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Mai 20 2017

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Rezension: Little Nightmares (PC)

Die Entwickler der Tarsier Studios und Bandai Namco nutzen in Little Nightmares kindliche Urängste für ein besonderes Horror-Action-Adventure.

Eine richtige Hintergrundgeschichte wird in Little Nightmares nicht erzählt. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Ihr erwacht als das kleine, in einen übergroßen Mantel gehüllte Mädchen Six in einem düsteren Raum. Fortan ist euer Ziel irgendwie die finsteren Umgebungen zu verlassen und den in Dunkelheit und Licht lauernden Schrecken zu entkommen. Präsentiert wird das in einem teils makaberen, stimmungsvollen dreidimensionalen Grafikstil mit einer Seiten-Perspektive wie in klassischen 2D-Hüpfspielen. Erinnerungen an Limbo lassen sich dabei nicht verleugnen. Little Nightmares spielt sich aber wesentlich langsamer, fast schon schleppend und lässt sich an einzelnen Stellen Zeit für kleine Rätsel. Diese sind eher simpel gehalten und entstammen bekannten Mustern. Mal gilt es einen Schalter umzulegen, ein anderes Mal muss der richtige Weg gefunden werden oder Six muss auf einem Brett balancieren. Das mag nicht immer anspruchsvoll sein, fügt sich aber gut in die erstklassige, bedrückende Atmosphäre ein.

Spiel mit Ängsten

Little Nightmares spielt mit kindlichen Urängsten und lässt euch diese erleben. Das Monster unter dem Bett, ein schemenhafter, böser Mann in der Dunkelheit oder ein Ungeheuer im Schrank? Schnell kommt einem der schwarze Mann in den Sinn. Wer hat Angst vom schwarzen Mann? Niemand! Und wenn er kommt? Dann laufen wir! Genau das geschieht auch in Little Nightmares. Als Six durchstreift ihr die dunklen, tristen Gänge, versteckt euch hinter Kisten, unter Tischen, Betten und allerlei mehr vor den drohenden Gefahren, oder flieht vor diesen. Seien es riesige Hausmeister oder Köche oder ein langarmiges Wesen, das versucht euch zu fangen und in einen Käfig zu sperren. Dazu gesellen sich weitere Bedrohungen wie riesige Augen, deren durch Licht dargestelltes Sichtfeld tödlich ist. Hier spielt Little Nightmares mit den Ängsten und dreht das Prinzip um. Statt Gefahren und Schrecken, bergen die bedrohlichen Schatten Sicherheit.

Nicht immer sind es die direkten Bedrohungen, die euch in Little Nightmares zur Flucht treiben. Häufig ist es die eigene Angst, vor der ihr weglauft. Die düstere Atmosphäre erzeugt ein stetiges Gefühl der Furcht und Beklemmung, so dass ihr gar nicht erst längere Zeit an einem Ort verweilen wollt. Selbst die scheinbar sicheren Räume, in denen ihr mit eurem lichtspendenen Feuerzeug als Speicherpunkte dienende Lampen entzünden könnten, bleiben bedrohlich und laden nicht zum Verweilen ein. Unterstützt wird dieses stets vorhandene Gefühl der Hilflosigkeit durch die riesige Einrichtung der Räume, in deren Angesicht Six noch kleiner und gefährdeter erscheint, als es sowieso bereits der Fall ist. Die geringe Größe der Hauptfigur ermöglicht allerdings auch allerlei Fluchtmöglichkeiten wie etwa Rinnen oder Lüftungsschächte. Bedauerlich nur, dass diese in der Dunkelheit nicht immer sofort zu sehen sind, was zusätzlich für Panik sorgen kann, wenn ihr scheinbar keinen Weg seht zu entkommen.

Auf Splatter wird komplett verzichtet. Stattdessen setzt Little Nightmares auf Psychoterror, der durch die bereits erwähnten Elemente gekonnt erzeugt wird. Die Entwickler setzen auf erdrückend-makabere Umgebungen wie erstarrte Kinderleichen oder ein Meer aus alten, unheimlich wirkenden Schuhen. Untersützend wirken darauf die erstklassigen Einsätze von Licht und Schatten und die stimmungsvolle, aber sparsame Akustik ein. Um so bedauerlicher ist es, dass die von einer nachvollziehbaren Physik und stets logischen Lösungswege der Rätsel von der unflexiblen Kamera unnötig erschwert werden. Manchmal ist es nicht sofort ersichtlich, was zu tun ist, weil der Raum zu groß und dadurch der Überblick schwer ist. Etwas realtiviert wird diese Tatsache durch die eingeschränkte Interaktion mit der Umgebung. Außer dem Feuerzeug trägt Six nichts bei sich, weshalb die für die Lösung notwendigen Gegenstände stets vor Ort zu finden sind.

Fazit

Little Nightmares ist ein angenehm rundes, stimmungsvolles Hüpfspiel, das besonders durch seine beklemmend-makabere Atmosphäre überzeugt. Die Rätsel sich eher simpel gehalten und basieren meist auf einfachen, aber nachvollziehbaren Mechaniken. Dafür spielen die Entwickler mit kindlichen Urängsten und sorgen dafür, dass auch ohne eine reale Bedrohung stets der Fluchtgedanke im Kopf haften bleibt. Das passt zur Thematik und der oberflächlichen Geschichte des Horror-Action-Adventures. Leider plätschert der Spielfortschritt trotz der geringen Spielzeit von vier bis fünf Stunden zeitweise etwas vor sich hin. Ein absolutes Meisterwerk ist Little Nightmares aber auch darüber hinaus nicht. Trotz des über weite Strecken großartigen Psychoterrors und der erzeugten Ängste, fehlt es dem Horror-Spiel an Tiefe. Für eine makaber-gruselige Runde zwischendurch ist Little Nightmares aber in jedem Fall geeignet.

Kurzfazit: Atmosphärisches Psychoterror-Spiel mit kindlichen Urängsten, das als kleiner Snack zwischendurch gut geeignet ist, aber durch kleinere Macken den Sprung zum Hit verpasst.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Little Nightmares!

Details
Titel: Little Nightmares
Genre: Adventure, Horror
Publisher: Bandai Namco
Entwickler: Tarsier Studios
Spieler: 1
Syteme: PC (getestet), PlayStation 4, Xbox One
Altersfreigabe: ab 12
Erscheinungsdatum: 28. April 2017

Bilder Copyright Bandai Namco

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