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Aug 01 2018

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Rezension: Genji Monogatari – Die Geschichte von Prinz Genji (Blu-ray)

Genji Monogatari: Die Geschichte von Prinz Genji erzählt basierend auf einem historischen Roman vom Liebesleben eines Prinzen der Heian-Periode.

Prinz Genji, der Sohn einer Nebenfrau, ist der Lieblingssohn des Kaisers. Trotzdem wurde er aus politischen Gründen zum einfachen Hofbeamten herabgestuft. Attraktiv, gebildet und begabt, ist er beliebt bei den Frauen und gibt sich seinen Sehnsüchten nach ihrer Gesellschaft hin. Glücklich ist Genji trotzdem nicht und stürzt sich von einer Affäre in die nächste. Er unterhält Beziehungen zu seiner Ehefrau Aoi, seiner Stiefmutter, der Frau seines verstorbenen Bruders und zahlreichen anderen Bekanntschaften. Eifersucht und Intrigen bleiben genauso wenig aus wie der ungückliche Ausgang einiger Beziehungen.

Langsam und gestückelt

Bereits 1987 adaptierte Regisseur Gisaburo Sugii den historischen Roman Genji Monogatari in einem gleichnamigen Anime. Die Vorlage gilt als der erste psychologische Roman Japans und wird gelegentlich auch als der erste Roman überhaupt bezeichnet. Zugeschrieben wird die Geschichte der Hofdame Murasaki Shikibu, die zum Ende des 10. und Beginn des 11. Jahrhunderts gelebt hat. Erzählt wird vom Leben des Prinzen Genji, der auch Hikaru, der Strahlende, genannt wird. Eben jener Genji ist die Hauptfigur der Anime-Film-Umsetzung von 1987. Im Mittelpunkt stehen die zahlreichen Liebschaften des attraktiven Mannes und so sind nicht selten Szenen zu sehen, in denen der Prinz mit seinen weiblichen Bekanntschaften zusammen ist. Erotik spielt dabei keine große Rolle, viel mehr steht die Interaktion der Beziehungen im Mittelpunkt. So etwa die kaum vorhandene Liebe zu seiner Ehefrau Aoi oder die Anziehung die seine Stiefmutter auf ihn ausübt.

Natürlich bleibt hinsichtlich der zeitlichen Einordnung der Geschichte in der Heian-Periode, die von 794 bis 1185 oder 1192 ging, eine stark historische Prägung nicht aus. Dem entsprechend ist Genji Monogatari sehr ruhig und langsam. Das Leben der Akteure ist von Hofetikette, Ehre und Ansehen geprägt. So wird etwa mehrmals die Sorge geäußert, dass niemand Genji bei einer der Damen sehen dürfe, auch wenn diese nicht verheiratet ist. Viele politische oder historische Elemente sollten aber nicht erwartet werden. Meist bedient sich der Film lediglich Andeutungen, die kurz darauf plötzlich Tatsache sind. Auf diese Weise gehen wichtige Ereignisse fast am Zuschauer vorbei oder wirken so hintergründig, das ihre Bedeutung untergeht. Das ist gerade deshalb bedauerlich, weil hier viel Potenzial des Films verloren geht.

Ähnliches zeigt sich bei den Beziehungen von Prinz Genji. Nicht nur werden die wenigsten Charaktere ausführlich vorgestellt, oft ist auch der jeweilige Name so unpräsent, dass später längere Zeit unklar ist, über wen geredet wird. Gleichzeitig erschwert das Charakterdesign die Unterscheidbarkeit der einzelnen Figuren. So sehen sich die Frauen teilweise dermaßen ähnlich, dass mehr durch die Räume erkennbar ist, um wen es sich handelt. Hier wären etwas deutlichere Unterschiede, auch auf Kosten des insgesamt interessanten und zur historischen Ausrichtung passenden Stils, sinnvoll gewesen. In Sachen Geschichte nimmt sich der Film zusätzlich zu viel vor, weshalb keine Beziehung vollständig erfasst werden kann. Eine stärkere Zentrierung auf die wichtigsten Aspekte von Prinz Genjis Liebschaften wäre hilfreich gewesen, um etwa seine Beziehung zu seiner Ehefrau Aoi oder zur jungen Prinzessin Murasaki, noch stärker hervorzuheben. So kann Genji Monogatari: Die Geschichte von Prinz Genji zwar einen groben Einblick in die Geschichte geben und ein wenig das Interesse an dieser wecken, hinterlässt aber zu viele Unklarheiten und Andeutungen. Mit der ruhigen, sanften Art und mancher sich in die Länge ziehenden Szene, dürfte außerdem nicht jeder Zuschauer etwas anfangen können.

Fazit

An Genji Monogatari: Die Geschichte von Prinz Genji bin ich ohne große Erwartungen ran gegangen. Trotzdem hat mich der Film ein wenig enttäuscht. Zu oberflächlich und unklar strukturiert, zu seicht und voller Andeutungen ist die Geschichte. Es stört mich nicht, dass auf große Action und große Dramatik verzichtet wird, aber auch die ruhige Art funktioniert nur bedingt. Manchmal ziehen sich Szenen in die Länge, während andere Ereignisse kaum erklärt werden. Zwar werden auf diese Weise immerhin Genjis Gefühle weitgehend vermittelt, doch die für ihn so wichtigen Frauen kommen etwas zu kurz. Der Fokus hätte auch aufgrund der Laufzeit stärker auf bestimmten Aspekten von Genjis Geschichte liegen sollen. Zu Gute halten muss ich Genji Monogatari, dass mein grundsätzliche Interesse an der Geschichte des Prinzen geweckt wurde. Der Film hat mir diesbezüglich aber zu wenige Informationen geliefert. Wer historische Anime mag und mit den angesprochenen Kritikpunkten leben kann, darf einen Blick wagen.

Kurzfazit: Langatmiger und etwas oberflächlicher Historien-Anime-Film, der in Sachen Geschichte zu seicht bleibt und manchmal zu sprunghaft ist.

Vielen Dank an Anime House für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Genji Monogatari – Die Geschichte von Prinz Genji!

Details
Titel: Genji Monogatari – Die Geschichte von Prinz Genji
Originaltitel: Genji Monogatari
Genre: Drama
Regie: Gisaburo Sugii
Studio: Herald Films, TV Asahi
Produktionsjahr: 1987
Laufzeit: ca. 107 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Booklet
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 15. Juni 2018
Herstellerseite: Anime House

© Asahi Shinbun-sha / TV Asahi / Herald Films / Anime House

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