicht, dessen erster Band kürzlich erschienen ist, ist die erste deutsche Eigenproduktion von Altraverse.

Peruna wird von ihrem Großvater nach Winterthal geschickt, um dort bei Meister Halvard als Hausdienerin zu arbeiten. Am Ende der beschwerlichen Reise in das von Schnee vereinnahmte Dorf, muss das Mädchen jedoch feststellen, dass alles nur ein Missverständnis war. Die Anfrage an ihren Großvater war nur der Beginn eines Auswahlverfahrens und es wurde bereits ein anderer, erfahrenerer Hausdiener eingestellt. Aufgrund der späten Stunde, organisiert Hausverwalterin Orla jedoch, dass Peruna zumindest die Nacht im Anwesen von Meister Halvard verbringen kann. Nach einer unruhigen, von finsteren Alpträumen geplagten Nacht, ergibt sich ein glücklicher Zufall für das Mädchen: der Hausdiener ist bei der Anreise verunglückt und kann die Stelle nicht antreten. Mangels Alternativen soll Peruna die Lücke füllen. Zu ihrer Überraschung stellt sich ihr neuer Arbeitgeber auch noch als Zauberer heraus. Doch das sind nicht alle Geheimnisse, die sich in Winterthal, einem Ort der fest mit einem alten Kampf und Helden verankert ist, verbergen. Gefährliche Kreaturen ziehen umher. Peruna ist jedoch mutig und sieht die Stelle als eine Chance. Schließlich verbirgt auch sie etwas.

Atmosphärische Fantasy-Ästhetik

Manga-Lesern dürfte Anike Hage bereits durch ihre fünfbändige Reihe Gothic Sports oder die Roman-Adaption Die Wolke bekannt sein. Eislicht veröffentlichte die Autorin und Zeichnerin seit 2013 in Eigenregie im Internet auf der Plattform Animexx und stellt nun im Softcover-Format die Premiere von Altraverse im Bereich deutscher Eigenproduktionen dar. Anike Hage erzählt in Eislicht eine mit Horror- und Mystery-Elementen versehene, düstere Fantasy-Geschichte, die atmosphärisch und ästhetisch Erinnerungen an das Rollenspiel The Elder Scrolls V: Skyrim oder den Genre-Hit Game of Thrones aufkommen lässt. Eine Nachahmung der großen Namen ist Eislicht jedoch nicht. Band eins zeigt sich mit einer spannenden, eigenständigen und durchdachten Geschichte, die früh mit präzise gestreuten Informationen und Andeutungen fesselt und nur noch schwer los lässt. Obwohl der Auftakt-Manga vieles nur anreißt, Setting und Charaktere einführt und die Grundlagen der Geschichte schafft, überzeugt Anike Hage bereits mit einem gut geplanten Ablauf, der schon im Prolog und dem ersten Kapitel neugierig macht und genau das richtige Maß an Geheimnissen rund um Winterthal, die grausigen Kreaturen und die Figuren streut.

Eislicht Band 1 trumpft zudem mit vielschichtigen, interessanten Charaktere, die alle etwas mysteriöses an sich haben auf. Bereits früh ist zu erahnen, dass nicht nur Winterthal oder Meister Halvard ein Geheimnis umgibt, sondern auch Peruna. Die Protagonistin ist vollkommen Ahnungslos, was sie in dem verschneiten Dorf erwartet und welche Geschichte sich hinter ihrer neuen Heimat, ihrem Arbeitgeber, den Helden oder dem bevorstehenden großen Eislicht-Fest verbirgt. Noch lässt sich nur erahnen in was Peruna verstrickt wird und welche Richtung die Fantasy-Reihe einschlägt, doch gerade das letzte der vier Kapitel des ersten Bandes, verspricht Großes und lässt die Spannung weiter steigen. Hier zeigt sich deutlicher, wie individuell die verschiedenen Akteure sind und wie gut geschrieben und durchdacht die Dialoge wirken, ohne dabei jemals den im Fantasy-Genre nicht ungewöhnlichen Grat der Übertreibung zu erreichen.

Schnell entwickelt sich ein angenehmer Lesefluss, der maßgeblich von den präzise angeordneten Bildern und den bereits erwähnten Dialogen profitiert. Gekonnt eingesetzte und stilvolle Ganz- und Doppelseiten-Bilder gehen Hand in Hand mit einer Fülle an Details und dem sinnvollen Verzicht darauf. Hier brilliert Eislicht und macht die eher standardmäßigen Charaktermodelle, die dennoch gut umgesetzt sind, wett. Diese fallen jedoch angesichts der gelungenen Mimik und Gestik, die hervorragend Emotionen vermitteln, kaum ins Gewicht. Die Zeichnungen fangen in dieser Mischung hervorragend die spannende, mysteriöse und düstere Atmosphäre, die vom Winter-Setting noch verstärkt wird ein und tragen auf diese Weise zur gelungenen Story-Vermittlung bei. Gerade Fans düsterer Fantasy sollten definitiv einen Blick wagen.

Fazit

Auf Eislicht Band 1 war ich weniger wegen des Daseins als erste deutsche Eigenproduktion von Altraverse, sondern vielmehr aufgrund der spannend klingenden Geschichte, gespannt. Der Auftakt der Fantasy-Reihe ist atmosphärisch, mysteriös und fesselnd und hat mich schnell überzeugt. Dank der gekonnten Mischung aus einem packenden Lesefluss, detaillierter, gekonnt eingesetzter und ästhetische Zeichnungen, rätselhafter Geheimnisse und vielschichtiger Charakter hat mich Eislicht Band 1 nicht mehr losgelassen und hätte ich die Möglichkeit, hätte ich wahrscheinlich sofort weitergelesen. Natürlich liegt bereits aufgrund des winterlichen Fantasy-Settings inklusive geisterhafter, untoter Kreaturen der Vergleich mit Genre-Hit Game of Thrones und des Rollenspiels The Elder Scrolls V: Skyrim nahe, aber Eislicht zeigt früh, dass die Geschichte eigenständig ist und höchstens die Umgebung von den großen Namen inspiriert wurde. Anike Hage versteht es, ihre Geschichte mit Andeutungen und Informationen spannend zu erzählen, Horror- und Mystery-Elemente einzuflechten und gleichzeitig ihre Zeichnungen genau richtig einzusetzen. Auf diese Weise überzeugt Eislicht als packende Fantasy-Geschichte, der jeder Genre-Fan eine Chance geben sollte.

Kurzfazit: Atmosphärisch, spannend und mysteriös fesselt Eislicht Band 1 mit einer geheimnisumwitterten Fantasy-Geschichte und vielschichtigen Charakteren sowie stilvollen Zeichnungen.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Eislicht – Band 1!

Details
Titel: Eislicht – Band 1
Genre: Fantasy
Verlag: Altraverse
Story/Zeichnungen: Anike Hage
Seiten: 172
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-96358-175-5
Extras: Miniprint (Erstauflage)
Herkunftsland: Deutschland
Verlagsseite: Eislicht – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2018

© Anike Hage / Altraverse

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