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Aug 26 2018

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Rezension: The Tale of the Wedding Rings – Band 1 (Manga)

Von Geisterstunde zu Welten-wechsel: Kazé Manga hat mit The Tale of the Wedding Rings Band 1 den Auftakt der ersten Fantasy-Manga-Reihe von Maybe gestartet.

Vor zehn Jahren sind Hime und ihre Großvater aus einem hellen Licht mitten im Wald vor Sato erschienen. Seit dem sind sie Nachbarn und Sato und Hime Kindheitsfreunde. Mittlerweile Oberschüler, haben sich die Gefühle von Sato gewandelt, doch bisher konnte er Hime seine Liebe nicht gestehen. Als diese ihm plötzlich offenbart, am nächsten Tag in ihre Heimatland zurückzukehren, glaubt Sato endgültig gescheitert zu sein. Doch er erinnert sich an die erste Begegnung und beschließt Hime, als diese durch ein Portal in eine fremde Welt entschwindet, zu folgen. Dort macht ihn eine impulsive Entscheidung seiner Sandkastenfreundin zum auserwählten Ringkönig, der die Welt retten soll.

Plötzlich König

Maybe hat mit Dusk Maiden of Amnesia in zehn Bänden eine erfolgreiche Romantik-Grusel-Geschichte erzählt. Bei The Tale of the Wedding Rings wagt sich das Mangaka-Duo erstmals an das Fantasy-Genre und erzählt eine waschechte Isekai-Geschichte. In Japan sind seit 2014 bisher sechs Bände erschienen. Wie für das Genre üblich, gelangt Protagonist Sato von unserer in eine andere Welt. Allerdings nicht durch Zufall, sondern weil er seine Kindheitsfreundin und Nachbarin Hime, in die er verliebt ist, nicht verlieren will. Bevor es aber soweit ist, verdeutlicht Maybe die Beziehung der beiden Hauptfiguren im ersten Kapitel. Dabei dient die erste Begegnung, bei der Hime und ihr vermeintlicher Großvater aus einem strahlenden Licht vor dem noch jungen Sato erscheinen, als Einstieg. Anschließend springt die Geschichte zehn Jahre; Sato und Hime besuchen bereits die Oberschule und sind noch immer eng miteinander befreundet. Mehr ist, trotz zumindest einseitig vorhandener Gefühle, nicht daraus geworden.

Als Leser, ist von Anfang an deutlich, dass Hime aus einer anderen Welt stammt. In diese muss sie schließlich auch zurückkehren, was Satos Schicksal mit beeinflusst. Natürlich weiß er nicht, was ihn genau erwartet, dachte er doch bisher, Hime stamme aus einem fernen Land. Erst als sie durch das hell erstrahlte Portal tritt, erinnert er sich wieder an die Umstände der ersten Begegnung. Alleine die vorherige Darstellung der Beziehung von Sato und Hime sowie die anfängliche Vorstellung des Protagonisten, ist es zu verdanken, dass seine Entscheidung seiner Sandkastenfreundin und großen Liebe zu folgen, nachvollziehbar erscheint. Besonders da dieser Schritt aus einem Impuls heraus geschieht. Genauso spontan entscheidet sich Hime, nach Satos Erscheinen bei ihrer geplanten, zügigen Hochzeit in der Fantasy-Welt, und einem Angriff eines Dämons, ihren Kindheitsfreund zu erwählen. Erst damit beginnt The Tale of the Wedding Rings richtig, da Sato durch Himes Kuss, die damit verbundene Heirat und den Ring den sie ihm gibt, zum Ringkönig wird. Dieser ist ein auserwählter Held, der die Welt vor dem Untergang und dem finsteren König des Abyssus retten soll.

Frage der Gefühle

Wirklich viel neu macht The Tale of the Wedding Rings Band 1 zum Auftakt der Reihe nicht. Maybe nimmt bekannte Fantasy- und Isekai-Zutaten, vermischt diese zu einer unterhaltsamen, interessanten und durchaus spannenden Geschichte und streut eine gute Prise Romantik, etwas Comedy und wenig Erotik in den Manga-Topf. Das soll jedoch nicht negativ gemeint sein. Satos und Himes Abenteueranfänge machen Spaß. Beide Hauptfiguren sind sympathisch. Schnell sind sie ins Herz geschlossen und nicht selten stellt sich die Frage, wann die beiden endlich ihre gegenseitige Liebe begreifen. Wie tief die Gefühle sind, wird recht früh deutlich und ist nicht nur in Himes Entscheidung spontan lieber Sato als den ihr fremden Prinzen zu heiraten begründet. Viele kleine Szenen und Momente deuten sehr offensichtlich an, wie die beiden Hauptfiguren unwissentlich für den jeweils anderen, zueinander stehen. Das sorgt für etwas Humor und lockert manchmal die Stimmung auf. Gleichzeitig wird die Bindung von Sato als Ringkönig und Hime als Ringprinzessin als wichtiges Element hervorgehoben. Satos Kräfte im Kampf gegen die Dämonen hängen davon ab, wie nah sich die beiden stehen.

Im Laufe des ersten Bandes nimmt die Geschichte zudem noch eine damit in Verbindung stehende Wendung. Diese leitet das Abenteuer der beiden erst richtig ein. Gleichzeitig dient der aus Spoilergründen nicht genauer erwähnte Fakt dazu, den machtvollen Ringen eine größere Bedeutung zu geben und die Beziehung von Sato und Hime zusätzlich zu belasten. Hier verbirgt sich einiges an Potenzial hinsichtlich Konflikten und witzigen Situationen. Unterstrichen wird das noch durch die Fantasy-Welt, die Sato vollständig unbekannt und Hime, die zehn Jahre nicht dort gelebt hat, zumindest fremd ist. Erste Intrigen bezüglich des Ringkönigs aus einer fremden Welt, Missgunst und mögliche politische Probleme werden angedeutet. Hoffentlich nutzt Maybe das hier vorhandene Potenzial. In diesem Fall könnte The Tale of the Wedding Rings noch deutlich anziehen. Ein weiterer Hoffnungsfaktor liegt in Mars. Der Prinz des Kaiserreichs sollte eigentlich Hime heiraten, akzeptiert Sato aber scheinbar schnell als Ringkönig und scheint ihm freundlich gesinnt. Da er genauso wie Himes angeblicher Großvater sympathisch ist, verzichtet das Mangaka-Duo hoffentlich auf den klischeehaften Weg und lässt Mars als wichtigen Verbündeten weiterbestehen. Alles in allem sorgt The Tale of the Wedding Rings Band 1 aber für gute Fantasy-Unterhaltung, die trotz wenig Individualität, Spaß macht und Potenzial zeigt.

Fazit

Als großer Fan von Dusk Maiden of Amnesia – sowohl Manga als auch Anime – war ich gespannt auf das erste Fantasy-Werk von Maybe. Das Duo hat mich mit The Tale of the Wedding Ring Band 1 nicht enttäuscht. Zwar fließen aus jeder Pore der Held-geht-in-eine-andere-Welt-Geschichte, auch Isekai genannt, bekannte Genre-Stereotypen, -Klischees, und -Elemente ein, doch die Mischung ist mehr als gelungen. Sympathische Hauptfiguren tragen eine spannende Handlung in einer interessanten Welt. Zudem zeigt der Reihen-Auftakt einiges an Potenzial und weckt die Hoffnung, dass Maybe in mancherlei Punkten die üblichen Fantasy- und Isekai-Pfade verlässt. Deshalb freue ich mich auf den zweiten Band und bin gespannt, wie es mit Sato und Hime weitergeht. Genre-Fans sollten definitiv einen genaueren Blick wagen.

Kurzfazit: Typische Isekai-Fantasy-Geschichte, die zum Auftakt ordentlich Potenzial zeigt und dank der sympathischen Hauptfiguren und dem guten Genre-Mix Spaß macht.

Vielen Dank an Kazé Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Tale of the Wedding Rings – Band 1!

Details
Titel: The Tale of the Wedding Rings – Band 1
Originaltitel: Kekkon Yubiwa Monogatari
Genre: Fantasy, Romance
Verlag: Kazé Manga
Zeichnungen/Story: Maybe
Seiten: 182
Preis: 6,95 €
ISBN:  978-2-88951-051-1
Verlagsseite: The Tale of the Wedding Rings – Band 1 bei Kazé Manga
Erscheinungsdatum: 04. April 2018

© MAYBE / SQUARE ENIX

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