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Aug 27 2018

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Rezension: Godzilla: Planet of the Monsters

Der Trilogie-Auftakt Godzilla: Planet of the Monsters konfrontiert die Menschheit in Endzeit-Science-Fiction mit gefährlichen Monstern und dem Kampf ums Überleben.

Im letzten Sommer des 20. Jahrhunderts sieht sich die Menschheit einer neuen Bedrohung gegenüber. Riesige Monster tauchen aus dem Nichts auf und wüten auf der Erde. Auf grausame Art wird deutlich, dass neue Lebensformen die Spitze der Nahrungskette und Kontrolle über den Planeten erlangt haben. Doch die Monster sind nicht alleine, unter ihnen ist die gefährlichste Bestie Godzilla. Keinen Unterschied machend zwischen Mensch und Monster, stellt der Gigant eine ungeahnte Gefahr für das Überleben der gesamten Erdbevölkerung dar. Auch zwei Alien-Völker, die ihren Heimatplaneten verloren haben und zur Hilfe kommen, können keine Änderung herbeiführen. Letztlich ist die Menschheit gezwungen die Erde zu verlassen und reist zwanzig Jahre durchs All. Eine erhoffte neue Heimat, der Planet Tau Cetus e, stellt sich als zu unwirtlich heraus. Kurzerhand wird der Entschluss gefasst, zur Erde zurückzukehren. Mit der Hoffnung Godzilla sei nicht mehr dort oder ein Weg zur Vernichtung der Bestie könne gefunden werden. Doch auf der Heimatwelt der Menschen sind mehrere tausend Jahre vergangen und die Rückkehrer erwartet ein unwirtlicher, unbekannter Planet.

Godzilla trifft Endzeit-Science-Fiction

Nur zwei Monate nach dem Kinostart des ersten von drei Godzilla-Anime-Filmen mit dem Untertitel „Kaijuu Wakusei“ beziehungsweise „Planet of the Monsters“ erschien die CGI-Produktion bei Netflix. Inklusive gelungener deutscher Synchronisation. Verantwortlich für die Anime-Version des vielleicht bekanntesten japanischen Monsters ist Polygon Pictures, das Studio hinter Blame! und Ajin. Nach einem Drehbuch und einer Idee von Gen Urobuchi hat das Regie-Duo Hiroyuki Seshita und Koubun Shizuno die Science-Fiction-Godzilla-Geschichte umgesetzt. Einen klassischen Monster-Film solltet ihr allerdings nicht erwarten. Stattdessen präsentiert sich Planet of Monsters mit einer dystopischen Endzeit-Handlung. So beginnt der Film nicht auf der Erde sondern im Weltall. Zwanzig Jahre sind Menschen und ihre Alien-Verbündeten, die Exif und die Bilusaludo, bereits unterwegs. Protagonist Haruo Sakaki stellt sich gegen die Oberen, um die Landung der Alten auf dem unwirtlichen Planeten Tau Cetus e zu verhindern. Schon hier zeigt sich die angespannte Situation an Bord des Raumschiffs Aratrum und was manche Menschen in Kauf nehmen, um nur noch einmal festen Boden unter den Füßen zu haben.

Allerdings wird auch die gesellschaftliche Struktur samt ihrer Mängel sowie die Rolle und Art der beiden Alien-Völker näher beleuchtet. Allgemein schafft Godzilla: Planet of the Monsters einen ausgesprochen gut Einstieg, bevor die Flucht der Menschheit – die Haruo als Vierjähriger mitbekommen hat – thematisiert wird. Gerade die Anwesenheit der Hauptfigur bei Godzillas Angriff und der Tod seiner Eltern sind wichtige Faktoren, die maßgebliche Erklärungen für die Persönlichkeit von Haruo sind. Dieser ist besessen davon zur Erde zurückzukehren und Godzilla zu bezwingen. In der damaligen Flucht sieht er nicht nur einen Fehler, sondern auch den Verlust der Würde und des Stolzes der Menschheit. Unterstützt von seinem Exif-Freund, dem Priester Endurph, gelangt Haruo an Informationen über Godzilla. Schließlich führen verschiedene Faktoren zusammen und die Rückkehr zur Erde steht an. Hier beginnt Planet of the Monsters dann richtig, ohne damit aussagen zu wollen, zuvor wäre alles unwichtig. Viel mehr greift alles ineinander und die Story von Gen Urobuchi weist überraschend viel Tiefe und gut geschriebene Dialoge auf, die den Film ernster und intelligenter machen, als bei einem Godzilla-Werk vielleicht erwartet. Auf ordentliche Action muss jedoch nicht verzichtet werden, auch wenn diese erst im letzten Drittel richtig anzieht, können die brachialen Konfrontationen überzeugen.

Stimmungsvolle Monsterhatz

Dabei kommen viele verschiedene Elemente zusammen. Die Endzeit-Stimmung, die religiösen Exif, mögliche Intrigen und Machenschaften, unterschiedliche Meinungen, Ziele und Überzeugungen und gänzlich verschiedene Persönlichkeiten. Godzilla: Planet of the Monsters verbindet das alles hervorragend zu einem spannenden und fesselnden Film; den vielleicht besten rund um die namensgebende Bestie. Bemängeln könnte man vielleicht, dass einige Figuren nur grob vorgestellt werden und insgesamt etwas blass bleiben. Die Konzentration liegt recht stark auf Haruo, der aufgrund seiner Besessenheit für den Kampf gegen Godzilla an Ahab mit seiner Jagd auf den weißen Wal Moby Dick erinnert. Gerade das macht Haruo nicht unbedingt zum sympathischen Charmebolzen. Er ist von seiner Sache überzeugt und bereit alles zu Opfern, um Godzilla zu töten – auch seine Kameraden. Trotzdem ist Haruo nicht unmenschlich oder grausam. Bei seiner ganzen Aggression, Wut und Verbissenheit sind auch sanftere Züge zu erkennen. Etwa im Umgang mit seinen Freunden und Bekannten. Hier steckt noch viel Potenzial, das in den beiden Fortsetzungen hoffentlich genutzt wird. Allgemein weckt Planet of the Monsters Hoffnungen bezüglich Teil zwei. Alleine aufgrund der Qualität aber auch bezüglich der offenen Handlungsfäden und des unerwartet überraschenden, brachialen und grandiosen Endes, inklusive Nachabspannszene.

Hervorgehoben werden muss auch das ausgezeichnete Design des Films. Wie schon bei Blame! beweist Polygon Pictures in Zusammenarbeit mit Toho wie gut CGI-Anime aussehen können. Hervorragende Animationen, ein düsterer, atmosphärischer Endzeit-Stil, gelungenes Charakterdesign und großartige Monster, insbesondere Godzilla, sorgen für optischen Hochgenuss. Die seltenen etwas hölzernen Bewegungen fallen da fast schon nicht mehr auf und schon gar nicht ins Gewicht. Begleitet wird das alles von einer stets passenden Musik- und Sounduntermalung, die ihren Teil zur Stimmung beitragen.

Fazit

Godzilla: Planet of the Monsters hat mich überrascht. Obwohl mich der Anime noch vor Veröffentlichung interessiert hat, habe ich nicht erwartet, dass der Film so gut ist. Gen Urobuchi beweist einmal mehr sein Können für tiefgründige Geschichten und gut geschriebene Dialoge – und das in einem Godzilla-Werk. Vielleicht mag ich im Universum der Bestie nicht so bewandert sein, doch für mich ist Planet of the Monsters der bisher beste Godzilla-Film, den ich jemals gesehen habe. Die Mischung aus dystopischer Endzeit-Science-Fiction mit ernster Geschichte rund um eine von Godzilla und anderen Monstern eroberten Welt fesselt einfach nur. Unterstützt wird das von den verschiedensten Story-Elementen wie Haruos Besessenheit, den religiösen Exif und möglichen Intrigen sowie anderen Andeutungen, die zeigen, wie viel Potenzial der erste Teil für die Fortsetzungen schafft. Glücklicherweise ist Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht bereits auf Netflix verfügbar. Science-Fiction-, Endzeit-, und Godzilla-Fans sowie Anhänger von Gen Urobuchi sollten sich Planet of the Monsters nicht entgehen lassen.

Kurzfazit: Überraschend tiefgründige Endzeit-Science-Fiction-Version von Godzilla, die mit gut geschriebenen Dialogen, einer spannenden Geschichte und der dystopischen Atmosphäre fesselt.

Details
Titel: Godzilla: Planet of the Monsters
Originaltitel: Godzilla: Kaijuu Wakusei
Genre: Science-Fiction, Action
Regie: Hiroyuki Seshita, Koubun Shizuno
Studio: Polygon Pictures
Produktionsjahr: 2017
Laufzeit: ca. 88 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 17. Januar 2018
Herstellerseite: Blame! bei Universum Anime

© Polygon Pictures / Toho Co., Ltd.

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