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Okt 08 2018

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Rezension: My-Hime (DVD)

In einer Gesamtausgaben-Neuauflage hat Nipponart die 26 Episoden und Bonus-Kurzfolgen von My-Hime zurück gebracht.

Die Fahrt mit der Fähre zu ihrer neuen Schule, hat sich Mai Tokiha anders vorgestellt. Erst entdecken sie und ihr Bruder ein Mädchen, das im Fluss schwimmt. Kurz nach deren Rettung wird das Schiff angegriffen und Mai wird in einen Kampf der Geretteten und eines weiteren Mädchens verwickelt. Nach weiteren unschönen Ereignissen in der Fuuka Akademie angekommen, erfährt Mai von den Hime. Der Begriff steht für „Highly-advanced Materializing Equiment“ und bezeichnet Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Anhand eines Mals an ihrem Körper sind die Hime zu erkennen. Außerdem können sie einen roten Stern nahe des Mondes erkennen. Mai erfährt, dass auch sie eine Hime ist und gegen eine von Monstern ausgehende Gefahr kämpfen soll. Allerdings setzt sie dabei die ihr wichtigste Person aufs Spiel. Schon bald kommt Mai mit weiteren Himes, darunter auch Mikoto und Natsuki, die beiden Mädchen von der Fähre, in Kontakt. Wirkliche Zusammenarbeit bleibt jedoch vorerst aus und die Himes erwarten noch weitaus größere Gefahren und Herausforderungen, als sie anfangs erahnen können.

Vom Schicksal auserwählt

My-Hime vom Studio Sunrise gilt bei einigen Anime-Fans als eine der besten Serien der Jahre 2004 und 2005. Das Alter ist dem 26 Episoden umfassenden Originalwerk vor allem aufgrund des 4:3-Bildes und der nicht mehr zeitgemäßen, aber dennoch meist gelungenen Animationen anzumerken. Ähnliches gilt auch für die schwankende Synchronisationsqualität, die von durchwachsen bis gut reicht, insgesamt aber der Serie nicht schadet. Obwohl My-Hime von auserwählten Mädchen mit besonderen Kräften handelt, wird keine einfache Magical-Girl-Geschichte erzählt. Viel mehr werden eine dramatische Handlung mit gut inszenierten und actionreichen Kämpfen, Romantik, ernsten Grundtönen sowie einer düsteren, bedrückenden Atmosphäre und etwas auflockerndem Humor vermischt. Dabei zeigt My-Hime weitaus mehr Tiefe und überraschende Wendungen, als zu Beginn der Serie zu erwarten ist. Gerade der zweite Storyarc beweist eine unerwartete Konsequenz im Umgang mit den Charakteren, der Handlung und harten Ereignissen. Obwohl einige wenige Entwicklungen vorhersehbar sind, bleibt My-Hime packend und schafft es, genau in den richtigen Momenten zu überraschen oder gar schockieren. Hier zeigt die Serie zusätzlich zu klassischen Themen wie Liebe, Trauer, Leid, Schmerz, Freude und Freundschaft mehr Tiefgang, als der Geschichte zu Beginn zuzutrauen wäre.

Genauso verhält es sich auch mit den Figuren. Angefangen bei Mai, die als klare Protagonistin aufgebaut wird und in dieser Position lediglich durch Natsuki und Mikoto ergänzt wird, weisen die Charaktere unerwartet viel Tiefe auf. Trotz einiger Klischees und Stereotypen weiß das große Ensemble, das neben den Hauptfiguren mit zahlreichen für die Geschichte wichtigen und unverzichtbaren Akteuren aufwartet, zu überzeugen. Sicherlich ist nicht jeder Charakter perfekt gelungen, dennoch versteht es My-Hime mit jeder und jedem von ihnen richtig umzugehen und sie genau richtig einzusetzen. Lediglich der Romantik-Teil, der zeitweise in typische Teenie-Bahnen abrutscht, kann etwas anstrengend sein, erhält aber im Laufe der Serie einen bedeutsamen Hintergrund. Das macht vieles nicht nur erträglicher, sondern auch nachvollziehbar, relevant und sogar unverzichtbar. Um so mehr können die bereits erwähnten konsequenten Wendungen und Entwicklungen schockieren und zeigen, wie lebendig die Figuren wirken. Egal wie sympathisch ein Charakter ist, im richtigen Moment, werden sie passend zu ihrer Persönlichkeit eingesetzt, so dass man auch mit ungeliebten Akteuren mitfiebern oder leiden kann.

Natürlich ist My-Hime nicht fehlerfrei. Die Geschichte verliert sich gerade in der ersten Hälfte zeitweise in Belanglosigkeit und konzentriert sich auf Nichtigkeiten im Leben der Himes und ihres Umfeldes. Dadurch zieht sich die Serie ab und zu etwas, wird aber glücklicherweise niemals langweilig oder gar schlecht. Letztlich stellt sich oft sogar heraus, dass selbst unnütz wirkende Szenen eine tiefere Bedeutung haben können – und sei es nur, um einen Charakter näher vorzustellen oder eine relevante Seite der Person zu zeigen. Schließlich sind es die Bindungen der Figuren zu ihren Liebsten, die im Laufe von My-Hime eine unverzichtbare Bedeutung erhalten. Obwohl thematisch nicht vollkommen identisch, erinnert die Serie zeitweise sogar an den Anime-Klassiker X und erreicht in den nicht unbedingt wenigen starken Momenten sogar dessen Qualität. Lediglich das gelungene Ende wird letztlich etwas plötzlich herbei geführt und entscheidende Momente sind kurzgefasst. Allgemein ist das jedoch nicht negativ, da so keine unnötige Streckung der Geschichte auftritt und alles flüssig zum gelungenen Finale übergeht.

Fazit

My-Hime ist eine jener Anime-Serien, die ich namentlich kannte und gerne sehen wollte, aber nie die Gelegenheit dazu hatte. Dank der Gesamtausgabe von Nipponart konnte ich die 26 Episoden umfassende Geschichte von Mai, Natsuki, Mikoto und den anderen Hime nun endlich erleben. Vollkommen zufrieden bin ich zwar nicht, doch als Gesamtwerk hat mir My-Hime überraschend gut gefallen. Sogar die für mich eher negativen Momente, die vorwiegend der teeniehaften Romantik zu verdanken sind, haben für mich im Lauf der Serie einen Sinn gegeben, weshalb mich My-Hime rückblickend sogar noch etwas mehr gefallen hat. Die spannende Handlung überzeugt nicht nur mit gut inszenierten Kämpfen, sondern weitaus mehr dank der individuellen, überraschend abwechslungsreichen Figuren und unerwarteten, mitunter sogar schockierenden Wendungen. Gerade letztere sind auf eine Weise konsequent wie ich es nicht erwartet hatte. Selbst kleine Ungereimtheiten werden regelmäßig zurecht gerückt, so dass vermeintliche Plotlücken keine Rolle mehr spielen. Das Ende mag – auch aufgrund der vorherigen Konsequenzen – nicht jedem gefallen, passt aber gut zur Serie und rundet diese genau richtig ab. Wie schon oben erwähnt, erinnert mich My-Hime zeitweise an X und erreicht sogar eine vergleichbare Qualität. Damit sollten Fans des Anime-Klassikers, die mit einer etwas teeniehaftern Ausrichtung und seichten, eher oberflächlichen Ecchi-Elementen kein Problem haben, My-Hime definitiv eine Chance geben.

Kurzfazit: Unerwartet packendes Actiondrama, das mit einer spannenden Geschichte samt überraschender und konsequenter Wendungen sowie individuellen, tiefgründigen Figuren überzeugt.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von My-Hime!

Details
Titel: My-Hime
Originaltitel: Mai-Hime
Genre: Action, Drama
Regie: Masakazu Obara
Studio: Sunrise
Produktionsjahr: 2004/05
Laufzeit: ca. 720 Minuten
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Japanisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Extras: Bonus-Episode, Sticker
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 14. September 2018
Herstellerseite: My-Hime bei Nipponart

© SUNRISE

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