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Okt 10 2018

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Rezension: Ich will dich weinen sehen – Band 1 (Manga)

Ich will dich weinen sehen Band 1 erzählt von zwei ungleichen Mädchen, die durch Tränen und Filme zueinanderfinden.

Yoh ist nach Außen freundlich und hilfsbereit. Doch das ist nur eine Fassade. Eigentlich möchte die Schülerin andere Menschen auf Abstand halten und ist nicht das liebe Mädchen, für das sie alle halten. Hana hingegen wirkt mit ihrer schroffen Art einschüchternd, weshalb ihre Klassenkameraden unsicher im Umgang mit ihr sind und sogar Angst vor ihr haben. Als Yoh, die das einzige aktive Mitglied des Filmklubs ihrer Schule ist, mal wieder in ein kleines, kaum besuchtes Kino geht, taucht dort ausgerechnet auch Hana auf. Dabei sieht Yoh wie Hana vom Film gerührt hemmungslos weinen muss. Das berührt etwas in Yoh, trotzdem möchte sie möglichst keinen Kontakt zu Hana. Als diese jedoch am nächsten Tag im Filmklub auftaucht, ändert sich Yohs bisher eher ruhiger Schulalltag.

Gemächliche Sanftheit

Ich will dich weinen sehen verfolgt auf den ersten Blick eine etwas ungewöhnliche Prämisse, die bereits im Titel steckt. Hauptfigur Yoh gefallen die Tränen von Hana so gut, dass sie diese gerne erneut weinen sehen möchte. Allerdings rückt das zentrale Handlungselement im ersten Manga recht schnell in den Hintergrund. Stattdessen konzentriert sich Mangaka Aya Fumio im ersten der insgesamt drei Bände umfassenden Reihe auf den Aufbau der Beziehung von Yoh und Hana. Romantik oder Liebe ist damit jedoch nicht gemeint. Stattdessen sind die beiden Protagonistinnen anfangs lediglich Klassenkameradinnen, die erst im Laufe des ersten Kapitels etwas miteinander zu tun haben. Anschließend entwickelt sich eine etwas seltsame, vom Filmklub beförderte, Freundschaft.

Die kurzen Kapitel geben kleine Einblicke in den Alltag von Yoh und Hana, wobei die Konzentration eindeutig auf der Zeit in der Schule liegt. Unterricht spielt dabei jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr steht die gemeinsame Zeit von Yoh und Hana etwa im Filmklub, im Klassenraum oder während der Pausen im Mittelpunkt. Aufgrund der recht überschaubaren Kapitel-länge wirken manche der anfänglich noch etwas episodisch wirkenden Handlungsabschnitte fast zu kurz oder oberflächlich. Dem Lesespaß schadet das jedoch nicht, da Yoh und Hana als Hauptfiguren gut funktionieren sowie ausreichend charakterisiert und vorgestellt werden. Etwas mehr Platz für die Charakterdarstellung wäre trotzdem sinnvoll gewesen. Dennoch gelingt es Mangaka Aya Fumio eine sympathische Figurenriege, die neben Yoh und Hana noch Miu und Aoi umfasst, aufzubauen.

Auch sonst kann Ich will dich weinen sehen gute unterhalten. Der kurzweilige Lesefluss ist angenehm und im letzten Drittel wird die Geschichte etwas intensiver. Statt zwischen den Kapitel kleine Sprünge, etwa zum nächsten Tag zu machen, knüpfen die Ereignisse direkter aneinander und ein etwas längerer Handlungsbogen innerhalb der Gesamtgeschichte wird entwickelt. Dieser ist maßgeblich für die weitere Beziehung von Yoh und Hana und lässt eine mögliche noch tiefere Verbindung der beiden erahnen. Das ist wichtig, da der erste Band trotz Andeutungen und etwas gefühlvoller Situationen, nicht immer wie Girls Love wirkt. Negativ ist das aber nicht, da die mögliche Romanze der Hauptfiguren langsam aufgebaut wird und vorerst eine sanfte Freundschaft entsteht.

Die Zeichungen bewegen sich im guten Durchschnitt. Yoh und Hana sind im Design passend zu ihren Persönlichkeiten umgesetzt und ermöglichen so das Spiel mit falschen Vermutungen oder Ersteindrücken. Besonders gelungen sind jedoch die Augen, die in manchen Szenen hervorstechen und der Mimik manchmal einen intensiven Eindruck verleihen.

Fazit

Ich will dich weinen sehen Band 1 erzählt den Anfang einer sanften, gemächlichen Girls-Love-Geschichte rund um zwei sympathische Mädchen mit einigen deutlichen Macken. Wirklich neu mag das nicht sein, aber die kurzweilige Erzählweise und die liebenswerten Hauptfiguren haben mich schnell überzeugt. Vielleicht bleibt der Manga manchmal etwas zu oberflächlich, die kurzen Kapitel grenzen Figurendarstellung sowie einige Szenen etwas ein, doch insgesamt ist die Geschichte interessant genug um zu fesseln. Gerade die ruhig-sanfte Art des Mangas hebt Ich will dich weinen sehen ein wenig ab. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt und ich möchte erfahren wie es mit Yoh und Hana weitergeht. Genre-Fans sollten einen genaueren Blick wagen.

Kurzfazit: Gemächlich erzählte, sanfte Girls-Love-Geschichte um zwei unterschiedliche Mädchen, deren Freundschaft sich im ersten Band langsam entwickelt.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ich will dich weinen sehen – Band 1!

Details
Titel: Ich will dich weinen sehen – Band 1
Originaltitel: Watashi wa Kimi o Nakasetai
Genre: Girls Love
Verlag: altraverse
Text/Zeichnungen: Aya Fumio
Seiten: 160
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-181-6
Verlagsseite: Ich will dich weinen sehen – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 20. September 2018

© Jun Mayuzuki / Shogakukan / altraverse

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