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Aug 06 2018

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Rezension: Violet Evergarden – Vol. 1 (DVD)

Gut ein halbes Jahr nach japanischer TV-Ausstrahlung und Netflix-Simulcast erscheinen die ersten drei Episoden von Violet Evergarden auf Blu-ray und DVD.

Im Krieg galt Violet lediglich als Waffe. Ohne Emotionen oder ein anderes Leben zu kennen, reagiert sie auf Befehle und führt diese bedenkenlos aus. Allerdings wird Violet schwer verletzt und verbringt eine lange Zeit im Hospital. Als sie entlassen wird ist der Krieg vorbei und ihre verlorenen Arme sind durch spezielle Protesen ersetzt worden. Verantwortlich ist für Violet fortan der ehemalige Lieutenant Claudia Hodigns, der sie auch abholt. Dieser ist ein Freund von Violets einstigem Vorgesetzt und quasi-Besitzer Major Gilbert. Statt zu ihm zurück zu kehren soll Violet jedoch ein normales Leben beginnen und fängt schließlich im Postunternehmen, das Hodgins gegründet hat, an zu arbeiten. Dort verfassen die sogenannten „Autonomen Korrespodenz Assistentinnen“, kurz Akoras, Briefe für die vorwiegend analphabetische Bevölkerung. Um zu begreifen, was Liebe bedeutet, möchte auch Violet lernen als Akora zu arbeiten.

Emotionslose Soldatin

Violet Evergarden ist eine der bisher besten Anime-Serien des Jahres 2018. Bereits durch die Vorab-Vorführung der ersten Episode auf diversen Events und Messen 2017, zeichneten sich große Erwartungen bezüglich der Light-Novel-Adaption von Kyoto Animation, die in Zusammenarbeit mit Netflix entstand, ab. Angesiedelt ist die Geschichte der jungen Violet in einer Welt, die an das frühe zwanzigste Jahrhundert und die Zeit nach dem ersten Weltkrieg erinnert. Hierauf beruht auch der gerade erst zu Ende gegangene Krieg und Violets bisheriges Leben als Soldatin. Etwas anderes kennt sie nicht. Liebe, Freundschaft und Gefühle sind dem bisher als Waffe eingesetzten Mädchen unbekannt. Zumindest wird Entsprechendes angedeutet. Bereits früh ist klar, dass dem nicht so war, auch wenn es Violet selbst nicht bewusst ist. Selbst sieht sie sich ausschließlich als Soldatin und agiert entsprechend. Anweisungen und Erklärungen nimmt sie als Befehle an, bei Vorstellungen salutiert sie und Pausen sind ihr unbekannt. Trotz ihrer hohen Neutralität und Emotionslosigkeit, ist Violet nicht unsympathisch. Viel mehr ist es ihre naive-gedrillte Verhaltensweise, die ihr eine ungeahnte Unschuld verleiht und sie im Einklang mit ihrem puppenhaften Aussehn überaus zerbrechlich erscheinen lassen. Früh kommt das Gefühl auf, Violet würde unter dem Druck von Gefühlen oder verschwiegenen Wahrheiten, die auch für den Zuschauer nur angedeutet werden, einfach zerbrechen. Alleine deshalb schließt man Violet unweigerlich ins Herz und fühlt mit ihr, entwickelt Interesse an ihrem Alltag und wünscht ihr nur das Beste.

Natürlich deuten die ersten drei Episoden vieles nur an, doch gerade mit Blick auf Violet, lässt sich schon manches erahnen. Langsam entwickelt sie sich, bleibt aber weitgehend noch die emotionslose, simple Soldatin. Trotzdem wird deutlich, dass ihr Umfeld, ihre Arbeit, die Menschen die sie trifft und all das was sie lernt, Einfluss auf sie hat. Dies gilt insbesondere für die dritte Episode, die noch einmal einen deutlichen Qualitätsanstieg zu verzeichnen hat. Leiten die ersten beiden Folgen die Geschichte ein, stellen Violet, Hodgins und andere wichtige Charaktere sowie die Firma und das Setting vor und bieten kurze Rückblicke in die Vergangenheit, bricht Episode drei das Muster auf. Violet wird direkter ins Leben geworfen und besonders hier zeigt sich, welchen Weg die Serie nehmen könnte.

Gefühlvolle Briefe

Es wird deutlich wie wichtig der gerade erst beendete Krieg auch abseits von Violet ist und welchen Einfluss dieser auf das Leben der Menschen hat. Verlust und Schmerz spielen genauso eine Rolle wie Liebe und Freude. Dabei sind die Briefe, die die Akoras für ihre Kunden schreiben von greoßer Bedeutung. Auch das wird in Episode drei stärker deutlicher vermittelt als zuvor. Gerade durch die unterschiedlichen Auftraggeber und Briefe, könnte über Violet und ihre Kolleginnen der Anteil an Hintergrundgeschichte und damit verbundenen Gefühlen noch zunehmen. Im Einklang mit den gut geschriebenen Figuren und Dialogen sowie dem spannenden Setting, zeigt Violet Evergarden hier enormes Potenzial, das nicht nur der Hauptfigur, sondern der gesamten Serie zu Gute kommen könnte.

Doch nicht nur inhaltlich kann Violet Evergarden mit den ersten drei Episoden überzeugen, ja vielleicht sogar begeistern. Wunderschöne Bilder, atemberaubende Landschaften, zauberhafte Charaktermodelle sind von Kyoto Animation exzellent animiert worden und liefern im Einklang mit Lichtspiel und der wundervollen Musik ein audiovisuellen Hochgenuss. Damit gehört Violet Evergarden zu den optisch ansprechendsten und musikalisch hervorragendsten Serien der letzten Jahre. Ergänzt wird das durch die ausgezeichnete deutsche Synchronisation, die in jeglicher Hinsicht zu überzeugen weiß, aber nicht in jeder Beziehung an das japanische Original heranreicht. Das ist allerdings bereits meckern auf sehr hohem Niveau.

Fazit

Violet Evergarden Volume 1 hat mich von Anfang an gefesselt. Sicher, die ersten beiden Episoden dienen als klarer Einstieg, deuten vieles nur an. Dennoch können die Vorstellung der Figuren und des Settings bereits überzeugen. Noch besser wird die Serie aber mit der dritten Episode, die auf gefühlvolle Weise Schmerz, Verlust, Freude und Liebe vermittelt und dabei trotzdem nicht düster wird. Es ist schwer sich davon nicht mitreißen zu lassen und gleichzeitig nicht mit Violet mit zu fühlen. Bereits von ihrem ersten Auftritt an, habe ich ein Interesse an ihrem Leben entwickelt und sie immer mehr ins Herz geschlossen. Begleitet wird sie auf ihrem Weg von ebenso interessanten Kollegen und Freunden in einer Welt, die sich nach dem Krieg erst zurecht finden muss. Ungewöhnlich ist sicherlich die Brief-Thematik, die jedoch gut dazu dienen kann, auch in kommenden Episoden Gefühle und den Blick auf die Welt zu vermitteln. Hier bleibt abzuwarten in wie weit das vorhandene Potenzial genutzt wird. Damit bleibt nur noch zu sagen, dass ich Violet Evergarden Volume 1 jedem Anhänger von ruhigen, gefühlvollen Serien empfehlen kann.

Kurzfazit: Bildgewaltiger Serien-Auftakt, der mit interessantem Setting, gut geschriebenen Figuren und einer gefühlvollen Geschichte begeistern kann und qualitativ schnell anzieht.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Violet Evergarden – Vol. 1!

Details
Titel: Violet Evergarden – Vol. 1
Originaltitel: Violet Evergarden
Genre: Drama, Alltag
Regie: Taichi Ishidate
Studio: Kyoto Animation
Produktionsjahr: 2018
Laufzeit: ca. 69 Minuten (DVD), ca. 72 Minuten (Blu-ray)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Artcards (3 Stück), Booklet (40 Seiten), Imageboards (3 Stück), Japanische Kinotour Teil 1 (OmU), Textless Opening & Ending
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 10. August 2018
Herstellerseite: Violet Evergarden – Vol. 1 bei Universum Anime

©2017 Kana Akatsuki, Kyoto Animation / Violet Evergarden Production Committee

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