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Sep 19 2018

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Rezension: No Game No Life Zero (Blu-ray)

Düster und anders präsentiert sich No Game No Life Zero, das Film-Prequel zur bunt-fröhlichen Spielthematik-Serie No Game No Life.

6000 Jahre bevor Sora und Shiro nach Disboard gelangten, war das Zeitalter des ewigen Krieges. Als einziges Volk das keine Magie anwenden kann, sind die Menschen den Konflikten der Old Deus und den von ihnen geschaffenen Geschöpfen wehrlos ausgeliefert. Die engelsgleichen Flügel, Elfen, Zwerge, Warbeasts und andere Rassen kämpfen gnadenlos gegeneinander. Längst ist die Welt zu einer sonnenlosen, wolkenbedeckten Einöde, die von einem giftigen Ascheregen bedeckt wird, verkommen. Eines Tages trifft Riku, der Anführer des letzten Menschendorfes, in alten Elfenruinen auf eine einzelne Ex-Machina-Einheit. Doch statt ihn zu töten, fordert ihn das Maschinenmädchen dazu auf, sich mit ihr zu Paaren. Sie, die Riku später Schwi nennt, möchte die Vokabel „Herz“ begreifen. Erst als sie Riku zu einem Schachspiel mit Bedingungen, die er nicht ablehnen kann, herausfordert, ist er bereit sie mit sich zu nehmen. Langsam aber sicher überwinden sie die anfänglichen Schwierigkeiten und entwickeln einen Plan, der nicht nur die Menschheit zum Sieg führen, sondern den ewigen Krieg beenden könnte.

Eine Frage des Herzens

No Game No Life Zero ist der Film zur ebenfalls bei KSM Anime erschienenen Serie No Game No Life und basiert auf dem sechsten Band der Light-Novel-Vorlage von Yū Kamiya. Eine bunte, humorvolle Spiel-Einsatz-Story wie die zwölf Episoden umfassenden TV-Adaption, solltet ihr aber nicht erwarten. Obwohl der Film gleichzeitig Sequel und Prequel ist, schlägt No Game No Life Zero einen gänzlich anderen Grundton an. Die Ansätze der Serie sind allerdings in der Rahmenhandlung, in der Gott Teto die Geschichte von Riku und Schwi dem Warbeast-Mädchen Izana erzählt, deutlich erkennbar. Den Hauptteil des Films macht jedoch die Zeit 6000 Jahre vor der Ankunft von Sora und Shiro und damit das Zeitalter des ewigen Krieges aus. In diesem galten noch nicht die zehn Gebote, die später das Leben in der Welt strikt regulieren und vorschreiben, sämtliche Konflikte mit Spielen zu lösen. Demnach ist auch Gewalt nicht verboten, was einige Möglichkeiten eröffnet. So unerwartet dieser andere Grundton sein mag, so perfekt passt er zu No Game No Life Zero und zeigt, wie fantastisch ein Kinofilm zu einer humorvollen, locker-leichten Serie sein kann.

Bereits die triste, leblose Welt sorgt für eine düstere Atmosphäre, die noch von der Grundstimmung der Figuren unterstützt wird. Der Tod ist ein allgegenwärtiger Begleiter der Menschen. Als einziges Volk, das keine Magie anwenden kann, sind sie dem ewigen Krieg machtlos ausgeliefert. Diese Gefahr gilt auch für Schwi, die als Ex Machina deutlich mächtiger ist als der menschliche Riku. Da es sich bei ihr aber um eine einfache Aufklärungseinheit handelt, ist sie weitaus schwächer als andere ihrer Art. Das sorgt dafür, dass selbst Schwi nicht sicher ist und mit dieser Bedrohung weiß No Game No Life umzugehen. Insbesondere das Leid der Menschen wird schon zu Beginn des Films hervorragend dargestellt. Später greifen die Verseuchung durch die giftige Asche und der brachiale Kampf im Finale diesen Faktor auf und unterstreichen wie gnadenlos und brutal das Zeitalter des ewigen Krieges ist.

Das wird jedoch immer begleitet von der sanften, sich langsam entwickelnden Beziehung zwischen Riku und Schwi, die unter anderem von der Frage „Was ist das menschliche Herz?“ begleitet wird. Stets versucht Schwi zu verstehen, was den Menschen das Überleben ermöglicht und nähert sich diesen dabei immer mehr an. Langsam entwickelt sie Gefühle, wird selbst menschlicher. Dadurch wird exzellent die Thematik, wann eine Maschine ein Lebewesen ist, aufgegriffen. Zwischen Riku und Schwi entwickelt sich sogar eine gut eingeflochtene Romanze, die der Geschichte und den beiden Protagonisten einen wichtigen Faktor in dieser finsteren Welt verleiht. Allgemein gelingt es, trotz der düsteren Atmosphäre auch positive, sanfte, witzige und wunderschöne Momente in den Film einzubauen. Das sorgt dafür, dass die Figuren, neben Riku und Schwi besonders Koron Dora, einem ans Herz wachsen und absolut nahbar sind. Selbst etwas übertriebene, anime-typische Leidensszenen schaden dem nicht, da es immer möglich ist, mit den Charakteren mitzufühlen, ihre Empfindungen und Gefühle zu verstehen.

Bildgewaltige Faszination

Dank des Settings ist es erstmals auch möglich, die Völker Disboards ohne die zehn Gebote und damit ohne die Regel, nicht töten zu dürfen, zu zeigen. Zu was Elfen, Zwerge, Warbeasts und insbesondere Flügel und die erstmals auftauchenden Ex Machina in der Lage sind, wird deutlich. Dabei sticht der große Showdown zum Ende des Films hervor, in dem die aus der Serie bekannte Jibril in einem brachialen, effektreichen Kampf zeigen kann, über welche Macht sie verfügt. Hier spielt No Game No Life Zero sämtliche Trümpfe hinsichtlich der wundervollen Optik des Films aus. Die schönen Charakterdesigns und die faszinierenden Hintergründe werden mit atemberaubenden Effekten angereichert und verdeutlichen, wie herausragend die Animationen sind. Studio Madhouse hat zusammen mit Studio Tulo und Studio Orange ganze Arbeit geleistet und stellt mit den satten Farben, scharfem Kontrast und einer enormen Bildgewalt einen Beweis für die Vorteile großer Fernseher und des Mediums Blu-ray auf. Gemeinsam sorgen Outlines, Farben, Filter und Layer für dreidimensionale Tiefenschärfe – höchstes Animationsniveau, das sogar die farbenfrohe, wundervolle Serie übertrifft. Genau wie in dieser sind die unterschiedlichen Augen der Völker eines der Highlights, weshalb sie zu Recht gerne in den Fokus gerückt werden.

Begleitet wird das alles von einem bewegenden, treibenden, mitreißenden und epischen Soundtrack, der genau in den richtigen Momenten sanfte, bedrohliche, gefühlvolle, traurige oder brachiale Töne anstimmt. Dazu gesellt sich die hervorragende deutsche Synchronisation bei der genauso wie im japanischen, bewusst auf die Sprecher der Serie gesetzt wurden. So hat Riku die Stimme von Sora, Schwi teilt sich die Sprecherin mit Shiro und Koron ist genauso vertont wie ihre Nachfahrin Stephanie. Die gemeinsamen Designs, gerade bei den Hauptfiguren von Serie und Film, unterstreichen diesen Faktor noch einmal und bringen eine interessante Frage nach der Verbindung mancher Figuren zueinander mit ein. Gleichzeitig macht der Film Lust auf mehr – sowohl in der Vergangenheit Disboards als auch in der Geschichte von Sora, Shiro und den anderen.

Fazit

Wow, No Game No Life Zero ist etwas völlig anderes als die Serie und dennoch der perfekte Film für das Franchise. Die düstere Geschichte von Riku und Schwi fügt sich hervorragend ein und ergänzt No Game No Life wunderbar. Die düstere Atmosphäre, die vom ewigen Krieg zerrüttete Welt, der Überlebenskampf, stets vorhandene Bedrohung. All das wird exzellent vermittelt und ausgezeichnet mit einer sanften Romanze, Freundschaft sowie der allgegenwärtigen Spielthematik angereichert. Damit hat mich No Game No Life fasziniert, gefesselt und die 106 minütige Laufzeit nicht mehr losgelassen. Ich habe mit Riku und Schwi gelitten, habe mit ihnen gelacht, gebangt und gehofft. No Game No Life Zero ist einer der besten Franchise-Anime-Filme, die ich je gesehen habe. Das Prequel hat bei mir die Lust auf mehr aus Bisboard geweckt. Egal ob nun Abenteuer, die an den Film anschließen oder eine Fortsetzung der Serie, gerne würde ich erneut in die Welt abtauchen. Wo bleibt eigentlich die Light-Novel-Veröffentlichung in Deutschland? Spätestens jetzt, möchte ich die Vorlage lesen. Das spricht für den Film, dessen Anspielungen auf die Serie fast vollständig in der Rahmengeschichte gelüftet werden. Deshalb ist No Game No Life Zero nicht nur Pflicht für Kenner und Fans der Serie, sondern auch lohnenswert für Neueinsteiger.

Kurzfazit: Düster, bedrohlich, beklemmend packt No Game No Life Zero und fasziniert mit einer spannenden Geschichte, die gleichzeitig sanfte und lustige Töne anbringt und mit episch inszenierten Kämpfen und einer grandiosen Optik begeistert.

Vielen Dank an KSM Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von No Game No Life Zero!

Details
Titel: No Game No Life Zero
Originaltitel: Nōgēmu nōraifu: Zero
Genre: Fantasy, Science-Fiction, Drama, Action
Regie: Atsuko Ishizuka
Studio: Madhouse
Produktionsjahr: 2017
Laufzeit: ca. 106 Minuten
Sprachen: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (DTS-HD MA 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Bildergalerie
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 20. September 2018
Herstellerseite: No Game No Life Zero bei KSM Anime

© Madhouse / KSM Anime

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