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Jul 06 2018

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Rezension: Night on the Galactic Railroad (Blu-ray)

Anime House hat mit Night on the Galactic Railroad einen Anime-Film aus dem Jahr 1985 von Regisseur Gisaburou Sugii veröffentlicht.

Seit Giovannis Vater zu einer langen Reise aufgebrochen ist, lebt der Schüler alleine mit seiner Mutter. Durch schlimme Gerüchte über seinen Vater zum Außenseiter in der Schule geworden, sieht Giovanni nur noch Campanella, den er seit Kinderbeinen an kennt, als Freund an. Doch auch dieser beginnt ihn zu meiden. Am Abend des Sternenfestes beobachtet Giovanni auf einer Wiese außerhalb des Dorfes den Himmel, als plötzlich ein Zug auftaucht. In diesem trifft er auf Campanella und für die beiden Freunde beginnt eine geheimnisvolle Reise zwischen den Sternen.

Langatmige Reise

Night on the Galactic Railroad basiert auf einer Geschichte des japanischen Autors Kenji Miyazawa (1896 – 1933) und entstand 1985 im Studio Group Tac unter der Regie von Gisburou Sugii. Wie bei Das Leben des Budori Gusko, den Anime House ebenfalls in Deutschland veröffentlicht hat, setzt der Regisseur bei Night on the Galactic Railroad auf anthropomorphe Katzen statt Menschen in den Hauptrollen. Da diese sich allerdings vollkommen menschlich verhalten, ist der Unterschied lediglich optischer Natur, passt aber gut zum Film. Probleme bezüglich der Figuren zeigen sich stattdessen bei der Charakterisierung. Lediglich Giovanni wird ein wenig vorgestellt. So darf der Schüler kurz in seinem Alltag begleitet werden. Wirklich viel erfährt der Zuschauer über ihn, Campanella und die Nebenfiguren jedoch nicht, so dass sie alle etwas blass bleiben.

Minimal relativiert wird das durch die Erzählweise. Die Geschichte ist trotz einer zusammenhängenden Handlung in kleine Kapitel eingeteilt, die den kommenden Szenen immer ein kleines Thema verleihen. Dadurch erhält Night on the Galactic Railroad zumindest ansatzweise die Stimmung eines Buches. Leider stellt sich die Geschichte gerade in der ersten Hälfte als recht langatmig, zeitweise sogar fast schon langweilig heraus. Zwar ist es durchaus interessant, welche Orte Giovanni und Campanella während ihrer Fahrt mit dem galaktischen Zug besuchen und sehen können, doch passiert lange nur recht wenig. Bis das Abenteuer los geht, vergeht einige Zeit und auch danach dauert es etwas, bis die Handlung interessante Elemente erhält. Davor bleibt unverständlich, weshalb Giovanni im Zug sitzt, wie Campanella dorthin gekommen ist und was es mit den etwas seltsamen, aber dafür neugierig stimmenden anderen Reisenden auf sich hat. Erst relativ spät werden Hinweise auf das Ziel und die Art des Zuges gestreut. Ab diesem Punkt versteht es die Handlung durch Andeutungen in Dialogen sowie die spirituelle Natur zu eigenen Theorien anzuregen. Deshalb ist wenig überraschend, dass das Ende die größte Stärke des Films darstellt. Die Auflösung der Geschichte ist wirklich gelungen und regt im Nachhinein zumindest ein wenig zum Nachdenken an. Dass auch hier wieder alles etwas unspektakulär ist, passt zum Film, der komplett ohne aufregende oder schnelle Szenen auskommt.

Da Night on the Galactic Railroad von 1985 ist, dürfte eigentlich bereits klar sein, dass der Film aus heutiger Sicht veraltet ist. Besonders hinsichtlich des Stils sowie der Details und Hintergründe. Dennoch kann sich die Blu-ray-Version sehen lassen, auch wenn die Animationen nicht mehr zeitgemäß sind. Ähnliches gilt für den Sound, dem manchmal zwar das Alter anzuhören ist, der aber ansonsten zum Film passt. Ergänzt wird das durch eine gut deutsche Synchronisation, die nur in wenigen Fällen nicht überzeugen kann.

Fazit

Kenji Miyazawas Geschichte Ginga Tetsudō no Yoru hat mehrere Werke inspiriert oder wurde zumindest in diesen erwähnt. Auf diese Weise war mir die Geschichte zumindest in Ansätzen bereits bevor ich Night on the Galactic Railroad gesehen habe, ein Begriff gewesen. Deshalb war ich auch gespannt darauf, den Anime-Film von 1985 zu sehen. Mitgerissen hat mich die Geschichte jedoch nicht. Das ist aber wahrscheinlich auch nicht die Intention des Autors gewesen. Viel mehr soll Giovannis und Campanellas Reise mit dem galaktischen Zug zum Nachdenken anregen. Dabei greift die Handlung spirituelle und ernste Themen auf, bleibt aber in der Anime-Umsetzung lange Zeit schleppend. Erst nach zirka der Hälfte zieht der Film etwas an. Hier gibt es erste Andeutungen bezüglich der Auflösung, die zumindest ein wenig meine Neugier geweckt haben. Da ich früh geahnt habe, worauf die Geschichte hinausläuft, hatte ich am Ende jedoch kein richtiges Aha-Erlebnis. Trotzdem ist der Abschluss des Films gelungen und ist die wahrscheinlich größte Stärke. Schade ist jedoch, dass Night on the Galactic Railroad auch aufgrund der schwachen Charakterisierung der Figuren hinter den Möglichkeiten bleibt. Empfehlen kann ich den Anime-Film Anhängern von sanften, ruhigen Geschichten, die sich an der Langatmigkeit nicht stören.

Kurzfazit: Night on the Galactic Railroad erzählt eine etwas langatmige, aber im Kern schöne Geschichte, offenbart aber Probleme bei der Figurendarstellung.

Vielen Dank an Anime House für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Night on the Galactic Railroad!

Details
Titel: Night on the Galactic Railroad
Originaltitel: Ginga Tetsudou no Yoru
Genre: Drama, Fantasy, Abenteuer
Regie: Gisaburo Sugii
Studio: Group Tac Co., Ltd.
Produktionsjahr: 1985
Laufzeit: ca. 104 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Booklet
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 15. Juni 2018
Herstellerseite: Anime House

© Asahi Shinbun-sha / TV Asahi / Kadokawa Pictures / Anime House

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