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Okt 09 2018

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Anime-Simulcast-Herbstsaison 2018 Teil 2

Nach der ersten Welle gehen die Simulcast-Neustarts auf Crunchyroll, Wakanim, Anime on Demand und Amazon Prime Video weiter.

Im zweiten Teil der Erster-Blick-Artikel-Reihe zur Herbst-Saison 2018 widme ich mich den Serien Anima Yell!, Boarding School Juliet, Goblin Slayer und Iroduku: The World in Colors und schildere meine Ersteindrücke nach der ersten Episode.

Anima Yell!

Studio: Doga Kobo
Genre: Comedy, Slice of Life, Sport
Termin: 07. Oktober 2018
Stream bei Crunchyroll

Worum geht`’s?
Kohane Hatoya hat sich bisher vorwiegend darum gekümmert, andere zu unterstützen und ihnen zu helfen. Ein Hobby hat die 15-jährige nicht. Das ändert sich, als sie auf einem Sportplatz am Fluss einige Cheerleader sieht und sofort begeistert davon ist. Besonders eines der Mädchen entfacht in ihr den Wunsch, selbst Cheerleaderin zu werden. Sofort erzählt sie ihrer besten Freundin Uki davon und beschließt, zum bald anstehenden Beginn der Oberschule dem Cheerleader Club beizutreten. Nach der Einschulung muss sie jedoch feststellen, dass ein solcher Club an ihrer neuen Schule nicht existiert. Als sie dann Hizume Arima, jene Cheerleaderin, die sie inspiriert hat, ausgerechnet in der Schule wieder trifft, beschließt Kohane einen eigenen Club zu gründen. Sofort versucht sie alles, um Arima dafür zu gewinnen, doch diese lehnt vehement ab.

Ersteindruck
Die Manga-Adaption Anima Yell! ist ein typischer Vertreter des Schul-Club-Genres rund um eine Gruppe von Mädchen, die Cheerleader werden. Viele Überraschungen hält die erste Episode nicht bereit und präsentiert die Serie als fröhlich-leichte Zwischendurchunterhaltung mit stereotypen Figuren. Trotzdem hat mir der Auftakt von Anima Yell! gefallen, sogar wirklich Spaß gemacht. Sicher, die Serie mag nicht unbedingt viel neu machen, aber das ist auch gar nicht notwendig. Dafür ist der Grundton angenehm und die erste Episode strahlt einen großen Sympathie-Bonus aus. Zu verdanken ist dieser auch den Hauptfiguren, die trotz bekannter Muster überzeugen können und liebenswert sind. Kohane mag ein wenig nervig sein mit ihrer aufgedrehten Art, ist mir aber genauso wie Arima und Uki schnell ans Herz gewachsen. Anima Yell! gelingt es, die Begeisterung und Freude der Charaktere ausgezeichnet zu vermitteln und damit ein wenig anzustecken. Das sorgt für eine positive Grundstimmung, die ergänzt von dem seichten Humor und den schönen, wenn auch nicht herausstechenden Animationen und Bildern gut abgerundet zu werden. Letztlich zeigt Anima Yell!, dass auch simple Genre-Vertreter mit einer eigenen Geschichte unterhalten können und nicht jede Serie immer alles neu erfinden muss. Anhänger vergleichbarer Sport-Club-Animes könnten ihren Spaß mit Anima Yell! haben.

Boarding School Juliet (Kishuku Gakkou no Juliet)

Studio: Liden Films
Genre: Romantik, Comedy
Termin: 05. Oktober 2018
Stream bei Amazon Prime Video

Worum geht’s?
Die Schüler der Dahlia-Akademie stammen aus zwei verfeindeten Ländern, der östlichen Touwa-Nation und dem West-Herzogtum. Dementsprechend sind die Schüler in zwei Wohnheimen, die ebenfalls einen immerwährenden Streit austragen, aufgeteilt. Romio Inuzuka aus der Touwa-Nation und Juliet Persia vom West-Herzogtum sind nicht nur Rivalen, sondern in ihrem Jahrgang auch so etwas wie Anführer. Seit Kindheitstagen streiten und bekämpfen sich die beiden. Allerdings ist Romio schon lange heimlich in Juliet verliebt, wagt es aber nicht, ihr seine Gefühle zu gestehen. Schließlich wäre eine Beziehung zwischen ihnen nicht nur kompliziert, sondern verboten.

Ersteindruck
Schon die Namen der beiden Hauptfiguren, Romio und Juliet, machen deutlich, welche klassische Geschichte die Manga-Adaption Boarding School Juliet als Vorlage hat. Ähnlich wie in Romeo und Julia stehen sich die Protagonisten in verfeindeten Lagern gegenüber, wodurch ihre Liebe erschwert wird. Die Anime-Serie verlagert das Geschehen an eine Schule und teilt den Konflikt auf zwei Nationen und deren Wohnheime auf. In der ersten Episode wird ein relativ typischer Einstieg geboten. Romio und Juliet als Hauptfiguren werden vorgestellt, der Konflikt zwischen den beiden Parteien zumindest oberflächlich mit eingebracht und natürlich darf auch die verbotene Liebe nicht fehlen. Das alles ist ordentlich umgesetzt und zeigt eine gelungene Mischung aus Romantik und Comedy. Natürlich gibt es Missverständnisse, aber auch Schüler, die für ihre Seite bereit sind recht weit zu gehen. Grob lässt sich festhalten, dass Boarding School Juliet Episode eins die Grundlagen legt, auf denen die Serie aufbauen kann. Das geht glücklicherweise soweit, dass nicht über mehrere Folgen mit gescheiterten Liebesgeständnissen oder ähnlichem gearbeitet wird. Genau hier zeigt sich dann auch Potenzial, da Romios und Juliets Umgang mit ihren Gefühlen durchaus amüsant werden könnte. Ergänzt von ihren ewigen Begleitern – bei Romio ein Mädchen, bei Juliet ein Junge – werden zudem Konfliktmöglichkeiten, Missverständnisse und ähnliches ermöglicht. Wirklich überzeugt hat mich der Serieneinstieg aber nicht, da mir die Geschichte nur bedingt zusagt und zu viele Klischees und Stereotypen verarbeitet werden. Fans romantischer Komödien könnten aber gefallen an der Serie finden.

Goblin Slayer

Studio: White Fox
Genre: Fantasy, Abenteuer, Action
Termin: 06. Oktober 2018
Stream bei Wakanim

Worum geht’s?
Eine fünfzehnjährige Priesterin beschließt den Tempel zu verlassen und Abenteurerin zu werden, um der von Monstern geplagten Welt nützlich zu sein. Kaum bei der Gilde angemeldet, wird sie auch schon von einer unerfahrenen Gruppe rekrutiert. Gemeinsam treten sie eine Mission zur Vertreibung von Goblins und Befreiung entführter Frauen an. Allerdings unterschätzen die jungen Abenteurer die als schwach geltenden Monster. Als jede Hoffnung verloren scheint, trifft die Priesterin auf einen finsteren Krieger, der sich selbst Goblin Slayer nennt.

Ersteindruck
In Kooperation mit Wakanim bringt der noch junge Anime-Publisher Animoon die Fantasy-Serie Goblin Slayer als Simulcast. Die Adaption der gleichnamigen Light-Novel-Reihe von Autor Kumo Kagyu ist bereits im Juli bei altraverse als Manga-Umsetzung auf deutsch gestartet und gehört zu meinen am meisten erwarteten Anime-Serien der Herbst-Saison 2018. Da ich bereits den ersten Manga-Band, dessen erste beiden Kapitel der Auftaktepisode entsprechen, wusste ich, was mich bei der Anime-Adaption der Fantasy-Geschichte erwartet. Der Warnhinweis zu Beginn, der eine Altersempfehlung ab 16 Jahren ausspricht und vor Inhalten warnt, die auf manche Zuschauer verstörend wirken könnten, bestätigt das noch einmal. Die erste Episode von Goblin Slayer ist hart, brutal und zeigt das grausame Verhalten der Goblins recht eindeutig, auch wenn manche Szenen glücklicherweise nur angedeutet sind. Dadurch bleibt das, was die Goblins mit ihren entführten Opfern machen, zwar recht eindeutig, wird aber nie zu explizit. Ein mulmiges Gefühl im Magen können manche Momente trotzdem auslösen. Seien es nun die sehr blutigen Kämpfe oder die Taten der Goblins. Damit präsentiert sich Goblin Slayer bereits zum Serienauftakt als harte, düstere Dark-Fantasy-Serie, die weder vor Brutalität und Blut noch realistischen, harten Szenen zurückschreckt. Damit sticht Goblin Slayer im häufig mit Comedy oder einer eher lockeren Atmosphäre versehenen Fantasy-Genre heraus, ist aber definitiv nicht für jeden geeignet. Der Qualität schadet das nicht. Goblin Slayer gelingt ein packender, beklemmender Auftakt, der kaum besser inszeniert sein könnte. Erstklassige Animationen samt sehr gutem Effekt und Stilmitteleinsatz sorgt gemeinsam mit dem hervorragend eingesetzten Soundtrack und der gelungenen japanischen Synchronisation für ein audiovisuelles Fantasy-Erlebnis. Anzumerken sei noch, dass Goblin Slayer in den kommenden Episoden auch etwas leichtere und weniger grausam-brutale Töne anschlagen dürfte, sofern die Anime-Serie inhaltlich der Manga-Adaption ähnelt.

Iroduku: The World in Colors (Irozuku Sekai no Ashita kara)

Studio: P.A. Works
Genre: Alltagsdrama, Slice of Life, Drama, Fantasy
Termin: 05. Oktober 2018
Stream bei Amazon Prime Video

Worum geht’s?
Als Kind hat die 17-jährige Hitomi, die aus einer Magierfamilie stammt, der Magie aber wenig abgewinnen kann, die Fähigkeit verloren, Farben zu sehen. Seit dem zieht sie sich zurück und zeigt kaum noch Emotionen. Am Abend eines Festes schickt sie ihre Großmutter mittels Magie 60 Jahre in die Vergangenheit, in das Jahr 2018. Die Gründe dafür oder wie sie zurück nach Hause kommen kann, kennt Hitomi nicht und versucht sich in der unbekannten Zeit zurecht zu finden.

Ersteindruck
Wie der Titel von Iroduku: The World in Colors bereits andeutet, spielen Farben in der Anime-Original-Serie vom Studio P.A. Works eine wichtige Rolle. Bereits die ersten Bilder sind leuchtend und wunderschön koloriert. Gleichzeitig verschwinden die strahlenden Farben immer dann, wenn die Welt aus Hitomis Sicht dargestellt wird. Das verstärkt das Verständnis für ihr ungewöhnliches Leiden, keine Farben mehr wahrnehmen zu können. Wie es genau dazu gekommen ist, deutet die erste Episode lediglich an. Allerdings ist das für die Geschichte vorerst auch nicht wichtig. Weitaus interessanter ist Hitomis unfreiwillige Reise in die Vergangenheit. Schnell wechselt das Szenario von einer nahen Zukunft in die Gegenwart des Jahres 2018. Mit einem gelungenen Kniff werden diverse Figuren, die im Laufe der Serie noch wichtig werden dürften eingeführt und gleichzeitig wird eine vermeintliche Verbindung zwischen Hitomi und dem Schüler Aoi aufgebaut. Natürlich besteht hier das Risiko, dass Iroduku: The World in Colors etwas zu sehr ins romantische abrutscht, doch die erste Episode verspricht eher ein sanftes Coming-of-Age-Alltagsdrama mit Fantasy-Elemten. Magie ist in der Welt der Serie relativ normal. Daraus ergeben sich interessante Möglichkeiten, die in Episode eins bereits teilweise genutzt werden. Allgemein gelingt es dem Serienauftakt überraschend gut, viele Facetten der Serie zu zeigen, Hitomi als schweigsame, emotionsarme und dennoch sympathische Hauptfigur zu etablieren und gleichzeitig neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte zu machen. Wie wichtige Farben und das Spiel mit diesen ist, wird beim wundervollen Ende, das bereits einen Gänsehautmoment bereithält, noch einmal deutlich und weckt gleichzeitig den Wunsch, direkt die zweite Episode sehen zu können. Iroduku: The World in Colors könnte, wenn die Qualität der ersten Folge gehalten wird, eines meiner Highlights der Saison werden.

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