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Mai 23 2018

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Rezension: The Eccentric Family – Staffel 1 – Vol. 1 (Blu-ray)

The Eccentric Family Volume 1 erzählt von Tanuki, Tengu und Menschen und ihrem verrückten, gefährlichen und fröhlichen Leben.

Menschen, Tanuki und Tengu leben bereits seit Jahrhunderten in einem fragilen Gleichgewicht. Die Dömane der Menschen ist die Stadt, den Tengu gehört der Himmel und die Tanuki bevölkern den Boden. Yasaburo Shimogamo ist der dritte Sohn einer einst angesehenen Tanuki Familie. Sein Vater, Soichiro, war das Oberhaupt der Tanuki-Gesellschaft und genoss auch bei den Tengu hohes Ansehen. Bis er von Menschen, genauer den Mitgliedern des Friday-Clubs, zu ihrem alljährlichen Neujahrsfest als Tanuki-Eintopf verspeist wurde. Das Gleichgewicht ist seither aus den Fugen geraten und die Nachfolge ist ungeklärt. Im Streit unter den Tanuki hat die Shimogamo-Familie Ansehen eingebüßt und steht in einer Fehde mit den ihren Verwandten der Ebisugawa-Familie. Gemeinsam arrangieren sich Yasaburos Mutter Tousen und seine Brüder mit der Situation. Doch wer soll die Nachfolge antreten? Besonders Yasaburo lebt einfach nur vor sich hin, verehrt die Tengu und liebt es, sich in einen Menschen zu verwandeln und unter ihnen zu wandeln. So verbringt er seine Tage mit möglichst wenig Langeweile, kümmert sich um seinen alten Tengu-Lehrmeister Akadama und pflegt einen seltsamen Kontakt zur Menschen-Frau Benten, die selbst dem Friday-Club angehört.

Tiefgründig-ernst-fröhlicher Alltag

Als Teil von Universum Animes neuer Serien-Offensive stellt The Eccentric Family in gewisser Weise den Auftakt einer Reihe neuer Anime-Serien dar, die noch dieses Jahr erscheinen sollen. Die 13-teilige Roman-Adaption fällt auf den ersten Blick durch einen ungewöhnlichen Stil auf, der sich gerade bei den Charaktermodellen von anderen Serien unterscheidet, und gut zur Art der Serie passt. Ob die Genre-Bezeichnung Comedy-Drama nun wirklich passt, ist nicht ganz sicher. Auf jeden Fall sticht The Eccentric Family aus dem üblichen Anime-Comedy-Einerlei hervor. Und das soll nicht bedeuten, dass andere Genre-Vertreter zwingend schlechter sind. Die Serie von Regisseur Masayuki Yoshihara setzt sich lediglich durch den Verzicht auf bekannte Elemente und viele kleine Eigenheiten ab. Lachflashs oder typischer Comedy-Humor sind nicht zu finden. Stattdessen wird auf subtilere Witze gesetzt, die sich in die unerwartet tiefgründig-ernste Geschichte einfügen. Damit bewegt sich The Eccentric Family deutlich stärker im Drama- und Slice-of-Life-Genre.

Gerade letzteres macht einen großen Teil der Serie aus. Die Geschichte folgt in den ersten sechs der dreizehn Episoden von Staffel 1 dem jungen Tanuki Yasaburo, der einfach nur sein Leben genießen will und Langeweile ablehnt. Die meiste Zeit sind er und die anderen Tanuki als Menschen unterwegs. Dank ihrer Verwandlungsfähigkeit können sie sich aber auch in allerlei andere Dinge und Lebewesen verwandeln. Eine Fähigkeit, die den mythologischen Tanuki gerne zugeschrieben wird. Eine große übergeordnete Geschichte fehlt in den ersten Episoden noch, allerdings zeigen sich bereits einige Handlungsbögen, die sowohl Yasaburo als auch das interessante und überraschend gut geschriebene und abwechslungsreiche Ensemble betreffen. Allgemein gelingt es The Eccentric Family trotz einer anfangs leichten Episodenhaftigkeit, einen glaubhaften Alltag darzustellen. Tanuki, Tengu und Menschen leben nebeneinander, ohne dass die Art der Existenz jedem Menschen bewusst wäre. Dank kleiner Erklärungen, aber vorwiegend durch die Ereignisse selbst, wird langsam aber stetig mehr über die Welt in der Yasaburo und die anderen leben offenbart. Auch deshalb begleitet man die am deutlichsten im Mittelpunkt stehenden Tanuki, aber auch Tengu-Lehrmeister Akadama und die etwas geheimnisvolle und zwiespältige Menschen-Frau Benten gerne durch ihren fröhlichen, verrückten, ernsten und gefährlichen Alltag.

Hochwertiges Ensemble mit Macken

Maßgeblich profitiert The Eccentric Family dabei von den eigenständigen, lebhaften Figuren, die alle auf ihre Weise interessant sind. Angefangen bei Chaot Yasaburo, der als Hauptfigur die Geschichte gut trägt. Jeder Charakter hat kleine Eigenarten und Probleme, was deutlich zur Qualität der Figuren beiträgt. Neben Yasaburo schafft es besonders Benten Interesse zu erregen. Ihre Beziehung zum Protagonisten scheint seltsam, besonders da sie dem Tanuki-fressenden Friday-Club angehört. So gibt es Momente, in denen die in der Tanuki-Gesellschaft gefürchtete Menschen-Frau ihrem Ruf mehr als gerecht wird und dann wieder Szenen, in denen sie überraschend sanft und sympathisch erscheint. Dass man sogar einen etwas schrulligen Universitäts-Professor, der zugleich Tanuki-Liebhaber und Friday-Club-Mitglied ist, auf gewisse Weise ins Herz schließen kann, zeigt, dass die Figuren von The Eccentric Family vielschichtiger sind, als man es erwartet. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und gerade die Ebisugawa-Brüder Ginkaku und Kinkaku sowie deren Vater Sooun wirken bisher eher wie eindimensionale Fieslinge, doch auch das könnte sich noch legen. Zusätzlich unterstützt wird das von den gut geschriebenen Dialogen, die weitaus anspruchsvoller ausfallen als erwartet und von einer sehr guten deutschen Synchronisation getragen werden.

Doch so gut The Eccentric Family in vielen Punkten ist, so deutlich zeigen sich einige Schwächen. Besonders mit Blick auf Benten und den Friday-Club offenbart die Serie Widersprüche, die zwar zum Teil in den letzten beiden Episoden von Volume eins aufgelöst, aber nicht gänzlich beseitig werden. Es ist fraglich, weshalb es den Friday-Club überhaupt gibt. Genauso wirkt es manchmal so, als wüssten außer Benten auch anderen Menschen von den Fähigkeiten der Tanuki, was dann doch nicht der Fall ist. Zudem ist es die größte Stärke der Menschen-Frau, dass sie mysteriös und zwiespältig erscheint. Immer wieder ist unsicher, wie sie nun tatsächlich zu Yasaburo steht. Doch gerade dieser Widerspruch, der mit dafür verantwortlich ist, dass sie interessant bleibt, birgt auch das größte Problem ihrer Figur. The Eccentric Family bleibt in den ersten sechs Episoden noch Antworten schuldig, etwa weshalb Benten überhaupt dem Friday-Club beigetreten ist und Tanuki verspeist. Gerade durch ihre Beziehung zu Yasaburo entsteht hier ein etwas seltsamer Eindruck. Allerdings deutet sich bereits an, dass diese offenen Ansätze in den noch kommenden sieben Episoden der ersten Staffel zumindest teilweise aufgelöst werden könnten. Es ist also stark davon abhängig, wie sich die Serie in der zweiten Staffel entwickelt, um endgültig festzulegen, ob die wirren Elemente an der Geschichte haften bleiben oder nicht. Doch trotz der Schwächen bleibt The Eccentric Family Volume 1 eine interessante und ungewöhnliche Serie. Anime-Fans, die etwas andere Slice-of-Life-Comedy-Dramen nicht scheuen, sollten definitiv einen Blick wagen.

Fazit

Da hat mich die Genre-Einordnung tatsächlich etwas genarrt. Durch die Comedy-Bezeichnung habe ich trotz des Drama-Ansatzes und der Story-Beschreibung mit deutlich mehr direktem Humor gerechnet. Dass The Eccentric Family sich als teilweise recht ernste und doch immer irgendwie fröhlich Fantasy-Slice-of-Life-Serie mit tiefgründigen Figuren und gut geschriebenen Dialogen herausstellt, habe ich so nicht erwartet. Umso positiver war ich dann überrascht. Schnell hat mich die Welt der Tanuki, Tengu und Menschen in ihren Bann gezogen. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Charaktere. Allen voran Yasaburo, und sein nicht ganz so einfacherer Alltag. Das mag zeitweise etwas episodenhaft sein, doch das passt gut zur Serie und hilft beim Verständnis der Welt und Ausgangslage. Die größte Stärke sind jedoch die Figuren, die fast ausnahmslos interessant und auf ihre Weise sogar sympathisch sind. Neben Yasaburo weckt besonders Benten meine Neugier. Obwohl sie Teil der größten Schwächen, weil möglichen Ungereimtheiten ist, wirkt sie gleichzeitig auch wie die ausgefeilteste Figur der Serie. Hoffentlich gelingt es The Eccentric Family in den noch ausstehenden sieben Episoden die vorhandenen Mängel zu beseitigen oder zumindest zufriedenstellend aufzulösen. Doch auch so ist The Eccentric Family eine unterhaltsame und ungewöhnliche Slice-of-Life-Comedy-Drama-Serie, die durch ihren ernst-fröhlichen Ton, den unerwarteten Tiefgang und die ausgefeilten Charaktere überzeugt.

Kurzfazit: Mehr Slice-of-Life als Comedy überzeugt The Eccentric Family Volume 1 trotz vorhandener Schwächen durch unerwarteten Tiefgang, anspruchsvolle Dialoge und vielschichtige Figuren.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Eccentric Family – Staffel 1 – Vol. 1!

Details
Titel:  The Eccentric Family – Staffel 1 – Vol. 1
Originaltitel: Uchouten Kazoku
Genre: Drama, Slice of Life, Comedy
Regie: Masayuki Yoshihara
Studio: P.A. Works
Produktionsjahr: 2013
Laufzeit: ca. 136 Minuten (DVD), ca. 142 Minuten (Blu-ray)
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Japanische Original TV-Spots, Textless Ending, Textless Opening
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungstermin: 25. Mai 2018
Herstellerseite: The Eccentric Family – Staffel 1 – Vol. 1 bei Universum Anime

© Tomihiko Morimi, GENTOSHA / Uchoten-Kazoku Committee / Universum Anime

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