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Sep 06 2017

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Rezension: Uncharted: The Lost Legacy (PS4)

Wahrscheinlich zum letzten Mal kehrt Naughty Dog zu Uncharted zurück und präsentiert mit Uncharted: The Lost Legacy einen Stand-Alone-Ableger, der mehr ist als nur ein kleiner Nachtisch.

Uncharted 4: A Thief’s End war Nathan Drakes Abschluss. Die erfolgreiche Action-Adventure-Reihe, die besonders auf der PlayStation 3 zu den erfolgreichsten und besten exklusive Titeln für Sonys Konsole zählte, bekam noch einmal einen Höhepunkt. Doch für all jene, die noch Lust auf mehr haben, wurde auf der PlayStation Experience im Dezember 2016 eine Art Stand-Alone-Erweiterung zum vierten Teil angekündigt. Schon früh zeigte sich, dass Uncharted: The Lost Legacy mehr sein würde und auch ist. Statt eines kleinen Bonuskapitels, handelt es sich bei dem Abenteuer von Chloe Frazer und Nadine Ross um ein vollwertiges, eigenständiges Spiel. Nur eben ohne Serienheld Nathan Drake und stattdessen mit einem Frauen-Duo, das für frischen Wind sorgt, in den Hauptrollen.

Bekannte Schatzjagd

Die Geschichte setzt irgendwann nach dem Ende von Uncharted 4: A Thief’s End an. Chloe Frazer hat sich für ihre aktuelle Schatzssuche die ehemalige Shoreline-Inhaberin und Söldnerin Nadine Ross an die Seite geholt. Die beiden toughen Frauen begeben sich auf die Suche nach dem Stoßzahn von Ganesha und durchqueren dafür, in altbekannter Uncharted-Manier, diverse Abschnitte Indiens. Natürlich darf auch ein großer, mächtiger Kontrahent nicht fehlen. Diesen stellt der Rebellen-Anführer Asav dar, der mit seinen gut gerüsteten Truppen für einige Schwierigkeiten sorgt. Alles beim Alten also. Und dem ist wirklich so. Auf große Neuerungen, gerade im Vergleich zu Uncharted 4, verzichten die Entwickler und setzen stattdessen auf die Stärken, die der Reihe zu ihrem Erfolg und Ruhm verholfen haben. Action-Geladene Schießereien, klettern und springen in schwindelerregenden Höhen und das Lösen von mehr oder weniger simplen Rätseln. Verpackt ist das wie üblich in bombastische Grafik, die einmal mehr zeigt, zu welcher Leistung die PlayStation 4 in der Lage ist.

Allerdings verbirgt sich bei all dem bereits bekannten auch das größte Problem von Uncharted: The Lost Legacy – es fühlt sich an manchen Stellen fast schon zu vertraut an. Würden Chloe und Nadine durch Nathan und seine Begleiter ausgetauscht werden, wäre es schwierig einige Abschnitte vom Vorgänger zu unterscheiden. Doch das ist Kritik auf höchstem Niveau, da der Uncharted-Ableger trotz all der bekannten Elemente wieder genau die Faszination versprüht wie die Vorgänger. Nicht selten ist es angesichts der bombastischen und natürlich oft auch geskripteten Inszenierung schwierig aus dem Staunen heraus zu kommen. Naughty Dog beweist einmal mehr, dass die Entwickler es verstehen jeden Moment genau richtig in Szene zu setzen. Dazu gesellt sich die erneut hervorragend geschriebene Geschichte, die mit ihren historischen Elementen und der puren Action für enorme Spannung sorgt. Ergänzt wird das durch die beiden Protagonistinnen, die früh beweisen, dass sie ihren männlichen Pendants in nichts nachstehen. Es war eine gute Entscheidung, der trotz wichtiger weiblicher Figuren wie Elena oder eben Chloe, vor Testosteron strotzende Reihe, einen gänzlich anderen Blickwinkel zu verpassen. Dadurch fühlt sich The Lost Legacy nicht selten frischer an, als es spielerisch eigentlich ist. Chloe und Nadine sind ein fantastisches Duo und beweisen, dass Nathan Drake für ein typisches Uncharted-Spiel nicht zwingend benötigt wird. Auch wenn es etwas bedauerlich ist, dass ihr das gesamte Spiel ausschließlich Chloe steuert und zu keiner Zeit in die Rolle der Uncharted-4-Widersacherin Nadine schlüpfen dürft. Aber auch das ist kein wirklich negativer Kritikpunkt.

Offen und Schlauchig

Schon bei den Vorgängern hat Naugthy Dog regelmäßig ein Händchen für grandioses Level-Design bewiesen. Jedenfalls für ein Action-Adventure wie es Uncharted ist. Sicherlich sind die Klettermöglichkeiten wie in vielen ähnlichen Spielen zu offensichtlich und die schlauchartigen Abschnitte ermöglichen nur bedingte Erkundung. Das wird jedoch durch atemberaubende Gestaltung und strukturelle Abwechslung ausgeglichen. Zudem zeigt Uncharted: The Lost Legacy eindrucksvoll, dass es auch anders geht. Neben den größtenteils eher schlauchartigen, wenn auch manchmal recht weitläufigen, Leveln, gibt es ein riesiges Open-World-Gebiet. Dieses fällt so umfangreich aus, dass ihr Stunden darin verbringen könnt, wenn ihr neben der Geschichte auch Nebenziele wie das Sammeln von Schätzen oder fotografieren bestimmter Szenarien verfolgt. Gerade in dem weitläufigen Abschnitt, in dem ihr stets mit Auto oder zu Fuß unterwegs sein könnt, zeigt sich das. Spielerisch wird zwar kaum eine unerwartete Abwechslung geboten, doch die Umsetzung des offenen Gebietes ist fantastisch und weckt fast schon den Wunsch, einen in mehrere solcher Gebiete eingeteiltes Uncharted zu spielen. Wie die klassischen Schlauch-Abschnitte dennoch eingebunden werden, zeigt The Lost Legacy ebenfalls durch Ruinen, die für die Geschichte in genau diesem Open-World-Level erkundet werden müssen.

Wie bereits erwähnt, sieht Uncharted: The Lost Legacy wieder fantastisch aus und muss sich in dieser Disziplin weder vor dem direkten Vorgänger noch anderen Spielen verstecken. Die lebendige Flora und Fauna ist faszinierend. Egal ob wiegende Gräser, das im Sonnenlicht glänzende Wasser oder panisch davon fliegende Vögel all das ist wunderschön umgesetzt. Genauso überzeugt Naughty Dog einmal mehr mit der musikalischen Untermalung. Der Soundtrack versteht es jede Szene perfekt zu begleiten und dadurch für noch mehr Intensität zu sorgen. Das überrascht nur wenig, zeichnet sich Naughty Dog bereits in der Vergangenheit durch den exzellenten Einsatz von Musik aus. Die Synchronisation setzt wie erwartet auf die bekannten Sprecher der Vorgänger, sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Umsetzung. Wiedererkennungswert ist also gegeben. Zudem hat die fantastische Vertonung einen maßgeblichen Anteil daran, dass Chloe und Nadine als Hauptfiguren so gut funktionieren. Jede Dialogzeile wird zur Situation passend vorgetragen, so dass die Gespräche natürlich und dem jeweiligen Charakter entsprechend erscheinen.

Abgerundet wird Uncharted: The Lost Legacy durch den obligatorischen Mehrspieler-Modus. Über einen eigenen Verfügt das Action-Adventure allerdings nicht. Stattdessen berechtigt der Ableger zum Zugang des Uncharted-4-Mehrspieler-Parts. So ist es auch möglich gemeinsam oder gegen Freunde zu spielen, die lediglich den The-Lost-Legacy-Vorgänger besitzen. Eine gute Entscheidung, die dafür sorgen könnte, dass der Mehrspieler-Modus länger gespielt wird und vielleicht auch neue Spieler erhält.

Fazit

Uncharted: The Lost Legacy trumpft zum Ende der Reihe noch einmal mit allem auf, was Fans erwarten. Bombastische Inszenierung, fantastische Grafik, actiongeladene Schießereien, geschicktes Klettern und Springen sowie kleinere Rätsel. Das alles verpackt in eine unterhaltsame, spannende Geschichte rund um ein historisches Artefakt. Ob der Ableger nach dem eigentlichen Abschluss in Uncharted 4: A Thief’s End notwendig war, muss jeder selbst entscheiden. Persönlich habe ich mich darauf gefreut noch einmal ein Uncharted-Abenteuer erleben zu können. Die spielerische Ähnlichkeit zu den Vorgängern, besonders zum PS4-Teil, hat mich nicht gestört. Andere Reihen haben bei der Gameplay-Gleichheit größere Probleme und obwohl The Lost Legacy kaum Neuerungen mit sich bringt und manche Abschnitte sehr dem Vorgänger ähneln, fühlt sich das Abenteuer überraschend frisch an. Das liegt vorwiegend an Chloe und Nadine, die ein fantastisches Duo darstellen und beweisen, dass Uncharted weder Nathan Drake noch zwingend einen männlichen Protagonisten benötigt. Alleine diese Entscheidung macht The Lost Legacy zu einem Erlebnis, das sich Fans nicht entgehen lassen sollten. Und sei es nur als Nachtisch, bevor die Reihe wahrscheinlich (leider) ihr Ende findet.

Kurzfazit: Uncharted: The Lost Legacy präsentiert sich verdient als eigenständiger Ableger und vollwertiges Spiel, das reihentypisch grandios unterhält. Frischen Wind bringt das fantastische Protagonistinnen-Duo, das sogar die spielerische Ähnlichkeit zum Vorgänger wettmacht.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Uncharted: The Lost Legacy!

Details
Titel: Uncharted: The Lost Legacy
Genre: Action-Adventure
Publisher: Sony Interactive Entertainment
Entwickler: Naughty Dog
Spieler: 1 (Offline), 2-10 (Online)
Syteme: Playstation 4
Altersfreigabe: ab 16
Erscheinungsdatum: 23. August 2017

Bilder Copyright Sony Interactive Entertainment

Lesetipp: Rezension von Uncharted 4: A Thief’s End (PS4)

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