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Sep 17 2018

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Rezension: Der Prinz der Drachen

Ein magisches Abenteuer, das einen Krieg beenden soll, startet für drei Jugendliche in Der Prinz der Drachen.

Einst existierten im magischen Land Xadia sechs natürliche Quellen der Magie: Sonne, Mond, Sterne, Himmel, Erde und Ozean. Eines Tages entdeckte jedoch ein Menschenzauberer die Essenz magischer Kreaturen als siebte Quelle. Jene dunkle Magie veranlasste Elfen und Drachen dazu, den Kontinent zu teilen und die Menschen in den Osten zu verbannen. Jahrhundertelange Abneigung und Kriege führten schließlich dazu, dass die Menschen den Wächter der Grenze, den König der Drachen selbst, töteten. Doch nicht nur das, sie vernichteten auch das Ei des Drachenprinzen. Um Rache zu nehmen dringen einige Zeit später Mondschattenelfen-Assassinen in das Menschenkönigreich Katolis ein. Dadurch kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen den beiden menschlichen Prinzen Callum und Ezran und der Mondschattenelfe Rayla, die herausfinden, dass das Drachenei nicht zerstört wurde. Um den Frieden zwischen Menschen, Elfen und Drachen wieder herzustellen, brechen sie auf, um das Ei sicher nach Xandia zu bringen. Aber der Hass zwischen den Völkern, Misstrauen und finstere Pläne sorgen dafür, dass sie auf ihrem schwierigen Weg alleine sind.

Magische Fantasy-Geschichte

Seit Freitag ist bei Netflix die neue animierte Fantasy-Serie Der Prinz der Drachen von Avatar: Der Herr der Elemente Chefautor Aaron Ehasz und Uncharted-3-Co-Director Justin Richmond verfügbar. Gerade durch Ehasz und seine Verbindung zum Fanliebling Avatar, hat Der Prinz der Drachen im Vorfeld einige Aufmerksamkeit beschert. Angesiedelt ist die Geschichte in einer klassischen Mittelalter-Fantasy-Welt mit Menschen, Elfen und Drachen. Allgemein bedient sich die Serie bekannter Genre-Zutaten, mixt daraus aber ein faszinierendes, magisches Abenteuer für Zuschauer aller Altersgruppen. Zu verdanken ist das einer zwar vorhandenen ernste Handlung, die jedoch stets aufgelockert wird und dank eines positiven Kerns niemals zu düster wird. Über neun Episoden entfaltet sich eine Geschichte die fesselt, in eine phantastische Welt eintauchen lässt, immer wieder aufs Neue Neugier weckt und gleichzeitig mit gelungenen Figuren sowie der richtigen Portion Humor unterhält.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Menschen-Prinzen Callum und Ezran sowie die Mondschattenelfen-Assassine Rayla. Bis die drei aufeinandertreffen und die Geschichte rund um das Ei des Drachenprinzen und die Friedensmission der Protagonisten beginnt, lässt sich die Serie allerdings Zeit. Drei Episoden und damit ein Drittel der ersten Staffel wird verwendet, um die Figuren einzuführen, ein Verständnis für die wichtigsten Details der Welt, der Magie und den Krieg zu wecken. So startet Der Prinz der Drachen mit einer erzählten Einführung in die Ursachen für den Konflikt zwischen den Menschen auf der einen und den Elfen und Drachen auf der anderen Seite. Anschließend dürfen Rayla im Umgang mit einigen anderen Mondschattenelfen und Callum und Ezran in ihrem Umfeld im Schloss begleitet werden. Dadurch werden wichtige Charaktere wie König Harrow, dessen Berater der Magier Viren und dessen Kinder Soren und Claudia vorgestellt. Zusätzlich werden die Beziehungen der Figuren zueinander deutlich, was gerade zu Beginn, aber auch im weiteren Verlauf, einige interessante Wirkungen beim Zuschauer mit sich bringt. So zeigen alle Akteure sympathische, aber auch negative Seiten, weshalb zumindest eine Zeit lang unklar ist, in welche Richtung sich mancher Storyaspekt entwickelt. Dass letztlich übliche Konventionen eingehalten werden, schadet der Serie nicht, sondern fügt sich gut in das Gesamtbild ein.

Klassisch-eigene Akteure

Allgemein betrachtet, sind es die Figuren, die die Geschichte tragen. Kein Charakter ist grundsätzlich nervig oder unsympathisch, was für Animationsserien keine Selbstverständlichkeit ist. Trotzdem weisen Callum, Ezran, Rayla und die anderen einige recht idiotische, dümmliche oder anstrengende Eigenschaften auf. Diese werden aber auch in der Serie als solche dargestellt, weshalb sie entweder zum Humor oder zur Persönlichkeit der jeweiligen Figur beitragen. Dass es zudem in den neun Episoden gelingt mehrere Charaktere weiterzuentwickeln und sei es nur in Grundsätzen, zeigt, wie strikt Der Prinz der Drachen erzählt ist. Das sorgt zusätzlich dafür, dass man Callum, Ezran und Rayla gerne auf ihrer Reise begleitet und zusätzlich auch Soren und Claudia, die mindestens ebenso herrlich sind wie die eigentlichen Protagonisten, immer wieder gerne sieht. Zudem bieten die Figuren vielschichtige Rollen, die von Magieanwendern über Soldaten bis hin zu taubstummer Generalin reicht. Hier beweisen die Macher ein Händchen dafür, klassische Stereotypen zu erweitern und mit interessanten Eigenheiten anzureichern. Dazu gesellen sich die genretypische Magie, schnelle Schwertkämpfe und zauberhafte Wesen. Bei letzteren stechen die Drachen eher durch Abwesenheit hervor. Das ist aber nicht negativ, auch weil mit Ezrans Begleiter Bait, einer Art Leuchtkröte, ein geniales und witziges Tier vorhanden ist. Fans phantastischer, zauberhafter Serien wie Avatar: Der Herr der Elemente, Die Legende von Korra oder Guardian of the Spirit sowie von Anime-Filmen der Kategorie Das Schloss im Himmel oder Children Who Chase Lost Voices, sollten sich Der Prinz der Drachen genauer ansehen.

Animationstechnisch haben die Macher bei Der Prinz der Drachen auf zeitgemäße CGI-Technik gesetzt. Das farbenfrohe Design von Welt, Figuren und Kreaturen weiß dabei zu gefallen. Allerdings fällt in sehr wenigen Szenen die geringe Bildwiederholungsrate auf. Hier wirken manche Bewegungen etwas ruckelig und abgehackt. Dem positiven Gesamteindruck schadet das aber nicht, da der Unterhaltungswert der Serie zu keiner Zeit beeinträchtigt wird. Überzeugen kann Der Prinz der Drachen bei der gelungenen deutschen Synchronisationen sowie hinsichtlich des passenden Soundtracks.

Fazit

Avater: Der Herr der Elemente und Die Legende von Korra gehören zu meinen zeitlosen Lieblingsserien, weshalb ein neues Werk von Avater-Chefautor Aaron Ehasz natürlich mein Interesse geweckt hat. Seit dem Ankündigungstrailer habe ich mich auf Der Prinz der Drachen gefreut und wurde nicht enttäuscht. Die erste Staffel erzählt den Beginn eines phantastischen Abenteuers mit interessanten, witzigen und glaubhaften Figuren in einer gelungenen Mittelalter-Fantasy-Welt. Dabei bedienen sich die Serienschöpfer Aaron Ehasz und Justin Richmond zwar bekannter Genre-Zutaten, erschaffen aus diesen aber eine unterhaltsame Serie, die mich vor den Fernseher gefesselt hat. Lediglich der geringe Umfang von gerade einmal neun Episoden mit einer Laufzeit von jeweils etwa 25 Minuten, ist mir etwas negativ aufgefallen. Viel zu schnell ist die erste Staffel vorbei. Allerdings ist das auch positiv, da sich hierbei zeigt wie gut es der Serie gelingt das Interesse an der Fortsetzung zu wecken. Leider ist eine zweite Staffel bisher nicht bestätigt. Bleibt zu hoffen, dass die Geschichte kommendes Jahr weitererzählt wird. Bis dahin sollten sich gerade Fans von Aang und Korra, aber auch Anhänger phantastischer Fantasy-Serien Der Prinz der Drachen nicht entgehen lassen.

Kurzfazit: Der Prinz der Drachen erzählt eine phantasievolle Abenteuer-Geschichte für Jung und Alt, die mit Humor, Figuren, Handlung, Welt auf magische Weise unterhält und Hoffnungen auf eine baldige zweite Staffel weckt.

Details
Titel: Der Prinz der Drachen
Originaltitel: The Dragon Prince
Genre: Fantasy, Abenteuer
Created by: Aaron Ehasz, Justin Richmond
Regie: Villads Spangsberg, Giancarlo Volpe
Studio: Wonderstorm
Produktionsjahr: 2018
Laufzeit: ca. 230 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch
Herkunftsland: USA
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungstermin: 14. September 2018
Herstellerseite: Der Prinz der Drachen bei Netflix

© Wonderstorm / Aaron Ehasz / Justin Richmond / Netflix

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