«

»

Mrz 02 2017

Beitrag drucken

Rezension: Gravity Rush 2 (PS4)

Gravitations-Shifterin Kat ist zurück: In Gravity Rush 2 erlebt sie ihr zweites Abenteuer in einer Welt hoch über den Wolken.

Das erstmals 2012 für PS Vita erschienene Gravity Rush konnte weder bei der Erstveröffentlichung noch bei der 2015/2016 veröffentlichten Remastered-Version für PS4 große Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zu unrecht. Das erste Abenteuer von Kat mag kein Meisterwerk sein, bietet aber gute und unterhaltsame Action-Kost mit Adventure-Elementen und einer interessanten Gravitationsmanipulations-Mechanik. Deshalb ist es Sony hoch anzurechnen, dass trotz des ausbleibenden Erfolgs des Erstlings nicht nur die Neuauflage des PS-Vita-Spiels erschienen ist, sondern auf der Tokyo Game Show 2015 auch eine Fortsetzung angekündigt wurde. Gravity Rush 2 verzichtet auf große Innovationen und bietet einfach mehr vom Bekannten, was jedoch nicht negativ ist, sondern erneut überzeugen kann und Spaß macht. Wenn auch mit kleinen Einschränkungen.

Plot mit Déjà-vu

Die Geschichte von Gravity Rush 2 setzt einige Zeit nach dem Ende des Vorgängers an. Kat und ihr Polizistenfreund Syd wurden von einem Gravitationssturm mitgerissen und leben seit ihrer Landung in der aus Luftschiffen bestehenden Banga-Siedlung, ohne zu wissen, wie sie nach Hekseville zurückkehren können oder was mit Raven, die vor dem Unfall bei ihnen war, geschehen ist. Als Umhertreibende von der herrischen und harten Anführerin der Banga-Siedlung, Lisa, aufgenommen, müssen Kat und Syd mit den anderen Bewohnern in die gefährlichen Minen hinabsteigen und so ihren Teil zum Leben ihrer neuen Heimat beitragen. Anfangs noch ohne Fähigkeiten, dauert es nicht lange bis Kat Dusty wiederfindet und schließlich in der großen, zwischen den Wolken schwebenden Stadt Jirga Para Lhao landet. Dort sieht sich Kat schnell mit den alltäglichen Problemen der Bevölkerung, dem großen Unterschied zwischen Arm und Reich und der harten Vorgehensweise der Regierung und als Polizei dienenden Garnison konfrontiert. Ganz Heldin mit Gerechtigkeitssinn kann die junge Shifterin nicht einfach zusehen und mischt sich in die Geschehnisse der Stadt ein.

Gravity Rush 2 bietet einen interessanten Einstieg und erklärt schnell die aktuelle Lebenslage von Kat. Große Erläuterungen zur Geschichte des Vorgängers spart sich das Spiel und liefert bestenfalls eine Andeutungen, die mit den wichtigsten Informationen angereichert sind. Wer Gravity Rush oder die Remastered-Version nicht gespielt hat, muss deshalb einige Gegebenheiten wie die Bindung zwischen Kat und Syd oder auch wer Raven ist, vorerst einfach hinnehmen. Wirkliche Kenntnisse sind allerdings nicht erforderlich. Schnell lernt man die etwas naive und tollpatschige, aber auch liebenswerte und gutherzige Kat kennen und begleitet sie gerne auf ihrem Abenteuer zwischen den Wolken. Die Protagonistin trägt einen großen Teil zum Spielspaß bei, da sie der Geschichte ihren eigenen Stempel aufdrückt. Die Handlung passt gut zu Kat und wird trotz sozialkritischer Thematiken, wie dem Unterschied zwischen Arm und Reich oder dem Vorgehen eines autoritären Staates, niemals zu anspruchsvoll oder ernst, bleibt aber auch nicht zu seicht, wodurch eine gute Balance zwischen Geschichte und Gameplay entsteht.

Besondere Heldin

Die große Besonderheit von Gravity Rush 2 sind die Fähigkeiten der Protagonistin. Als Shifterin ist es Kat möglich die Gravitation zu beeinflussen. Dadurch kann sie fliegen, an Wänden und Decken laufen oder Gegenstände und Personen in ihrer Umgebung in einem Stasisfeld anheben und herumtragen. Allerdings sind ihre Fähigkeiten durch eine entsprechende Leiste begrenzt. Ist diese leer, endet jeder Flug jäh und es dauert einen Moment, bis sich ihre Gravitationsenergie regeneriert hat. Das kann besonders in den Zwischendimensions-Leveln entscheidend sein und über Leben oder Tod entscheiden. Wer nun denkt, eine solche Fähigkeit sei in einer Welt, in der ganze Städte, über und unter den Wolken schweben, fliegende Steine die Landschaft bilden und Luftschiffe zur Tagesordnung gehören, normal, liegt falsch. Shifter sind selten und auch Kats Gravitationsmanipulation ist ihr nicht angeboren. Sie verdankt die Fähigkeiten ihrer mysteriösen schwarzen Katze Dusty. Durch die Seltenheit von Shiftern wird Kat gleichermaßen bewundert und abgelehnt. Sie sieht sich mit Wohlwollen und Neid konfrontiert. Gerne nutzen die Bewohner der Himmelswelt die Gutmütigkeit von Kat aus, sind ihr aber nicht in jedem Fall treu ergeben. Interessant ist, dass die Arm-Reich-Thematik hierbei genutzt wird um zu verdeutlichen, dass jene, die wenig haben, eher Dankbarkeit zeigen als die reiche Bevölkerung.

Durch Kats Fähigkeit und die kreative, wunderschön gestaltete Stadt Jirga Para Lhao ist eine ganz andere Art von Open World möglich. Zwar liegt zwischen den einzelnen Abschnitten der offenen Welt häufig viel Raum, doch genau hier zeigt sich die Stärke. Schnell stellt ihr im Verlauf des Spiels fest, dass eure Umgebung dreidimensional erkundet werden kann. Die Stadt erstreckt sich nicht nur über eine Ebene, sondern in sämtliche Richtungen. So liegt das Armenviertel weit unter der eigentlichen Stadt und den Wolken, an einem Ort, der niemals Licht sieht. Dem gegenüber steht die hochgelegene und von riesigen Villen, saftigen grünen Wiesen und einem strahlend blauen Himmel dominierte Heimat der privilegierten Bevölkerung von Jirga Para Lhao. Durch die Möglichkeit des Fliegens lädt Gravity Rush 2 zur Erkundung ein und belohnt mit zahlreichen Entdeckungen. Allerdings muss ein gewisser Hang zum Grinden gegeben sein, da in der offenen Welt viele kostbare Juwelen verteilt sind, die benötigt werden, um Kats Fähigkeiten und Angriffe zu verbessern.

Verschenktes Potenzial

Während ihr vom hörenswerten Soundtrack begleitet durch die in einem farbenfrohen Cel-Shading-Look gehaltene Welt von Gravity Rush 2 fliegt, erledigt ihr diverse Aufträge. Entweder bringt ihr damit die Geschichte voran oder helft Bewohnern von Jirga Para Lhao oder der Banga-Siedlung in Nebenquests. Auch Herausforderungen, die euch in zeitlich begrenzten Aufgaben auf Highscore-Jagd schicken oder Schatzsuchen, bei denen euch von anderen Spielern geschossene Fotos helfen, buhlen um eure Aufmerksamkeit. Leider verschenken die Entwickler bei den Story- und Nebenquests einiges an Potenzial. Statt häufiger auf die Gravitationsfähigkeiten bezogener Aufträge und Rätsel, schickt euch Gravity Rush 2 etwa auf nervige und anstrengende Stealth-Missionen oder lässt euch auf der Suche nach Gegenständen von A nach B nach C zurück nach A laufen. Immerhin gibt es auch einige positive Beispiele, in denen Kat trotz einfacher Grundlage ihre speziellen Möglichkeiten braucht, um erfolgreich zu sein. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack haften, da sehr offensichtlich mehr möglich gewesen wäre. Schade.

Trotz des teilweise etwas misslungenen Missions-Designs macht Gravity Rush 2 aber Spaß. Nicht nur die Geschichte und die interessante Welt mit ihren skurrilen Figuren motiviert stets zum Weiterspielen, auch die Lichtpunkte bei den Aufträgen wie die Zwischendimensionen, in denen manchmal nur eine bestimmte von Kats Fähigkeiten gefragt ist, bringen die notwendige Abwechslung ins Spiel. Zudem machen die vielleicht etwas zu hektischen, aber mit der Zeit immer besser von der Hand gehenden Kämpfe gegen die aus dem Vorgänger als Nevi, in der neuen Welt als Skarabäen bezeichneten Gegner, einfach nur Spaß. Trotz manch nervigem Abschnitt und einigen anstrengenden Kontrahenten, ist die leichtgängige und unkomplizierte Action genau richtig für ein Spiel wie Gravity Rush 2. Sicherlich trifft nicht jeder der Gravitationsbasierten Angriffe von Kat und die Ungenauigkeit der Steuerung stört gelegentlich, trotzdem schadet das dem Spielspaß nur bedingt. Besonders weil ihr Kat immer besser unter Kontrolle habt und auch die anfänglichen Orientierungsprobleme bei schwindelerregend schnellen Flügen irgendwann kaum noch auftreten.

Fazit

Schon auf der PS Vita hat mir Gravity Rush ausgesprochen gut gefallen. Lediglich die Einschränkungen des Handhelds und die Bedienung haben den Spielspaß etwas getrübt, so dass ich den Sprung der Reihe auf die PlayStation 4 mehr als begrüßt habe. Nach Gravity Rush Remastered bin ich auch in Gravity Rush 2 wieder gerne mit Kat durch die Lüfte geflogen und habe die Gravitation manipuliert. Perfekt ist das zweite Abenteuer der Shifterin allerdings nicht. Schwächen beim zu wenig auf die Besonderheiten des Spiels ausgelegten Missionsdesign, weiterhin vorhandene Orientierungsschwierigkeiten, ein nicht zu verachtender Fokus auf Grinding und gelegentlich etwas nervige und frustrierende Abschnitte, trüben den ansonsten positiven Eindruck das Action-Adventures. Trotzdem hatte ich meinen Spaß mit Gravity Rush 2. Das ist nicht alleine der überaus liebenswerten Hauptfigur und ihren nicht minder sympathischen Freunden oder den skurillen anderen Charakteren zu verdanken. Neben den actionreichen, etwas hektischen Kämpfen, trägt auch die wunderschöne, farbenfrohe offene Welt maßgeblich zur Motivation bei.

Es macht einfach Spaß mit Kat die verschiedenen Abschnitte von Jirga Para Lhao zu erkunden, zwischen den Wolken hinab oder hinaufzusteigen, um neue Gebiete zu entdecken. Dass die sehr offensichtlichen Markierungen samt Verfolgungsfunktion auf der Karte viele wichtige Punkte wie Missionen oder Gespräche vorweg nehmen, stört dabei kaum. Auch so lädt die Himmelswelt dazu ein, sich umzusehen. Und sei es nur, um die belebten Märkte oder heruntergekommenen Slums genauer kennenzulernen. Gravity Rush 2 mag kein Meisterwerk sein und hat offensichtliche Schwächen, ein einfacher Lückenfüller bis zum nächsten Top-Hit ist das Action-Adventure aber auch nicht. PS4-Besitzer sollten Kats zweitem Abenteuer definitiv eine Chance geben.

Kurzfazit: Trotz offensichtlicher Schwächen und verschenktem Potenzial unterhält Gravity Rush 2 mit der interessanten Gravitationsmanipulation und actionreichen Kämpfen. Die liebenswerte Hauptfigur und durchaus interessante Geschichte tragen zusätzlich zum Spielspaß bei.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Gravity Rush 2!

Details
Titel: Gravity Rush 2
Genre: Action-Adventure
Publisher: Sony Interactive Entertainment
Entwickler: SIE Japan Studios
Spieler: 1
Syteme: PlayStation 4
Altersfreigabe: ab 1
Erscheinungsdatum: 18. Januar 2017

Bilder Copyright Capcom

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.thelostdungeon.de/2017/03/02/rezension-gravity-rush-2-ps4/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>