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Jun 20 2018

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Rezension: Granblue Fantasy – Band 1 (Manga)

Aus naivem Beschützerinstinkt stolpert der junge Gran in Granblue Fantasy Band 1 in ein großes Abenteuer.

Gran lebt auf der abgelegenen, kleinen und beschaulichen Insel St. Island und führt ein einfaches Leben. An seiner Seite ist sein kleiner, fliegender Freund Vyrn. Seit Gran vor fünf Jahren einen Brief seines Vaters erhalten hat, träumt der junge Mann davon, den Himmel zu bereisen und die ferne Sterneninsel Estalucia zu erreichen. Aus diesem Grund trainiert Gran täglich im Wald außerhalb seines Dorfes den Schwertkampf. Als eines Tages plötzlich ein Schlachtschiff des ersten Imperiums auftaucht, trifft er auf das schöne Mädchen Lyria, die ihn um Hilfe bittet. Ohne nachzudenken verteidigt Gran sie vor einigen Soldaten des Imperiums und wird in ein Abenteuer verwickelt, das ihn seinem Traum näher bringt als jemals zuvor.

Fantasy-Klassik zwischen den Wolken

Granblue Fantasy basiert genauso wie die gleichnamige Anime-Serie von 2017 auf einem japanischen Rollenspiel für Android, iOS sowie über Browser für den PC 2014 erschienen ist. Der erste Band der Manga-Adaption präsentiert sich als Kombination zahlreicher klassischer Fantasy-Elemente. Ein gutherziger Jüngling, der unbedingt seine Heimat verlassen will und den Schwerkampf trainiert, trifft auf ein mysteriöses Mädchen, das über unbekannte Kräfte verfügt und von einem bösen Imperium für Forschungen missbraucht wird, um mächtige Kreaturen kontrollieren zu können. Alles soweit bekannt also. Tatsächlich setzt sich Granblue Fantasy nur wenig von vergleichbaren Genre-Vertretern ab. Das gilt auch für den Aufbau der Geschichte. Nach einem kurzen Einstieg, der Grans Traum begründet, darf der Protagonist bei einem seiner Ausflüge begleitet werden. Interaktionen mit den Dorfbewohnern sowie eine kurze Konfrontation mit einem Monster lassen schnell Grans freundliche Persönlichkeit erkennen. Da überrascht es dann auch nicht mehr wirklich, dass er Lyria, ohne etwas über sie zu wissen oder sonstige Informationen über die Situation zu haben, bereitwillig gegen ihre Verfolger verteidigt. Vielleicht wirkt dieses Verhalten anfangs etwas wenig nachvollziehbar, letztlich passt es aber zu Gran und Story.

Allgemein versucht Granblue Fantasy nicht einmal die klassischen Anleihen zu verbergen. Hier ist dann auch die Mobile-Game-Herkunft deutlich zu erkennen. Schließlich dient die Geschichte in Spielen dieser Art oft nur als grober Wegbereiter, um das Gameplay zu begründen. Unterhaltsam ist der Manga dennoch. Trotz der vorhandenen Klischees und Stereotypen, gelingt es der Handlung einen angenehmen Lesefluss zu verleihen und gleichzeitig eine hervorragende Atmosphäre aufzubauen. Egal ob nun ruhige, sanfte, dramatische oder actionreiche Szenen, alles fügt sich gut ein und durch die schnelle Erzählweise kommt niemals Langeweile auf. Zusätzlich schaffen es die Hauptfiguren Sympathien zu wecken. Gran mag noch so unbedarft, naiv und ein klassischer Rollenspiel-Held sein, irgendetwas hat er trotzdem an sich, weshalb ich ihn gerne auf seinem Abenteuer begleite. Ähnliches gilt auch für Lyria, die nicht nur überaus niedlich gestaltet ist, sondern genauso wie Katalina und andere Figuren über witzige Eigenheiten verfügen. Besonders Katalina, Soldatin und Beschützerin von Lyria, sticht mit einigen unerwarteten Vorlieben und Schwächen heraus. Ergänzt durch die seichte, aber funktionale Spannung ergibt sich ein kurzweiliger Fantasy-Manga für Zwischendurch, der als lockere Lektüre Spaß macht und sogar Potenzial für die kommenden Bände zeigt.

Bei den Zeichnungen von Mangka cocho zeigt sich Granblue Fantasy in gutem, wenn auch standardmäßigen Bereich. Die Figuren sind gut umgesetzt, Kämpfe können sich sehen lassen und die Umgebungen sind schön in Szene gesetzt. Neben den aufwendigen Monster- und Kreaturendesigns sticht auch die Mimik etwas hervor. Immer wieder gelingt es, die Stimmung der Charaktere perfekt zu vermitteln. Zusätzlich kommen auflockernde Stilmittel zum Einsatz, die dem leichten Humor des Fantasy-Mangas zu Gute kommen.

Fazit

Alleine die Welt von Granblue Fantasy hat bereits mein Interesse geweckt. Inseln im Himmel, Luftschiffe und Abenteuer zwischen den Wolken, bringen stets Eigenheiten mit sich. Granblue Fantasy Band 1 kann gerade diese mögliche Stärke jedoch noch nicht ganz nutzen und konzentriert sich stattdessen stärker auf die Einführung der Geschichte und Charaktere. Dass sich der Manga dabei auf klassischen Fantasy-Pfaden bewegt, hat mich weniger gestört, als ich anfangs dachte. Natürlich ist so manche Entwicklung für Genre-Kenner vorhersehbar und die Figuren scheinen auf den ersten Blick lediglich die üblichen Klischees zu erfüllen – auch in optischer Hinsicht. Obwohl dieser Eindruck nicht gänzlich schwindet, zeigen die Protagonisten einige liebevolle Eigenheiten. Insbesondere Katalina sticht mit kleinen amüsanten Szenen hervor. Hier zeigt Granblue Fantasy genauso wie beim Setting und der daraus resultierenden Geschichte noch Potenzial. Alleine deshalb sollten Fantasy-Fans dem Manga eine Chance geben. Für leichte Fantasy-Unterhaltung für Zwischendurch ist Granblue Fantasy in jedem Fall geeignet.

Kurzfazit: Ein mysteriöses Mädchen, ein dunkles Imperium und ein herzensguter Held – Granblue Fantasy Band 1 ist klassische Genre-Kost für zwischendurch, überzeugt aber mit grundsätzlich sympathischen Figuren und zeigt ungenutztes Potenzial.

Vielen Dank an altraverse für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Granblue Fantasy – Band 1!

Details
Titel: Granblue Fantasy – Band 1
Originaltitel: Granblue Fantasy
Genre: Fantasy
Verlag: altraverse
Artwork/Zeichnungen: cocho
Story: Makoto Fugetsu
Original Story: Cygames
Seiten: 168
Preis: 7,00 €
ISBN: 978-3-96358-003-1
Verlagsseite: Granblue Fantasy – Band 1 bei altraverse
Erscheinungsdatum: 24. Mai 2018

Copyright altraverse / Cygames / Kodansha

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