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Okt 22 2018

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Rezension: Armitage III Complete Edition (DVD)

Nipponart bringt mit Armitage III Complete Edition die vier OVAs und beiden Filme des Cyberpunk-Anime zurück.

Der Mars im Jahr 2179. Für die zahlreichen sozialen Probleme des Planeten werden Roboter, die einige Arbeiten übernommen haben und in der Gesellschaft verankert sind verantwortlich gemacht. Obwohl die Androiden lediglich Maschinen sind, entlädt sich der Hass zahlreicher Marsbewohner auf die künstlichen Lebensformen. Als der Chicagoer Polizist Ross Sylibus nach einer Versetzung auf dem Mars ankommt, wird er auf dem Flughafen Zeuge einer Schießerei. In Folge dessen wird eine ermordete Frau gefunden, die sich trotz ihres klar menschlichen Verhaltens und ihrer Tätigkeit als Schlagersängerin als neuartige, bisher unbekannte Generation von Android herausstellt. Gemeinsam mit seiner Partnerin, der schlagfertigen und frechen Naomi Armitage, soll Ross die Morde an den als Thirds bezeichneten Robotern aufklären. Allerdings belastet Ross seit der Ermordung seiner letzten Partnerin durch einen Androiden eine Abneigung gegen die künstlichen Lebensformen. Die Zusammenarbeit mit Naomi wird davon belastet. Mit der Zeit findet Ross heraus, dass auch seine Partnerin eine der Thirds zu sein scheint.

Frage nach der Menschlichkeit

Vom Titel Armitage III sollte sich niemand verwirren lassen. Das Originalwerk von den Studios AIC und Pioneer ist keine Fortsetzung, sondern bezieht sich im Titel auf die Geschichte der Cyberpunk-Reihe. Neben Ghost in the Shell und Akira wird Armitage III häufig als großer Genre-Vertreter der 1990er-Jahre genannt. Gerade mit ersterem haben die vierteilige OVA und beiden Filmen einige Gemeinsamkeiten. Die Handlung des direkt auf Video veröffentlichten Ursprungsserie folgt den Polizisten Naomi Armitage und Ross Sylibus, die auf dem Mars einigen Morden an bisher unbekannten, hochentwickelten und von Menschen nicht zu unterscheidenden Robotern nachgehen. Hier wird schnell die im Cyberpunk-Genre gerne verwendet Frage nach der Menschlichkeit und wie ähnlich Androiden ihren Schöpfern sein dürfen aufgeworfen und mit politischen Intrigen verflochten. Zusätzlich beschäftigt sich Armitage III im Laufe der Reihe auch mit den Menschenrechten und ob diese für Roboter anwendbar sind. Dabei geht die Geschichte noch einen Schritt weiter und bringt die sogenannten Thirds aufgrund einer Fähigkeit noch näher an die Menschheit heran. Dieser Aspekt, der hier nicht gespoilert werden soll, ist einer der interessantesten Ansätze der OVA- und Film-Reihe.

Allerdings leidet Armitage III unter einigen Schwächen, die sowohl der Geschichte als auch den an sich gelungenen Figuren schaden. An erster Stelle steht hierbei die sehr schnelle, manchmal gehetzt wirkende Erzählweise, die zu einigen sprunghafte Entwicklung und Plotlücken führt. Das ist gerade deshalb bedauerlich, weil Story und Charaktere bei mehr Entfaltungsmöglichkeiten über deutlich höheres Potenzial verfügt hätten. So aber rücken einige Aspekte der Geschichte in den Hintergrund und gerade Beziehungs- und Figurenaufbau sowie deren Entwicklung wirkt etwas zu schnell. Ross Abneigung gegen Roboter wird kaum thematisiert und ist gerade mit Blick auf seine Partnerin Armitage schnell überwunden. Allgemein ist die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten etwas fraglich dargestellt, da es so wirkt, als würden sie sich gerade erst kennenlernen, nur um kurz darauf bereits sehr vertraut miteinander zu sein. Ähnliches gilt auch für die Interaktion von Ross mit einem anderen Kollegen. Das wiegt jedoch nicht so schwer, da abseits der beiden Hauptfiguren nur wenige Charaktere wirklich ausgearbeitet oder ausführlich vorgestellt werden.

Dass die OVA dennoch überzeugen kann, ist der guten Nutzung der bereits erwähnten Roboter-Thematik und den beiden trotz aller Schwächen interessanten und sympathischen Protagonisten zu verdanken. Die Geschichte kann bei allen Mängeln ausreichend Spannung aufbauen und sogar ein wenig fesseln, verliert sich zeitweise aber in kleineren, unnötig in die Länge gezogenen Momenten. Diesbezüglich bietet der erste Film, Armitage III: Poly-Matrix, eine Alternativ, da es sich hierbei lediglich um eine gekürzte Zusammenfassung der vier OVA-Episoden mit wenigen neuen Szenen handelt. Leider wirkt der Film noch straffer erzählt, was besonders dem Figuren- und Beziehungsaufbau schadet. Dafür bietet Poly-Matrix ein interessantes, alternatives Ende der Geschichte, das trotzdem nur eine kleine Ergänzung bildet und die Handlung nicht komplett umschreibt.

Action statt Roboter-Rechte

Armitage III: Dual-Matrix, der zweite Film von 2002, schließt sowohl an OVA als auch Poly-Matrix an, kann aber inhaltlich nicht ganz die Qualität der Vorgänger erreichen. Der Ansatz mit den Roboterrechten und einer damit verbundenen politischen Ebene ist zwar interessant und verspricht Spannung, wird aber leider nach etwa der Hälfte des Films fallen gelassen. Stattdessen konzentriert sich Dual-Matrix mit der Zeit vorwiegend auf den Überlebenskampf von Naomi und Ross und rückt die nur teilweise überzeugende Action in den Vordergrund. Dem schließt sich ein viel zu langer Showdown, der dadurch der Spannung schadet, an. Das ist bedauerlich, da Dual-Matrix einiges an Potenzial verschenkt, Cyberpunk-Fans genauso wie die gesamte Armitage III Complete Edition aber gefallen könnte. Nur eine ähnlich tiefgründige Geschichte wie bei Ghost in the Shell, sollte niemand erwarten.

Technisch zeigt sich Armitage III weder bei der OVA noch den Filmen von einer überragenden Seite. Keines der Werke ist auf der Höhe ihrer Zeit und erreicht bestenfalls oberen Durchschnitt der 1990er beziehungsweise Anfang der 2000er. Unschöne Animationen und Zeichnungen lassen das an sich gelungene Charakterdesign manchmal etwas seltsam wirken. Dem schließt sich eine nur bedingt überzeugende Inszenierung der Actionszenen sowie mangelnde Details bei Hintergründen und Effekten an. Trotzdem schränkt die Optik den Unterhaltungswert von Armitage III nur bedingt ein, sofern über die vorhandenen Mängel hinweggesehen werden kann. Ähnliches gilt für die insgesamt ordentliche deutsche Synchronisation, die für ihre Zeit sogar als gut zu bezeichnen ist, aber auch einige Schwächen aufweist.

Fazit

Wieder einmal habe ich dank Nipponart die Gelegenheit gehabt einen Anime, den ich schon länger sehen wollte nachzuholen. Armitage III hat mich aufgrund der Story und des Cyberpunk-Genres schon lange interessiert. Leider konnten die vierteilige OVA und beiden Filme meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Geschichte ist insgesamt spannend und die Roboter-Thematik überaus interessant, aber Inszenierung, Erzählweise sowie Charakterdarstellung und -aufbau trüben das Gesamtwerk spürbar. Besonders deshalb, weil sowohl die gelungene Geschichte als auch die sympathischen Hauptfiguren darunter leiden. Dabei hat mich besonders Naomi Armitage mit ihrer frechen, scharfzüngigen und doch liebevollen Art überzeugt. Trotzdem hat mir Armitage III insgesamt gefallen und Genre-Fans, die sich an den Schwächen nicht stören, sollten sich die Cyberpunk-Reihe ansehen.

Kurzfazit: Spannende Cyberpunk-Reihe mit interessanter Roboter-Rechts-Thematik, die jedoch unter einer gehetzten Erzählweise, mangelnder Figurendarstellung und kleineren Plotlücken leidet.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Armitage III Complete Edition!

Details
Titel: Armitage III Complete Edition
Originaltitel: Armitage III, Armitage III: Poly-Matrix, Armitage III: Dual-Matrix
Genre: Cyberpunk, Science-Fiction
Regie (OVA): Hiroyuki Ochi, Takuya Satō, Satoshi Saga, Yukio Okamoto
Regie (Poly-Matrix): Hiroyuki Ochi
Regie (Dual-Matrix): Katsuhito Akiyama
Studio: AIC, Pioneer
Produktionsjahr: 1995 (OVA), 1996 (Poly-Matrix), 2002 (Dual-Matrix)
Laufzeit: ca. 315 Minuten
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Booklet, Sticker
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 28. September 2018
Herstellerseite: Armitage III Complete Edition bei Nipponart

© AIC/NBCUniversal Entertainment

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