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Okt 30 2017

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Rezension: The Evil Within 2 (PS4)

Bethesda lädt wieder zum Horror-Trip und Überlebenskampf. In The Evil Within 2 muss sich Sebastian Castellanos erneut albtraumhaften, bizarren Monstern und Psychopathen stellen.

The Evil Within zeigt im Oktober 2014 wie gut Survival-Horror heutzutage noch funktionieren kann. Fast genau drei Jahre nach der Veröffentlichung des Serien-Erstlings setzen Bethesda und Tango Gameworks den Horror-Trip von Sebastian Castellanos fort. Der ehemalige Polizist ist seit dem Tod seiner Tochter im brennenden Familienhaus – im Prolog erschreckend selbst zu erleben – und seinen Erlebnissen in Beacon zu einem Wrack verkommen. Auch in der Geschichte von The Evil Within 2 sind drei Jahre seit den Ereignissen des ersten Teils vergangen, als sich Sebastian plötzlich durch seine ehemalige Kollegin Juli Kidman eine unerwartete Gelegenheit ergibt: Lily lebt und dient als Kern für eine neue STEM-Maschine. Da sie in Gefahr ist und die durch das kleine Mädchen erzeugte virtuelle Welt verrückt spielt, betritt Sebastian selbst die künstlich erschaffene US-Kleinstadt Union und stellt sich den Schrecken.

Bizarres Horror-Erlebnis

Um The Evil Within 2 spielen zu können, sind keine Vorkenntnisse erforderlich, wie ich selbst als Nicht-Kenner des Serien-Erstlings festgestellt habe. Alle wichtigen Informationen werden im Zuge des Spielanfangs in die Geschichte eingeflochten. Dennoch sind die zahlreichen Anspielungen auf den Vorgänger nicht zu leugnen. Gerade im letzten Akt haben Kenner von The Evil Within einen klaren Vorteil. Nichts desto trotz kann der zweite Teil für sich stehen und erzählt eine packende Geschichte, die euch in eine düstere, künstliche Welt voller Schrecken, albtraumhafter Gestalten und bizarrer Umgebungen führt.

Bereits zu Beginn des Spiels wird eine derartig beklemmende Atmosphäre erzeugt, dass sich mir beim Durchstreifen des linear angelegten, verfallenen Hauses der Magen zusammen gezogen hat. Die düsteren, dunklen Umgebungen schaffen es, im Einklang mit dem hervorragenden Licht-Schatten-Spiel und der angsteinflößenden Soundkulisse, für eine unglaubliche Anspannung zu sorgen, der man sich kaum entziehen kann. Dazu kommt der subtile und harte Horror, der sich offenbart. Wabernde Vorhänge, groteske Fotografien, die den Moment des Schmerzes festhalten und ein in der Zeit eingefrorener Mann im Zeitpunkt seines Todes durch einen Kopfschuss. Letztere Szene exzellent begleitet durch klassische Musik und abstoßend-faszinierend inszeniert.

Momente mit einer solchen Wirkung finden sich in The Evil Within 2 häufig. Die Entwickler verstehen es, mit den Gefühlen, dem Horror und Bizarren zu spielen, sie gezielt einzusetzen, für Schrecken und Beklemmung zu sorgen. Angesichts der dichten Atmosphäre verzeihe ich dem Spiel gerne, dass die Grafik nicht auf dem Höhepunkt der Zeit ist, manche Textur etwas mehr Polygone vertragen hätte oder die Vegetation schöner hätte ausfallen können. Immerhin überzeugen die Charaktere fast durchweg und die Darstellung der Umgebungen lässt auch kaum zu wünschen übrig. Die schwächelnden grafischen Elemente gehen zu Lasten der offeneren Spielwelt, die The Evil Within 2 perfekt mit linearen Abschnitten koppelt.

Offene Horror-Welten

Ganz recht, The Evil Within 2 geht den Weg vieler Spiele heute und öffnete sich. Ein Open-World-Spiel ist der Horror-Trip deshalb jedoch noch nicht. Mehr eine Mischung aus offenen, weitläufigen Gebieten und linearen Abschnitten. Beide Teile des Spiels fügen sich flüssig aneinander und werden hervorragend für verschiedene Aspekte genutzt. So erkundet ihr die US-Kleinstadt Union, die angesichts der Gefahr, der Sebastians Tochter ausgesetzt ist immer mehr zerfällt, und erfüllt Nebenmissionen oder findet Sammelgegenstände oder Ausrüstung und Materialien. Mit letzteren werden Items wie Munition oder Heilspritzen hergestellt oder Waffen verbessert. Ergänzt wird das Ganze durch einen Talentbaum, in dem neue Fähigkeiten freigeschaltet werden können. Dadurch lässt sich auch der Spielstil anpassen. Es ist euch überlassen, ob beispielsweise lieber schleichen oder rabiater vorgehen wollt.

Immer lässt euch The Evil Within 2 natürlich nicht die Wahl. Gerade in den linearen Abschnitten, die etwa als Verbindung zwischen den offenen Gebieten dienen, gibt es auch einige gescriptete Sequenzen. Hierbei setzen die Entwickler auf eine Vielfalt an Möglichkeiten und konfrontieren euch mit allerlei Schrecken und grotesken Monstern. Noch weit mehr als in den offenen Gebieten, kann hier der Survival-Horror-Aspekt ausgespielt werden. Durch bizarre Situationen und Umgebungen brilliert das Spiel in Sachen Atmosphäre und Horror und nutzt gleichzeitig die Möglichkeiten der virtuellen Welt, die frei von Zeit und Raum agieren kann. Besonders die zufällig auftretenden albtraumhaften Abschnitte in der Gedankenwelt von Monstern und Psychopathen haben eine fesselnde und zugleich überaus beklemmende Wirkung.

Das gilt auch für die offenen Gebiete, in denen ihr schleichend und mit Waffe im Anschlag vorgeht. Allerdings langweilt The Evil Within 2 hier ein wenig mit dem Genre-Standard. Die als Haunted bezeichneten Gegner sind nichts anderes als eine andere Art Zombies. Das gab es schon hundertfach und kratzt an der sonstigen Kreativität der Entwickler. Wichtig sind sie dennoch, um in Union für Gefahr und ein bedrohliches Spielgefühl zu sorgen. So kann das Spiel, trotz der Standardmäßigkeit beim Design der Gegner überzeugen und schafft es, diese gezielt einzusetzen, um gelegentlich auch für Schock-Momente zu sorgen. Etwas mehr Einfallsreichtum wäre trotzdem schön gewesen.

Überraschende Menschlichkeit

The Evil Within 2 schafft es eine spannende, packende und beklemmende Geschichte zu erzählen, die perfekt im Einklang mit dem Wechsel von offenen Gebieten und linearen Abschnitten steht. Ergänzt durch Nebenmissionen und aufspürbare Erinnerungen werden zusätzliche optionale Hintergründe geboten. Überrascht hat mich das Spiel jedoch bei den Charakteren. Insbesondere Protagonist Sebastian habe ich nicht als eine so menschliche, nachvollziehbare Figur erwartet. Der Ex-Cop kommentiert das Geschehen punktiert und sarkastisch und verfügt über eine hervorragende Körpersprache und Mimik. Da fallen die etwas seltsamen Laufbewegungen nicht mehr ins Gewicht. Allerdings hört es bei Sebastian nicht auf. Auch die Nebencharaktere sind gut geschrieben und schaffen es zum Teil sogar, als Menschen ans Herz zu wachsen. Eine Seltenheit besonders im Horror-Genre. Dem schließen sich die psychopathischen Antagonisten als hervorragende Gegenspieler und bizarre Akteure an. Die gute deutsche Vertonung trägt ihren Teil zu dem positiven Eindruck bei und rundet The Evil Within 2 trotz vorhandener Macken ab, so dass ein beklemmendes und packendes Survival-Horror-Erlebnis entsteht.

Fazit

Ehrlich gesagt, habe ich mit Horror-Spielen Schwierigkeiten. Die düstere, beklemmende Atmosphäre und die drohende Gefahr samt Schock-Momenten ist oft zu viel für mich, so dass ich dem Genre nur selten eine Chance gebe. The Evil Within 2 ist das nicht anders. Bereits im ersten Abschnitt innerhalb der STEM-Maschine habe ich mich schwer getan, weiter zu gehen, habe hinter jeder Ecke eine Gefahr vermutet. Um so glücklicher bin ich, dass ich dabei geblieben bin und dem Spiel eine Chance gegeben habe. Sobald sich die Spielwelt erstmals geöffnet hat, hatte mich das Spiel gepackt. Als begeisterter Erkundungs-Spieler war das genau richtig für mich und hat es mir erleichtert mich auf die Horror-Elemente einzulassen. Diese funktionieren hervorragend und sorgen für bizarre, albtraumhafte Situationen, in denen sich mir der Magen zusammengezogen hat. Aber genau das ist der Sinn eines guten Horror-Spiels. Die Schwächen lasse ich gerne außer Acht, da The Evil Within 2 mit seinen Stärken – insbesondere Geschichte, Einfallsreichtum und Charakteren – mehr als überzeugt. Genre-Fans kommen um das Survival-Horror-Spiel nicht herum.

Kurzfazit: The Evil Within 2 bietet beklemmenden Survival-Horror mit dichter Atmosphäre in flüssig ineinander laufenden offenen und linearen Abschnitten und brilliert durch bizarre, albtraumhafte Situationen, gut geschriebene Charaktere und eine fesselnde Geschichte.

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Evil Within 2!

Details
Titel: The Evil Within 2
Genre: Survival-Horror
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: Tango Gameworks
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 4 (getestet), Xbox One, PC
Altersfreigabe: ab 18
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2017

Bilder Copyright Bethesda Softworks

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