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Jan 04 2017

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Rezension: Miss Hokusai (Blu-ray)

miss-hokusai-coverDer historische Anime-Film Miss Hokusai erzählt vom Leben der Tochter des bekannten japanischen Malers Hokusai.

Miss Hokusai erzählt auf sanfte und ruhige Weise die Geschichte von O-Ei, der Tochter des Malers Katsushika Hokusai, im Edo des 19. Jahrhunderts. Der unter der Regie von Keiichi Hara bei Production I.G. entstandene Film ist episodisch gestaltet und behandelt mehrere Abschnitte aus dem Leben der Hauptfigur sowie der Menschen aus ihrem Umfeld. Allerdings wird dabei kein kompletter Überblick über das Leben von O-Ei geboten. So wird ihre Kindheit nur in einem kurzen Rückblick angerissen, während ihre späteren Jahre lediglich durch Gedankengänge und einem Text am Ende des Films Erwähnung finden. Die gezeigten Abschnitte aus O-Eis Leben sind jedoch interessant erzählt, auch wenn manchmal ein klarer roter Faden fehlt, wodurch es der einfache Alltag ist, der den Film zusammenhält. Dadurch erscheint Miss Hokusai oft wie ein Slice-of-Life-Film, der Einblicke in das Leben einer historischen Figur bietet.

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Historische Einblicke

Große Dramatik, Spannung oder gar Action sollte man nicht erwarten, da O-Ei und ihr Vater ein eher einfaches Leben geführt haben. Gemeinsam mit dem jungen Maler-Schüler Zenjirou bewohnen die beiden eine einfache kleine Hütte, in der sie sich ihrem Schaffen als Maler widmen. Genauso wie ihr nach seinem Tod zu Weltruhm gelangter Vater, ist O-Ei von ganzem Herzen der Malerei verfallen und übernimmt nicht selten die Arbeiten von Katsushika, ohne dass sie dabei erwähnt werden würde. Sie malt phantastische und mythische Figuren wie Drachen oder Dämonen genauso wie erotische Bilder. Die Kunst von Hokusai ist an vielen Stellen in den Film eingebunden. Neben dem Schaffen an sich, bei dem man ihn und seine Tochter beobachten darf, finden bekannte Werke wie etwa „Die große Welle von Kanagawa“ auch direkten Platz in Szenen des Films.

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Kunstexperte muss man für Miss Hokusai allerdings nicht sein, da der Film zwar das künstlerische Schaffen von O-Ei und ihrem Vater häufig thematisiert, aber niemals Kenntnisse über die historischen Figuren oder die Werke voraussetzt. Viel mehr zeigt sich der Film als ruhiges Drama, das in den episodischen Abschnitten von O-Eis Leben verschiedene Ereignisse behandelt. So werden auch die Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester O-Nao, die von Geburt an blind ist, sowie ihrer Mutter behandelt. Auch mögliche Liebschaften und der allgemeine Umgang, der noch unverheirateten jungen Frau, finden Erwähnung. Zusätzlich haben die Macher des Films, der auf Basis des Mangas Sarusuberi von Hinako Sugiura entstanden ist, einige phantastische Elemente eingebaut. Diese dienen in erster Linie dazu, die besondere Sicht der Künstler auf die Welt darzustellen und ihr etwas besonderes zu geben.

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Production I.G. hat das Edo des 19. Jahrhunderts gut eingefangen und schafft es, durch die Gestaltung der Umgebung, ein nahezu perfektes, feudales Japan-Flair zu erzeugen. Lediglich durch die selten etwas zu moderne Musikuntermalung wird die Atmosphäre in manchen Szenen leicht getrübt. Der Einsatz ist zwar zu Dramatikzwecken nachvollziehbar, hätte aber auch anders gelöst werden können. Dafür fügt sich das Charakterdesign hervorragend in das Setting ein, wodurch die historische Kulisse der Edo-Periode noch unterstrichen wird. Abgerundet wird der positive Eindruck von der guten deutschen Synchronisation, bei der Stimmen und Betonung zu den Figuren und Dialogen passen.

Fazit

Miss Hokusai ist anders, als ich es erwartet hatte. Der Film von Regisseur Keiichi Hara präsentiert sich wesentlich ruhiger und erzählt seine Geschichte auf episodische Weise, ohne dass dadurch der Eindruck einer Zerstückelung entsteht. Vielmehr wird ein guter Einblick in das Leben von O-Ei und ihrem Vater geboten, der das Interesse an den Werken der Künstler weckt. Zudem verstörmt Miss Hokusai eine ausgesprochen gelungene Atmosphäre, die dem wunderbaren Art- und Charakterdesign zu verdanken ist. Figuren und Kulisse erwecken die Edo-Periode förmlich zum Leben und lassen in das historische Setting abtauchen. Miss Hokusai ist ein besonderer Film, der verdient Preise gewonnen hat. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass die ruhige Art der Geschichte ohne große Spannung oder Action auskommt und Dramatik eher durch kleine Ereignisse im Leben der agierenden Figuren erzeugt wird. Wer sich daran nicht stört, sollte sich den Film definitiv ansehen.

Kurzfazit: Miss Hokusai erzählt auf ruhige Art die episodisch gestaltete Geschichte einer interessanten historischen Figur und fängt dabei perfekt das Flair des historischen Japan ein.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Miss Hokusai!

Details
Titel: Miss Hokusai
Genre: Drama
Regie: Keiichi Hara
Studio: Production I.G.
Produktionsjahr: 2015
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras: Poster
Herkunftsland: Japan
Altersfreigabe: ab 6
Erscheinungstermin: 28. Oktober 2016
Herstellerseite: Miss Hokusai bei Kazé Anime

Bilder Copyright Production I.G. / Kazé Anime

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