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Jun 22 2018

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Rezension: Angel Sanctuary (DVD)

Nipponart legt einen weiteren Klassiker neu auf und veröffentlicht die dreiteilige Anime-OVA von Angel Sanctuary auf DVD.

Setsuna Mudo hat bereits einige Probleme, mit denen er sich herum schlagen muss. Immer wieder gerät er in Schlägereien, seine Eltern haben sich scheiden lassen und dann ist da noch seine Schwester Sara. Seit jeher ist Setsuna in sie verliebt und verabscheut sich selbst für seine falschen Gefühle. Als Setsuna plötzlich auf zwei Dämonen trifft und erfährt, er sei die Wiedergeburt des mächtigen Engels Alexiel, die sich einst gegen Gott aufgelehnt hat, wird der Schüler in einen Konflikt, der die Existenz der Welt bedrohen könnte, hineingezogen. Zudem beginnt Alexiels, aus einer Versieglung befreiter Zwillingsbruder Rosiel, Jagd auf ihn zu machen. Und alle vereint ein Ziel: Die Rückkehr von Alexiel.

Unvollständiger Himmelskonflikt

Zwanzig Bände umfasst die von 1994 bis 2000 in Japan erschienene Manga-Reihe Angel Sanctuary von Kaori Yuki. Im Jahr 2000 folgte eine Anime-Adaption, die Nipponart nun erneut auf DVD veröffentlicht. Lediglich drei Episoden umfasst die OVA, wodurch bereits deutlich werden dürfte, dass nicht die gesamte Geschichte der Vorlage abgedeckt wird. Lediglich die Anfänge, fast kaum mehr als ein Prolog, erwartet den Zuschauer. Dafür ist dieser durchaus ordentlich umgesetzt. Die Charakterdesigns sind gut an die Vorlage angelehnt und Animationen sowie Stil der Serie sind, wenn das Alter bedacht wird, gelungen. Natürlich fallen aus heutiger Sicht technische Schwächen auf, der Anime-Version von Angel Sanctuary schadet das jedoch nicht.

Inhaltlich kann die dreiteilige OVA ebenfalls überzeugen. Die Geschichte von Setsuna ist spannend und erhält durch die aufrichtige Liebe zu seiner Schwester ein heikles Thema. Besonders mit Blick auf den starken christlich-religösen Einfluss, der das Setting auszeichnet. Schließlich handelt Angel Sanctuary nicht ausschließlich von der Beziehung der Geschwister, sondern widmet sich mindestens genauso intensiv der Engels-Dämonen-Geschichte. Hier spielt die OVA mit allerlei Elementen des Christentums, baut einige bekannte Bezeichnungen für die Hierarchie der Engel ein, hält sich aber nicht direkt an die Religion. Alles wird genau so angepasst, wie es benötigt wird und das ist auch gut so. Kaori Yuki hat bereits für ihren Manga eine interessante Welt geschaffen. Der einstige Krieg zwischen Engeln und Dämonen, Alexiels Rebellion gegen Gott und die Missstände im Himmel. All das deutet auf eine hochtrabende, umfangreiche, spannende Geschichte voller Wendungen hin.

Leider kratzt Angel Sanctuary nur an der Oberfläche davon. Die drei OVAs widmen sich den Anfängen der Manga-Reihe. Setsunas erste Begegnungen mit Dämen und Engeln und seine verbotene Liebe zu Sara stehen im Mittelpunkt der Anime-Adaption. Das alles ist trotz der teilweise etwas arg an der Grenze zum Kitsch schrammenden Dialoge und einem Hang zur Überdramatisierung spannend und interessant umgesetzt. Obwohl wichtige Charaktere wie Setsuna oder Sara unsympathische oder nervige Eigenschaften haben, funktionieren die Figuren und man fiebert mit ihnen. Um so bedauerlicher ist es, dass die Anime-Umsetzung nach drei Episoden bereits endet. Zu diesem Zeitpunkt nimmt die Geschichte gerade eine wichtige Wendung, die eine Folge teils überraschender oder harter Ereignisse ist. Hier gilt: Gerade als Angel Sanctuary am spannendsten wird, endet die OVA auch schon. Da kann die Umsetzung trotz der vorhandenen Schwächen noch so interessant sein, wer keine Lust hat die Manga-Reihe zu lesen, erhält nur eine unvollständige Geschichte. Eine Fortsetzung wurde leider nie produziert.

Fazit

Sowohl die Manga-Reihe als auch den Anime von Angel Sanctuary habe ich bereits Anfang der 2000er gelesen beziehungsweise gesehen. Erneut hat mir die OVA-Adaption durchaus gefallen. Ignoriert man die teilweise etwas kitschigen Dialoge und den Hang zum Drama, bleibt eine spannende und interessante Engel-Dämonen-Geschichte, die um eine ungewöhnliche Liebes-Handlung ergänzt wird. Letzteres mag nicht jedem gefallen, fügt sich aber gut ein und macht hinsichtlich der Charakterentwicklung und bezüglich der damit verbundenen Sünde für das Setting Sinn. Schnell habe ich mich dabei erwischt, wie ich Setsuna und Sara trotz ihrer nervigen Eigenschaften gewünscht habe, dass sie irgendwie alle Hürden überwinden können. Dazu gesellt sich die wirklich interessante Geschichte rund um Engel und Dämonen. Gerade deshalb ist es so schade, dass Angel Sanctuary nie fortgesetzt wurde und somit lediglich der Anfang der Geschichte erzählt wird. Kennern der Vorlage oder Anime-Fans, die eher aus Klassiker-Sicht Interesse haben, kann ich die OVA trotzdem empfehlen.

Kurzfazit: Spannende Geschichte rund um Geschwisterliebe, Engel und Dämonen, die trotz Schwächen unterhalten kann, aber unvollständig ist und lediglich die Anfänge der Manga-Vorlage adaptiert.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Angel Sanctuary!

Details
Titel: Angel Sanctuary
Originaltitel: Tenshi Kinryōku
Genre: Mystery, Action, Drama
Regie: Kiyoko Sayama
Studio: Hal Film Maker
Produktionsjahr: 2000
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Poster, Sticker
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungstermin: 29 Juni 2018
Herstellerseite: Angel Sanctuary bei Nipponart

© 2000 Kaori Yuki / Hakusensha • “Angel Sanctuary“ Committee

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