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Jun 04 2018

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Rezension: Usagi Drop: The Movie (Blu-ray)

Nach der Anime-Adaption der Manga-Reihe Usagi Drop hat Animoon Publishing auch Usagi Drop: The Movie veröffentlicht.

Daikichi ist recht überrascht, als er die kleine Rin kennenlernt. Das Mädchen ist die Tochter seines verstorbenen Großvaters, von der bisher niemand in der Familie etwas wusste. Als es darum geht, wer die Kleine bei sich aufnimmt, zeigen sich Daikichis Verwandte nicht gerade von ihrer besten Seite und wollen die Sechsjährige verstoßen. Kurzerhand beschließt der 30-jährige Junggeselle Rin bei sich aufzunehmen. Von Kindern hat er bisher keine Ahnung und so stellt die neue Aufgabe den vollzeitarbeitenden jungen Mann vor ungeahnte Herausforderungen.

Realistischer ohne Wohlfühlfaktor

Usagi Drop: The Movie basiert, wie die ebenfalls bei Animoon Publishing erschienene Anime-Serie, auf Yumi Unitas in Deutschland bisher nicht erhältlicher Slice-of-Life-Comedy-Manga-Reihe Usagi Drop. Der Film adaptiert die Geschichte von Daikichi und Rin frei und mit einem anderen Grundton als die Anime-Adaption. Bereits durch die Farbgebung und das Bild an sich, entsteht eine realistischere, bodenständigere Atmosphäre. Fröhlich und leichtgängig wird der Film dabei fast nie, was auch an den fehlenden Möglichkeiten einer Live-Action-Verfilmung liegt. Trotzdem wird das chaotische und ungewöhnliche Alltagsleben von Daikichi und Rin gut eingefangen. Die Handlung folgt den beiden in ihrer anfänglichen Zeit, behandelt die großen Schwierigkeiten, weist dadurch aber auch ein recht hohes Tempo auf. Das mag an vielen Stellen passend sein, gelegentlich wirkt Usagi Drop: The Movie aber gehetzt.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem. Bereits bei der Darstellung des Films zeigen sich einige fragwürdige und seltsame Entscheidungen, die besonders Kennern der Anime-Serie missfallen könnten. So kümmert sich Daikichi zwar genauso liebevoll und mit absoluter Hingabe um Rin, schafft es dabei aber nicht, immer Sympathien zu wecken. Das liegt auch an der Darstellung von Kenichi Matsuyama. Der Schauspieler passt zwar optisch recht gut in die Rolle, vermittelt aber nicht immer glaubhaft den besorgten Neu-Erziehungsberechtigten. Zusätzlich wirken Daikichis seltsame Tagträume, in denen er mit einem Model aus einer Zeitschrift interagiert, überaus befremdlich und fehl am Platz. Allgemein sorgt der leichte Overacting-Faktor bei einigen Darstellern für etwas befremdliche oder ungewollt komische Szenen. Das größte Problem bei der Figuren-Umsetzung zeigt sich jedoch bei Yukari Nitani, der Mutter von Rins Freund Koki. Statt einer geübten, aber einfachen Mutter, wird ein Model präsentiert, das sich zwar aufopferungsvoll um ihren Sohn kümmert, aber nicht die selben Sympathien wecken kann wie in der Anime-Serie.

Gerade in der zweiten Hälfte wird Usagi Drop: The Movie sogar etwas zu dramatisch und ernst, so dass auch der letzte Rest der angenehmen Slice-of-Life-Atmosphäre kurzzeitig verloren geht. Immerhin hält das nicht zu lang an. Dem Film muss ebenfalls angerechnet werden, dass trotz der einfachen Alltagsgeschichte stets das grundsätzliche Interesse am chaotischen Leben von Daikichi und Rin bestehen bleibt. Maßgeblich zu verdanken ist das Rin, die vielleicht nicht perfekt dargestellt wird, aber trotzdem alle Sympathien auf ihrer Seite hat. Zum Ende zieht der Film noch einmal an und obwohl manche Handlungselemente zwar eingeführt, dann aber liegen gelassen werden, wird ein überzeugender und runder Abschluss geboten. Alles in allem kann Usagi Drop: The Movie unterhalten, bleibt aber hinter den Möglichkeiten der Geschichte zurück.

Positiv sticht die deutsche Synchronisation hervor, die dank der bekannten Sprecher der Anime-Serie einen konstanten Eindruck hinterlässt. Abgesehen von wenigen etwas zu übertriebenen Betonungen, gibt es wenig zu bemängeln. Die wichtigen Stimmen passen gut und Ausfälle halten sich in Grenzen.

Fazit

Nachdem ich Usagi Drop als Anime-Serie sehr gerne gesehen habe und viel Spaß damit hatte, war ich gespannt, ob die Live-Action-Adaption der Manga-Vorlage ähnlich ausfällt. Bereits nach den ersten Minuten war mir bewusst, dass der Film einen anderen Grundton hat. Zwar wird Usagi Drop: The Movie nie zu ernst, schafft es aber auch nicht, fröhliche Leichtgängigkeit zu vermitteln. Das mag an den Schauspielern und realen Umgebungen liegen, sorgt aber dafür, dass die Geschichte von Daikichi und Rin weniger bezaubernd wirkt. Dazu kommen einige fragwürdige Storyentscheidungen sowie zweifelhafte Darstellungen der Figuren. Insbesondere Daikichis Tagträume und manche Aspekte von Yukari haben mir nicht gefallen. Misslungen ist Usagi Drop: The Movie trotzdem nicht. Der Film erzählt eine gelungene Slice-of-Life-Geschichte, die einige unterhaltsame Momente hat und gerade zum Ende hin überzeugen kann. An die Qualität der jüngst bei Animoon Publishing erschienenen Anime-Serie kommt der Film aber nicht ran. Usagi-Drop- und Genre-Fans, die sich an den genannten Problemen nicht stören, können sich Usagi Drop: The Movie durchaus ansehen.

Kurzfazit: Durchwachsene Manga-Verfilmung, der es an Leichtgänigkeit fehlt und Schwächen bei der Figurendarstellung zeigt, aber trotzdem zeitweise ordentliche Genre-Unterhaltung bietet.

Vielen Dank an AniMoon Publishing für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Usagi Drop: The Movie!

Details
Titel: Usagi Drop: The Movie
Originaltitel: Usagi Drop (うさぎドロップ)
Genre: Slice of Life
Regie: Sabu
Produktionsjahr: 2011
Laufzeit: ca. 113 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch (DTS-HD Master Audio 2.0)
Untertitel: Deutsch
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 6
Extras: Mediabook, Poster, Trailer
Erscheinungstermin: 01. Juni 2018
Herstellerseite: AniMoon Publishing

Copyright Showgate / AniMoon Publishing

Lesetipp: Rezension von Usagi Drop – Vol. 3 (Blu-ray)
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