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Okt 12 2018

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Rezension: Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War (DVD)

Nach einiger Verzögerung veröffentlicht Universal Pictures Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War als limitierte Premium Edition.

Tödlich verletzt verlässt der Samurai Toyohisa Shimazu im Jahr 1600 in Japan das Schlachtfeld von Sekighara und findet sich plötzlich an einem seltsamen Ort wieder. Ein langer, heller Gang mit zahlreichen Türen erstreckt sich vor ihm. An einem Schreibtisch sitzt ein seltsamer Mann namens Murasaki, der Toyohisa durch eine der Türen in eine andere Welt schickt. Hier existieren neben Menschen auch Elfen, Zwerge, Hobbits, Drachen und andere Wesen. Doch Toyohisa trifft auch auf andere Personen aus seiner Welt. Diese legendären Helden, zu denen etwa Nobunaga Oda und Yoichi Nasu gehören, sind als Drifter bekannt. Überwacht werden sie von der Magiergilde Octobrist, die es sich zum Ziel gesetzt hat die Drifter im Kampf gegen den schwarzen König zu vereinen. Aber auch der Anführer der riesigen Monsterarmee, die die Welt bedroht, hat Krieger aus einer anderen Welt an seiner Seite. Die Ends genannten Menschen haben nur ein Ziel: alles vernichten.

Blutig-wahnsinnige Historie-Fantasy

Nach Hellsing, steht mit Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War die Anime-Adaption der aktuellen Manga-Reihe von Kōta Hirano an. Universal Pictures veröffentlicht die 12-teilige erste Staffel als limitierte Premium-Komplettbox mit zahlreichem Bonus-Material. Die Geschichte von Drifters ist in einer klassischen Mittelalter-Fantasy-Welt angesiedelt. Als Besonderheit wird auf historische Persönlichkeiten verschiedener Epochen gesetzt. Im Mittelpunkt stehen vor allem Toyohisa Shimazu, Nobunaga Oda und Yoichi Nasu, doch auch bekannte Akteure der Geschichte wie Hannibal, Jeanne d’Arc oder Rasputin haben in den zwölf Episoden ihre Auftritte. Stilistisch bleibt die Serie Kōta Hiranos Hellsing teilweise treu. Abgedrehte und wahnsinnig wirkende Charaktere, die kaum als klassische Helden bezeichnet werden können, sorgen für reichlich Blutvergießen und folgen ihrem eigenen Kopf.

Lange Zeit lässt sich Drifters nicht. Bereits in der ersten Episode gelangt Toyohisa in die Fantasy-Welt und wird dort von Elfen gerettet. Kurz darauf steht auch schon seine Begegnung mit Nobunaga und Yoichi an. Obwohl der große Kampf gegen den schwarzen König und seine Monsterarmee sowie die Unterdrückung von Elfen, Zwergen Hobbits und ein jahrzehntelanger Krieg des herrschenden, menschlichen Kaiserreichs Orte einige Handlungsaspekte einbringen, bleibt die Geschichte insgesamt eher dünn. Vorwiegend geht es darum wie Toyohisa, Nobunaga und Yoichi in der ihnen fremden Welt agieren und beginnen ihre eigenen Pläne zu verfolgen. Dabei kommen sie mit der Magiergilde Octobrist, hauptsächlich in Gestalt der Magierin Olmine, in Kontakt. Hieraus ergeben sich natürlich einige Möglichkeiten, die auch auf der Vergangenheit der jeweiligen historischen Persönlichkeiten beruhen. Manche Fakten werden eingeflochten, Taktiken und technologisches Wissen spielen ebenfalls eine Rolle. All das wird jedoch hauptsächlich verwendet, um die Charaktere immer wieder in neue enorme blutige Kämpfe, bei denen sowohl Körper geteilt als auch Gliedmaßen und Köpfe abgetrennt werden, zu schicken. Das hat den Eindruck von Non-Stop-Action, wird aber stets genau richtig aufgelockert oder mit neuen Storyentwicklungen untermauert.

Ergänzt wird das düstere und brutale Geschehen mit einer ordentlichen Prise slapstickartigem Humor. Besonders das Agieren der historischen Figuren lässt nicht selten an deren Verstand zweifeln. Mal streiten sie sich wie Kleinkinder, nur um kurz darauf einen grausamen Plan auszuhecken. Dieser Kontrast lässt die Charaktere nicht nur vielschichtig, sondern noch wahnsinniger erscheinen. Allgemein setzt Drifters auf überzeichnete und abgedrehte Figuren. Dennoch wirken Toyohisa, Nobunaga und die anderen niemals zu simpel, seicht oder verharmlost dargestellt. Es bleibt jederzeit deutlich wie gewaltbereit, gerissen, hinterhältig oder brutal die einzelnen Akteure sind. Gerade Bewohner der Fantasy-Welt wie die Elfen oder Olmine, sind nicht selten darüber erstaunt wie gnadenlos die Drifter handeln können. Der Schritt hin zu den Ends, die vollkommen bösartig auf Zerstörung aus sind, ist deshalb nicht immer erkennbar, macht diese feine Nuance aber um so interessanter und sorgt in direkten Konfrontationen für spannende Momente. Zudem wird mit dem schwarzen König ein Antagonist geboten, der allem Anschein nach nicht auf reine Zerstörung aus ist und keine ausschließlich bösen Absichten hat. Hier verzichtet Drifters überraschend auf klarerer schwarz-weiß-Zeichnung und setzt genauso wie bei den historischen Personen auf einen fließenden Übergang zwischen gut und böse.

Allgemein schafft es Drifters Series 1 die 12 Episoden auf ungeahnte Weise zu fesseln und von einer zur nächsten Episode mit zu reißen. Egal ob es nun das Schlachtengetümmel, der Humor samt einiger pubertär-sexueller Anspielungen oder die mysteriöse, seichte aber trotzdem interessante Geschichte ist, Drifters bietet immer etwas, um zum Weitersehen zu motivieren. Gleichzeitig artet der hohe Gewaltgrad trotz einiger brutal-blutiger Szenen niemals so sehr aus, dass es unangenehm wird. Lediglich einige wenige Szenen, die jedoch dazu dienen die Grausamkeit des Kaiserreichs Orte darzustellen, können ein mulmiges Gefühl im Magen verursachen. Das fügt sich auch aufgrund des zweifelhaften, glücklicherweise aber mit Fingerspitzengefühl eingesetzten Staatsgründers, gut in die Geschichte ein. Dadurch umgeht Drifters größere Stolpersteine und löst bis zum spannenden Cliffhanger in Episode zwölf einen packenden Sog aus. Schade, dass die bereits angekündigte zweite Staffel bisher noch auf sich warten lässt.

Optisch zeichnet sich Drifters durch den auffälligen Stil von Kōta Hirano aus. Die deutlichen Kontrastlinien der Figuren passt sehr gut zu den matten, aber dennoch gut zur Geltung kommenden Farben und dem individuellen Figurendesign. Hoods Entertainment verbindet unter der Regie Kenichi Suzuki die einzigartige Optik mit dem ausgezeichneten Charakterdesign von Ryoji Nakamori. Untermalt wird das ganze von einem gelungenen Soundtrack und der sehr guten deutschen Synchronisation, die mit perfekt zu den Figuren passenden Stimmen aufwarte und sich kaum Schwächen erlaubt.

Fazit

Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War greift Elemente des Fantasy-Isekai-Genres auf, verbindet diese jedoch mit historischen Persönlichkeiten und einer blutig-brutalen Non-Stop-Action der Marke Hellsing. Angesichts der Manga-Vorlage von Hellsing-Schöpfer Kōta Hirano ist letzteres wenig überraschend. Im Vorfeld wusste ich nicht, was mich bei Drifters erwartet und bin ohne große Erwartungen an die Serie herangegangen. Um so mehr hat mich das packende Action-Fantasy-Spektakel überrascht. Zwar bleibt die Geschichte insgesamt etwas seicht und hinter den Möglichkeiten zurück, zeigt aber einige interessante Möglichkeiten. Dazu gesellt sich eine einzigartige Optik inklusive flüssiger Animationen. Der hohe Gewaltgrad steht in einem seltsamen Kontrast zum slapstickartigen Humor, der regelmäßig eingestreut wird und mich immer wieder zum Schmunzeln oder sogar Lachen gebracht hat. Daraus ergibt sich eine ungewöhnliche Fantasy-Action-Comedy-Mischung mit hohem Blut- und Gewaltgrad sowie einer interessanten Geschichte, die gerade Hellsing- und Kōta-Hirano-Fans, aber auch Genre-Anhänger unterhalten dürfte. Angesichts der langsam voranschreitenden Manga-Vorlage, bleibt aber zu befürchten, dass die zweite Staffel noch etwas auf sich warten lässt und der harte Cliffhanger vorerst unbeantwortet bleibt.

Kurzfazit: Drifters Series 1 bietet packende und brutal-blutige Fantasy-Action, die dank des slapstickartigen Humors, verrückt-abgedrehter Charaktere und einer etwas seichten, aber dennoch spannenden Geschichte den richtigen Rahmen erhält.

Vielen Dank an Universal Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War!

Details
Titel: Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War
Originaltitel: Drifters – Battle in a Brand-new World War
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Comedy
Regie: Kenichi Suzuki
Studio: Hoods Entertainment
Produktionsjahr: 2016
Laufzeit: ca. 286 Minuten (DVD) / ca. 296 Minuten (Blu-ray)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Bonus: Schuber, ca. 40-seitiges Booklet, Poster im Spezialformat, 4 Artcards, Kühlschrankmagneten, Textless Opening & Ending, Trailer
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 11. Oktober 2018
Herstellerseite: Drifters Series 1 – Battle in a Brand-new World War bei Universal Pictures

©  Hoods Entertainment / Universal Pictures

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